Das denke ich auch. Nachhilfe ist teuer - kann sich Das Jeder
leisten?
Wem die Nachhilfe der Kinder wichtig ist, der wird wohl eine Möglichkeit finden. Aber Nachhilfe klingt so nach Zwang. Wenn der junge Mensch etwas leisten will, warum braucht er denn Nachhilfe? Vor der Klasse sind doch alle gleich. Wenn er was nicht versteht, kann er nachfragen. Er kann mit anderen Schülern lernen, dafür etwas anbieten. Verstehst du? Initiative ist die Antwort. Nicht auf die Politik schielen und fordern. Nicht auf die zeigen, die mehr Geld haben. Was kann ich selbst leisten? Das ist mein Thema.
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit - rein aus Interesse -
mit diesem Thema und bin zu dem Schluss gekommen, dass die
junge Generation, nicht mehr die gleichen Möglichkeiten hat,
wie wir beide (ich bin Jahrgang 60).
Schon bei dem Bewerbungsprozedure geht es ganz anders zu, als
zu Deiner und meiner Zeit - heute werden zig schriftliche
Nachweise über irgendwelche Fähigkeiten verlangt, bevor man
überhaupt zu einem Vorstellungstermin geladen wird - früher
wurde man gefragt, was man sich zutraut - und dann hatte man
den Job - oder auch nicht.
Das stimmt nicht. Ich bin Jahrgang 1964 - ein sehr geburtenstarker Jahrgang. Es gab einen enormen Wettbewerb um einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Ein Neffe bemüht sich gerade um einen Ausbildungsplatz für´s kommende Jahr. Seine Bewerbungsunterlagen sehen aus wie meine damals. Er hat auch schon Zusagen zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Ich kann das nicht sehen. Die Industrie kann auch schlecht das Ausbildungplatzangebot an die demoskopische Entwicklung anpassen. Daher gibt es in manchen Jahren einen härteren Wettbewerb. Umso wichtiger ist es dann, Initiative zu zeigen.
Heutzutage ist Das nicht mehr so einfach, wie zu den Zeiten,
als ein Jürgen Schrempp vom Automechaniker zum Manager von
DaimlerChrysler aufsteigen konnte.
Richtig, umso wichtiger ist Selbstverantwortung und Initiative. Das will ich ja mit meinem Posting sagen. Es gibt keine Arbeitsplatzgarantie. Man muss was dafür tun und die Chancen stehen nicht schlecht. Das galt auch für Schrempp und gilt noch heute. Sonst wären ja alle Automechaniker heute im Vorstand.
Gegenfrage, was denkst Du wieviel Menschen sich
gesellschaftlichen Normen widersetzen können?
Eine sehr allgemeine Frage. Bezogen auf mein Beispiel: Man muss keinen Mercedes fahren, man muss nicht alle 3 Monate ein neues Handy haben und man kann seine Kinder auffordern, für Markenkleidung mitzuarbeiten.
So einfach ist es nicht, die Wirtschaft hat doch auch grosse
Vorteile aus kreditfinanzierten Anschaffungen geschöpft.
Dagegen spricht auch nichts. Aber wenn sich jemand überschuldet, dann hat die Wirtschaft auch nichts davon, außer Kreditausfällen.
Das ist ein absolutes Knockout-Argument und betrifft doch
sicherlich nur eine Minderheit der Sozialhilfefälle - oder?
Keine Ahnung, ich arbeite nicht dort. Ich habe in meinem Bekanntenkreis 2 Menschen, die auf dem Sozialamt arbeiten bzw. gearbeitet haben. Die berichten täglich von diesen Vorfällen. Vielleicht kennst du jemanden in deinem Umfeld, der dort arbeitet. Frag ihn einfach mal.
Entschuldige, wenn ich 2 Stunden länger am Tag arbeite (was
ich im Übrigen schon desöfteren getan habe), wird dieses
Verhalten doch keine neuen Arbeitsplätze schaffen.
Für Jobs im Gesundheitswesen kann ich nur feststellen, dass
freiwillige Überstunden keine Verbesserung für Arbeitnehmer
und Klienten schafft.
Stimmt. Das gilt nur für Unternehmen, die für Exportmärkte arbeiten. Das ist die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland. Davon abhängig sind aber dann indirekt auch die kleineren Zulieferer bis zu lokalen Handwerkern. Alle haben mehr zu tun, wenn die Wirtschaftsleistung steigt. Im Gesundheitswesen verhält es sich eher umgekehrt. Vermutlich werden weniger Menschen krank, wenn die sonstige Wirtschaft wächst. Mehrarbeit bringt hier in der Tat nichts, außer einer besseren Versorgung der Patienten. Aber ich bin leider kein Experte im Gesundheitswesen.
Du meinst, wenn immer mehr Menschen keinen Arbeitsplatz in
Deutschland finden.
Dabei könnte man schon heute entgegensteuern,
Wie?
Löhne senken, Steuerbelastung senken, mehr Selbstbeteiligung bei der SV, geringere Beiträge zur SV, Flexibilisierung der Arbeitszeiten, weniger Feiertage, weniger Urlaub, höhere Wochenarbeitszeit
aber dann
müssten wir den „kleinen Mann“ einmal mit anderen Augen sehen.
Mit welchen Augen?
Nicht mehr mit jenen Augen, die eine Einzelperson, vorzugsweise den „Kleinen Mann“ und ihre Einzelforderungen betrachtet, sondern die Betrachtungsweise ändern auf eine gesamte volkswirtschaftliche Verbesserung. Nicht mehr den Kleinen Mann als K.O.-Argument benutzen, um Reformen zu verhindern, sondern allgemein fragen, durch welche Maßnahmen zB eine höhere Beschäftigung erreicht werden kann.
Gruß,
Klaus