Vom Zwiespältigen Umgang mit Klischees
moin Barkley 
b) baut auf antisemitischem Klischee auf
um das zu beantworten, müsste man antisemitische Klischees
kennen. Ich kenne zumindest keins, auf das der Satz aufbauen
würde.„Der Stürmer“ Ausgabe Nr. 21 / Mai 1939
Angewidert war ich in dem Augenblick, als ich für mich
feststellen mußte, daß dort Klischees auftauchen, die wir auch
in dieser Debatte wiederfinden, frei nach dem Motto: „die
Juden unterdrücken das deutsche Volk und beherrschten die
Regierungen“. Naja, und wenn man bedenkt, was „Der Stürmer“
sich so über die Jahre zusammengekritzelt hat, könnte ich mir
vorstellen, daß es noch eine ganze Menge weiterer
„Zufallstreffer“ geben könnte.
Danke für den Hinweis, aber ich hab den Stürmer nie gelesen und hab es auch nicht vor (gibt so schon genug aktuelles, wovon einem schlecht werden könnte).
Ehrlich gesagt hab ich diesen Punkt mit den „Klichees bedienen“ immer am wenigsten verstanden. Mir fällt dazu ein, dass jemand hier sagt, um solche Klichees zu bedienen, müssen sie in der Bevölkerung erstmal vorhanden und auch angenommen sein. Nur denke ich, dass die wenigesten Deutschen (zumindest die der Nachkriegsgeneration) überhaupt von diesen Klischees wissen.
Als ich diesen Punkt hab versucht zu beantworten hab ich also einfach mal den Zentralrat durch die Gewerkschaften (bzw. eine andere Lobbyorganisation) ersetzt. Viele Leute sind ja auch der Meinung, dass die Gewerkschafen quasi „regierenden“ Einfluss auf die Regierungsparteien haben. Nur bedeutet das nicht, dass jemand jeden Gewerkschafter hasst. Es könnte aber sein, dass jemand sich durch diesen Spruch bestätigt sieht, der sowieso meint, der Kommunismus sei auf dem Vormarsch (mal zu Matthias rüberwinke).
Ich halte es für durchaus legitim, wenn eine Lobby versucht, ihren Einfluss geltend zu machen, bzw. Einfluss zu erreichen. Warum sollte das nicht auch für den Zentralrat der Juden gelten? Das würde doch implizieren, dass die Einflussnahme des Zentralrats weniger erwünscht ist, als die des Bauernverbands z.B. oder der katholischen Kirche. Nur, warum sollte das so sein ? Wenn diese Einflussnahme so aussieht, dass die Parteien oder die Bevölkerung sensibler gegenüber rechtsradikaler Problematik wird, dann würde ich so eine Einflussnahme z.B. begrüssen.
Offenbart sich aus der Vorstellung, es sei prinzipiell nicht wünschenswert, dass jüdische Organisationen einen starken Einfluss auf die Politik haben, nicht auch ein Rest „Stürmer-Denken“ ? Wieso geht anscheinend jeder automatisch davon aus, dies würde als „Bedrohung“ aufgefasst ?? Man kann hier ja inhaltlich nicht übereinstimmen (genau wie ich inhaltlich auch nicht mit der Lobbyarbeit der „Heimatvertriebenenverbände“ übereinstimme). Aber warum soll das generell nicht gut sein ? Nur weil es Juden sind ? Oder weil sich dadurch ein paar Klichee-behaftete Spinner bestätigt fühlen ?
Dass kann doch nicht sein. Dass hieße doch wenn man mal einen Schritt weiter denkt, man würde jüdischen Organisationen quasi mit Verweis auf diese Spinner politische Lobbyarbeit untersagen weil jede politische Aktivität von jüdischen Organisationen doch dieses idiotische Klichee dann bedient. Da stehen mir die Haare zu Berge. Hier wird diesen Klichees doch eine Macht eingeräumt, von der ich nicht willens bin, ihnen die auch zuzugestehen. Meinetwegen hätte Bubis auch Bundespräsident werden können (wenn er denn gewollt hätte). Es gab sicher schon Leute, die den Job schlechter ausgefüllt haben. Und Ja, da hätten dann sicher auch viele Leute gelästert und gehetzt. Ja und ?
Irgendwer sagt mal hier sinngemäß: Ja dürfen Juden denn nun nicht öffentlich so wie Friedman z.B. auftreten, weil sie Juden sind ? Das ist doch die gleiche Schiene. Soll man jetzt antworten: Nein, weil das irgendwelche obskuren Klichees bedient die kaum einer kennt ? Da bin ich dagegen.
Nur weil ein paar Spinner irgendwelche Klichees verinnerlicht haben, soll ich oder sonstwer irgendwas nun nicht sagen ? Muss ich mir nun erstmal eine Liste all dieser idiotischen Klichees besorgen, und danach dann meine Äußerungen ausrichten, dass ich ja nie zufällig eins von ihnen bediene ? Nein. Das begreife ich nicht und das will ich auch nicht. So schafft man doch keine Klischees aus der Welt.
Wenn z.B. jemand sagen würde: Meiner meinung nach hat der Zentralrat der Juden zuviel politischen Einfluss in D (was ich nicht finde, nur um das mal eben zu betonen) und ihm antwortet jemand: Jaja, die Juden hatten immer schon viel zuviel zu sagen. Nur DANN kann ich demjenigen doch vor die Nase halten: Hey, zum einen hat er DAS nicht gesagt und zum anderen solltest du dich für so einen Spruch schämen, oder bist ein spinner, oder: sag mir, was du damit meinst oder wieso du das meinst oder was auch immer.
Sicher gibt es auch ein paar Leute, die genau auf solche Meinungen warten, um ihre vorsätzlich Klischees und Hetze unters Volk zu bringen, aber die halte ich für eine extreme Minderheit und dies ist doch auch eine Gelegenheit, diese Sprüche (bzw. Leute) dann zu entlarven, genau wie es hier im Forum ja auch teilweise passiert.
Gruss
Marion

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