in meinem Bemühen, das Wesen von Derivaten zu verstehen, habe ich Folgendes bildliche Beispiel konstruiert.
Kann mir ein Finanz-Experte sagen, ob ich das damit in etwa zutreffend erfasst habe?
Ein Erklärungsversuch zu Derivaten: Man stelle sich vor, ein Finanzinstitut bietet ein Derivat an, das im Jahr 2010 für jeden cm Regen über dem Jahresdurchschnitt 1000 Euro auszahlt.
Wer könnte von einer solchen Absicherung etwas haben? Zum Bsp. Unternehmen, deren Pub-likumsverkehr und Eintrittskartenumsatz von der Sonne-Regen-Frage massiv abhängt:
Wenn der Hamburger Hagenbeck-Tierpark eine verregnete Saison hat, hat er fehlende Ein-nahmen. Diese könnte er mit einem derartigen Derivat decken (Derivat als Instrument zur Risikominimierung).
Wenn es jedoch 2010 einen Jahrhundertsommer gibt, muss Hagenbeck bezahlen, was aber insofern nicht so schlimm ist, weil der Umsatz vielleicht 40 Prozent höher ist als normal.
Man könnte also ein Derivat als Risikominimierung beschreiben, zur Deckung von voraus-sehbar fehlenden Einnahmen bzw. als Absicherung im Hinblick auf steigende oder fallende Kurse (= die Basiswerte) unterschiedlichster Art: von Regenmengen in cm (Wetter-Derivate) über Rohstoff- oder Getreidepreise bis zu Börsenindices.
Neben der Risikoabsicherung kann natürlich die Spekulation ein weiteres Motiv zum Erwerb von Derivaten sein.
Habe ich Wesen/ Funktionsweise von D. damit korrekt wiedergegeben?
Habe ich Wesen/ Funktionsweise von D. damit korrekt
wiedergegeben?
das Prinzip ja. Kurzer Exkurs zu den drei Varianten der Derivate:
Forward
Bei einem Forward wird auf jeden Fall zu einem definierten Zeitpunkt gezahlt oder geliefert bzw. entgegengenommen. Ein an einer Börse notierter Forward heißt Futrure.
Option
Bei einer Option wird zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Option) oder in einem bestimmten Zeitraum (amerikanische Option) dann geliefert oder gezahlt, wenn der Käufer der Option das möchte. Der Stillhalter (also Verkäufer der Option) muß dann liefern oder zahlen.
Zwischenstand: bei Optionen und Futures zahlt eine Partei, die andere liefert.
Swap
Bei einem Swap wird etwas getauscht, z.B. langfristiger Zinssatz gegen kurzfristigen Zinssatz, Dollar gegen Yen, Orangensaftkonzentrat gegen Schweinebäuche usw.
Ich glaube, was Du beschrieben hast, war noch am ehesten ein Swap. In der Regel sieht das bei Wetterdrivaten (und ja: die gibt es tatsächlich) so aus, daß eine Partei, die sich z.B. gegen einen verregneten Sommer absichern will, ein Derivat kauft und im Falle eines verregneten Sommers die vereinbarten Zahlungen erhält.
Ist der Himmel im abgesicherten Zeitraum hingegen wolkenlos, verfällt das Derivat und die ursprünglich bezahlte Kohle ist weg. Zahlen muß der Käufer also nicht. Es sei denn - und daher mein Einwurf oben - es handelt sich um eine Swapvereinbarung (A tauscht gutes Wetter gegen Geld von B und B tauscht schlechtes Wetter gegen Geld von A), aber die macht zumindest für einen Zoo keinen Sinn.