Hallo Joanne.
mein Freund ist mir ein Rätzel!
mir auch 
Bei einem so kurzen Text wie dem Deinen, lässt sich über die Gedankengänge und andere Dynamiken Deines Freundes nur rätseln, denn es könnten tausend verschiedene sein.
Er schreibt bald Vordiplom und hat aber viel zu spät
angefangen zu lernen und ist jetzt voll im Stress und denkt
aber eh, dass er es nicht schafft. Aber er sagt halt innerlich
hällt ihn was zurück enbdlich anzufangen zu lernen, weil er es
irgendwie brauch schlecht zu sein.
Fass das nicht als Kritik an Deiner Frage auf, aber ich denke, hier simplifizierst Du über Gebühr:
Jemand der es ganz einfach „braucht schlecht zu sein“, der bringt es erst gar nicht in die Situation, in einer Vordiplomsprüfung schlecht sein zu können, weil er auf dem Weg dort hin zig entscheidende Prüfungen bestanden haben muss, und damit eben erwiesenermaßen „gut“ war, und damit aber auch „gut“ sein wollte.
Die Sache ist also bereits an diesem Punkt deutlicher komplexer:
Er braucht es, schlecht zu sein und gut zu sein, oder vielleicht: er braucht es, gut zu sein, um schlecht sein zu können.
Er meint er mag diese
Looser-Rolle
er will sich immer
gerne schlecht sehen und sagen „Mann, ich hab´s verzockt!“
Ich würde gerne wissen, was etwa beim Abitur, das er ja definitiv geschafft hat, schief gelaufen ist, so dass er es scheinbar ungewollt bestanden hat.
Oder bei den Seminarprüfungen, die er für die Zulassung zum Vordiplom ja bestanden haben muss …
Klingt verworren und ist es auch denn ich kann es selbst nicht
ganz nachvollziehen.
Man könnte alle möglichen Erklärungen heranziehen:
Eine klassische, schon fast stereotype, die meint, er könnte einer bestimmten Familienkonstellation entstammen, und deshalb teils un-, teils bewusst, vor dem Bildungserfolg zurückschrecken, um seinen Vater oder eine andere Identifikationsfigur nicht um Längen zu übertrumpfen, und sich damit Schuldgefühle einzufangen;
das „gerade so durch die Prüfungen kommen“ wäre dann eine Art Kompromissformel, nach dem Motto: „Ich habe Dich nicht ausstechen wollen, ich hatte einfach mehr Glück als Du“
Eine andere, die meint, er könnte zwar den Imperativen von Familie, Freunden, Gesamtgesellschaft nachgeben, und den Erfolg, die Karriere wollen, auf einer anderen Ebene aber ein Lebensmodell anstreben (vielleicht als überzeugendes an einer Identifikationsfigur kennengelernt), das etwa mit Karriere nicht kompatibel ist.
Eine wieder ganz andere würde auf Versagensängste hinweisen, und würde etwa die Tatsache, dass er erst kurz vor knapp zu lernen anfängt, so deuten, dass er damit sich die Möglichkeit schafft, es im Falle des Mißerfolgs auf seine „Faulheit“ schieben zu können, oder auf sein „Wollens-Handicap“, und es deshalb eben gerade nicht auf die eigene „Dummheit“ attribueren muss.
Etcetcetc.
Viele Grüße
franz