Der kaukasische Kreidekreis

Hallo!

Nur mal zur begrifflichen Klarstellung, weil hier einige immer wieder von Oberstufenunterricht sprechen und davon, dass der ja wohl anspruchsvoller sein darf.

Es handelt sich hier nicht um Schüler der Gymnasialen Oberstufe,
sondern um eine zweijährige Berufsfachschule.

Dabei wird umgangsprachlich die erste Klasse oft Unterstufe und die zweite Klasse als Oberstufe bezeichnet.

Es handelt sich also um Realschulabsoventen, die oft keine Lehrstellte bekommen haben und nun (vereinfacht, schlagt mich nicht) berufsbezogene Grundlagen vermittelt bekommen, um damit größere Chanchen auf dem Lehrstellenmarkt zu haben.

Gruß
Werner

Kopfschütteln
Hallo Numbat,
deine ganze Anfrage wirkt sehr merkwürdig:

  1. Warum willst du eigentlich ausgerechnet den kaukasischen Kreidekreis lesen? Die Problemstellungen, die Brecht hier diskutiert, haben sich heutzutage so verschoben bzw. berühren uns heutzurage so wenig (Kommunismus in der UdSSR), dass das Stück zwar für Literaturwissenschaftler interessant, aber für Schüler mit wenig Kenntnissen total unpassend ist.
  2. Die Sprache allerdings ist in keiner Weise veraltet, Brecht schreibt, wie immer, sehr klar, nüchtern und gut verständlich. Was willst du mehr?
  3. Warum in Gottes Namen nun eine vereinfachte oder gar nichtdialogische Version? Entweder, man will sich mit Brecht und seinem Theater befassen (Stichwort V-Effekt) und dann liest man ihn, oder man lässt es!
  4. Vorschlag zur Güte: Wenn es unbedingt Brecht und dieses Stück sein soll, greif bestimmte einzelne Szenen heraus. Die Geschichte der armen Grusche ist ja sehr plastisch und unmittelbar verständlich auch schon für Jugendliche. Nur lass sie auf keinen Fall das Ganze lesen, sonst vermiest du ihnen Brecht ein für allemal. Auf der anderen Seite musst du dann inhaltlich Dinge in den Unterricht einbringen, die Brecht wichtig waren, damit die Schüler mehr lernen als „Alle waren gemein zu Grusche“. Brecht wollte nämlich mehr!
    Kopfschüttelnde Grüße!
    Christian

gerade ist aus dem Cornelsen-Verlag das Buch eingetroffen.
Ich möchte es mit einer zweijährigen Berufsfachschule
(Oberstufe, Realschulabsolventen) lesen. Leider ist es in
dialogischer Form geschrieben. Die Sprache ist veraltet. Das
wollen die SchülerInnen in der Regel nicht.
Wer kennt es auch anders, d.h. nicht in Dialogen geschrieben?

Gruß
numbat

stimmt leider!
Hallo,
bin selber Lehrer, muss aber leider Wolfgang und Eckard voll zustimmen!
Gruß!
Christian

Hallo Herr Willmann,

heute habe ich mal wieder hereingeschaut. Da ich mich schon sehr gewundert habe über das, was hier gschrieben wird, wird mir nun einiges klarer. Ich wäre wohl nicht auf die Idee gekommen, dass man mein Posting so missverstehen könnte, da doch die Rede von einer Berufsfachschule ist. Auch wenn ich von Oberstufe spreche, spreche ich
doch nicht vom Gymnasium. Leider erkundigen sich die Leute nicht, wenn sie etwas nicht genau wissen und schreiben munter drauf los.
Leider auch in einer Art und Weise, die mir sehr fern liegt.
Meine Mutter brachte mir noch bei: Erst besinns, dann beginns. Da sind viele heute weit von entfernt. Schade.

Lieben Gruß
numbat3

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Hallo petzi,

genau das habe ich damit gemeint. Die Jugendlichen würden dieses Buch so nicht akzeptieren und im Unterricht „randale“ machen. Weil ich damit schon meine Erfahrungen gesammelt habe, jedoch nicht auf die „typische Jugendliteratur“ im Unterricht zurückgreifen möchte, suchte ich nun hier nach einer Variante. Die Schulbuchverlage haben mir im Vorfeld schon eine negative Resonanz gegeben. Leider gibt es keine Variation (ich meinte mich zu entsinnen, dass ich zu diesem Buch einmal eine gelesen habe, muss mich wohl geirrt haben) und ich werde wohl wieder auf „Die Welle“ zurückgreifen müssen.
Ich möchte, dass die jungen Menschen zumindest einmal in der Schulzeit ein Buch gelesen haben, also vollständig durchgelesen haben und sich im Unterricht damit befassen. Mir wird immer klarer, dass es viele junge Menschen gibt, die so gut wie gar nicht lesen und ein Buch erst recht nicht.

Besten Gruß
numbat3

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Hallo,

den Ball möchte ich gerne zurückgeben.
Denke Du bitte einmal darüber nach, wie viel Kraft es kostet, 24 SchülerInnen, die sich hauptsächlich mit TV, Spielekonsolen,etc. beschäftigen, im Unterricht zu irgendetwas zu motivieren. Nicht umsonst lesen alle LehrerInnen an unserer Schule nur noch Judendliteratur. Die Gefahr ist auch, dass Schüler zum Rektor gehen und sich nicht über Deinen Unterricht beschweren, weil er noch anspruchsvoll ist, sonder Du bist dann ein schlechter Lehrer, weil…
Und dann kommen da Lügen auf den Tisch, das musst Du mal miterlebt haben! Und das kennen auch andere Lehrer. Man kann nicht gegen den Willen der Schüler unterrichten. Das habe ich zwei Jahre versucht und glaube mir, meine Erfahrungen gemacht. Das ist nicht nur frustrierend, sonder hochfrustrierend, bis hin zur Depression! Wenn die Schüler etwas nicht wollen, hat man auch ganz schnell die Eltern und nicht wenige Lehrer gegen sich. Und da die meisten Lehrer das noch ca. 30 Jahre machen müssen, muss man seine Kräfte einteilen! In unseren Kollegium hatte nun der zweite junge Kollege einen schweren Hörsturz, eine Kollegin fehlt mal wieder für 3 Monate, etc. In Berlin gibt es Kollegien, da fehlen immer 40 % der Lehrkräfte. Warum wohl?
Der alltägliche Kampf beginnt schon damit, dass die Schüler ihre Unterlagen nicht dabei haben und die Tische voller anderer Dinge liegen, aber Papier und Stifte sucht man lange.
So schlimm ist es nicht bei mir/an unserer Schule. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass sie dieses Buch niemals verstehen werden und warum soll ich es ihnen antun? Dann lese ich das, was sie verstehen und sie lernen noch etwas dabei. Man muss die Leute da abholen, wo sie stehen.

Gruß
numbat3

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Hi numbat,

nur zu meinem Verständnis: Du hast also eine „Horde“ Schüler, die allesamt schon den Realschulabschluss haben. Und in dieser zweijährigen Schule ist das Ziel welches? Reden wir hier von einem (Fach)abitur oder von einer berufsbegleitenden Schule?

Anyway, dieser Satz hier gibt mir zu denken:

Ich möchte, dass die jungen Menschen zumindest einmal in der
Schulzeit ein Buch gelesen haben, also vollständig
durchgelesen haben

Den Untergang des Abendlandes möchte ich gar nicht verschreien, aber wenn es wirklich so ist, dass die Leute überhaupt mal irgendein Buch lesen sollen, finde ich vielleicht Brecht nicht ganz so toll :wink: Notfalls geht mal ins Theater und guckt Euch was von ihm an.

Aber lesen täte ich dann was, das aus der Sicht dieser Jungs und Mädels „interessant“ und „spannend“ ist. Vielleicht auch was, was zu anderen Fächern passt? Oder zu aktuellen Themen?

Ich glaub, ich würde einfach 3-4 Bücher raussuchen, die einerseits „gut“ (eventuell zum Lehrplan passend und im Sinne von „kein Groschenroman“) sind, die zweiterseits nicht allzu lang sind („Der Name der Rose“ sollte es dann wohl eher nicht sein *fg*) und die dritterseits vermuten lassen, dass sie für Deine Klasse interessant sind. Diese Bücher bringst Du mit in den Unterricht, schreibst noch eine kurze Zusammenfassung und ein Stück Text (den Anfang?) und lässt Deine Klasse darüber entscheiden, was gelesen wird :wink: Vielleicht findest Du auch ein Buch, über das ver(spiel)filmt wurde? Dann könnt Ihr vorher/nachher/anstatt den Film gucken.

*wink*

Petzi