Deutsch ist manchmal nicht eindeutig

Hallo,

letztens habe ich in der „ZEIT“ einen Satz gelesen (den ich jetzt allerdings nicht mehr zusammenbekomme, sorry…), der vom Inhalt her zweideutig war, allerdings sicher unbeabsichtigt zweideutig. Jedenfalls kam ein Objekt im Akkusativ darin vor.

Ein weiteres Beispiel waere der Satz:

„Die Mutter schlaegt die Tochter.“ (Drastisches Beispiel, tut mir leid.)

Wer schlaegt hier wen?

a) Die „Mutter“ kann Subjekt und die „Tochter“ Objekt sein.

b) Das Ganze geht aber auch genauso gut anders herum (bei gleicher Stellung der Worte im Satz!).

Oder?

Jan

Hi,

letztens habe ich in der „ZEIT“ einen Satz gelesen (den ich
jetzt allerdings nicht mehr zusammenbekomme, sorry…),

Den kenne ich leider nicht, habe es nicht gelesen.

Ein weiteres Beispiel waere der Satz:
„Die Mutter schlaegt die Tochter.“
Wer schlaegt hier wen?

a) Die „Mutter“ kann Subjekt und die „Tochter“ Objekt sein.

b) Das Ganze geht aber auch genauso gut anders herum (bei
gleicher Stellung der Worte im Satz!).

Oder?

Nee. Die Mutter ist hier Subjekt und schlägt die Tochter. Einziges Mißverständnis könnte sein, ob sie die Tochter tätlich angreift oder im Spiel schlägt (z.B. Schach) :wink:

Vielleicht liegt’s ja nur am Beispiel und du findest den Satz aus der Zeit noch.

Gruß, Faten

„Die Mutter schlaegt die Tochter.“ (Drastisches Beispiel, tut
mir leid.)

Wer schlaegt hier wen?

a) Die „Mutter“ kann Subjekt und die „Tochter“ Objekt sein.

b) Das Ganze geht aber auch genauso gut anders herum (bei
gleicher Stellung der Worte im Satz!).

Oder?

Nein und Ja

Der Satz ist eindeutig, wenn der Autor sich an die im Deutschen übliche, aber nicht verbindliche Regel hält, dass das Subjekt - also der Nominativ - auf der Position I im Satz steht und auf Position III (das Verb steht auf Position II) das Objekt, hier der Akkusativ.

Manch Autoren, die „poetische Adern“ in sich spüren - und vielleicht gibt es in der „Zeit“ mehr von diesen als in anderen Blättern - stellen das schon mal um, und dann kann es zu Verständnisschwierigkeiten kommen.

Edith Hallwass, Deutsch müsste man können, erschienen im Hans Holzmann Verlag - hat solche Fälle vorgestellt, wo auf Grund nicht gut überlegter Wortstellung im Satz die Aussage unklar wird.

Ein Beispiel:
Kundin: „Ich würde gern das reizende blaue Kleid im Schaufenster anprobieren.“
Verkäuferin: „Wie sie wünschen, gnädige Frau. Aber wir haben auch Kabinen.“

Hier wurde die Apposition zu „Kleid“ „im Schaufenster“ als Lokalangabe missverstanden.

Man kann solche Missverständnisse aber eigentlich immer vermeiden, wenn man sich Mühe gibt - als Schreiber und als Leser.

Gruß Fritz Ruppricht

Nee. Die Mutter ist hier Subjekt und schlägt die Tochter.

Wieso? Woher nimmst Du Deine Gewissheit? Ich denke, dass auch die „Tochter“ Subjekt sein kann. Klingt dann zwar ein bischen gestelzt, aber rein grammatisch ist das so moeglich.

Vielleicht liegt’s ja nur am Beispiel und du findest den Satz
aus der Zeit noch.

Die „ZEIT“ ist immer so dick, da muss ich bestimmt eine Weile drin suchen. Vielleich habe ich heute abend Muse dazu…
Jan

Hallo Franz,

Der Satz ist eindeutig, wenn der Autor sich an die im
Deutschen übliche, aber nicht verbindliche Regel hält, dass
das Subjekt - also der Nominativ - auf der Position I im Satz
steht und auf Position III (das Verb steht auf Position II)
das Objekt, hier der Akkusativ.

Na , und wie ist es mit folgendem Satz:
Die Tochter schlägt die Mutter nur im Affekt.
Ist es noch eindeutig?

Verkäuferin: „Wie sie wünschen, gnädige Frau. Aber wir haben
auch Kabinen.“

Im Feinksostladen: Ich möchte bitte Rumkugeln. Verkäuferin: Aber bitte nicht hier! :smile:

Gruß

J.

Nee. Die Mutter ist hier Subjekt und schlägt die Tochter.
Einziges Mißverständnis könnte sein, ob sie die Tochter
tätlich angreift oder im Spiel schlägt (z.B. Schach) :wink:

Hallo, Faten,
Deutlich wird es vielleicht dadurch:
„Die Tochter schlägt die Mutter.“ (natürlich nur im Spiel!)
Nur die Betonung der Substantive kann hier Aufschluß geben ob SPO (Subject, Prädikat, Objekt) oder OPS gilt.
Also: Die Tochter schlägt die Mutter. (SPO)
oder: Die Tochter schlägt die Mutter. (OPS)
Gruß Eckard

Hi,

Also: Die Tochter schlägt die Mutter. (SPO)
oder: Die Tochter schlägt die Mutter. (OPS)

Hmmh. Schwierig. Also, ich würde im Allgemeinen immer von SPO ausgehen. Die andere Variante käme mir allerhöchstens bei sehr alten Texten und Gedichten in den Sinn.

Sorry, falls ich mich also getäuscht habe, aber ist die Reihenfolge SPO nicht üblich im Deutschen? Ich erinnere mich an meinen Deutschunterricht insofern, daß SPO dort als DER deutsche Satzbau betont wurde.

Aber was soll’s: Irren ist menschlich,ne. Nichts für ungut.

Gruß, Faten

Warum eindeutig? Im Goettinger Tageblatt wird haeufig mit Akkusativ angefangen. Ist das nur erlaubt, wo es eindeutig ist?

Liebe Faten,

Aber was soll’s: Irren ist menschlich,ne. Nichts für ungut.

Absolut kein Grund für eine Entschuldigung! Du hast ja vollkommen recht. SPO ist die Regel. Aber keine Regel ohne Ausnahme (schon gar nicht in der Sprache).
Hängen wir mal an die Beispiele jeweils einen kleinen Nebensatz an:
Die Tochter schlägt die Mutter , bisher war es umgekehrt.
Die Tochter schlägt die Mutter, nicht aber den Sohn.
und schon wird erkennbar wer Subjekt und wer Objekt ist. Es ist also oft erst der Zusammenhang, aus dem heraus die Bedeutung hervorgeht.
Grüße
Eckard

Hallo Franz,

Ich heiße Fritz,

Die Tochter schlägt die Mutter nur im Affekt.
Ist es noch eindeutig?

Wenn ich nur auf die Grammatik schaue nicht, da ich nicht sicher sein kann, dass der Autor sich an die gebräuchlichen Satzbauregeln hält.
Hier muss man auf den Kontext, den Sinn des Ganzen schauen. Steht dieser Satz in einem Protokoll über Kindesmisshandlung, so ist es klar, dass die Mutter (Subjekt) die Tochter (Objekt) nicht immer, sondern nur im Affekt schlägt.
Stammt der Satz aber aus einem Gerichtsverfahren, in dem gegen jugendliche Gewalttäter ermittelt wird, so ist es wohl die Tochter (Subjekt), die die Mutter (Objekt) schlägt.

Bei solchen Konfliktfällen, die übrigens nur bei Nomen aufteten, bei denen die Nominativ- und Akkusativendungen, bzw. die Formen der Artikel in diesen Kasus gleich sind, sollte man auf die Kommunikationssituation achten, die die meisten Irrtümer ausschließt.

Im Feinkostladen: Ich möchte bitte Rumkugeln.
Verkäuferin: Aber bitte nicht hier! :smile:

Auch hier kann ein Irrtum nur in der gesprochenen Rede stattfinden, da das Schriftbild durch die Großschreibung - ein Argument für diese - klar macht, dass „Rumkugeln“ ein Nomen ist.
Und nur ein chronischer Witzbold, der kein Sprachspiel und keinen Kalauer auslassen kann, wird im Verkaufsgespräch den Wunsch der Kundin falsch interpretieren, um eines müden Lachers willen.

Manchmal macht mir das auch Spaß. A la: Sie war gut zu Vögeln, Fischen und anderen Kleintieren. (Man verzeihe mir, bitte!)
Vielleicht kennt noch jemand Schobert und Black: Könn die Toren nicht bessre Stollen backen …
Ich habe mit meinem Bruder einmal über eine Stunde lang über die Probleme der „Kaiserjäger vom 1. Regiment“ gesprochen, dass sie kaum noch eine Chance haben, irgend welche Kaiser zu erjagen, da es nur noch so wenige gibt auf der Erde. Ein netter Freizeits- und Privatspaß. Aber nichts für den Berufsalltag. Obwohl: mein anderer Bruder hat einem Kunden, der fragte: „Sind die Fische frisch?“, geantwortet: „Aber ja, der Fang war gut letztes Jahr.“ Dieser Kunde kannte Asterix und so hatten beide etwas zum Lachen.

Noch einmal zum Grundsätzlichen:

Die Wortstellung SPO ist im Deutschen die gebräuchliche, die normale, die man im Deutschunterricht lehrt und die die Schüler lernen sollen, die auch Stilistiker - etwa der Herr Sanders in „Gutes Deutsch - besseres Deutsch“ - stets empfehlen.
Auch ich korrigiere meine ausländischen Schüler stets in diesem Sinne. Es scheint, dass Slawen - ich habe es vor allem bei Tschechen bemerkt - eine Vorliebe für die Stellung OPS haben. Wenn man sich an die SPO-Regel hält, gibt es keine - na ja, fast keine - Missverständnisse.

Dennoch gibt es auch die andere Möglichkeit. Und manche lieben diese, und spielen damit herum. Und diese ist eben oft doppeldeutig. Dennoch, bei etwas gutem Willen wird auch dies nicht falsch verstanden.

Gruß Fritz Ruppricht

Dies bezweifle ich. Die Betonung unterschtreicht hier anderes, nicht den Unterschied von Subjekt und Objekt.
Gruß Fritz Ruppricht

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Hi Fritz,

Ich habe mit meinem Bruder einmal über eine Stunde lang über
die Probleme der „Kaiserjäger vom 1. Regiment“ gesprochen,
dass sie kaum noch eine Chance haben, irgend welche Kaiser zu
erjagen, da es nur noch so wenige gibt auf der Erde. Ein
netter Freizeits- und Privatspaß.

„Kaiserjäger“ – Klasse! :smile: Aber weißt Du auch, daß…

…ein Hochofen meist im Parterre steht?
…auch beim Bogenschießen immer nur geradeaus geschossen wird?
…Springbrunnen immer fest am Boden verankert sind?
…es im Standesamt auch Stühle gibt?
…man mit Dampfwalzen alles mögliche plattmachen kann, bloß keinen Dampf?
…man trotzdem noch da ist, auch wenn man sich gerade verschluckt hat?

Mit sprachwitzigem Gruß
Martin

PS:

„Eva, nenne mir zwei Pronomen!“
„Wer? Ich?“
„Ja, richtig!“

„Möchten Sie ihren Ausweis verlängern lassen?“
„Nein, ich finde das Format so ganz praktisch.“

„Unser Kind wird Freitag getauft.“
„Merkwürdiger Name.“

„Wo wurde das KSZE-Abkommen unterzeichnet?“
„Auf der letzten Seite.“

Sie: „Du bist eifersüchtig wie immer!“
Er: „Wie welcher Immer?“

„Weißt du, wie lange Fische leben?“
„Genauso wie kurze.“

„Sind die Blumen künstlich?“
„Natürlich.“

„Was ergibt drei mal sieben?“
„Ganz ganz feinen Sand.“

„Alle Fragewörter beginnen mit einem ‚W‘!“
„Tatsächlich?“

Uijeh! Bitte aufhören!
Oder einen noch:
Cowboy Jim zu Cowboy Bob: Gestern habe ich deinen Bruder getroffen.
Cowboy Bob: Wo?
Cowboy Jim: Genau zwischen den Augen!
Aber jetzt ist es genug!

na, vielleicht mal ein beispiel, welches häufig im sat1-videotext vorkommt:
ein einbrecher hat die hessische polizei auf frischer tat ertappt.
dieser satzbau tritt dort ziemlich oft auf.
cu
strubbel:smile:

ein einbrecher hat die hessische polizei auf frischer tat
ertappt.

Also, wenn das so in sat1 gesagt wird, dann hat wirklich d e r Einbrecher (Subjekt: da der Nominativ des unbestimmten Artikels: e i n Einbrecher heißt) die Polizei (Objekt) erwischt.
Oder die Leute von sat1 können nicht richtig Deutsch - ist die Feldbusch bei denen? -; korrekt muss dieser Satz heißen:
E i n e n Einbrecher (Objekt, Akkusativ) hat die Polizei (Subjekt, Nominativ; im Plural haben Nominativ und Akkusativ die gleichen Formen) erwischt.
Gruß Fritz Ruppricht

das weisst du und das weiß ich (und andere), aber nicht die redakteure vom sat 1-text. es ist deren lieblingsschnitzer.
übrigens sind sat1 und vivatext einsame spitzenreiter in sachen unsinn.
strubbel:smile: