(Der) Irak

Wie kommt es eigentlich, dass (der) Irak seinen bestimmten Artikel verloren hat?
Mir ist das in der diesjährigen Berichterstattung erstmals aufgefallen. Früher hieß es „der Irak“ heute nur noch Irak.
Was ist mit (dem) Iran, macht man bald Urlaub in ( ) Türkei?

Überhaupt: Bei Staaten wie den USA, VAE, Vatikanstadt oder Inseln wie den Bahamas ist der Artikel zwingend notwendig, wie aber gelangen Nationen wie Irak, Türkei, Schweiz oder Slowakei an Artikel?

Hallo!

Viel mehr stolpere ich noch darüber, wenn es heisst „in Irak“ statt „im Irak“…

Beispiel: http://www.netzeitung.de/spezial/irak/255630.html

in verschiedenen Nachschlagewerken wirds relativ neutral gehalten… man kann also wohl beides verwenden…

Gruss
Florian

Anglizismus?
Liebe Sprachfreunde,

ist es möglich, dass es im Englischen Iraq statt The Iraq heißt? Das schwindende
Niveau der Journaille führt dann zu solchen unreflektierten Übernahmen, wie z.B.
auch die Adminstration Bush statt Regierung Bush.

Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das, bester Hope, ist ein wunderschönes Thema, über das ich mich bei und vor Schülern und auch sonst gern auslasse. :wink:

Der Artikel „der“ bei Ländern wie:

der Iran, der Irak, der Sudan, der Tschad, der Kongo, der Jemen und noch einigen,

kommt daher, dass diese Namen eine Bedeutung haben.

Der Sudan heißt so, weil das Land im Süden liegt und es heißt eben „der Süden“. Iran bedeutet - vielleicht - Land der Arier. Bei den anderen Namen weiß ich im Moment die Bedeutungen nicht, die müssten sich aber eruieren lassen. Es könnte auch sein, dass diese Namen im Arabischen, woher wir sie zumeist übernommen haben, mit Artikel gebraucht wurden, die wir dann vor Jahrhunderten mit den Namen übernahmen.

Der Artikel „die“ bei:

die Türkei, die Tschechei, die Slowakei, die Mongolei, die Tatarei

kommt von dem Suffix (der Nachsilbe) „-ei“, das wir auch bei der Bäckerei, der Metzgerei, der Schreinerei, der Schweinerei haben.
Das bedeutet immer: Da, wo die Türken, die Tschechen, die Slowaken, die Mongolen, die Tataten, der Bäcker, der Metzger, der Schreiner, die Schweine sind.

Ähnlich dürfte es bei: die Bretagne, die Normandie, die Picardie, vielleicht auch bei: die Riviera (das Ufergebiet) die Dobrutscha und die Lausitz sein.

Bei: das Elsass, (Ausland! von den rechtsrheinischen Alemannen aus gesehen), das Engadin, das Tessin (der Tessin ist der Fluss, höre ich) habe ich noch keine schlüssige Erklärung.

Bei der Schweiz bezieht sich der Artikel auf den offiziellen Namen (Conföderatio Helvetica, CH), also eigentlich: die Konföderation Schweiz. Die Pfalz ist aus lateinisch: die Palatia entstanden.

Die Niederlande hat ihren Plural artikel von der alten Pluralform „LANDE“, ebenso die Vereinigten STAATEN von Amerika und die Vereingten Arabischen EMIRATE.

Früher hatte die UdssR den Artikel „die“ wegen der UNION.

Inselstaaten sind meist Inselgruppen, sowohl die Bahamas, als auch die Azoren, die Balearen, die Seychellen bestehen aus mehreren Inseln. Madagaskar und Sri Lanka dagegen sind nur eine Insel und werden daher auch nicht im Plural genannt.

Plural haben auch: die Alpen, die Pyrenäen, die Karpaten, weil es eben viele Berge sind. Warum der Himalaya ein Singular ist? Weiß ich nicht, sicher was Indischen oder so.

Bei der Vatikanstadt bezieht der der Artikel eben auf Stadt, ähnlich wie bei: das Vogtland, die Steiermark.

Warum Dänemark keinen Artikel hat? (Raunend:smile: Das ist eines der Mysterien der deutschen Sprache! :wink:

Dass diese Artikel in - nein, besser: aus der deutschen Sprache verschwinden, führe ich auch auf diese Anglizismen zurück, durch die wir auch das " in 1982" übernommen haben. Ich entsinne mich noch des Schmerzes in den Ohren, als Petra Kelly, eine Deutschamerikanerin (sit venia verbo), diese Formulierung erstmals im Bundestag gebrauchte.

Beste Grüße Fritz

Ländernamen
Hallo Hope und Fritz und alle anderen,

Der Artikel „der“ bei Ländern wie:
der Iran, der Irak, der Sudan, der Tschad, der Kongo, der
Jemen und noch einigen,
kommt daher, dass diese Namen eine Bedeutung haben.

Hat nicht jeder Name letztlich eine Bedeutung?

Der Sudan heißt so, weil das Land im Süden liegt und es heißt
eben „der Süden“.

Also meine Quellen sagen, daß es vom Arabischen as-Sudan kommt und „Land der Schwarzen“ heißt.

Iran bedeutet - vielleicht - Land der Arier.
Bei den anderen Namen weiß ich im Moment die Bedeutungen
nicht, die müssten sich aber eruieren lassen.

Ich kenne sie auch nicht, aber folgende Hinweise:

Irak - soll wohl von den das Gebiet erobernden Muslimen „Ieaq Arabi“ genannt worden sein. Leider habe ich keinen Hinweis, was das heißt…

Kongo - dürfte schlicht vom gleichnamigen Fluß abgeleitet sein - was die Frage natürlich nur verschiebt.

Warum der Himalaya ein Singular ist?
Weiß ich nicht, sicher was Indischen oder so.

Fast. Himalaya kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Wohnort des Schnees“.

Gruß Kubi

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Hallo Fritz,
vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ähnliches hatte ich mir schon gedacht („bildhafte“ Bedeutung des Namens, bzw. Suffixe), doch denk mal z.B. an Costa Rica oder Liberia. Dort ist die Beduetung der Namen noch sehr stark erkennbar und überhaupt vermute ich hinter so einigen Ländernamen (Nepal, Malaysia und was weiß ich…) noch alte „bildhafte“ Bedeutungen des Namens, die dann - Deiner Theorie nach - alle einen Artikel fordern müssten.
Oder sind diese Artikel ursprünglich da gewesen und mit der Zeit verblasst? Sind (der) Irak und (der) Tschad davon die Überbleibsel?

Zu Deiner Erklärung des bestimmten Artikels der Schweiz:
Auch hier mag das für den Einzelfall stimmen (das „die“ bezieht sich wohl auf die Konföderation), jedoch heißt es doch auch artikellos „China“ und gleichzeitig „die Volksrepublik China“. Fast jedes Land hat einen 1,50m langen ausführlichen Namen, in welchem Bezeichnungen vorkommen, welche Artikel fordern.

immer noch ein bisserl grübelnd
Hope

(Der) Irak
Hallo, Hope, hallo Leute, du schreibst:
„Oder sind diese Artikel ursprünglich da gewesen und mit der Zeit verblasst? Sind (der) Irak und (der) Tschad davon die Überbleibsel?“

In vielen anderen Sprachen führt man gar keine eigentlichen Artiekel, sondern nur „hinweisende Fürwörter“.
Zum Beispiel im Polnischen heißt „ten rano“ , dieser Morgen´ (wobei "heute morgen" sicher noch eine eigene Form hat, ähnlich ital.: stamattina´ als Kurzform von questa mattina´). Und ta pani´ oder ta kobieta´ = "diese Frau". "Frau" heißt einfach: "pani"; und "Freiheit" einfach " swoboda´ oder `wolnosc´(„wolnoschtsch“).
Also haben zum Beispiel Frauen im Polnischen/Slawischen(?) im normalen Umgang gar keinen Artikel.

Liebe Krüsse, Moinmoin, Manni

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Hallo Hope und Kubi und alle anderen,

ich erhoffe mir noch mehr solcher Antworten, durch die meine - zugegebener Maßen - unvollständigen und unvollkommenen Wissensfragmente vervollständigt und verbessert werden können.

Ich wünschte mir aber, dass es Belege zu den Behauptungen und Vermutungen gäbe, woran meine Ausfstellung besonders mangelt.

Vielen Dank also schon im Voraus.

Gruß Fritz

Der Artikel „der“ bei Ländern wie:
der Iran, der Irak, der Sudan, der Tschad, der Kongo, der
Jemen und noch einigen,
kommt daher, dass diese Namen eine Bedeutung haben.

Hat nicht jeder Name letztlich eine Bedeutung?

Der Sudan heißt so, weil das Land im Süden liegt und es heißt
eben „der Süden“.

Also meine Quellen sagen, daß es vom Arabischen as-Sudan kommt
und „Land der Schwarzen“ heißt.

Iran bedeutet - vielleicht - Land der Arier.
Bei den anderen Namen weiß ich im Moment die Bedeutungen
nicht, die müssten sich aber eruieren lassen.

Ich kenne sie auch nicht, aber folgende Hinweise:

Irak - soll wohl von den das Gebiet erobernden Muslimen „Ieaq
Arabi“ genannt worden sein. Leider habe ich keinen Hinweis,
was das heißt…

Kongo - dürfte schlicht vom gleichnamigen Fluß abgeleitet sein

  • was die Frage natürlich nur verschiebt.

Warum der Himalaya ein Singular ist?
Weiß ich nicht, sicher was Indischen oder so.

Fast. Himalaya kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie
„Wohnort des Schnees“.

Gruß Kubi

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kleine Berichtigung

In vielen anderen Sprachen führt man gar keine eigentlichen
Artiekel, sondern nur „hinweisende Fürwörter“.
Zum Beispiel im Polnischen heißt „ten rano“ `, dieser Morgen´

„to rano“. Neutrum.

(wobei „heute morgen“ sicher noch eine eigene Form hat,

Einfach nur „dzisiaj rano“, genauso wie im Deutschen.

ähnlich ital.: stamattina´ als Kurzform von questa
mattina´). Und ta pani´ oder ta kobieta´ = „diese Frau“.
„Frau“ heißt einfach: „pani“; und „Freiheit“ einfach "
swoboda´ oder wolnosc´(„wolnoschtsch“).
Also haben zum Beispiel Frauen im Polnischen/Slawischen(?) im
normalen Umgang gar keinen Artikel.

In den slavischen Sprachen gibt es im Allgemeinen überhaupt keine Artikel. Um beim Polnischen zu bleiben: „ten“, „ta“, „to“ sind, wie schon richtig gesagt, Demonstrativpronomen.

Gruß
Jarek

Liebe Krüsse, Moinmoin, Manni

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Hallo,

Der Artikel „der“ bei Ländern wie:

der Iran, der Irak, der Sudan, der Tschad, der Kongo,

Vielleicht wurde aber auch ausnahmsweise korrekt aus dem Arabischen übersetzt, denn dort heißt es „Al Iraq“ und „Al Iran“, wobei Tunesien immer ohne Artikel genannt wird (dschumhuryya tunisia = Republik Tunesien)

Viele Grüße
chadisha

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Hallo, Chadisha,

Vielleicht wurde aber auch ausnahmsweise korrekt aus dem
Arabischen übersetzt, denn dort heißt es „Al Iraq“ und „Al
Iran“,

das ist gut zu wissen. Danke für die Information.

Jetzt fehlt noch die Übersetzung der Wörter: Iraq und Iran.

Kannst du das auch noch mitteilen?

Gruß Fritz

Hallo, Fritz,
ich weiß nicht, ob Du es gelesen hast, aber um den Irak ging es auch gerade erst im Geographiebrett. Max hatte da einen Auszug aus seinem Bertelsmannlexikon eingestellt: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Vielleicht hilft’s Dir ja weiter.
Grüße
Eckard.

Vielleicht hilft’s Dir ja weiter.

Hallo, Eckard!

Und ob das hilft!
Und schau dir den Max an! Ich befinde mich in hellichter Begeisterung!

Danke für den Hinweis.

Fritz

Hallo!

In den slavischen Sprachen gibt es im Allgemeinen überhaupt
keine Artikel. Um beim Polnischen zu bleiben: „ten“, „ta“,
„to“ sind, wie schon richtig gesagt, Demonstrativpronomen.

Sind die Artikel in den germanischen und romanischen Sprachen nicht ursprünglich Demonstrativpronomen gewesen?

MfG,
Car

Richtig, Car!

Sind die Artikel in den germanischen und romanischen Sprachen
nicht ursprünglich Demonstrativpronomen gewesen?

Und nach dem Verlust der die Kasuuuus anzeigenden Endungen hat man im Deutschen diese Pronomen zur Kenzeichnung der Deklinationsformen verwendet!

Fritz

Hallo Fritz!

Richtig, Car!

Sind die Artikel in den germanischen und romanischen Sprachen
nicht ursprünglich Demonstrativpronomen gewesen?

Und nach dem Verlust der die Kasuuuus anzeigenden Endungen hat
man im Deutschen diese Pronomen zur Kenzeichnung der
Deklinationsformen verwendet!

Wann geschah das denn und weiß man, warum es geschah?

MfG,
Car

germanische Initialbetonung
Hallo Fritz!

Wann geschah das denn und weiß man, warum es geschah?

Das kannst du in den diversen Deutschen Sprachgeschichten ausführlicher nachlesen. Z. B.: Hans Eggers, Deutsche Sprachgeschichte I, ISBN 3-499-55185-3 Buch anschauen

Aber kurz:

In den althochdeutschen Texten, also bis ins neunte/zehnte Jahrhundert, kann man die germanischen Deklinationsendungen noch finden. Aber sie sind auf dem Rückzug.
Ab dem elften Jahrhundert, also im Mittelhochdeutschen, findet man sie nicht mehr.

Der Grund dafür ist die „germanische Initialbetonung“, das bedeutet, dass in den germanischen Sprachen stets die erste Silbe betont wird. Dadurch werden die unbetonten Silben lautlich abgeschwächt.

Beispiel: Im Althochdeutschen hieß das Wort „Glaube“:
gilaubon ;
gi- ist eine Vorsilbe, also liegt die Betonung auf „lau“. Das führt dazu, dass das „i“ in der Vorsilbe verschwindet und die schöne Nominativendung zur nicht signifikanten Endung „-en“ abgeschwächt wird. Und so auch in den anderen Kasus.
Damit ist an der Endung nicht mehr zu erkennen, ob es sich um Akkusativ, Dativ oder so handelt.

Und dann kamen eben die Artikel.

Ich hoffe, das ist schon mal ein Anfang einer Antwort.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz!

Der Grund dafür ist die „germanische Initialbedtonung“, das
bedeutet, dass in den germanischen Sprachen stets die erste
Silbe betont wird. Dadurch werden die unbetonten Silben
lautlich abgeschwächt.

Nur warum geschah das nicht schon eher? Gehört es zu den Sachen, bei denen man nicht weiß, warum sie ausgerechnet dann passiert sind?

Beispiel: Im Althochdeutschen hieß das Wort „Glaube“:
gilaubon ;
gi- ist eine Vorsilbe, also liegt die Betonung auf „lau“. Das
führt dazu, dass das „i“ in der Vorsilbe verschwindet und die
schöne Nominativendung zur nicht signifikanten Endung „-en“
abgeschwächt wird. Und so auch in den anderen Kasus.

Das lässt sich ja also fortsetzen, da das „e“ in „en“ heute sowieso kaum noch gesprochen wird. Die Niederländer sprechen m.W. bei „en“ das „n“ am Ende nicht aus. Wie lauteten denn damals die Kasusendungen?

Ich hoffe, das ist schon mal ein Anfang einer Antwort.

Ja, auf jeden Fall.

MfG,
Car

Nur warum geschah das nicht schon eher?

Nun, als die Germanen noch Indogermanisch sprachen, gab es diese Initialbetonung noch nicht, wie man an der griechischen und lateinischen Sprache sehen kann.

Erst nach der Trennung der griechischen und lateinischen Sprachgruppe von den germanischen kam dieser Akzent auf.

Gehört es zu den Sachen, bei denen man nicht weiß, warum sie ausgerechnet dann passiert sind?

Ohne Zweifel! Über das Warum kann man nur spekulieren. Vielleicht wegen der Kälte in Nordeuropa. Da musste man das zu Sagende schnell aushusten. :wink: Und es blieb keine Zeit für mehrsilbigen Wohlklang.

Oh, ich mag solche Spekulatiusse!

Gruß Fritz