Des Web 2.0 oder Des Webs 2.0?

Hallo Zusammen,

ich habe eine Frage bezüglich der Schreibweise Web 2.0.

Schreibt man „Des Web 2.0“ oder „Des Webs 2.0“?
Im Internet sind beide Schreibweisen vertreten. Auch auf offiziellen und glaubwürdigen Seiten kann man beides finden.

Gibt es da eine Regelung oder geht beides?

Vielen Dank für Eure Antworten.

Andi

Hallo,

ich würde „des Web 2.0“ sagen, denn in dem Fall ist der komplette Begriff ja ein feststehender. Also in einem Beispielsatz: „Die Risiken des Web 2.0 sind unerforscht“.

Grüße

Hallo!

ich würde „des Web 2.0“ sagen, denn in dem Fall ist der
komplette Begriff ja ein feststehender.

Und? Wo steht, daß man festehende Begriffe nicht dekliniert?

Korrekt ist „des Webs 2.0“.

Gruß,
Max

Moin,

laut canoo geht beides
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=in…
Ebenso laut Wahrig
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/s…
und laut Duden
http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php?suc…

Pit

Hallo, Max,

ich würde „des Web 2.0“ sagen, denn in dem Fall ist der
komplette Begriff ja ein feststehender.

Und? Wo steht, daß man festehende Begriffe nicht dekliniert?

Korrekt ist „des Webs 2.0“.

nach Duden und anderen Wörterbüchern sind beide Genitivformen möglich:

http://duden.xipolis.net/suche/trefferliste.php?such…
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/b…
http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=in…

Gruß
Kreszenz

hallo!

nach Duden und anderen Wörterbüchern sind beide
Genitivformen
möglich:

Das hatte ich befürchtet. :smile: Hier wurden in den vergangenen zehn jahren zahlreiche Ausnahmeregelungen aufgestellt, die den eigentlichen grammatischen Regeln widersprechen. Deswegen kann das Ergebnis unterschiedlich sein, ob man nun in die Grammatik schuat oder in das Wörterbuch.

Gruß,
Max

Jetzt mal abgesehen davon, dass beide Versionen gehen (wobei ich „Webs“ einfach grässlich finde): Warum würde dann der erste Teil des Begriffes dekliniert? Klar, „Web 2.0s“ wäre noch abartiger. Aber nehmen wir mal den Halleyschen Komet. Sagen wir „Die Spur des Halleyschen Komets ist sehr lang“. Oder das Brandenburger Tor. „Die Höhe des Brandenburger Tors beträgt…“ - da nimmt man doch auch nicht den ersten Begriff. Ich sage das jetzt alles rein gefühlsmässig, ich hab meinen Duden im Regal und die ursprüngliche Frage wurde ja schon geklärt. Also rein interessehalber.

Hallo!

Jetzt mal abgesehen davon, dass beide Versionen gehen (wobei
ich „Webs“ einfach grässlich finde)

Ich finde „des Web“ einfach gräßlich. Es gibt keine Flexionsklasse, in die das reinpasst; hier fehlt schlicht und einfach die Flexionsendung. So wird es auch in der Grammatik beschrieben, nämlich als „erlaubte Unterlassung der Kasusfelexion“, wobei die Ausnahmeregeln, wann es nun erlaubt ist, sehr schwammig sind - und mE auf „Web“ eigentlich auch nicht zutreffen. Letztendlich könnte man sagen, es ist inzwischen überall dort erlaubt, wo es häufig gemacht wird, und deswegen steht es so im Wörterbuch.

Nachlesen kannst Du das in der Duden-Grammatrik in den Abschnitten 308 und 310-311 (neueste Auflage).

Deswegen ist die einzig korrekte Flexion „des Webs“ - „des Web“ ist eine zwar erlaubte, aber unflektierte Form.

Warum würde dann der
erste Teil des Begriffes dekliniert?

Die Flexionsendung erhält immer der so genante „Kopf“ einer Phrase. In der Phrase „das Web 2.0.“ ist „Web“ der Kopf - das erkennst Du in diesem Fall auch daran, daß „Web“ durch „2.0“ näher bestimmt wird, nicht umgekehrt: Das „Web 2.0“ ist eine bestimmte Form von Web, keine bestimmte Form von „2.0“

Sagen wir „Die Spur des Halleyschen Komets ist sehr lang“.
Oder das Brandenburger Tor. „Die Höhe des Brandenburger Tors
beträgt…“ - da nimmt man doch auch nicht den ersten Begriff.

Auch hier nimmt man den Kopf - der in diesem Fall an zweiter Stelle steht: Der Halleysche Komet ist eine besondere Form von Komet. Das Brandenburger Tor eine besondere Form von Tor.

Ich sage das jetzt alles rein gefühlsmässig

Ja.

Gruß,
Max

szmmctag

Hi,

Deswegen ist die einzig korrekte Flexion „des Webs“ - „des
Web“ ist eine zwar erlaubte, aber unflektierte Form.

Hier widersprichst du dir im gleichen Satz. Wie kann etwas gleichzeitig „nicht korrekt“, und aber trotzdem „erlaubt“ sein, wenn es um Grammatik geht? Du hast recht, „des Web“ ist unflektiert. Aber wenn man sich nach einer Grammatik oder einem Wörterbuch richtet, der beide Formen erlaubt, dann sind auch beide gleichermaßen richtig. Unflektiert heißt ja nicht falsch. Es heißt bei Straßennamen ja auch „Straße des 18. Oktober“, und nicht etwa Oktobers.
Kein Fehler also, sondern eine erlaubte Alternative.

Warum würde dann der
erste Teil des Begriffes dekliniert?

Die Flexionsendung erhält immer der so genante „Kopf“ einer
Phrase. In der Phrase „das Web 2.0.“ ist „Web“ der Kopf - das
erkennst Du in diesem Fall auch daran, daß „Web“ durch „2.0“
näher bestimmt wird, nicht umgekehrt: Das „Web 2.0“ ist eine
bestimmte Form von Web, keine bestimmte Form von „2.0“

Das stimmt auch nicht. Flexionsendungen erhalten nicht nur die Köpfe von Phrasen, sondern auch die Dependenten. Und manchmal kann der Kopf einer Phrase auch gar keine Endung erhalten.
Wenn du in einer Phrase ein Adjektiv oder Artikel hast, bekommen auch diese eine Flexionsendung. Am Nomen kann man die Flexionsendungen z.T. nicht mehr erkennen. Und von einer Präpositionalphrase ist der Kopf die Präposition, die keine Flexionsendung erhalten kann, sondern stattdessen eine vergibt, und zwar an alle flektierbaren Komponenten, die von ihr abhängen: _im große n Ganze n _.

Sagen wir „Die Spur des Halleyschen Komets ist sehr lang“.
Oder das Brandenburger Tor. „Die Höhe des Brandenburger Tors
beträgt…“ - da nimmt man doch auch nicht den ersten Begriff.

Auch hier nimmt man den Kopf - der in diesem Fall an zweiter
Stelle steht: Der Halleysche Komet ist eine besondere Form von
Komet. Das Brandenburger Tor eine besondere Form von Tor.

Ja, und flektiert wird eben beides. Der Halleysche Komet – des Halleysche n Komet en (*Komets gibt’s nicht). Brandenburger würde auch flektiert werden, wäre es denn flektierbar, aber das ist es nicht.
Hätten wir hier ein Nomen einer Nominalklasse, die im Genitiv keine Endung erhält, wie etwa „Galaxie“, bekommt der Kopf eben keinen sichtbaren/hörbaren Kasus, sondern nur das davon abhängende Adjektiv: die spiralförmige Galaxie – der spiralförmige n Galaxie.
Und bei Präpositionalphrasen bekommt der Kopf wie gesagt keine Endung, weil Präpositionen nicht flektierbar sind.

Grüße,

  • André
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Hallo Andre!

Kein Fehler also, sondern eine erlaubte Alternative.

Aber eben keine Flektionsform, sondern eine Nichtflexion: Das wollte ich damit ausdrüken. Korrekt flektiert wird Webs, aber man kann es auch unflektiert lassen.

Das stimmt auch nicht. Flexionsendungen erhalten nicht nur die
Köpfe von Phrasen, sondern auch die Dependenten.

(…)

Ja, und flektiert wird eben beides.

Ja, ist mir bewusst. Ich habe es etwas simplifiziert, weil ich nicht ganz so weit ausholen wollte und es auch nicht so kompliziert machen wollte.

Gruß.
Max

Kein Fehler also, sondern eine erlaubte Alternative.

Aber eben keine Flektionsform, sondern eine Nichtflexion: Das
wollte ich damit ausdrüken. Korrekt flektiert wird Webs, aber
man kann es auch unflektiert lassen.

…ja, aber die unflektierte Form ist ja nicht weniger korrekt, wenn man nach Duden & Co. geht. Das meinte ich nur. Korrekt sind beide Varianten: „Web“ und „Webs“.

Gruß,

  • André

Hallo!

…ja, aber die unflektierte Form ist ja nicht weniger
korrekt, wenn man nach Duden & Co. geht. Das meinte ich nur.
Korrekt sind beide Varianten: „Web“ und „Webs“.

Deswegen schrub ich ja korrekt flektiert.

Gruß,
Max

Hallo!

…ja, aber die unflektierte Form ist ja nicht weniger
korrekt, wenn man nach Duden & Co. geht. Das meinte ich nur.
Korrekt sind beide Varianten: „Web“ und „Webs“.

Deswegen schrub ich ja korrekt flektiert.

Nee, schröbtest du eben nicht. Du sprachst nur von der „korrekten“ Form. :smile:

Naja, lassen wir’s. Korrekt sind beide, ob flektiert oder unflektiert, soviel steht fest.

Grüße,

  • André
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Hm?
Hallo

Nee, schröbtest du eben nicht. Du sprachst nur von der
„korrekten“ Form. :smile:

Wörtlich stund da: /Deswegen ist die einzig korrekte Flexion „des Webs“ - „des Web“ ist eine zwar erlaubte, aber unflektierte Form./ Und das ist für mich kein Widerspruch in einem Satz, wie Du danach argwöhnen tun tatest. :smile:

Gruß,
Max

Hallo,

so, vielen Dank an alle! Ich werde jetzt mal schauen, für was ich mich entscheide. Tendiere zu „des Web 2.0“, hört und liest sich irgendwie besser.

DANKE!!

VG

Andi

Hmm, vielleicht verstehen wir unter Flexion beide etwas leicht unterschiedliches. Ein Nomen ist ja trotzdem flektiert, auch wenn nur ein Nullmorphem angehängt wird.

Ist für dich das Wort „Garten“ flektiert in folgendem Satz:
Ich ergötze mich an unserem schönen Garten.

Es stimmt, du hattest wirklich Flexion geschrieben. Aber nirgendwo wird ja vorausgesetzt, dass ein Nomen auch flektiert sein muss. Ich könnte auch sagen: „Garten“ im obigen Satz ist keine korrekt flektierte Form, oder „Straße des 18. Oktober“ wäre nicht korrekt flektiert. Das wäre aber irreführend, weil das impliziert, dass es falsch sei.

Aber naja. Der Fragesteller hat sich ja entschieden.

Grüße,

  • André

Hallo!

Ein Nomen ist ja trotzdem flektiert, auch
wenn nur ein Nullmorphem angehängt wird.

Sehe ich auch so. Ich bin ohnehin ein Nullmorphem-Fan, auch wenn es bei mir Dozenten gab, die das geht nicht mochten. :smile:

Ist für dich das Wort „Garten“ flektiert in folgendem Satz:
Ich ergötze mich an unserem schönen Garten.

Na klar!

Ich könnte auch sagen: „Garten“ im obigen Satz ist
keine korrekt flektierte Form,

Eigentlich schon, denn es hängt ja ein Nullmorphem dran. :smile:

oder „Straße des 18. Oktober“
wäre nicht korrekt flektiert. Das wäre aber irreführend, weil
das impliziert, dass es falsch sei.

Ich glaube, das wird jetzt eine ziemliche Wortklauberei. Ich sehe das so: Wenn ich „das Web“ flektieren möchte, dann habe ich lediglich die Möglichkeit, ein -s anzuhängen. Ich kann weder ein -en, ein -e, oder ein Nullmorphem anhängen. AAAAABER: Ich kann es unfektiert lassen und gar nichts anhängen. Also auch kein Nullmorphem. :smile: Das ist spitzfindig, aber ich halte es für die „sauberste“ Art, das momentan grammatikalisch zu breschreiben.

Man könnte vermutlich aber auch einfach eine neue Flexionsklasse definieren mit „schwankendem Gebrauch der Flexionsendungen -s/Nullmorphem“. Finde ich aber keine son elegante Lösung. Vermutlich wird das aber auch die weitere Entwicklung sein, wenn sich die Monoflexion weiter durchsetzt.

Das war sozusagen der sprachwissenschaftliche Teil. Im sprachkritischen Teil schimmert durch, daß ich kein Freund dieser „Man kann es auch unflektiert lassen“-Ausnahmeregelung bin, weil sie mE die Grammatik verkompliziert. Nach der Beschreibung in der Grammatik, wann die Ausnahmeregelung erlaubt ist, wäre ich z.B. auch nicht darauf gekommen, daß „Web“ dazugehört. Diese Abneigung hast Du vermutlich deutlich gespürt und bist darauf „angesprungen“.

Gruß,
Max

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