Der Spiegel singt ein Loblied auf die FH :-)

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,208270,00.html

Was haltet ihr von dem Artikel? Wie schätzt ihr den Unterschied zwischen FH und Uni in dem Ansehen resp. den späteren Jobchancen ein? Besteht das Problem mit den Massenveranstaltungen und wenigem Kontakt an den FH´s in den Großstädten nicht auch? Kenne mich da nicht so aus, da ich selbst nicht studiere, es aber später mal vorhabe :smile:

Grüße

Bernd

Moin Bernd

ich kann im Groben bestätigen, was da steht.

Ich hab mich damals bewusst gegen ein Studium an der Uni entschieden und BWL an der FH Münster studiert. Bereut hab ich das nie.

Gruss
Marion

Hm also ich studier an der FH Köln Dolmetschen und die Anonymität hält sich glücklicherweise reichlich in Grenzen.
Der Lobgesang scheint ja schön und gut zu sein, aber leider interessiert das die Wirtschaft bzw. potentielle Arbeitgeber nicht so sehr. Viele stufen einen FH-Abschluss immer noch niedriger ein als den Uni-Abschluss, vor allem beim Gehalt. Es scheint hierbei immer noch um die langjährige Reputation zu gehen und da hatten die Unis nun mal mehr Vorlaufzeit als die Fhs. Bei manchen Fächern werden, so scheint es mir, bevorzugt Absolventen von best. Unis genommen. Früher war ein BWL-Studium an der Uni Köln der Garant für einen Arbeitsplatz, hm, die Bedingungen haben sich sehr verschärft hier an der Uni, mehr Anfänger, schlechtere Bedingungen, aber trotzdem, die es geschafft haben bekommen eher einen Job als ein FH-BWL-Absolvent.

Was ich sehr schade an der FHs finde, ist diese schnelle und vielleicht sogar überstürzte Einführung der Bachelor und Masterabschlüsse… die haben auf dem Markt gar keinen guten Ruf…

Hallo,

ich habe zunächst an der Uni München und später an der FH Hof studiert und kann den Tenor des Artikels bestätigen.

Die Uni ist ein anonymer Massenbetrieb, die Ausbildung in keiner Weise praxisnah und ein schnelles Studieren aufgrund des obligatorisch verlorenen ersten Semesters zwecks Orientierung und der zum Ende des Studiums hin oft belegten Seminare mit der Folge des weiteren Zeitverlustes kaum möglich.

An der FH Hof habe ich genau das Gegenteil erlebt: praxisnahes Studium, allein schon durch die zwei Pflichtpraktika, nagelneue Ausstattung, Campusbetrieb mit günstigem Wohnraum, motivierte Professoren aus aller Herren Länder, die meistens ebenfalls auf dem Campus wohnten und auch zu einem abendlichen Bierchen leicht zu bewegen waren.

Im Falle der Wirtschaftswissenschaften gilt meiner Erfahrung nach mittlerweile Gleichstand zwischen Uni- und FH-Absolventen. Nur ein paar wenige Firmen suchen noch Explizit nach „Diplom Kaufmann/-frau“, was dann aber mehr am Dünkel einzelner Personalmanager selbst, als an einer landesweiten Regelmässigkeit liegen dürfte.
Meistens wird nach „Betriebswirten“ gesucht und in meiner Firma stellen wir vornehmlich FH-Absolventen ein, weil diese wenigstens schon einmal ansatzweise gearbeitet haben. Es herrscht somit eine andere Erwartungshaltung vor, als bei Uni-Absolventen, die noch nie einen Betrieb von innen gesehen haben und sich oftmals allein schon wundern, wenn sie zum Einstieg kein eigenes Eckbüro mit Sekretärin und keinen BMW-Dienstwagen erhalten.

Die FH ist daher keinesfalls das Sammelbecken für das akademische Proletariat, sondern eine Ausbildungsrichtung für Leute, die später nicht in Forschung und Lehre, sondern in der freien Wirtschaft arbeiten wollen.

Beide, die Uni sowie auch die FH, haben ihre Daseinsberechtigung. Man sollte sich als FH-Absolvent nicht mehr erzählen lassen, man sei die zweite Garnitur. Das ist definitiv die Unwahrheit. Die FH ist für Berufe „draussen“ die allererste Wahl. Viele haben das bereits verstanden und nach einschlägigen Erfahrungen mit Absolventen beider Richtungen verstärkt sich das hier gezeichnete Bild in den Personalabteilungen des Landes tagtäglich.

Grüße,

Mathias

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Hallo Bernd,

aus Arbeitgebersicht (ich bin Ing. (TU), selbständig, technische Beratung) vielleicht folgendes dazu:

Es gibt sicherlich Jobprofile, bei denen ich als Unternehmer aus meiner Erfahrung heraus mit Priorität Uni-Absolventen suchen würde oder FH-Absolventen. Dies heisst aber nicht, dass ich nicht letztendlich nach dem persönlichen Eindruck entscheiden würde, wen ich nehme.

Kriterien wären hierbei für mich z.B. (ich beziehe mich auf die Ingenieursausbildung):

Weite des Aufgabenspektrums, erforderliches Abstraktionsvermögen, Umfang der Projektverantwortung…

Wie gesagt, das bezieht sich auf Absolventen technischer Fachrichtungen. Wenn erst einmal 3 Jahre Berufserfahrung dazukommen, hat sich sowieso alles geändert, da interessiert mich die Erstausbildung kaum mehr…

Grüße
Jürgen

Hi,

Was haltet ihr von dem Artikel?

Trifft die Sache.

Wie schätzt ihr den
Unterschied zwischen FH und Uni in dem Ansehen resp. den
späteren Jobchancen ein?

Kommt auf den Arbeitgeber an. Im öffentlichen Dienst (ÖD) wirst Du nach mit FH-Abschluss nach BAT IV mit Uni-Abschluss nach BAT II eingestellt. Einen Bewährungsaufstieg von BAT IV nach BAT II habe ich noch nie erlebt (ok, inzwischen lebe ich nicht mehr in D), das Gegenteil schon (Uni-Absolvent bezahlt nach BAT IV). Ähnlich ist es mit der Beamtenlaufbahn.
In der Industrie sollte das in den meisten Betrieben nach ein paar Jahren Berufserfahrung keine Rolle mehr spielen. Ausnahmen sind oder waren gerüchteweise „ÖD-ähnliche“ Grossunternehmen wie Siemens.

Eine Sache wirst Du mit FH-Abschluss faktisch nicht machen können: Eine Promotion. Das sollte Dir vorher klar sein.

Besteht das Problem mit den
Massenveranstaltungen und wenigem Kontakt an den FH´s in den
Großstädten nicht auch?

Ich kenne die FH-München ein wenig von innen: selbst dort ist der Kontakt zwischen Professoren und Studenten wesentlich besser als an der TUM oder LMU.

Ciao Rossi

Hallo Bernd,

Was haltet ihr von dem Artikel?

ich habe den Artikel jetzt grade mal nicht gelesen, kann aber zum Thema „große FH“ (München) etwas erzählen:

da ich erst 10 Jahre nach dem Abitur und als alleinerziehende Mutter studiert habe, entschloss ich mich bewusst für FH, da meine Freizeit zum eigenverantwortlichen „über die Vorlesung hinaus“ studieren aus naheliegendem Grund eingeschränkt war.

Unsere Dozenten waren _entsetzt>, dass sie tatsächlich Anfängerstudiengruppen von 50 Studenten hatten, haben sich aber dennoch um jeden gekümmert, der signalisierte, dass er/sie Hilfe brauche.

Wir kannten uns zumindestens innerhalb der Studiengruppe (deren es 6 gab) relativ schnell, soweit von Kommilitonen Bereitschaft rüberkam, mehr zu tun als „Wissen zu sammeln“. (Letzteres steht in Anführungszeichen, da die Herrschaften meistens nur Papier sammelten)

In den höheren Semestern, als sich die Studiengruppen etwas ausdünnten war der Kontakt eher noch besser, allerdings hatte ich einen Diplombetreuer (für eine bei einer Firma erstellten Diplomarbeit), der nicht viel mehr tat, als meine Ausarbeitung entgegenzunehmen. Allerdings hat er mich (Elektroingenieurin) auch auf den Weg zur Technischen Redakteurin gebracht, weil er diagnostizierte, dass es wohl nicht viele Ingenieure gebe, die so flüssig schreiben können wie ich.

Gruß, Karin

Ich kann jetzt natürlich nicht behaupten._

Hallo

Eine Sache wirst Du mit FH-Abschluss faktisch nicht machen
können: Eine Promotion. Das sollte Dir vorher klar sein.

Das mit der Promotion ist nicht völlig auszuschliessen. Auch mit einem FH- Studium ist es möglich, wenn auch umständlich. Man benötigt wie überall einen Betreuer und muss einige Semester an einer Uni nachholen. Aber möglich ist es auf alle Fälle. Nur ist ein sehr guter Durchschnitt Voraussetzung.

Gruß
EV