Ob „leiden an“ oder „leiden unter“ verwendet wird, ist nicht davon abhängig, ob es ein „inneres Leiden“ ist. Jedenfalls ist nicht relevant, ob es im Körper, nicht sichtbar etc. ist oder ob es sich um ein sichtbares Leiden handelt. „Innen“ spielt insofern eine Rolle, als dass „leiden unter“ darauf abhebt, dass (in diesem Moment) der Betreffende auch Leid empfindet, und dass es auf dieses Leid ankommt.
Vorweg: Es gibt hier keine klare, eindeutige Unterscheidung.
„Leiden an“ bezogen auf Erkrankungen meint, dass jemand eine Erkrankung hat. „Leiden unter“ verwendet man, wenn es um konkrete Folgen einer Erkrankung geht, die ein Leiden verursachen.
Der Herr Professor leiden an einer Erkältung, aber unter starken Hustenanfällen. Hustenanfälle sind ein Symptom, eine Folge der Erkältung, unter denen man direkt leidet. Daher würde man eigentlich immer „leiden unter Hustenanfällen“ verwenden. Bei Erkältung handelt es sich genau genommen nicht um eine Erkrankung, sondern eine (umgangssprachliche) Bezeichnung für ein Bündel an Symptomen (Husten, Schnupfen, Heiserkeit…). „Leiden unter“ oder „leiden an“ kann daher grundsätzlich beides verwendet werden. Den Chef interessiert im Zweifel, ob eine Erkrankung vorliegt. Er möchte wissen, ob der Herr Professor an einer Erkältung leidet. Die Frau des Professors vielleicht eher wissen, ob der Herr Professor unter der Erkältung leidet, weil sie emphatisch ist, ihm einen Tee oder einen Wadenwickel machen will und helfen möchte, das Leiden zu lindern. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Leiden an sich.
Beim Beispiel Rheuma kann man den Unterschied eigentlich auch ganz gut darstellen. Rheuma ist eine Erkrankung, die sehr viel Symptome hat. Außerdem handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der diese Symptome nicht immer auftreten (müssen) oder unterschiedlich stark.
„Leiden an Rheuma“ hebt zunächst nur darauf ab, dass jemand diese Erkrankung hat, völlig unabhängig davon, wie sehr (a.) sie ihn wodurch (b.) konkret beeinträchtigt oder ob dies gerade im Moment (c.) der Fall ist.
a. bedeutet Intensität
b. ist ein konkrete Symptom, z.B. Schmerzen
c. Zeitfaktor dauerhaft, akut, häufig, etc.
„Leiden unter Rheuma“ würde man eher nicht verwenden, ohne das nicht beispielhaft so zu konkretisieren. „Anfall von starkem Rheuma“ hebt auf ein Charakteristikum der Erkrankung ab, die Schübe. Das sind die Faktoren Intensität und Zeit, die ausreichend konkretisieren, und die Ursache beschreiben, warum jemand in diesem Moment UNTER der Erkrankung Rheuma leidet.