Der Neid, mein Kind

Der Neid, mein Kind, zaehlt unsre Kuesse
drum gib mir schnell 1000 Kuesse
1000 du mir, 1000 ich dir,
damit er sich verzaehlen muesse…

oder so aehnlich. Verbesserungen sind willkommen, ich schreibe
aus dem Gedaechtnis…

Ich glaube, Obenstehendes stammt von Goethe, und wenn ich mich
recht erinnere, hat er sich durch Ovid zu diesem Gedichtchen
inspririeren lassen. Ich versuche vergeblich, die
Ovid-Originaltextstelle zu finden (wo denn? amores? ars
amatoria?)…kann mir da jemand helfen?

Danke schonmal,
Barbara

Liebe Frau Warmbein,

es ist
Catull Carmen III

An sein Mädchen

Lass uns leben, mein Mädchen, lass uns lieben
Und der mürrischen Alten Tadel
Eines kupfernen Asses würdig achten.
Sieh, die Sonne geht unter und kehrt wieder:
Wir nun, geht uns das kurze Licht des Lebens
Unter, schlafen dort eine lange Nacht durch.
Gib mir tausend und hunderttausend Küsse;
Noch ein Tausend und noch ein Hunderttausend.
Wieder tausend und wieder hunderttausend.
Sind viel Tausend geküsst, dann mischen wir sie
Durcheinander, dass keins die Zahl mehr wisse
Und kein Neider ein böses Stück uns spiele,
Wenn er weiß, dass der Küsse so gar viel sind.

Diese Eindeutschung stammt von Karl Wilhelm Ramler

Beste Grüße Fritz Ruppricht

Hallo Barbara,

die Antwort von Fritz kommt dem was Du suchst unglaublich nahe, denn die Textstelle wird nahezu vollständig wiedergegeben.

Jedoch lässt sich auch bei Ovid zumindest ein - wenn auch vom Umfang her sehr viel geringerer - Hinweis finden:

Schon eilt ihr Wolkenbett verlassend
Die rote Eos ihre Bahn,
Und zieht auf dem betauten Wagen
Den Morgen über den Ocean.

Warum so frühe Morgenröte?
Ich bitte Dich, gedenke mein;
Noch tausend Küsse muss ich küssen
In der Geliebten Kämmerlein.

Aus: Ovid, „Tagelied Teil 1“

Siehe auch:
http://www.phil.uni-erlangen.de/~p2latein/ovid/amore…
http://www.phil.uni-erlangen.de/~p2latein/ovid/start…
http://www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/ovid.amo…

Gruss
Eve*

catull also!
vielen dank, das war haargenau, was ich gesucht habe -
vivamus, mea lesbia, atque amemus!
viele gruesse,
barbara