Der neue Röhrich ist da!

Das wird alle Freunde von Redensarten und idiomatischen Wendungen freuen:
Der neue Röhrich ist da!
Lutz Röhrich, Das grosse (sic!) Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 3 Bde.; & CD
Ich habe heute mein Exemplar von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erhalten.
Hier - in Erinnerung an eine Kontroverse vor langer Zeit; und mit besten Grüßen von Fritz - eine Kostprobe:

Wie Gott in Frankreich

Leben wie Gott (wie der liebe Herrgott) in Frankreich: ohne Sorgen, herrlich und in Freuden leben; vgl. französisch ‚vivre comme Dieu en France‘ (heute ungebräuchlich).

Nach der ‚Revue des deux mondes‘ ist hier mit Gott die französische Geistlichkeit des Mittelalters gemeint, der es außerordentlich gut ging.

Das ‚Spruchwörterbuch‘ von Lipperheide (S. 496) gibt an, der Spruch stamme von Kaiser Maximilian I. (regierte 1493-1519), nennt aber keine Quelle dafür. In Zincgref-Weidners ‚Apophthegmata‘ (Leipzig 1693) ist dieser angebliche Ausspruch Maximilians wiedergegeben: »Als er (Maximilian I.) auf eine Zeit gar vertrauliche Gespräch hielte mit etlich seiner Leuten von einem und anderem Land und Königreich, fället er unter andern auch dieses Urteil: ‚Wenn es möglich wäre, daß er Gott sein könnte und zween Söhne hätte, so müßte mir der älteste Gott nach mir und der andere König in Frankreich sein‘.« Dieser Satz hat im Munde des Kaisers einige Wahrscheinlichkeit, denn manche ähnlichen Aussprüche sind von ihm überliefert; gerne verglich sich Maximilian mit dem König von Frankreich, den er wegen seiner ‚gottähnlichen‘ absoluten Herrschaft beneidete. Freilich trägt die Überlieferung anekdotenhafte Züge.

Die Redensart wird sonst gewöhnlich aus der Zeit erklärt, wo Gott in den ersten Jahren der Republik in Frankreich abgesetzt, wo der Kultus der Vernunft an die Stelle des Christentums gesetzt war. Damals habe der liebe Gott in Frankreich nichts mehr zu tun, nichts zu sorgen gehabt, und so sei zwischen 1792 und 1794 für einen, der es sich bequem macht, die Redensart aufgekommen, die darauf abzielt, die Dinge in Frankreich zu persiflieren. Der Vernunftkultus dauerte in Frankreich kaum länger als ein Jahr; dann ließ Robespierre wieder das Dasein eines höchsten Wesens dekretieren (Mai 1794). Damals schrieb Pfeffel die Verse:

Darfst, lieber Gott, nun wieder sein,
So will’s der Schach der Franken.
Laß flugs durch ein Paar Engelein
Dich schön dafür bedanken.

Weniger wahrscheinlich ist die Erklärung, daß man von einem, der herrlich und in Freuden lebt, auch sagt. ‚Er lebt wie ein Gott‘ oder ‚Er hat ein Leben wie ein junger Gott‘. Der Zusatz ‚in Frankreich‘ sei nur eine Steigerung dieses Ausdrucks und erkläre sich daher, daß es sich nirgends so gut leben lasse wie in dem schönen Frankreich. Vielleicht liegt aber auch eine Vermischung der beiden älteren Redensarten vor:
‚Leben wie ein Gott‘ und ‚Leben wie ein Herr in Frankreich‘. Aus dieser Redensart erklärt sich auch sehr wahrscheinlich die in Wien übliche scherzhafte Erwiderung auf die Klage, daß Gott so etwas zulassen könne: ‚Gott ist nicht zu Hause, er ist in Frankreich‘.

Auch literarische Belege der Redensart gibt es, z.B. in Heinrich Heines ‚Reisebildern‘ (II. Teil): »Man lebt in lauter Lust und Pläsir, so recht wie Gott in Frankreich«. Von einem, der es sich besonders gut gehen läßt und der keine Sorgen hat, heißt es in Frankreich selbst: ‚Il vit comme un coq en pâte‘ (wörtlich: Er lebt wie ein Hahn in der Pastete), d.h. wahrscheinlich wie einer, der nichts mehr zu tun hat.

[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Gott, Götter, S. 4. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 2279 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 2, S. 569) © Verlag Herder]

Wie unfair

Ich habe heute mein Exemplar von der Wissenschaftlichen
Buchgesellschaft Darmstadt erhalten.

Hi Fritz,

so was von ungerecht!!! Du hast Dein Exemlpar und ich muß noch warten.

Gandalf

infrohererwartung

Wie kommt´s?
Ich hab wahrscheinlich früher bestellt!
Kein Grund zum Neid;-!)

Wird schon kommen!
Die CD ist toll. Du kannst die Bilder runterladen und drucken, und es sind hübsche Bildchen dabei.

Gruß Fritz

Was kostet der Spaß? *neugierigsei* owt*

Das hängt von der Ausgabe ab, lieber Marco.
Im freien Handel und gebunden sind es fünfhundert Mark, als Taschenbuch sind es hundert Mark. Guck doch bei Amazon, da gibt es mehrere Möglichkeiten.
Die dreibändige Neuauflage mit CD kostet bei der Buchgesellschaft Darmstadt knapp zweihundert, man muss da aber Mitglied sein.
Einen schönen Morgengruß und es ist ein Spaß! Ein Lexikon zum Schmökern!
Fritz

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Buchgesellschaft Darmstadt
Hallo Fritz,

danke für die Auskunft. WAs sind denn da für Bedingungen an eine Mitgliedschaft geknüpft? Ist davon auszugehen, dass ein Buchgeschäft dort Mitglied ist?

Gruß
MArco

Ps: wie früh stehst du eigentlich sonntags auf? :smile:

Hallo Marco,

Was sind denn da für Bedingungen an eine Mitgliedschaft geknüpft?

Du musst dich nur anmelden. Geht auch per Netz:
Internet: www.wbg-darmstadt.de
Mail: [email protected]

Ist davon auszugehen, dass ein Buchgeschäft dort Mitglied ist?

Diese Frage verstehe ich nicht. Meines Wissens sind Individuen Mitglieder. Die WBG wurde nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, um Leuten, die im Krieg ihre Bibliothek verloren hatten, diese auf preisgünstige Weise zu ersetzen. Es gibt zum Teil günstigere Lizenzausgaben. zum Teil fördert die Gesellschaft auch Autoren, die sonst keinen Verlag fänden.
Ich bin seit dreißig Jahren dabei und stets zufrieden.
Ich hoffe, das wird jetzt nicht als unzulässige Werbung verstanden.

Gruß
Fritz

Ps: wie früh stehst du eigentlich sonntags auf? :smile:

Oooch, ich hab heut Morgen den Schlaf nur kurz unterbrochen. Nachdem ich beiden Bedürfnissen (WC und PC) nachgekommen war, habe ich mich nochmal abgelegt.

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Nachtrag

Du musst dich nur anmelden.

Hi Fritz,

ich muß zusätzlich eine Bestelluing pro Jahr tätigen (schaff ich locker :wink: und einige Märker Mitgliedbeitrag zahlen (der Betrag ist nicht so gigantisch, deshalb hab ich ihn mir nicht gemerkt))

Sollte da neben der schnelleren Belieferung noch eine Bevorzugung existieren ?! :wink:

Gandalf

seit fast 20 Jahren zufriedenes Mitglied der WBG

Hi Marco,

was die WBG ist, hat Fritz schon gut erklärt. Wenn Du Dich entschließen solltest, Mitglied zu werden, nichts überstürzen, weil die nämlich schöne „Fangprämien“ haben. Fritz (wahrscheinlich) oder auch ich (natürlich) wären gerne Werber :wink:

Ganadlf

Hi Gandalf,

du hast Recht. Den Mitgliedsbeitrag hab ich glatt vergessen, aber der ist nicht der Rede wert.
Und ich bestelle wenigstens ein Dutzend Bücher pro Jahr und auch noch CDs.
Und auch an die Werbeprämie hab ich nicht mehr gedacht.
Ich bin wohl schon zu lange dabei, dass mir das alles so selbstverständlich ist, dass ich es glatt vergaß.
Wenn ich genau rechne, sind es 27 Jahre. Hätte ich das Geld, das die von mir haben, wieder, könnte ich wohl einen Mittelklassewagen kaufen!
Gruß Fritz

Wie wahr!!!

Hätte ich das Geld,
das die von mir haben, wieder, könnte ich wohl einen
Mittelklassewagen kaufen!

Hi Fritz,

kenn ich irgendwoher. Als ich noch Junggeselle war und frisch im Beruf (nach einen finanziell recht schmalen Studium) hab ich in den ersten 5 Jahren ca. 40.000,- DM für Bücher investiert (diverse Großlexika, Fachbücher, die ich während des Studiums dringender gebraucht hätte, sie mir aber nicht leisten konnte, obwohl sie in der Bibo stets verliehen waren und so manches schöngeistige und alte Buch). Im Moment fordert die Familie auch finanziell ihr Recht; mein Buchhändler grüßt mich aber trotzdem noch (Kundenpflege eben).

Gandalf

Hallo ihr 2,

in 2 Jahren folgt eine Losung. Ich werde mir dann 2 Streichhölzer nehmen und dann weiß der Glückliche Bescheid :smile:

Derzeitig ist es noch ziemlich viel Geld für mich :-/

Gruß
MArco