Der ungewollte Vater meldet sich zurück

Hallo,
dieses Posting bezieht sich auf ein anderes Posting welches ich vor ca. einem halben Jahr hier abgegeben habe. Darin hatte ich berichtet das meine Ex-Freundin von mir schwanger geworden ist. Direkt nachdem ich mit ihr Schluß gemacht hatte hab ich es von ihr erfahren. Ich hoffe der ein oder andere erinnert sich noch an dieses Posting, sehr viele hatten ihren Senf dazu abgegeben. Und genau wegen diesen Leuten schreibe ich jetzt dieses Posting. Mein Hauptanliegen war damals wirklich das rechtlich-finanzielle. Damals wie heute finde ich es ganz wichtig genau zu wissen was den Vater dabei erwartet. Und genau das wollte ich wissen. Der hilfreichste Tipp den ich bekommen hatte war ein Verweis aus die Düsseldorfer Tabelle. Ansonsten kam fast nicht von dem was ich mir als Hilfestellung erhofft hätte. Das ist auch mit ein Grund dafür warum ich mich nachdem ich die Sachlage geschildert und die Frage gestellt hatte nicht mehr gemeldet habe. Als gemutmaßt wurde das man mich vielleicht verschreckt haben könnte war das falsch. Ich habe mir jedes Posting durchgelesen, war aber sehr geknickt wegen der Antworten die ich von einigen erhalten hatte. Und diese teils wirklich bösen Antworten waren der zweite Grund warum ich mich nicht mehr gemeldet hatte. Ich hatte damals eine menge Haß in mir auf entsprechende Leute. Im Haß wollte ich aber nicht schreiben, ich bin jemand der eigentlich immer ruhig bleibt und sich lieber zurück zieht wenn er nicht mehr ruhig bleiben kann. Jetzt, ein halbes Jahr später, möchte ich aber gerne nochmal meinen Senf dazu abgeben. Meine Meinung ist durch neuste Geschehnisse jetzt subjektiver, ehrlicher und nicht mehr haßerfüllt. Eines der meist kommentierten Themen war damals der Schutz des ungeborenen Lebens. Sprich, ob man abtreiben sollen darf bzw. dürfen soll oder nicht. Grundsatzdiskussion. Ob das Gesetz das richtig handhabt und ob es unmenschlich ist es dann auch so zu tun wie es das Gesetz erlaubt… und so weiter. Meine Meinung dazu ist absolut die gleiche geblieben wie damals. Ich finde das Gesetz nämlich absolut sinnvoll. Darin ist sichergestellt das Menschen beiderlei Standpunkte (Befürworter/Ablehner) im Entscheidungsfall ihren Willen bekommen können. Wenn ein hoch gläubiger Mensch es nicht mit sich vereinbaren kann sein Kind ab zu treiben dann soll er es „in Gottes Nahmen“ halt lassen. Da braucht ihm keiner rein reden. Aber wenn ein rational denkender Mensch merkt das es absolut nicht sinnvoll ist das Kind zu gebären, ist es ihm erlaubt es in einem gewissen Zeitraum zu verhindern. Und das ist auch gut so. Wenn sich ein (vielleicht an Gott) glaubender Mensch bei einem rational denkendem Menschen einmischt und sagt „überleg dir das nochmal, dass kann man doch nicht einfach so machen“ finde ich das absolut unangemessen. Absolut! Genau wie andersrum. Es gibt nun mal verschiedene Weltanschaungen und da sollte einem keiner in irgendetwas reinreden. Und wenn ich „keiner“ sage meine ich vielleicht auch etwas anderes als man denken könnte. Bei mir fängt das Problem nämlich schon viel früher an. Ich finde es schlimm wenn Eltern ihren Kindern ihren Glauben aufzwängen! Wenn sie ihnen sagen woran sie glauben und das Kind dann den Glauben der Eltern aus freien Stücken annimmt ist das okay. Aber so Sachen wie taufen und von kleine an mit in die Kirche zu schleifen, auch gegen ihren Willen, finde ich einfach nicht Menschengerecht. Ich bin absolut froh das mir meine Eltern erlaubt haben meine eigene Weltanschaung zu finden. Um es mal mit kräftigeren Worten etwas krasser aus zu drücken, ich halte Religion für eine Schwäche der Dummen die Zuflucht suchen weil sie nicht selber denken können oder mögen. Zudem ist die Kirche in meinen Augen ein ganz wiederlicher Apparat. So jetzt höre ich aber auf, mir liegt nichts daran jemanden zu beleidigen. Ich wollte nur mal einen Gegenpol zu den ganzen gläubigen setzen … die früher tatsächlich umhergezogen sind und anderen ihren Willen aufgezwungen haben … das finde ich auch echt krass!
Zum Thema zurück. Möchte man einen Schwangerschaftsabbruch ist es gesetzlich vorgeschrieben das man ein Beratungsgespräch führen muß. In meinen Augen ist das okay, schließlich hilft man unsicheren Leuten, so wie meiner Exfreundin, bei der Entscheidung. Aber welche Leute dürfen diese Gespräche führen, wer kontrolliert das? Ich meine, es ist sicher geregelt wer das Recht dazu hat. Aber welche Befähigung und Weltanschaung derjenige hat scheint absolut egal zu sein. In meinem Fall finde ich es absolut verherend das sie so „falsch“ beraten wurde. Sie wurde regelrecht beeinflußt! Ich denke auch sonst wird damit keinem geholfen wenn man beeinflußt wird. Ich war bei diesem Gespräch ja dabei und habe es miterlebt. Als Beispiel nenne ich vielleicht die Sache mit den Stühlen. Die Beratungsperson hat zwei Stühle genommen, Lehne an Lehne gestellt und gesagt das der eine für die Geburt des Kindes steht und dafür wie es ist das Kind auf zu ziehen und der andere Stuhl soll für die Abtreibung stehen. Sie sollte dann beide Plätze einnehmen und sagen was sie im übertragenen Sinne auf diesen Stühlen sieht, und wie ihre Gefühle dabei sind. Sie sollte sich halt mal in beide Lagen hineinversetzen. Das ganze fand ich war gar keine schlechte Idee. Nur die Durchführung des ganzen war sehr beeinflußend. Wenn sie auf dem Stuhl für das Kind saß blickte sie auf die Seite des Raumen die nur aus Fenster bestand und einen vollen Einblick in die Natur gewärte, in ein kleines Wäldchen mit Sonnenschein. Der andere Stuhl ließ sie in die dunkle Ecke des Raumen schauen wo einfach nix war. Man mag das damit begründen können das der Wald für das Leben steht und das dunkle kalte für das Krankenhaus und wie man es sehen mag wenn man abtreibt. Aber genau auf die gleiche Weise könnte man auch andersrum argumentieren. Das sie die nächsten Jahre nach der Geburts sehr viel ans Haus und geschlossene Räume gebunden ist wenn sie ein Kind gebärt und aufziehen muß und vor allem ihr eigenes Leben ein gutes Stück weit zurückschrauben muß. Wärend sie nach einem Abbruch ihr altes Leben zurück hätte und wieder frei und ungebunden sein kann und so lange im Wald rumlaufen kann wie sie will. Jenachdem wie man argumentiert hätte man also auch die Bedeutung der Stühle genau vertauschen können … und auf welchen Stuhl man sich logischerweise wohler fühlt, auch ganz ohne irgendeine Bedeutung, ist ja wohl klar. Das stellt für mich eine Beeinflußung da. Sie hätte die Stühle ja auch einfach um 90 Grad gedret aufstellen können, dann wäre es gleich gewesen. Es waren viele solcher Beeinflußungen in dem Gespräch, die meisten natürlich durch das gesagte. In dieser Zeit, aber auch die ganzen Monate danach habe ich mich absolut „ungerecht“ behandelt gefühlt. Wenn man die Mutterseite einfach mal für eine Weile nicht betrachtet. Stellt euch doch mal vor wie es für einen 22 jährigen Kerl sein muß genau zu wissen Vater zu werden. Wenn man das Kind absolut nicht haben will. Dafür aber vielleicht noch länger zahlen muß als man selbst in Jahren alt ist. Der Mutter das Kind nicht zutraut und die große Gefahr sieht das das Kind durch die Großmutter verkorkst wird. Ich sagte in meinem ersten Posting schon das ich sehr froh bin diese Frau nicht als Mutter gehabt zu haben. Die Zukunft eines solchen Kindes sieht doch wirklich nicht gut aus, zumindestens nicht so wie ich sie meinem Kind wünschen würde. Und es wäre dann mein Kind. Okay, das kann sich auch ändern. Die Mutter kann ja auch später noch einen Schulabschluß machen, eine Ausbildung und Geld verdienen … oder sogar einen tollen Mann finden der Geld hat und sich um das Kind kümmert. Aber im Moment ist es nicht so, da würde ich doch kein Kind in die Welt setzen. Ich bin so erzogen worden das das was man tut erst abgesichert sein muß. Wenn man sich ein Auto kauft muß man noch genug Reserven für die Reperaturen haben. Ich werde auch nie ein Auto leasen, wer weiß was die Zukunft bringt und wie ich es dann abzahlen kann. Ich würde es also auch nicht verantworten ein Kind in die Welt zu setzen ohne das seine Zukunft einigermaßen gesichert ist.

Aber dann kam ja alles anders. Gestern habe ich eine E-Mail verfasst die ich jetzt hier einfügen werde:

Guten Morgen Olaf,

das mit der Mail an dich ist eine gute Idee.

Was gestern passiert ist war wohl für alle sehr überraschend.
Nachdem ich von der Arbeit nach hause kam und mir mein Papa davon erzählt hatte habe ich an mir gemerkt wie aufgewühlt, zittrig und aufgeregt ich war.

Wenn das so für mich war, wie muß es dann für Anna gewesen sein?

Für sie bedeutet das ja eine ganze Menge mehr, sie hatte ja auch ganz eine andere Einstellung zu dem Kind, wollte es, freute sich und hat es ja auch schon eine ganze Weile mit sich herumgetragen. Jetzt zu wissen das es tot in ihr ist und sie es trotzdem noch „ganz normal“ auf die Welt bringen muß ist sicher nicht leicht.

Das war eigentlich das was mich gestern traurig gemacht hat. Wie es Anna gehen muß und was es für sie bedeutet. Deshalb habe ich sie gestern auch besucht. Ich dachte mir, dass wenn es sie auch nur eine kleines bischen weiter bringt wenn ich da bin, möchte ich es auf jeden Fall tun.

Wie Anna auf die ganze Sache reagiert hat hat meine Mama schon ganz gut gesagt. Sie meinte das sie sich am Telefon recht „gefaßt“ angehört hatte als sie bei uns angerufen hatte. Im Krankenhaus war sie auch absolut gefaßt. Aber so kennen wir Anna ja, sie läßt erstmal alles kalt, egal was passiert. Egal ob sie verlassen wird, schwanger wird oder ihr Kind verliert. Auf welche Art, wann, wie stark oder ob sie sich überhaupt soetwas später zu Herzen nimmt habe ich leider nie herausgefunden. So schwer es für sie sein muß, so sehr wünsche ihr das sie es gut übersteht und keinen seelischen Schaden nimmt wenn sie jetzt so kalt ist. Gestern hatte sie erzählt das ihre Mutter die ganze Zeit rumgeheult hat. Dann mußte ihre Mutter die Mutter einer ihrer besten Schulfreundinen anrufen und es ihr erzählen, die hat dann auch geweint. Die Mutter hat Annas Oma angerufen, die dann auch geweint hat. Und sie hat sogar den Pastor angerufen, der dann auch zusammen mit ihr geheult hat. Nur Anna hat seit dem nicht geweint.

Aber Tränen sind ja bei weitem kein zuverlässiger Gradmesser für irgendwelche Gefühle. Wenn ich Anna direkt frage wie sie reagiert hat und wie sie sich fühlt sagt sie, „gar nicht, weil ich es vielelicht noch gar nicht an mich rann gelassen habe, wie bei einem Schock“ …den Eindruck das sie unter Schock steht hatte ich nicht, sie weiß ganz genau was es bedeutet. Das sie es nicht sonderlich an sich rann läßt stimmt hingegen schon. Wie gesagt weiß ich leider nicht wie sie in den nächsten Tagen oder in der nächsten Zeit darüber denken wird. Mir bleibt nur zu hoffen das sie es nicht al zu sehr belasten wird. Wie ich ihr dabei helfen kann weiß ich beim besten willen nicht. Das ist im Moment mein größtes Problem an der Sache. Sie sagt ja auch nix. Ich war schon ganz froh das meine Mama sie am Telefon gefragt hatte ob sie denn möchte das ich sie besuche. Als mir meine Mama das erzählte war ich sehr gespannt was Anna darauf gesagt hatte. „Wenn er denn möchte?“ …typisch Anna hab ich mir da nur gedacht! Aber aus dem Kontex heraus klingt es ja irgendwie danach als ob sie möchte, also bin ich gefahren. Sicher war ich mir da aber nicht ob sie mich dahaben will, also eine blöde Situation für mich. Das sie nicht einfach sagen kann was sie will. Genau wie gestern Abend als ihre Mutter dann nach hause gefahren war und wir noch für eine halbe Stunde alleine waren bevor es langsam ums schlafen ging. Ich habe ihr gesagt das ich noch gerne bei ihr bleibe, mich noch was mit ihr unterhalte, sonst was mit ihr mache wenn ihr langweilig ist oder sie reden möchte. Und das ich auch gerne nach hause fahren kann wenn sie jetzt schlafen möchte. Meinst du ich hätte eine klare Antwort darauf bekommen? Ich hasse das! Stattdessen hatte sie gefragt was möchtest du denn? Scheiße, es ist doch egal was ich möchte, wenn ich ihr eine Hilfe damit bin sie zu unterhalten oder mit ihr nach zu denken mache ich das gerne, wenn es ihr lieber ist wenn ich gehe tue ich das genau so gerne. Mir geht es doch einzig und alleine darum ihr so gut wie ich kann zu helfen. Einen Groll werde ich in beiden Fällen nicht gegen sie hegen, höchstens wenn sie mir keine klare Antwort gibt. Naja, ich schweife ein bischen ab. Letztendlich bin ich dann noch ein bische geblieben und bin später nach hause gefahren.

Allerdings sehe ich mich im Moment wieder genau in dem selben Konflikt. Nämlich den ob ich probieren soll bei der Geburt dabei zu sein oder nicht. Ich möchte gerne das machen was ihr lieber ist, wenn es sie auch nur einen kleinen Deut hilft wenn ich dabei bin möchte ich es gerne tun. Wenn sie es aber nicht möchte werde ich der letzte sein der probiert sie von etwas anderem zu überzeugen. Einen Groll werde ich auch hier in beiden Fällen nicht gegen sie hegen, egal was sie möchte. Nur soll sie es sagen.

…beim schreiben des letzten Absatzes und ein paar Zeilen davor auch schon, habe ich darüber nachgedacht ob ich nur so gerne möchte das sie mir sagt was sie möchte, damit ich nicht selber drüber nachdenken muß was ich eigentlich möchte. Wie meine Meinung dazu ist. Ob ich bei der Geburt dabei sein möchte. So eine ausgeprägte Meinung dazu habe ich nämlich nicht. Vielleicht genau so wie Anna. Und vielleicht möchte sie mir damit nur genau so wenig auf den Schlips treten wie ich ihr. Wenn nur wir beide nicht klar sagen was einem lieber ist. Na toll!
Halte ich also für mich fest das ich aus dem Bauch heraus eher nicht dabei sein will.

Hm, Anna hingegen hat da leider aber noch ein paar mehr Fragen zu beantworten. Angefangen damit wieviel und welche Schmerzmittel sie bekommen möchte, weitergehend ob sie das Kind trotzdem sehen oder im Arm halten möchte und zum Schluß noch ob sie das Kind obdozieren lassen möchte.

Unser aller Mitgefühl ist sicher an Annas Seite, für die Mutter eines Wunschkindes ist es sicher eine sehr schlimme Sache das Kind zu verlieren. Durch ihre Entscheidung das Kind zu bekommen, auch wenn sie es nicht wollte, ist es für sie aber vielleicht mit der Zeit auch ein wenig in Richtung Wunschkind gewandert. Ich hoffe das es für sie nicht so schwer wird damit klar zu kommen. Vielleicht hilft ihr das Wort Schicksal. Wenn es gottgegebenes Schicksal war das Kind zu bekommen ist es vielleicht aus gottgegebenes Schicksal das Kind doch nicht zu bekommen. Wer mag kann da gerne noch weitere hochreligiöse Dinge hineininterpretieren, ihre Mutter vielleicht, die ist ja so ein Kirchenmensch. Meine Art ist das sicher nicht. Ich glaube nicht an Gott.

Als letztes möchte ich noch sagen das es wahrscheinlich eine sehr sehr traurige Sache ist und auch mein Mitgefühl gilt Anna. Aber ich bin trotzdem glücklich darüber nicht Vater zu werden. Ich war ja immer der Meinung das es für alle das Beste wäre wenn das Kind nicht kommt, für Anna, das Kind und besonders natürlich für mich. Das ich auf diese Art zu meinem Willen komme ist vielleicht etwas sehr makaber. Aber dadurch ist es nicht weniger mein Wille.

Richy

Wer hier im Forum so tapfer bis hier her gelesen hat darf mir gerne mitteilen wie er über die sehr traurige Geschichte denkt. Ich möchte mich bei all denen bedanken die mir hier im Forum geholfen haben. Und zwar die die probiert haben mir meine Frage zu beantwortet, oder gar den Rücken freigehalten haben als das Feuerwerk los ging. Es war sehr leicht zu erkennen das es Männern sehr viel leichter gefallen ist sich in meine Lage zu versetzen als Frauen. Eigentlich haben pauschal alle Frauen auf mir herumgehackt und wenn dann doch mal ein Mann was geschrieben hatte war es meist so das er mir helfen wollte, bzw. mich sogar verteidigen wollte. Aber leider kamen bei diesem Thema auf sechs Frauen vielleicht nur ein Mann. Da kann ich verstehen das man schnell die Lust verliert gegen sechs andere zu wettern, die eine anderer Meinung haben.

Als letztes möchte ich noch sagen das es ein sehr schweres Los sein muß heute, morgen oder vielelicht auch erst übermorgen das Kind zu gebären, welches man siebeneinhalb Monate in sich getragen hat und vorgestern gestorben ist.
So makaber es auch klingen mag, die letzten beide Nächte habe ich sehr gut geschlafen. Und ich bin froh das die vielen mich auffressenden Gedanken, Vater zu werden, die ich meistens im Bett aber auch sonst überall hatte nun endlich vorbei sind und ich wieder gut schlafen kann.

Richy

Hallo Richy,

ichhabe damals die Diskussion zwar gelesen aber nicht mitdiskutiert. Selber bin ich der Ansicht, wie Kurt Tucholsky in einem Essay „Die Leibesfrucht spricht“ schreibt, dass viele sich leichter damit tun, das ungeborene Leben zu schützen als das geborene.

Deine Gedanken dazu, dass Du vielleicht erst mal selber wissen musst, was Du willst, finde ich sehr gut. Lass Dich nicht von der Gleichgültigkeit Deiner Exfreundin zu einem Hilfsdients „drängeln“, den sie dann doch nicht will. Im Kreißsaal sind einige Menschen, die ihr sicher helfen können. Wenn sie jemand Vertrautes dabeihaben möchte, dann wäre in dem Fall die Mutter vielleicht die Geeignetere, umso mehr, da Du ja für Dich selber sagst: „Lieber nicht!“

Dein Absatz:

Als letztes möchte ich noch sagen das es ein sehr schweres Los
sein muß heute, morgen oder vielelicht auch erst übermorgen
das Kind zu gebären, welches man siebeneinhalb Monate in sich
getragen hat und vorgestern gestorben ist.

zeigt für mich auch, dass Du es Dir nicht leicht machst und Du Dich nicht auf: „Nach mir die Sintflut“ zurückziehst.

Zudem Folgenden:

So makaber es auch klingen mag, die letzten beide Nächte habe
ich sehr gut geschlafen. Und ich bin froh das die vielen mich
auffressenden Gedanken, Vater zu werden, die ich meistens im
Bett aber auch sonst überall hatte nun endlich vorbei sind und
ich wieder gut schlafen kann.

Da selber ein, durchaus erwünschtes, Kind alleine großgezogen habe, weil der Vater zwar ein Kind zeugen, aber sich nicht drum kümmern wollte, kann ich auch Deine Gedanken nachvollziehen. Man kommt sehr leicht ins Grübeln, auch wenn man das kleine Wesen gewünscht hat. Ein Kind großzuziehen ist wirklich kein Kinderspiel.

Ich wünsche Dir, dass Du bei entsprechender Reife in ein paar Jahren dazu „bereit“ bist, auch mal Vater zu werden mit allen Konsequenzen. Das Geld sollte dabei wirklich nicht das Wichtigste sein.

Alles Gute,
Karin

Hallo Richy,

zuerstmal für dich und User die es interessiert der
Artikelbaum von damals.
Ich lese mir die Angriffe auf deine Anfrage nicht mehr durch, sonst werde ich nochmal wütend!

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Als Nachfolge zu deinem Thread entstand dann dieser Artikelbaum, hast du den noch mitbekommen?

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

So und jetzt zu deinem aktuellen Posting!

Abtreibung Ja/Nein, da lasse ich mein Empfinden aus…per Gesetz gibt es die Möglichkeit und das ist richtig und wichtig. Ab da muss Frau selber entscheiden was sie mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

Nach deiner Beschreibung der Mutter deiner Ex, war mir klar dass das Mädel nicht abtreiben lässt und das habe ich dir auch geschrieben.

Zu deiner Schilderung der Abtreibungsberatung, der Sinn der Übung ist, dass Frauen…die abtreiben wollen, die ihr Ungeborenes wirklich nicht wollen, die ganz sicher sind dieses Kind nicht zu wollen - von den Frauen die Existenzängste haben, die unter Druck gesetzt werden eine Abtreibung machen zu lassen, die sich Alleinerzieher nicht zutrauen, die moralisch oder aus religiöser Haltung diese Tat/Handlung nie verkraften könnten…filtern.

Das ist nicht leicht, weil eine emotionale Ausnahmesituation bei Frauen in so einer Lage besteht.

Die erste Gruppe: Will kein Kind, will dieses Kind ganz sicher nicht, ist sich ganz sicher dieses Kind nicht zu wollen…die kannst du nicht beeinflussen, egal wie religiös oder moralisch oder tiefenpsychologisch die Beraterin kommt. Diese Frauen treiben ab, die moralisch/religiöse Keule der Beratung wirkt sich erst nach der Abtreibung aus.

Die zweite Gruppe: Diese Frauen lassen sich beeinflussen und da liegt das echte Problem einer Beratung.
Das „Für und Wider“ läßt sich weder von einer Stunde Beratung dieser Stellen, noch dem gewichtigen Hintergrund der Beratungsstelle (ob weltlich oder kirchlich) noch von der Familie objektiv lösen.

Eine „Für/Wider-Abtreibungsberatung“ kann

  1. Die schon vorhandenen moralischen Grundsätze der werdenden Mutter über das Angst/Schock-Gefühl erkennen lassen.

  2. Die schon vorhandenen religiösen/moralischen Grundsätze der werdenden Mutter bestätigen.

  3. Die extreme Angst vor dem weiteren Leben als Mutter nehmen, indem die moralischen/religiösen Bedenken gegen eine Abtreibung eine Bestätigung erhalten und Lösungsmöglichkeiten wie ev. Adoption angesprochen werden.

  4. Unterstützung der Möglichkeiten und Stärkung der inneren Einstellung der werdenden Mutter, gegen Druck und Beeinflussung des nahen Umfeldes.

Deiner Meinung nach ist die Beratung schiefgelaufen?

Deine Exfreundin wurde von ihrer Familie/Mutter religiös erzogen und bekam moralische Grundsätze mit.
Die werdende Mutter, auch deines ungeborenen Kindes bekam von ihrer Familie Rückhalt, dieses Kind miteinander anzunehmen und sich Hilfe zu geben.

Meine Bewertung: Hut ab, auch wenn ich nicht religiös bin und nochmal, der Ausgang der Beratung war mir klar.

Meine extrem nicht religiöse Einstellung (Pille,Unterbinden,Spirale usw.) würde mich aus menschlicher Sicht auch nicht abhalten, jedes Kind und jetzt schön langsam jedes Enkelkind anzunehmen…ohne Wertung!

Deine Enttäuschung über den Ausgang der Beratung verstehe ich, deine Angst und den Unwillen finanzieller Verpflichtungen auch.

Deine Einstellung oder dein momentaner Standpunkt unterliegt auch einer Beeinflussung aus Erziehung und Umfeld und deinem inneren Kern.
Darüber streite oder diskutiere ich nicht, weil es keinen Sinn macht.

Was mir bei dir auffällt, du bist dir nicht sicher?

Einerseits weißt du, was du nicht willst…aber du stehst nicht gerade dazu!
Ein „Gesicht“ in der Menge ist dir noch zu wichtig, deine halbherzigen Angebote helfen nur dir und deinem Ego.

Wenn du helfen willst, musst du klare Aussagen machen.

So ein Wischiwaschi-Angebot von deiner Seite, (einfach halbherzig) und deinen Unwillen spürt und empfindet nicht nur deine Ex, dann lass es…so bist du keine Hilfe.
Du darfst dich nicht wundern, wenn Okkultismus zieht, wenn du selber wage bist.

Die Natur hat entschieden…dieses Kind sollte nicht sein.
Es ist so und so lösen sich auch deine Ängste.
Recht wurde nicht gesprochen…

Deine Gewissensbisse sind anerzogen und du musst dich weiter nach deinen Wertigkeiten fragen…
…so ist das Leben!

Über Sinn und Unsinn von Leasing, über Wert und Unwert von Sparverträgen, da wechseln wir tunlichst das Brett.

Meistens ist Recht rechtens und Logik logisch…außer es fehlen die Beweise…
meint Kerbi

Hai, Richy,

schön, daß Du wieder gut schlafen kannst (nein, das ist nicht sarkastisch gemeint), es denkt sich viel besser nach, wenn man nicht in emotionalem Tumult steckt.
Jetzt ist für Dich die Gelegenheit, mal ein wenig Ordnung in Deinem Gefühlsleben zu schaffen (für mich liest sich Dein Posting ein wenig, als würdest Du mit Deiner Ex in so’ner Art Halb-Beziehung stecken, die in erster Linie aus Verpflichtungsgefühlen besteht - sortier das).
…und ich hoffe, Du hast eine, sehr wichtige, Lehre aus der Sache gezogen: wer kein Kind will, muß verhüten! Ich gehe davon aus, daß Du JETZT in Deine Tasche langen und ein Kondom hervorziehen kannst?!?
Ich wünsch Dir Glück auf Deinem Lebensweg und das Du irgendwann den richtigen Partner und die richtige Situation zusammenbekommst und Du ein Wunschkind bekommen kannst (bekommen lassen kannst?)

Gruß
Sibylle

Hallo Richy,

zuallererst: Ich hoffe, Deine Exfreundin übersteht die Totgeburt gut und kann mit der Zeit das Ganze verarbeiten.

Ich weiß nicht, ob ich damals „meinen Senf“ dazu gegeben habe - kann mir aber vorstellen, daß es - wenn denn - in die Richtung gegangen wäre, das Du auch verhüten hättest können und Deine Exfreundin schließlich das ganze Leben mit dem Kind vor sich hat, während sich Deine Beitrag in Geld erschöpfen wird.

Ich kann Dich aber verstehen, daß Du nun das Gefühl hast, Dir sei ein großer Stein vom Herzen gefallen. Du bist aus einer schwierigen Lage quasi jetzt mit einem blauen Auge davongekommen und hast eine reelle Chance, noch einmal bei 0 anzufangen und es zukünftig besser zu machen.

Nutze diese Chance - nicht alle habe so eine! Lerne aus Deinen Fehlern (und Du mußt zugeben - Du hast welche gemacht).

Ich wünsche Dir viel Glück

Wendy

Hallo Richy,

du wunderst dich über die Reaktionen?
Ich nicht.
Ich kann verstehen, dass dir ein Stein vom Herz fällt, weil du doch nicht Papa wirst.
Die Reaktion der Familie deiner Freundin kann ich auch verstehen. Die Trauer ist heftig.

Die Reaktion deiner Freundin auch.
Warum?
Von deiner Freundin wurden und werden rationale Entscheidungen verlangt. Sie kommt vor lauter Besuch und denken gar nicht zum trauern. Und das, was auf deine Freundin zukommt, bringt den Hormonhaushalt sehr durcheinander. Das Phänomen ist von anderen Geburten ja bekannt, sonst würde wahrscheinlich keine Frau eine Geburt überleben.

Die Trauer kommt erst, wenn alles vorbei ist. Wenn sie endlich Zeit hat, zu trauern. Und dann kommts gewaltig.
Woher ich das wissen will?
Meine Tochter war 3 Jahre alt. Ich steckte mitten im Scheidungsverfahren. Dazu kam noch meine Umschulung.
Und genau zu diesem Zeitpunkt kam bei mir der Hammer: Der Arzt meiner Tochter eröffnete mir, dass mein Kind wohl nicht älter als 6 oder 7 Jahre alt werden würde. Eine eventl. Transplantation, die normalerweise lebensverlängernd wäre, würdes sie aber höchstwahrscheinlich nicht überleben. In dieser Stunde brach eine Welt für mich zusammen.
Ich ging aus dem Zimmer, raus in die Natur. Und dann weinte ich erst mal heimlich. Dann rief ich meine Familie an und sagte (ruhig und gefaßt) was los ist. Die Reaktionen gingen von Wut über mich (weil ich ja so „cool“ war) bis Trauer (als ob schon alles verloren war).
Dass ich aber wieder zurück auf die Station mußte und meinem Kind nicht zeigen durfte, wies um meine Gefühle steht, hat kein Mensch interessiert. Meine Angst und meine Trauer durfte ich ja dem Kind nicht zeigen. Und wenn ich sie meiner Familie zeigte, bekam ich erst recht keine Ruhe. Damals lernte ich: Starke Frauen weinen heimlich.

Wem ich mich damals anvertraute, waren echte Freunde (und in so einer Situation trennt sich ganz schnell die Spreu vom Weizen). Ich mußte ihnen nicht sagen, was ich will. Ich mußte mich nicht verstellen. Ich konnt lachen oder weinen oder zornig sein. Und keiner kam auch nur auf die Idee zu fragen, wie er mir helfen soll. Sie wußten es. Instinktiv.

Was ich dir damit sagen will: Was hilft es deiner Freundin, wenn sie dir erst alles erklären muß? Noch mehr denken? Noch mehr nicht zur Ruhe kommen! Wenn du ihr helfen willst, dann zeig, dass du so weit „Mann“ bist, dass du weißt, was DU willst. Soll sie dir immer noch die Entscheidung abnehmen? Bist du noch ein Kind? Was sie braucht, ist ein Freund, der zwar einen klaren Verstand hat, aber sie auch ihre Gefühle ausleben läßt. Sie aus der Trauer raußreißen kann, mit ihr lacht, und manchmal auch weint. Sie weiß aber, dass deine Trauer über den Verlust des Kindes, sich in Grenzen hält. Vielleicht sieht sie dein Verhalten als Lüge an. Und das kann sie beim besten Willen nicht gebrauchen, im Moment. Sie braucht Freunde, denen sie 100 % vertrauen kann. Nur so kann sie sich fallen lassen.
Dann kommt auch die Trauer, die du übersiehst. Dann kann sie Mensch sein und nicht nur ne Maschine, die so funktioniert, wie es andere erwarten.
Aber dann kommts gewaltig. Und dabei wirst du vielleicht weniger gut wegkommen, wie du es dir vielleicht erhoffst. Du wirst sie dann vielleicht von einer Seite kennen lernen, die du nie erwartet hättest.

Ich kenne keine Frau, die den Verlust eines Kindes, auf das sie sich freute, ohne böse Schrammen an der Seele verkraftet hat. Geh eher davon aus, dass sie, wenn sie nach außen hin durch die Trauer durch ist, ein anderer Mensch ist. Und sie wird dann vielleicht -in deinen Augen- wieder kalt.

Meine Tochter ist nicht gestorben. Nach ca 5 Jahren wurden die Untersuchungen insoweit eingestellt, dass man davon ausgeht, dass bei der ersten Diagnose eine Fehldiagnose gemacht wurde. Das neue Ergebnis habe ich jetzt auch schon wieder ca 5 Jahre. Aber der Schock sitzt immer noch. Immer noch habe ich Alpträume. Ich habe mich geändert und meine Einstellung zum Leben hat sich geändert. Auch meine Familie leidet immer noch unter dem Schock. Aber zeigen dürfen wirs nicht…

Ändern kann man nix mehr bei euch. Das Kind ist tot.
Aber nachdenken solltest du. Ich werde dich nicht verurteilen.
Ich hoffe nur, dass ich dir durch meine Geschichte insoweit helfen konnte, dass du deine Freundin verstehst und ihr, jeder für sich, wieder leben lernt.

Alles Liebe, auch an deine Freundin, Daggi

off topic: Mukoviszidose, was ist das?
Hallole,
wegen der vielen Reaktionen und Fragen hab ich einen Infoartikel ins Medizin-Brett gestellt.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…
Gruß *wink* Daggi

… mit den Entscheidungen (Titelende)

Hallo Richy,

wenn Du fragst/fragen lässt (?), ob sie will dass Du dabei sein sollst, und sie antwortet mit der Frage, was Du denn mögest, dannn signalisiert mir dass, Dass sie nicht wirklich weiss (einsch#ätzen kann), was Du willst (sie weiss auch nicht was sie will, leider, denn sonst könnte sie ja sagen: ich würde mich freuen, wenn er dabei wäre, aber wenn er nicht will, ist es auch „ok“.) Oder sie hat nicht den Mut, es Dir offen zu sagen, was für eine Beziehung schlecht ist. Vielleicht hast Du auch nie den Mut gehabt, ehrlich zu ihr zu sein, genauso wie ihr der Mut vielleicht immer fehlte.
Das ist eine Feststellung und keine grobe Kritik.

Also gut. Irgendwie müsst ihr ehrlich zueinander sein. Wenn Dir danach nicht ist, etwas (nicht) zu tun (z.B. Eis essen zu gehen, ins Kino zu gehen,… bei einer (Tot)geburt dabeizusein), dann solltest Du dazu stehen und das sagen. Auch wenn es für sie schwer ist, das zu ertragen. Ich würde mich da nicht erpressen lassen (von ihr, oder ihren Verwandten, nach dem Motto -im schlimmsten Fall: sie Dir an, was Du angerichtet hast! Harmloser: mitgefangen, mitgehangen,- auch nicht schön.)

Was ich noch sagen möchte, falls es nicht zu spät ist: Totgeburten werden entweder in den Müll geworfen oder können beerdigt werden.
Macht Euch/Mach Dir darüber Gedanken. Was willst DU? – Möchtest DU bei der Beerdigung dabei sein? (Wer pflegt das Grab… ) Die Fragen gehen weiter…

Alles Gute für Dich und Deine Ex(?)-Freundin.
Gruss,
K’König

Hallo,
frag deine Ex-Feundin ob sie dich dabei haben will, aber nur wenn du es auch willst.
Du musst dir im Klaren sein, dass es für dich auch ein Schock sein wird! Sie hat das Kind im Bauch gespürt, sie war viel näher dran und hat das volle Bewusstsein, dass ein kleiner Mensch in ihrem Bauch ist.
Dir wird es wahrscheinlich erst richtig klar wenn du den toten Fötus siehst. Du siehst dann dein „Kind“, und zwar tot.
Vielleicht siehst du sogar Ähnlichkeiten. Auf jeden Fall wird es sehr heftig werden. Du kannst auch nicht vorhersehen wie deine Freundin in dem Moment reagiert. Vielleicht ist sie jetzt noch gefasst, aber dann im Krankenhaus?

Wie schon angesprochen wurde stellt sich auch die Frage was danach mit der Totgeburt geschehen soll. Es gibt die Möglichkeit der Bestattung, aber nur wenn man danach verlangt. Ansonsten wird es entsorgt. Für viele Eltern ist es heilsamer, Abschied von dem toten Kind nehmen zu können, viele fühlen sich nachher beraubt wenn das Kind sang- und klanglos verschwindet.
Hast du mit deiner Ex-Freundin schon mal darüber gesprochen?

alles Gute, jima