Hallo,
Deine Versuche zeugen schon von einem gewissen Diletantismus.
Das bezog sich auf die Art der Versuchsdurchführung und die
Darstellung der Meßergebnisse.
Wenn Du also wirklich was lernen willst, dann erfasse doch mal
einige Kennlinien von verschiedenen Dioden.
Dazu mußt Du einen Strom anlegen und dazu die Spannung
messen (natürlich in Durchlaß und in Sperrichtung).
Der Leckstrom (in Sperrrichtung) ist auch ganz interessant.
Falls es Dir möglich ist, kannst Du auch temperaturversuche
machen. Dazu bei konstantem Strom die Flußspannung und die
Sperrspannung bei verschiedene Temp. messen (z.B. mit
Fön, Heizluftpistole oder noch besser im Ofen).
Auch der Sperrstrom als Funktion der temp. ist interessant.
Als Prüfobjekte empfehle ich Dir folgende Dioden:
- normale Dioden aus Silizium und wenn Du die beschaffen kannst
auch aus Germanium
- Schottkydioden, Transzorbdioden
- Zenerdioden mit verschiedenen Z-Spannungen
- LED aller Farben, auch IR-ED
- Basis-Emitterübergang von Bipolartransistoren (Kleinsignaltr.)
- Fotodioden (hell und abgedunkelt)
- wenn Du da rankommst, Avalachedioden
- Triacs (Obwohl keine Dioden, doch ähnliche BE)
- Selengleichrichter
Wenn Du dann schon einmal dabei bist, kannst Du ja auch
gleich noch Widerstände, Kaltleiter (Polyswitch),
Heißleiter und was Dir noch so über’n Weg läuft mit ausmessen.
Eine Auswertung in Ecxel (mit Grafik natürlich) kann dann
wirklich recht interessant sein. Die Ergebnisse kannst Du mir
gerne zur Beurteilung und Diskussion zumailen.
Zumindest die Schlußfolgerungen sind ziehmlicher Unsinn,
Halbleiterphysik ist weitaus komplizierter als Deine trivialen
Vorstellungen davon.
Okay, Das sehe ich ein. Ich möchte gerne von meinen trivialen
Vorstellungen wegkommen. Ich finde es schonmal gut, daß Du mir
sagst, daß es nicht so ist, wie ich gedacht habe. Hoffentlich
weist Du mir jetzt auch den Weg, wie es besser ist.
Der Widerstand des Halbleiters sinkt, der Widerstand des
Anschlußdrahtes steigt wohl.
Ja, prinzipiell wird das wohl richtig sein. Möglich, daß als
Folge des überhöhten Stromes auch ein gewissen Sättigungs-
effekt im Halbleiter auftritt (es fehlen Ladungsträger).
Einen Spannungsabfall von bis zu 10V nur durch Bonddrähte
kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Vermutlich steigt der
Innenwiderstand im Halbleiter bei hohen Strömen auch an.
Die Sache wäre nur dynamisch zu messen. indem man die
Diode mit einem entsprechend hohen Strom sehr kurz beaufschlagt
und dann mit Oszi den Spannungsverlauf mißt.
Die Sache ist schon ganz interessant und wie Du an den
antworten merkst, glauben viele Leute nicht mal, daß an der LED
eine so hohe Spannung anliegen kann.
Die hohe Chiptemp. führt auch dazu, daß die LED nicht mehr in
dem Bereich emmitiert, für den sie eigentlich gebaut ist.
Die Farbe verschiebt sich in Richtung rot, aber der Wirkungs-
gad nimmt stark ab.
Der Wirkungsgrad nimmt ab, okay. Aber warum verschiebt sich
das Spektrum gerade in den roten Bereich? Der blaue Bereich
wäre doch viel logischer: Mehr Energie => kürzere
Wellenlänge.
Geht eben nicht so einfach. Die Lichtemmision wird durch
Ladungträgerübergänge von diskreten höheren Bändern auf
niedrigere Bänder bewirkt. Die Bandlücken sind eine
materialeigenschaft. Durch die Bandlücke wird die
Schwellspannung bestimmt. hier gilt, je größer die Bandlücke,
desto höher die Energie -> Frequenz.
Bei Übertrom fällt dann eben auch wesentlich mehr Spannung
außerhalb den PN-Überganges ab, welche überhaupt keinen
Anteil an der Emmison hat.
Die hohen Temp. bewirken im Halbleiter sicher verschiedene
Effekte (keine Ahnung welche). Aber auf alle Fälle ist die
Beobachtung der rotverschiebung Fakt. Es müssen also
Übergänge mit niegrigerer Energiediff. stattfinden. Warum das
passiert weiß ich auch nicht. Auf alle Fälle wird die Bandlücke
nicht wegen dem hohen Strom größer.
So weit ich weiß brauchen blaue Dioden auch mehr Strom.
Nein, zunächst ist die Schwellspannung wesentlich höher
(3…4V), was wegen der größeren Bandlücke normal ist.
Der Strom wird eher durch die gewünschte Helligkeit bestimmt.
Wenn der Wirkungsgrad schlecht ist, kann man nur den Strom
erhöhen, was z.B. auch durch eine größere Chipfläche mögl.
ist. Dann kann auch das Material einen gewissen Einfluß haben.
Da ist es aber her so, daß LED im IR und Rot viel mehr
aushalten (hohere Temp. -> höhere ströme) und natürlich
einen besseren Wirkungsgrad haben.
Wahrscheinlich deswegen, nehme ich an? (Gegenprobe: brauchen
Infarotdioden denn etwa weniger Strom?)
Wie gesagt, Strom hängt von vielem ab (Mat. -> Robustheit gegen
Temp., Chipfläche).
Es gibt z.B. GaAs-IR Dioden mit max. Impulsleistung von
mehreren Watt bei Strömen von bis zu 50A.
Für LED ist der Strom die primäre Größe, die bei der
Ansteuerung von Bedeutung ist!!!
Für die Diode ist es doch gleich, ob durch sie ein Strom
fließt, wodurch an ihr eine gewisse Spannung abfällt, oder ob
eine gewisse Spannung anliegt, wodurch ein gewisser Strom
fließt!
Rein theoretisch ist das egal, praktisch ist es aber nicht
vorherzusagen, welcher Strom fließen wird, wenn man eine
Spannung oberhalb der Schwellspannung anlegt. Kann sein es sind
20mA, kann sein es sind gleich 500mA und die Diode raucht gleich.
Das hängt vom Typ, Exemplarstreuung, Temp. ab.
Deshalb immer mit strombegrenzung arbeiten!
Bei höheren Strom nimmt die Helligkeit noch zu, bis wegen der
hohen Temp. der Wirkungsgrad so schlecht wird, daß die
Hellgkeit wieder abnimmt.
Warum?
Genaue Erklärung bin ich mir nicht sicher, lange ist es her.
Vielleicht findet sich ja noch jemand, der sich mit Halb-
leiterphysik besser auskennt. Wenn ich mich recht erinnere hat
das was mit der hohen Bewegungsenergie durch die hohe Temp.
zu tun.
Diesem Effekte kann durch Kühlung aber entgegengewirkt werden.
Wird das in der Praxis also so gemacht ? (-> z.B.Glasfaser
Langstreckenübertragung?)
Glasfaserübertagung wird mit Laser gemacht. Das ist ein
extra Feld (kenne ich mich auch bischen mit aus) und
ja, Laserdioden werden auch gekühlt.
Andere Halbleiter werden ja auch oft gekühlt (passiv mit
Kühlkörpern und auch aktiv (z.B. mit Peltierelementen)
oder auch mit flüss. Stickstoff (z.B. CCD-Kameras für spezielle
Meßtechn. Anwendungen).
Kein Problem. Her damit.
Dann kannst Du Dir ja auch Bücher aus der UNI-Bibl. zum Thema
holen. Da mein Studium 15 Jahre her ist, weiß ich auch nicht,
was das aktuell bei euch im Westen ist.
Gruß Uwi