Hallo,
dieses Posting bezieht sich auf ein anderes Posting welches ich vor ca. einem halben Jahr hier abgegeben habe. Darin hatte ich berichtet das meine Ex-Freundin von mir schwanger geworden ist. Direkt nachdem ich mit ihr Schluß gemacht hatte hab ich es von ihr erfahren. Ich hoffe der ein oder andere erinnert sich noch an dieses Posting, sehr viele hatten ihren Senf dazu abgegeben. Und genau wegen diesen Leuten schreibe ich jetzt dieses Posting. Mein Hauptanliegen war damals wirklich das rechtlich-finanzielle. Damals wie heute finde ich es ganz wichtig genau zu wissen was den Vater dabei erwartet. Und genau das wollte ich wissen. Der hilfreichste Tipp den ich bekommen hatte war ein Verweis aus die Düsseldorfer Tabelle. Ansonsten kam fast nicht von dem was ich mir als Hilfestellung erhofft hätte. Das ist auch mit ein Grund dafür warum ich mich nachdem ich die Sachlage geschildert und die Frage gestellt hatte nicht mehr gemeldet habe. Als gemutmaßt wurde das man mich vielleicht verschreckt haben könnte war das falsch. Ich habe mir jedes Posting durchgelesen, war aber sehr geknickt wegen der Antworten die ich von einigen erhalten hatte. Und diese teils wirklich bösen Antworten waren der zweite Grund warum ich mich nicht mehr gemeldet hatte. Ich hatte damals eine menge Haß in mir auf entsprechende Leute. Im Haß wollte ich aber nicht schreiben, ich bin jemand der eigentlich immer ruhig bleibt und sich lieber zurück zieht wenn er nicht mehr ruhig bleiben kann. Jetzt, ein halbes Jahr später, möchte ich aber gerne nochmal meinen Senf dazu abgeben. Meine Meinung ist durch neuste Geschehnisse jetzt subjektiver, ehrlicher und nicht mehr haßerfüllt. Eines der meist kommentierten Themen war damals der Schutz des ungeborenen Lebens. Sprich, ob man abtreiben sollen darf bzw. dürfen soll oder nicht. Grundsatzdiskussion. Ob das Gesetz das richtig handhabt und ob es unmenschlich ist es dann auch so zu tun wie es das Gesetz erlaubt… und so weiter. Meine Meinung dazu ist absolut die gleiche geblieben wie damals. Ich finde das Gesetz nämlich absolut sinnvoll. Darin ist sichergestellt das Menschen beiderlei Standpunkte (Befürworter/Ablehner) im Entscheidungsfall ihren Willen bekommen können. Wenn ein hoch gläubiger Mensch es nicht mit sich vereinbaren kann sein Kind ab zu treiben dann soll er es „in Gottes Nahmen“ halt lassen. Da braucht ihm keiner rein reden. Aber wenn ein rational denkender Mensch merkt das es absolut nicht sinnvoll ist das Kind zu gebären, ist es ihm erlaubt es in einem gewissen Zeitraum zu verhindern. Und das ist auch gut so. Wenn sich ein (vielleicht an Gott) glaubender Mensch bei einem rational denkendem Menschen einmischt und sagt „überleg dir das nochmal, dass kann man doch nicht einfach so machen“ finde ich das absolut unangemessen. Absolut! Genau wie andersrum. Es gibt nun mal verschiedene Weltanschaungen und da sollte einem keiner in irgendetwas reinreden. Und wenn ich „keiner“ sage meine ich vielleicht auch etwas anderes als man denken könnte. Bei mir fängt das Problem nämlich schon viel früher an. Ich finde es schlimm wenn Eltern ihren Kindern ihren Glauben aufzwängen! Wenn sie ihnen sagen woran sie glauben und das Kind dann den Glauben der Eltern aus freien Stücken annimmt ist das okay. Aber so Sachen wie taufen und von kleine an mit in die Kirche zu schleifen, auch gegen ihren Willen, finde ich einfach nicht Menschengerecht. Ich bin absolut froh das mir meine Eltern erlaubt haben meine eigene Weltanschaung zu finden. Um es mal mit kräftigeren Worten etwas krasser aus zu drücken, ich halte Religion für eine Schwäche der Dummen die Zuflucht suchen weil sie nicht selber denken können oder mögen. Zudem ist die Kirche in meinen Augen ein ganz wiederlicher Apparat. So jetzt höre ich aber auf, mir liegt nichts daran jemanden zu beleidigen. Ich wollte nur mal einen Gegenpol zu den ganzen gläubigen setzen … die früher tatsächlich umhergezogen sind und anderen ihren Willen aufgezwungen haben … das finde ich auch echt krass!
Zum Thema zurück. Möchte man einen Schwangerschaftsabbruch ist es gesetzlich vorgeschrieben das man ein Beratungsgespräch führen muß. In meinen Augen ist das okay, schließlich hilft man unsicheren Leuten, so wie meiner Exfreundin, bei der Entscheidung. Aber welche Leute dürfen diese Gespräche führen, wer kontrolliert das? Ich meine, es ist sicher geregelt wer das Recht dazu hat. Aber welche Befähigung und Weltanschaung derjenige hat scheint absolut egal zu sein. In meinem Fall finde ich es absolut verherend das sie so „falsch“ beraten wurde. Sie wurde regelrecht beeinflußt! Ich denke auch sonst wird damit keinem geholfen wenn man beeinflußt wird. Ich war bei diesem Gespräch ja dabei und habe es miterlebt. Als Beispiel nenne ich vielleicht die Sache mit den Stühlen. Die Beratungsperson hat zwei Stühle genommen, Lehne an Lehne gestellt und gesagt das der eine für die Geburt des Kindes steht und dafür wie es ist das Kind auf zu ziehen und der andere Stuhl soll für die Abtreibung stehen. Sie sollte dann beide Plätze einnehmen und sagen was sie im übertragenen Sinne auf diesen Stühlen sieht, und wie ihre Gefühle dabei sind. Sie sollte sich halt mal in beide Lagen hineinversetzen. Das ganze fand ich war gar keine schlechte Idee. Nur die Durchführung des ganzen war sehr beeinflußend. Wenn sie auf dem Stuhl für das Kind saß blickte sie auf die Seite des Raumen die nur aus Fenster bestand und einen vollen Einblick in die Natur gewärte, in ein kleines Wäldchen mit Sonnenschein. Der andere Stuhl ließ sie in die dunkle Ecke des Raumen schauen wo einfach nix war. Man mag das damit begründen können das der Wald für das Leben steht und das dunkle kalte für das Krankenhaus und wie man es sehen mag wenn man abtreibt. Aber genau auf die gleiche Weise könnte man auch andersrum argumentieren. Das sie die nächsten Jahre nach der Geburts sehr viel ans Haus und geschlossene Räume gebunden ist wenn sie ein Kind gebärt und aufziehen muß und vor allem ihr eigenes Leben ein gutes Stück weit zurückschrauben muß. Wärend sie nach einem Abbruch ihr altes Leben zurück hätte und wieder frei und ungebunden sein kann und so lange im Wald rumlaufen kann wie sie will. Jenachdem wie man argumentiert hätte man also auch die Bedeutung der Stühle genau vertauschen können … und auf welchen Stuhl man sich logischerweise wohler fühlt, auch ganz ohne irgendeine Bedeutung, ist ja wohl klar. Das stellt für mich eine Beeinflußung da. Sie hätte die Stühle ja auch einfach um 90 Grad gedret aufstellen können, dann wäre es gleich gewesen. Es waren viele solcher Beeinflußungen in dem Gespräch, die meisten natürlich durch das gesagte. In dieser Zeit, aber auch die ganzen Monate danach habe ich mich absolut „ungerecht“ behandelt gefühlt. Wenn man die Mutterseite einfach mal für eine Weile nicht betrachtet. Stellt euch doch mal vor wie es für einen 22 jährigen Kerl sein muß genau zu wissen Vater zu werden. Wenn man das Kind absolut nicht haben will. Dafür aber vielleicht noch länger zahlen muß als man selbst in Jahren alt ist. Der Mutter das Kind nicht zutraut und die große Gefahr sieht das das Kind durch die Großmutter verkorkst wird. Ich sagte in meinem ersten Posting schon das ich sehr froh bin diese Frau nicht als Mutter gehabt zu haben. Die Zukunft eines solchen Kindes sieht doch wirklich nicht gut aus, zumindestens nicht so wie ich sie meinem Kind wünschen würde. Und es wäre dann mein Kind. Okay, das kann sich auch ändern. Die Mutter kann ja auch später noch einen Schulabschluß machen, eine Ausbildung und Geld verdienen … oder sogar einen tollen Mann finden der Geld hat und sich um das Kind kümmert. Aber im Moment ist es nicht so, da würde ich doch kein Kind in die Welt setzen. Ich bin so erzogen worden das das was man tut erst abgesichert sein muß. Wenn man sich ein Auto kauft muß man noch genug Reserven für die Reperaturen haben. Ich werde auch nie ein Auto leasen, wer weiß was die Zukunft bringt und wie ich es dann abzahlen kann. Ich würde es also auch nicht verantworten ein Kind in die Welt zu setzen ohne das seine Zukunft einigermaßen gesichert ist.
Aber dann kam ja alles anders. Gestern habe ich eine E-Mail verfasst die ich jetzt hier einfügen werde:
Guten Morgen Olaf,
das mit der Mail an dich ist eine gute Idee.
Was gestern passiert ist war wohl für alle sehr überraschend.
Nachdem ich von der Arbeit nach hause kam und mir mein Papa davon erzählt hatte habe ich an mir gemerkt wie aufgewühlt, zittrig und aufgeregt ich war.
Wenn das so für mich war, wie muß es dann für Anna gewesen sein?
Für sie bedeutet das ja eine ganze Menge mehr, sie hatte ja auch ganz eine andere Einstellung zu dem Kind, wollte es, freute sich und hat es ja auch schon eine ganze Weile mit sich herumgetragen. Jetzt zu wissen das es tot in ihr ist und sie es trotzdem noch „ganz normal“ auf die Welt bringen muß ist sicher nicht leicht.
Das war eigentlich das was mich gestern traurig gemacht hat. Wie es Anna gehen muß und was es für sie bedeutet. Deshalb habe ich sie gestern auch besucht. Ich dachte mir, dass wenn es sie auch nur eine kleines bischen weiter bringt wenn ich da bin, möchte ich es auf jeden Fall tun.
Wie Anna auf die ganze Sache reagiert hat hat meine Mama schon ganz gut gesagt. Sie meinte das sie sich am Telefon recht „gefaßt“ angehört hatte als sie bei uns angerufen hatte. Im Krankenhaus war sie auch absolut gefaßt. Aber so kennen wir Anna ja, sie läßt erstmal alles kalt, egal was passiert. Egal ob sie verlassen wird, schwanger wird oder ihr Kind verliert. Auf welche Art, wann, wie stark oder ob sie sich überhaupt soetwas später zu Herzen nimmt habe ich leider nie herausgefunden. So schwer es für sie sein muß, so sehr wünsche ihr das sie es gut übersteht und keinen seelischen Schaden nimmt wenn sie jetzt so kalt ist. Gestern hatte sie erzählt das ihre Mutter die ganze Zeit rumgeheult hat. Dann mußte ihre Mutter die Mutter einer ihrer besten Schulfreundinen anrufen und es ihr erzählen, die hat dann auch geweint. Die Mutter hat Annas Oma angerufen, die dann auch geweint hat. Und sie hat sogar den Pastor angerufen, der dann auch zusammen mit ihr geheult hat. Nur Anna hat seit dem nicht geweint.
Aber Tränen sind ja bei weitem kein zuverlässiger Gradmesser für irgendwelche Gefühle. Wenn ich Anna direkt frage wie sie reagiert hat und wie sie sich fühlt sagt sie, „gar nicht, weil ich es vielelicht noch gar nicht an mich rann gelassen habe, wie bei einem Schock“ …den Eindruck das sie unter Schock steht hatte ich nicht, sie weiß ganz genau was es bedeutet. Das sie es nicht sonderlich an sich rann läßt stimmt hingegen schon. Wie gesagt weiß ich leider nicht wie sie in den nächsten Tagen oder in der nächsten Zeit darüber denken wird. Mir bleibt nur zu hoffen das sie es nicht al zu sehr belasten wird. Wie ich ihr dabei helfen kann weiß ich beim besten willen nicht. Das ist im Moment mein größtes Problem an der Sache. Sie sagt ja auch nix. Ich war schon ganz froh das meine Mama sie am Telefon gefragt hatte ob sie denn möchte das ich sie besuche. Als mir meine Mama das erzählte war ich sehr gespannt was Anna darauf gesagt hatte. „Wenn er denn möchte?“ …typisch Anna hab ich mir da nur gedacht! Aber aus dem Kontex heraus klingt es ja irgendwie danach als ob sie möchte, also bin ich gefahren. Sicher war ich mir da aber nicht ob sie mich dahaben will, also eine blöde Situation für mich. Das sie nicht einfach sagen kann was sie will. Genau wie gestern Abend als ihre Mutter dann nach hause gefahren war und wir noch für eine halbe Stunde alleine waren bevor es langsam ums schlafen ging. Ich habe ihr gesagt das ich noch gerne bei ihr bleibe, mich noch was mit ihr unterhalte, sonst was mit ihr mache wenn ihr langweilig ist oder sie reden möchte. Und das ich auch gerne nach hause fahren kann wenn sie jetzt schlafen möchte. Meinst du ich hätte eine klare Antwort darauf bekommen? Ich hasse das! Stattdessen hatte sie gefragt was möchtest du denn? Scheiße, es ist doch egal was ich möchte, wenn ich ihr eine Hilfe damit bin sie zu unterhalten oder mit ihr nach zu denken mache ich das gerne, wenn es ihr lieber ist wenn ich gehe tue ich das genau so gerne. Mir geht es doch einzig und alleine darum ihr so gut wie ich kann zu helfen. Einen Groll werde ich in beiden Fällen nicht gegen sie hegen, höchstens wenn sie mir keine klare Antwort gibt. Naja, ich schweife ein bischen ab. Letztendlich bin ich dann noch ein bische geblieben und bin später nach hause gefahren.
Allerdings sehe ich mich im Moment wieder genau in dem selben Konflikt. Nämlich den ob ich probieren soll bei der Geburt dabei zu sein oder nicht. Ich möchte gerne das machen was ihr lieber ist, wenn es sie auch nur einen kleinen Deut hilft wenn ich dabei bin möchte ich es gerne tun. Wenn sie es aber nicht möchte werde ich der letzte sein der probiert sie von etwas anderem zu überzeugen. Einen Groll werde ich auch hier in beiden Fällen nicht gegen sie hegen, egal was sie möchte. Nur soll sie es sagen.
…beim schreiben des letzten Absatzes und ein paar Zeilen davor auch schon, habe ich darüber nachgedacht ob ich nur so gerne möchte das sie mir sagt was sie möchte, damit ich nicht selber drüber nachdenken muß was ich eigentlich möchte. Wie meine Meinung dazu ist. Ob ich bei der Geburt dabei sein möchte. So eine ausgeprägte Meinung dazu habe ich nämlich nicht. Vielleicht genau so wie Anna. Und vielleicht möchte sie mir damit nur genau so wenig auf den Schlips treten wie ich ihr. Wenn nur wir beide nicht klar sagen was einem lieber ist. Na toll!
Halte ich also für mich fest das ich aus dem Bauch heraus eher nicht dabei sein will.
Hm, Anna hingegen hat da leider aber noch ein paar mehr Fragen zu beantworten. Angefangen damit wieviel und welche Schmerzmittel sie bekommen möchte, weitergehend ob sie das Kind trotzdem sehen oder im Arm halten möchte und zum Schluß noch ob sie das Kind obdozieren lassen möchte.
Unser aller Mitgefühl ist sicher an Annas Seite, für die Mutter eines Wunschkindes ist es sicher eine sehr schlimme Sache das Kind zu verlieren. Durch ihre Entscheidung das Kind zu bekommen, auch wenn sie es nicht wollte, ist es für sie aber vielleicht mit der Zeit auch ein wenig in Richtung Wunschkind gewandert. Ich hoffe das es für sie nicht so schwer wird damit klar zu kommen. Vielleicht hilft ihr das Wort Schicksal. Wenn es gottgegebenes Schicksal war das Kind zu bekommen ist es vielleicht aus gottgegebenes Schicksal das Kind doch nicht zu bekommen. Wer mag kann da gerne noch weitere hochreligiöse Dinge hineininterpretieren, ihre Mutter vielleicht, die ist ja so ein Kirchenmensch. Meine Art ist das sicher nicht. Ich glaube nicht an Gott.
Als letztes möchte ich noch sagen das es wahrscheinlich eine sehr sehr traurige Sache ist und auch mein Mitgefühl gilt Anna. Aber ich bin trotzdem glücklich darüber nicht Vater zu werden. Ich war ja immer der Meinung das es für alle das Beste wäre wenn das Kind nicht kommt, für Anna, das Kind und besonders natürlich für mich. Das ich auf diese Art zu meinem Willen komme ist vielleicht etwas sehr makaber. Aber dadurch ist es nicht weniger mein Wille.
Richy
Wer hier im Forum so tapfer bis hier her gelesen hat darf mir gerne mitteilen wie er über die sehr traurige Geschichte denkt. Ich möchte mich bei all denen bedanken die mir hier im Forum geholfen haben. Und zwar die die probiert haben mir meine Frage zu beantwortet, oder gar den Rücken freigehalten haben als das Feuerwerk los ging. Es war sehr leicht zu erkennen das es Männern sehr viel leichter gefallen ist sich in meine Lage zu versetzen als Frauen. Eigentlich haben pauschal alle Frauen auf mir herumgehackt und wenn dann doch mal ein Mann was geschrieben hatte war es meist so das er mir helfen wollte, bzw. mich sogar verteidigen wollte. Aber leider kamen bei diesem Thema auf sechs Frauen vielleicht nur ein Mann. Da kann ich verstehen das man schnell die Lust verliert gegen sechs andere zu wettern, die eine anderer Meinung haben.
Als letztes möchte ich noch sagen das es ein sehr schweres Los sein muß heute, morgen oder vielelicht auch erst übermorgen das Kind zu gebären, welches man siebeneinhalb Monate in sich getragen hat und vorgestern gestorben ist.
So makaber es auch klingen mag, die letzten beide Nächte habe ich sehr gut geschlafen. Und ich bin froh das die vielen mich auffressenden Gedanken, Vater zu werden, die ich meistens im Bett aber auch sonst überall hatte nun endlich vorbei sind und ich wieder gut schlafen kann.
Richy