Der Wille schlecht zu sein

Hallo,

mein Freund ist mir ein Rätzel!
Er schreibt bald Vordiplom und hat aber viel zu spät angefangen zu lernen und ist jetzt voll im Stress und denkt aber eh, dass er es nicht schafft. Aber er sagt halt innerlich hällt ihn was zurück enbdlich anzufangen zu lernen, weil er es irgendwie brauch schlecht zu sein. Er meint er mag diese Looser-Rolle und ihm fehlt die Kraft aus dieser Zwickmühle raußzukommen, denn eigentlich will er schon Erfolg im Leben und Ansehen von anderen und Geld usw. Aber er will sich immer gerne schlecht sehen und sagen „Mann, ich hab´s verzockt!“
Klingt verworren und ist es auch denn ich kann es selbst nicht ganz nachvollziehen.
Vielleicht weiß jemand von euch Rat, oder weiß woher sowas kommen mag.

Vielen Dank für eure Beiträge.

…Ciao und liebe Grüße!

Hallo Joanne

Aber er sagt halt innerlich
hällt ihn was zurück enbdlich anzufangen zu lernen, weil er es
irgendwie brauch schlecht zu sein. Er meint er mag diese
Looser-Rolle und ihm fehlt die Kraft aus dieser Zwickmühle
raußzukommen, denn eigentlich will er schon Erfolg im Leben
und Ansehen von anderen und Geld usw. Aber er will sich immer
gerne schlecht sehen und sagen „Mann, ich hab´s verzockt!“

Ganz so einfach scheint mir die Sache nicht zu sein. Irhendwas hält mich davon ab, zu glauben, dass Dein Freund
„es braucht, schlecht zu sein“ oder „gerne schlecht“ ist.
Die Sache scheint mir komplexer zu sein. Unterm Strich hat er ja wohl eine Arbeitsstörung und die kann man behandeln. Wenn dabei noch tiefer liegende Geschichten (wie z.B. Selbstsicherheits-Störung) zutage treten, kann man das ebenso behandeln,
Fazit: Er sollte sich in Therapie begeben.
Gruß,
Branden

Hallo Joanne.

mein Freund ist mir ein Rätzel!

mir auch :wink:

Bei einem so kurzen Text wie dem Deinen, lässt sich über die Gedankengänge und andere Dynamiken Deines Freundes nur rätseln, denn es könnten tausend verschiedene sein.

Er schreibt bald Vordiplom und hat aber viel zu spät
angefangen zu lernen und ist jetzt voll im Stress und denkt
aber eh, dass er es nicht schafft. Aber er sagt halt innerlich
hällt ihn was zurück enbdlich anzufangen zu lernen, weil er es
irgendwie brauch schlecht zu sein.

Fass das nicht als Kritik an Deiner Frage auf, aber ich denke, hier simplifizierst Du über Gebühr:

Jemand der es ganz einfach „braucht schlecht zu sein“, der bringt es erst gar nicht in die Situation, in einer Vordiplomsprüfung schlecht sein zu können, weil er auf dem Weg dort hin zig entscheidende Prüfungen bestanden haben muss, und damit eben erwiesenermaßen „gut“ war, und damit aber auch „gut“ sein wollte.

Die Sache ist also bereits an diesem Punkt deutlicher komplexer:
Er braucht es, schlecht zu sein und gut zu sein, oder vielleicht: er braucht es, gut zu sein, um schlecht sein zu können.

Er meint er mag diese
Looser-Rolle
er will sich immer
gerne schlecht sehen und sagen „Mann, ich hab´s verzockt!“

Ich würde gerne wissen, was etwa beim Abitur, das er ja definitiv geschafft hat, schief gelaufen ist, so dass er es scheinbar ungewollt bestanden hat.
Oder bei den Seminarprüfungen, die er für die Zulassung zum Vordiplom ja bestanden haben muss …

Klingt verworren und ist es auch denn ich kann es selbst nicht
ganz nachvollziehen.

Man könnte alle möglichen Erklärungen heranziehen:
Eine klassische, schon fast stereotype, die meint, er könnte einer bestimmten Familienkonstellation entstammen, und deshalb teils un-, teils bewusst, vor dem Bildungserfolg zurückschrecken, um seinen Vater oder eine andere Identifikationsfigur nicht um Längen zu übertrumpfen, und sich damit Schuldgefühle einzufangen;
das „gerade so durch die Prüfungen kommen“ wäre dann eine Art Kompromissformel, nach dem Motto: „Ich habe Dich nicht ausstechen wollen, ich hatte einfach mehr Glück als Du“

Eine andere, die meint, er könnte zwar den Imperativen von Familie, Freunden, Gesamtgesellschaft nachgeben, und den Erfolg, die Karriere wollen, auf einer anderen Ebene aber ein Lebensmodell anstreben (vielleicht als überzeugendes an einer Identifikationsfigur kennengelernt), das etwa mit Karriere nicht kompatibel ist.

Eine wieder ganz andere würde auf Versagensängste hinweisen, und würde etwa die Tatsache, dass er erst kurz vor knapp zu lernen anfängt, so deuten, dass er damit sich die Möglichkeit schafft, es im Falle des Mißerfolgs auf seine „Faulheit“ schieben zu können, oder auf sein „Wollens-Handicap“, und es deshalb eben gerade nicht auf die eigene „Dummheit“ attribueren muss.

Etcetcetc.

Viele Grüße
franz

Hallo Ben,

Jemand der es ganz einfach „braucht schlecht zu sein“, der
bringt es erst gar nicht in die Situation, in einer
Vordiplomsprüfung schlecht sein zu können, weil er auf
dem Weg dort hin zig entscheidende Prüfungen bestanden haben
muss, und damit eben erwiesenermaßen „gut“ war, und
damit aber auch „gut“ sein wollte.

vielleicht gilt bzgl. des obigen textes:

Fass das nicht als Kritik an Deiner Frage auf, aber ich denke,
hier simplifizierst Du über Gebühr:

Mein Vorschlag ist, dass der freund sich selbst daran hindert, sein volles Leiustungsvermögen auszuschöpfen.
Er könnte vielleicht eine 1 schaffen. Da er nicht genügend lernt, wird es mit ach und Krach eine 3. Nun kann er sich sagen. Ich bin so chlau, dass ich eine 1 haben könnte nur weil ich nicht lerne, war es halt eine 3.

Wie kann man so eine Vermeidungs-/selbstschutzstrategie beschreiben ?

Ciao maxet.

Er könnte vielleicht eine 1 schaffen. Da er nicht genügend
lernt, wird es mit ach und Krach eine 3. Nun kann er sich
sagen. Ich bin so chlau, dass ich eine 1 haben könnte nur weil
ich nicht lerne, war es halt eine 3.

Wie kann man so eine Vermeidungs-/selbstschutzstrategie
beschreiben ?

So etwas nennt man einen Attributionsstil.

Ciao maxet.

Ciao
Berni

oder auch spezifischer vielleicht …

Er könnte vielleicht eine 1 schaffen. Da er nicht genügend
lernt, wird es mit ach und Krach eine 3. Nun kann er sich
sagen. Ich bin so chlau, dass ich eine 1 haben könnte nur weil
ich nicht lerne, war es halt eine 3.

Wie kann man so eine Vermeidungs-/selbstschutzstrategie
beschreiben ?

So etwas nennt man einen Attributionsstil.

… eine „self-handicapping-strategy“.

Zum Nachlesen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Self_handicapping

(aber wie gesagt, bezüglich Joannes Freund ist das reine Kaffeesatzleserei)

Viele Grüße
franz