Gründliche Selbstfindung empfohlen!!
Hallo,
aufgrund eigener Erfahrungen kann ich sagen, es ist tunlichst davon abzuraten, vor lauter hobbymäßiger Begeisterung für Kreatives das als Beruf zu ergreifen.
Warum?
Erstens ist der Beruf des Grafikers - welche Richtung auch immer - hoffnungslos überlaufen.
Daher werden an den FHs z.B. hier bei uns an der FH auch ganz krasse Auswahlverfahren angewendet. Von ca. 500 eingereichten Bewerbungsmappen kommen nur ca. 100 in die engere Auswahl (pro Semester), von diesen 100 werden nur ca. 50 zur zweiten Hürde, der Aufnahmeprüfung eingeladen, von diesen werden dann 20 übernommen.
Zweitens muss man als Grafiker, Designer ein absolutes Highlight sein, so dass man nach dem Studium überhaupt von jemandem übernommen wird bzw. Erfolg auf der selbstständigen Schiene haben kann - dafür gibts einfach schon zu viele.
„gut malen“ können ist KEIN Kriterium für eine erfolgreiche Karriere im Designbereich!
In „kreativen Jobs“ im Designbereich kommt es drauf an unter Druck, Stress, Zeitdruck noch kreativ sein zu können.
Wir alle wissen, das Druck und Stress eher Kreativitätskiller sind; wer kann sich schon noch „5 vor 12“ eine „Bombenidee“ aus dem Daumen saugen.
Es kommt also weniger drauf an, wie toll man zuhause basteln, malen, what ever kann, sondern dass man quasi „auf Knopfdruck“ auch noch unter Stress Ideen aus sich selbst produzieren kann. Das ist Stress pur und da scheiden sich Spreu vom Weizen in der Designer-Riege.
In vielen Fällen ist es manchmal besser, seine Kreativität privat auszutoben, und ansonsten einen soliden Beruf zu haben.
Ich selbst wollte Kommunikationsdesign studieren, hab meine Bewerbungsmappe gemacht, eingereicht, hab es sogar bis zur Aufnahmeprüfung unter die letzten 50 von 500 geschafft.
Aber als ich bei der Prüfung saß mit meiner Meinung nach idiotischen Fragen à la „hier haben sie einen Luftballon und eine Wäscheklammer - machen Sie mal da eine durchschlagende Idee draus und zeichen Sie dies“ oder „entwickeln Sie in 15 min einen Werbespot für eine Swatchuhr, designen Sie aber auch das Zifferblatt sowie den Spot an sich, und zeichen Sie dies“ - in 15 min.
Ich hab 5 min überlegt und dann bin ich aufgestanden und hab mein Zeug zusammengepackt und mir ist wie Schuppen von den Augen gefallen:
ich bin kreativ, ja, ich hab jetzt nebenbei zu meinem Beruf eine freiberufliche, selbstständige Nebentätigkeit als Künstlerin angemeldet - DA kann ich meiner Kreativität ohne Druck frönen und meine Bilder verkaufen.
Aber ich hab gemerkt bei dieser Aufnahmeprüfung, ich kann nicht unter Druck, Stress, Zeitdruck (wie es in Werbeagenturen nunmal an der Tagesordnung ist) mir Ideen aus dem Daumen saugen. Ich bin zwar kreativ, aber für diese Art Job nicht genug.
Ich hab dann eine Ausbildung zum Mediengestalter für Digital-/Print- und Webmedien gemacht sowie eine Zusatzausbildung nebenberuflich zur Webdesignerin gemacht. Man darf sich nicht von der Berufsbezeichnung „Mediengestalter“ irre führen lassen, der Beruf hat oft herzlich wenig mit „Gestaltung und Design“ zu tun, sondern ist mehr Technik orientiert, sprich z.B. den Mist, den Grafiker verzapfen, so aufzubereiten, umzusetzen, dass es auch druckfähig ist usw.
Ich hab für mich persönlich gemerkt, dass ich liebend gerne kreativ bin, aber nicht unter Druck es sein kann. Also hab ich beruflich die mehr technisch-kreative Schiene des Mediengestalters übernommen, und bin aber privat nebenbei mit meinem eigenen „Ein-Mann-Unternehmen“ freischaffende Künstlerin - eine ideale Mischung, beides unter Dach und Fach zu bekommen.
Um also nach einer Ausbildung nochmal einige Jahre Ausbildung dranhängen zu wollen (und kein Geld zu verdienen), sollte man genug Selbstfindung betreiben, UM WAS es einem EIGENTLICH geht!
Man muss sich vor Augen halten, dass die Tätigkeiten eines Grafiker, Designers knallhart sind, viel Zeitdruck, viel Stress, viel Ärger mit nörgelnden Kunden bedeuten kann - da bleibt nicht viel Zeit für hübsch rumpinseln und hübsch kreativ sein - davon träumen viele, die Realität sieht leider anders aus.
Wir arbeiten mit vielen Werbeagenturen und selbstst. Grafikern hier in der Druckvorstufe zusammen und bekommen so tagtäglich mit, was die für einen harten Job haben - fernab von gemütlicher Kreativität.
Viele grüße,
Christina
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