Der ist ja asi!

Hallo,

ich habe ein Problem. Mein Sohn ist 6 und hat einen Freund, der ebenfalls 6 ist und gegenüber wohnt. Bisher haben die beiden immer zusammen gespielt. In letzter Zeit haben sie öfters mit noch einem anderen, etwas älteren Jungen (ca. 8 Jahre) gespielt, nennen wir ihn mal Norbert. Die ganze Familie von Norbert wird in unserer Straße als „asi“ bezeichnet. Die Eltern trinken wohl beide, soviel ich weiß, der ältere Bruder war schon mal in einem Erziehungsheim, und Norbert ist wohl geistig ein bisschen hinter seinem Alter zurück. Ich gebe zu, ich finde die Familie auch „asi“. Aber ich möchte nicht, dass meinem Sohn schon Vorurteile eingeimpft werden, die er noch nicht mal versteht. Deshalb verbiete ich auch nicht, dass er mit Norbert spielt, wenn ich es auch nicht so toll finde. Aber die Eltern seines Freundes sagen dauernd, dass Norbert und seine Familie asi sind und wollen nicht, dass ihr Sohn mit ihm spielt. Ob sie es konkret verboten haben, weiß ich nicht, aber sie reden ihm das jedenfalls ständig ein. Die Folge: Markus will nicht mehr mit Norbert spielen und sagt auch, der sei ja „asi“. Dabei weiß er noch nicht mal, was das überhaupt bedeutet. Manchmal spielt er doch mit ihm, manchmal (wahrscheinlich wenn er gerade „frisch geimpft“ ist von seinen Eltern), wieder nicht. Wenn Markus dann nicht mit mit Norbert spielen will, bleibt mein Sohn aber bei Norbert; die Folge ist, dass er jetzt mehr mit Norbert spielt als mit Markus. Ich sehe das Ganze mit gemischten Gefühlen. Vor allem ärgert es mich, dass meine Nachbarn ihren Sohn so mit ihrem „Asi-Gerede“ beeinflussen. Und es ärgert mich, dass dadurch jetzt ein Keil zwischen Markus und meinen Sohn getrieben wird, weil er sich quasi zwischen Markus und Norbert entscheiden muss. Warum können die 3 nicht zusammen spielen? Vielleicht haben sie beide zusammen mehr guten Einfluus auf Norbert als er schlechten auf die beiden? (Ehrlich gesagt, befürchte ich aber, dass es doch umgekehrt sein könnte). Ich bin echt hin und her gerissen. Oder soll ich meinem Sohn auch verbieten, mit Norbert zu spielen? Einerseits wäre es mir lieber, wenn er nicht mit ihm spielen würde, andererseits möchte ich es ihm nicht aus dem Grund verbieten, weil ich Vorurteile habe. Was mich auch belastet: ich habe meinen Sohn gefragt, was er denn so mit Norbert spielt. Er sagte, z.B. „Counterstrike“. Ich habe ihn gefragt, wie das geht. Er sagte, sie tun so, als ob sie Leute töten. Das hat mich auch ziemlich geschockt. Ich weiß nur, dass Counterstrike ein Computerspiel ist, dass beinahe verboten worden wäre. Dass Norbert dieses Spiel offenbar kennt, finde ich auch nicht gerade gut. Deshalb habe ich meinem Sohn auch verboten, mit in Norberts Haus zu gehen. Sie dürfen nur draußen zusammen spielen. Wer kann mir einen Rat geben? Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Mit meinen Nachbarn (Markus’ Eltern) ist übrigens nicht zu reden, ich verstehe mich zwar gut mit ihnen, aber wenn sie einmal eine Meinung haben, dann kann man mit ihnen nicht darüber diskutieren. Das ist sinnlos.

Gruß
Nelly

Nein, ein Kind !
Moin Nelly,

mach weiter so ! Wenn Du die Ignoranz deiner Nachbarn auch nicht ändern kannst, so kannst Du doch deinem Sohn ein Vorbild sein.
Toleranz ist eine der wichtigsten Eigenschaften im Umgang miteinander ! Kinder orientieren sich an ihren Vorbildern, zu denen halt auch die Eltern gehören !
Was Norbert angeht: Kinder sind in der Lage Defizite aufzuarbeiten wenn das Umfeld stimmt. Vielleicht kann deine „normale“ Familie ihm ein Stück helfen.

Bleib deiner Linie treu, die Kinder werden einen Weg für sich finden.

Gruß, Lutz

Hallo Nelly,

in unserer Nachbarschaft gabs auch so eine Familie. Der Vater futsch, die Mutter hatte ständig wechselnde Partner, und das Kind (damals 5!) durfte tagsüber nicht in die Wohnung, nicht mal, wenn es auf die Toilette musste!
Eine Familie mit zwei Kindern hat sich dann dieses armen Würmchens angenommen. Die Kleine verbrachte viel Zeit dort und bekam dort auch zu essen und zu trinken.

Vielleicht kannst Du diesem armen Kind etwas Nestwärme geben, die es zu Hause nicht bekommt? Dann kannst Du Einfluss nehmen auf ihn und weißt, was die Kinder gemeinsam spielen.

In Österreich kenne ich etliche Fälle, wo die Nachbarschaft sich um ein vernachlässigtes Kind angenommen hat (in krassen Fällen wird ohnedies die Fürsorge eingeschaltet).

Ich wünsche Dir alles Gute!
Und wenn Du jetzt nicht weißt, wie Du entscheiden sollst:
Frag Dein Herz!

Hanna

Hallo Nelly,

der Kleine kann einem doch leid tun, oder? Kinder müssen nun mal mit der Familie vorlieb nehmen, in die sie hinein geboren wurden. Vielleicht kannst Du ihm ja etwas Nestwärme geben. Ich kenne ähnliche Fälle aus meiner ehemaligen Nachbarschaft, wo etwa die Eltern aus dem Fenster riefen: „Geht Euch Fürze kaufen!“ (Kind hatte hochgerufen: „Mami, ich hab Hunger!“).Solche Kleinen ein wenig zu bemuttern, war mir immer ein echtes Anliegen, es muss ja nicht ausarten, aber ein klein wenig Zuwendung brauchen die Zwerge schon!

Grüsse
Anna

Hallo Nelly,

wie ist er denn so, der Norbert ? Magst Du ihn ? Kannst Du verstehen, was Dein Sohn an ihm findet ? Was spielen sie denn, wenn sie bei Euch sind ?

Gruß
Heike

Hallo Nelly,

wie ist er denn so, der Norbert ? Magst Du ihn ?

Ich kenne ihn kaum, sehe ihn halt nur draußen herumlaufen. Er redet oft vor sich hin, auch wenn er allein ist. Ich glaube, er hat sonst keine Freunde. Dass ich ihm mag, kann ich eigentlich nicht behaupten. Aber wie gesagt, ich kenne ihn fast gar nicht, eben nur vom Sehen.

Kannst Du verstehen, was Dein Sohn an ihm findet ?

Wahrscheinlich fühlt er sich geschmeichelt, dass ein älterer Junge, der schon in die Schule geht, mit ihm spielen will.

Was spielen sie denn, wenn sie bei Euch sind ?

Er war noch nie bei uns. Sie spielen erst seit kurzem öfters zusammen, und dann immer draußen.

Gruß
Nelly

Hallo Nelly,

Ich befinde mich in der glücklichen Lage, einen Sohn zu haben, der schon 16 ist. Ich habe also schon den einen oder anderen „unerwünschten“ Freund kommen und gehen sehen. Und nehm das bei meinen Kleinen ( 6 und 4 ) etwas gelassener.

Ich habe bisher noch nie zu meinen Kindern gesagt : mit diesem oder jenem darfst Du nicht spielen. In ein , zwei Fällen hab ich mich aber geweigert, eine aufkeimende Freundschaft zu unterstützen. Nämlich dann, wenn ich denjenigenwelchen wirklich nicht leiden konnte.
Ich weiß nicht, ob wir es jemals mit „Asis“ zu tun hatten. Nur mit Kindern, bei denen die Familienverhältnisse extrem waren. Kinder, die verhaltensauffällig waren. Kinder, die vernachlässigt waren.
Für mich war immer ausschlaggebend, wie das jeweilige Kind ist. Dafür muß man es aber ein bisschen kennen.
Dein Bericht ist sehr distanziert. Ich seh förmlich, wie Du besorgten Blickes aus dem Küchenfenster spähst. Wenn dir diese Beziehung Sorgen macht, hol sie näher ran. Nimm selber Kontakt mit dem Jungen auf, laß sie bei Euch spielen.
Spielen die beiden wirklich ? Wie gehen sie miteinander um ? Selbst wenn Du diesen Kontakt unterbinden wolltest, hast Du ja gar keine Argumente, oder ? Die Familie von Norbert, seine Lebensumstände, sind ja , zum Glück, kein Argument für dich. Selbst seine „Merkwürdigkeit“ reicht noch nicht. Was wäre denn ein Grund ?
Vielleicht magst Du ihn ja. Vielleicht hat er ja was ganz Eigenes, was Dir gefällt. Vielleicht ist er aber auch nicht in der Lage, sich an Regeln zu halten. Ist er so ein Heimlicher, Verschlagener ? Dann hättest Du Deine Argumente. So oder so.
Wenn es nur um den „großen Jungen“ geht, wird Dein Sohn bald Abstand davon nehmen. Aber verlass Dich nicht drauf. Norbert kann durchaus Qualitäten haben, die Du nicht sehen kannst.
Was ist denn genau der „schlechte Einfluß“, den Du fürchtest ?

Ich find das übrigens gut, daß Du Dich dem Verhalten Deiner Nachbarn nicht einfach so anschließt.

Liebe Grüße

Heike

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