Hallo,
Naja, unter Magnetfeldwechsel würde ich eien Änderung der
Polung des magnetfeldes verstehen, also praktisch den magneten
umdrehen.Da ist doch schon ein Unterschied zum Wechsel von +
zu - beim Stromkreislauf.
du hast recht, für die Beschleunigung ist immer die elektrische Komponente verantwortlich.
Praktisch tritt das elektrische Wechselfeld in der Beschleunigungsstrecke als Mikrowellenstrahlung auf, die natürlich auch eine entsprechende magnetische Komponente hat. Das hat vielleicht für die Verwirrung gesorgt.
Es geht doch darum Protonen, bzw dessen Quarks und Gluonen ,
aufeinander treffen zu lassen.Zur Folge hätte das Ganze einen
enormen Energieausstoß, ähnlich wie in den Bruchteilen von
Sekunden nach dem Urknall.
Dieses Bild vom „enormen Energieausstoß“ erscheint mir irreführend. Der entscheidende Punkt ist, dass man die Protonen mit so hoher Energie aufeinanderschießt, dass sie sich extrem nahe kommen. Dadurch kommt es zu Wechselwirkungen, zu denen es etwa auch im frühen Universum gekommen ist.
Während im frühen Universum einfach die gesamte Materie eine sehr hohe Temperatur hatte, so dass einzelne Teilchen zufällig auch mit so hohen Energien kollidierten, werden im LHC die Protonen gezielt aufeinandergeschossen. Damit braucht man wesentlich weniger Energie und erreicht trotzdem, dass in einer einzelnen Kollision die Energie auftritt.
Und die hauptsächlich zu lösende Frage ist doch, wie dieses
Gemisch aus Quarks/Gluonen zu massehaltigen Teilchen wurde?
Das Problem ist, dass die Unterscheidung zwischen Masse und Energie in der Teilchenphysik nicht immer Sinn ergibt.
Das Standardmodell der Elementarteilchenphysik beschreibt die Welt durch Materieteilchen (Quarks und Leptonen (z. B. Elektronen)) und Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Bosonen). Die Wechselwirkung zweier Materieteilchen besteht darin, dass sie sich ein Austauschteilchen zuwerfen.
Symbolisch und stark vereinfachend kann man jeden Prozess durch ein sogenanntes Feynman-Diagramm (vgl. z. B. ) darstellen: jedes Teilchen stellt eine Linie dar, welche an Punkten verknpüft werden. Dabei bestimmen die Wechselwirkungen, welche Linien mit welchen Linien kombiniert werden können. Der relativistische Impuls der Teilchen, die am Anfang da sind, fließt dabei unter ständiger Einhaltung von Energie- und Impulserhaltung durch das Diagramm, so dass die Gesamtenergie aller Teilchen am Ende und der Gesamtimpuls aller Teilchen am Ende den jeweiligen Werten vom Anfang entspricht.
Die Elektromagnetische Wechselwirkung etwa verknüpft eine Elektron-Linie mit einer Photon-Line zu einer Elektron-Linie oder eine Elektron-Linie mit einer Positron-Linie zu einer Photon-Linie (wenn man diese beiden Bildchen dreht, sieht man: ein Positron ist hier nichts anderes als ein rückwärts in der Zeit laufendes Elektron).
Also praktisch „die Entstehung der Masse“ aus dieser
Energiefreisetzung, ganz nach der relativitätstheorie E=mc^2 ?
Der einfachste Fall ist die Kollision von Teilchen und Antiteilchen.
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Elektron und Positron etwa können durch Austausch eines Photons aneinander streuen, dann fliegen sie in entgegengesetzter Richtung vom Wechselwirkungspunkt weg.
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Sie können sich aber auch elektromagnetisch vernichten, d. h. sie gehen in einem Photon auf, welches dann seinerseits in ein Paar aus Teilchen und Antiteilchen zerfällt. Dafür steht die volle Energie aus der Kollision zur Verfügung und die Bedingung ist nur, dass das Paar mit dieser Energie erzeugt werden kann, d. i. die Ruhemasse eines Teilchens kleiner ist als die Hälfte der Kollisionsenergie, und die Teilchen elektrisch geladen sind. Es könnte also z. B. ein Myon-Antimyon-Paar erzeugt werden oder ein Elektron-Positron-Paar oder ein Quark-Antiquark-Paar.
Die Erzeugung eines Quark-Antiquark-Paars hat zwangsläufig wieder weitere Reaktionen zur Folge, da die beiden farbgeladenen Quarks ja wieder auseinanderfliegen, wodurch die Farbladungen wieder abgesättigt werden müssen. Im Detektor sind man dann deshalb zwei gegeneinander gerichtete Jets aus vielen Teilchen.
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Statt elektromagnetisch zu wechselwirken, könnten sie aber auch schwach wechselwirken. Dazu könnten sie sich in ein Z-Boson vernichten. Dies ergäbe gegenüber der Vernichtung in ein Photon lediglich den Unterschied, dass das Z-Boson seinerseits nicht in elektrisch geladene Teilchen zerfallen muss, sondern auch in elektrisch ungeladene (aber schwach geladene) Teilchen-Antiteilchen-Paare zerfallen kann.
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Sie könnten auch ein W-Boson austauschen, wobei sie sich jeweils in ein Neutrino umwandeln würden.
Dabei habe ich jetzt komplexere Prozesse mit mehr Wechselwirkungen ignoriert.
Beim Proton-Proton-Collider ist es grundsätzlich ähnlich. Nur sind hier durch die zusätzliche starke Ladung gleich am Anfang weitere Wechselwirkungen möglich.
Sind Quarks und Gluonen masselos?
Formal sind alle Elementarteilchen masselos – die von uns beobachtete Masse ist lediglich ein Effekt des Higgsfeldes. Dieses füllt das ganze Universum und hat einen ähnlichen Effekt, wie man ihn auf einer Party erleben kann: wenn ein beliebter Gast den locker gefüllten Raum betritt drängen sich alle um ihn herum, weil sie sich mit ihm unterhalten wollen – das bremst ihn in seinem fortkommen; er hat das Gefühl, er sei viel schwerer, weil er die Wolke von Bewunderern mit sich schleppt.
Quarks und Elektronen erhalten so eine Masse. Gluonen und Photonen bleiben masselos. Die Masse des Protons besteht aber nicht nur aus den Massen der beteiligten Quarks, sondern insbesondere aus Energie, die in den Bindungen der Quarks und Gluonen untereinander steckt.
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PHvL