Daß „wir“ im anglo-amerikanischen Raum als Germanen gelten und im romanischen Sprachraum als Alemannen bezeichnet werden, ist ja nicht wirklich neu. Wie sieht’s denn aber mit dem Rest der Welt aus? Was heißt „Deutsch“ oder „Deutschland“ in Osteuropa, Asien, Afrika? Und woher leitet sich die Bezeichnung jeweils ab?
Vielen Dank für eure Antworten!
Hallo Thomas,
in Arabien ‚aleman‘.
In suedlichen Afrika ‚german‘;
in Suedafrika auch noch ‚duits‘ oder manchmal versucht einge-englischt: dutch.
Ebenfalls Gruss, Elke
Hallo Thomas!
Im osteuropäischen Raum heißen die Deutschen meist немецы (nemecy) (das ist die russische Version; in anderen slawischen Sprachen variiert es teilweise). Im Ursprung hieß das mal „die Fremden“, wenn ich mich nicht ganz täusche.
In afrikanischen und asiatischen Sprachen hast Du das Problem, daß diese ursprünglich das Wort „deutsch“ nicht kannten; viele haben deswegen Lehnwörter aus europäischen Sprachen eingeführt. Im Madagassischen heißt „deutsch“ z.B. „alema“.
nemecký (mit Haken auf dem e, also njemezkih) - tschechisch, weibliche Form nemecká,
Nemecko heißt Deutschland (oder SRN für spolková republika Nemecko, also BRD) und die deutsche Sprache Nemcina (mit Häkchen auf e und c, also njemtschina)
Ein Deutscher heißt Nemec (njemets), eine Deutsche Nemka (njemka). Zwei männl. Deutsche Nemci (njemtsi), zwei weibl. Deutsche Nemky (njemky)
richtig geschrieben wird es „almanci“ (das i muss ohne Punkt sein), wobei die Aussprache annähernd wie bei deiner Version ist, allerdings mit einem ganz kurzen, dumpfen e-Laut am Schluss.
Slawische Sprachfamilie
Zu den slawischen Begriffen ähnlich nemecy:
Ich habe gestern erst mit einer Polin die Polnische Sprache studiert ueber dieses Thema gesprochen. Sie sagt der Begriff bedeutet „nicht sprechbar“. Polen ist von slawischen Sprachnachbarn umgeben, bis auf die westliche Seite. Und das war das deutsche Volk dessen Sprache nicht sprechbar war. Im Gegensatz zu den slawischen Sprachen untereinander.
auch wenn ich vielleicht keinem was Neues erzähle, will ich noch ein bisschen meinem Hang zum Systematisieren nachgeben
Lange hatten ja nur die germanischen Einzelstämme Namen. Unsere nationale Selbstbezeichnung kam auf, als das Gegenüber zur romanischen („welschen“, wohl vom Stamm der Volsker) Sprachzone die eigene Gemeinsamkeit wahrnehmbar machte; wer nicht romanisch sprach, sprach „wie das Volk“ = teotisk.
Diese Selbstbezeichnung ging ins Italienische als Adjektiv ein (tedeschi), was die besonders engen politischen und kommerziellen Beziehungen im ganzen Mittelalter dokumentiert (das Substantiv Germania kam viel später in den Gebrauch des Volkes), aber auch ins Englische (dutch). Erst als die den Engländern nächsten „Deutschen“, die Niederländer, sich im 17. Jhd. als eigene Nation konstituierten (bis dahin nannten sie sich auch „duits“, wie heute noch teilweise in Südafrika), brauchten die Engländer für das übrige Deutschland einen neuen Namen und griffen zu dem Gelehrtenwort „german“. Viele Sprachen in Übersee haben ihren Namen für uns dann von den Engländern übernommen.
Der andere Benennungszweig geht auf die Franzosen zurück, die ja eigentlich (im Norden) romanisierte Franken waren und mit den anderen „deutschen“ Stämmen noch lange in einer politisch-ideologischen Einheit lebten. Der Name des alemannischen Nachbarstammes und Herzogtums wurde dann nach und nach Bezeichnung für alle östlichen Nachbarn - und ging von dort in viele außereuropäische Sprachen ein.
Das slawische Wort Niemiec u.ä. wird etymologisch verschieden gedeutet. Es könnte ursprünglich bedeutet haben „der nicht spricht“.
Wenn ich mich recht erinnere, heißt „Deutsch(land)“ auf finnisch „saksa“.
Als Exil-Kölner und „Piefke“ nennen mich meine wiener Kollegen auch manchmal „Südschwede“ („g“).