Deutsch und seine Dialekte

Mich interessiert das Entstehen der Dialekte innerhalb der deutschen Sprache. Hab’ mal gelesen, dass das Oesterreichische das urspruenglichere Deutsch ist, und dass wir eine Lautverschiebung verschlafen haben. (Typisch). Oder ist es eher so, dass aus aehnlichen Sprachen eine Sprache geworden ist, indem man sich ‚zusammengeredet‘ hat? Und wieso verstehen wir (Wiener)die Bayern besser als die so nahen noerdlichen Niederoesterreicher oder Burgenlaender?

seawas eicha heabad
(Servus Euer Herbert)

Hallo Herbert,

Dialekte sind aus den Sprachenm, der in den einzelnen Regionen sesshaften Stämmen entstanden. Es gibt verschiedene Sprachfamilien unter den Dialekten und unterschiedliche Verwandschaftsgrade.

Dialekte sind im Gegensatz zur landläufigen Meinung keine Abart der jeweiligen Hochsprache, sondern eigene Sprachen mit eigener Lexik und zT eigener Syntax.

Man bedenke, dass gerade Deutschland (mit österreichischen Dialekten kenne ich mich nicht aus) ein relativ junger Nationalstaat ist und man daraus eigentlich noch gut erkennen könnte, aus wie vielen Wurzeln sich das Deutsche speist. Das Neuhochdeutsch ist eigentlich eine Art Kunstsprache, die sich aus einer Art Amtssprache entwickelt hat. Dazu kamen dann noch diverse Orthoepisten, die schon im 17. aber besonders im 19. Jahrhundert der Meinung waren man müsse eine Einheitlichkeit der Sprache normieren, damit es zu keinem Sprachverfall komme. So kam es dann auch, dass das Deutsche so absurde Formen wie den Plusquamperfekt, abgeleitet aus dem Lateinischen, erhielt und eine Consecutio Temporis in verschiedenen Nebensatzkonstruktionen.

Den Gedanken, dass das Österreichische das „eigentliche“ Deutsch sei, halte ich zwar für schmeichelhaft für die Österreicher aber nicht sonderlich valent, da auch die Österreichischen Dialekte sich nicht anders verhalten als die Deutschen und es sich dort auch eine Hochsprache gebildet hat. Genauso könnte man sagen, dass das amerkianische Englisch das eigentlich wahre Englisch sei, da es doch von den Gründervätern mitgebracht wurde. Aber inzwischen ist auch über das amerikanische einiges an Wandel gezogen, so dass man diesen Schluss kaum mehr ziehen kann.

Das Wienerische ist soweit ich informiert bin auch eher ein Soziolekt, denn ein Dialekt. Soziolekte sind das was heute mehr und mehr die Dialekte „ablöst“. Sie entstehen in einer sozialen Schicht oder Gruppe und tragen sich dann aus dieser Gruppe uU weiter.

Ich weiß, dass es zumindest für das Oberösterreichische einen Dialektatlas des Adalbert-Stifter-Instituts (Herrmann Scheuringer) in Linz gibt, den kannst du dir ja mal zu Gemüte führen.

Die Uni Würzburg erstellt seit Jahren einen Dialektatlas des Unterfränkischen

http://www.uni-wuerzburg.de/germanistik/spr/suf/S1.htm

auch das eine Infomöglichkeit ;o)

und hier findest du eine Zeittafel zur deutschen Dialektologie

http://mailer.uni-marburg.de/~naeser/dial-ztt.htm

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen *s*

Grüße

IgnoRat

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Hi, danke fuer die Muehe!

Den Gedanken, dass das Österreichische
das „eigentliche“ Deutsch sei, halte ich
zwar für schmeichelhaft für die
Österreicher aber nicht sonderlich
valent, da auch die Österreichischen
Dialekte sich nicht anders verhalten als
die Deutschen und es sich dort auch eine
Hochsprache gebildet hat.

So hab’ ich’s eigentlich gar nicht gemeint :smile:

Genauso könnte
man sagen, dass das amerkianische
Englisch das eigentlich wahre Englisch
sei, da es doch von den Gründervätern
mitgebracht wurde. Aber inzwischen ist
auch über das amerikanische einiges an
Wandel gezogen, so dass man diesen
Schluss kaum mehr ziehen kann.

Genau. Ich meinte auch nicht, dass sich das Oesterreichische nicht weiterentwickelt hat. Interessant zu lesen: altoesterreichische Texte

Das Wienerische ist soweit ich informiert
bin auch eher ein Soziolekt, denn ein
Dialekt. Soziolekte sind das was heute
mehr und mehr die Dialekte „ablöst“. Sie
entstehen in einer sozialen Schicht oder
Gruppe und tragen sich dann aus dieser
Gruppe uU weiter.

Naja, vielleicht ist es eher so, dass sich im vorigen Jahrhundert die Einwohnerzahl Wiens verdoppelt hat. Aus dem ganzen alten Oesterreich-Ungarn kamen die Menschen und bereicherten unsere Sprache (und Speisezettel). So wurde die Wiener(Sprach)Mischung ein Mix aus allen oesterreichischen Dialekten plus vielen Ausdruecken aus dem Ungarischen, Slowakischen und Tschechischen. Leider war es dann lange Zeit so, dass das Wienerische als ‚Poebel‘-sprache angesehen wurde. Wer in der Schule oder Arbeit nicht Hochdeutsch gesprochen hat, wurde schief angesehen. (Zu Hause gings allerdings mit Wienerisch weiter) Vor allem Ausdruecke aus dem Slowakischen und Tschechischen werden heute kaum mehr verwendet (Kann mich noch gut erinnern). Schade.
Interessant ist vielleicht noch, dass es inoffiziell so eine Art ‚Hochoesterreichisch‘ gibt -Junge Leute sagen auch ‚Verkehrswienerisch‘. Wenn sich z. B. Wiener und Steirer zusammenreden wollen, sprechen sie keineswegs Hochdeutsch sondern verwenden ihren Dialekt, aber mit Ausdruecken die in ganz Oesterreich verwendet werden. Nur bei Deutschen wird, oft mit Muehe, (warum eigentlich? im Radio und Fernsehen werden wir doch pausenlos mit Hochdeutsch berieselt) auf Hochdeutsch ‚umgeschaltet‘.

Ich weiß, dass es zumindest für das
Oberösterreichische einen Dialektatlas
des Adalbert-Stifter-Instituts (Herrmann
Scheuringer) in Linz gibt, den kannst du
dir ja mal zu Gemüte führen.

Danke fuer den Hinweis

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig
helfen *s*

Danke!

Das Neuhochdeutsch ist eigentlich
eine Art Kunstsprache, die sich aus einer
Art Amtssprache entwickelt hat.

Etwa seit Mitte des 14. Jahrhunderts hat sich auf ostmitteldeutscher Grundlage eine einheitliche Schriftsprache („sächsische Kanzleisprache“) entwickelt, die den Bedürfnissen des Schriftverkehrs von Verwaltung, Rechtsprechung und Handel Rechnung trug. Für ihre weitere Verbreitung sind die Erfindung des Buchdrucks und vor allem Luthers Bibelübersetzung von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Dazu
kamen dann noch diverse Orthoepisten, die
schon im 17. aber besonders im 19.
Jahrhundert der Meinung waren man müsse
eine Einheitlichkeit der Sprache
normieren, damit es zu keinem
Sprachverfall komme. So kam es dann auch,
dass das Deutsche so absurde Formen wie
den Plusquamperfekt, abgeleitet aus dem
Lateinischen, erhielt und eine Consecutio
Temporis in verschiedenen
Nebensatzkonstruktionen.

Den Gedanken, dass das Österreichische
das „eigentliche“ Deutsch sei, halte ich
zwar für schmeichelhaft für die
Österreicher aber nicht sonderlich
valent, da auch die Österreichischen
Dialekte sich nicht anders verhalten als
die Deutschen und es sich dort auch eine
Hochsprache gebildet hat.

Das ist sicherlich so nicht richtig. Deutsch ist die Landessprache sowohl in Deutschland als auch in Österreich (sowie der Schweiz und Lichtenstein). Es ist auch regionale Amtsprache oder Minderheitensprache in einigen anderen europäischen Ländern (z.B. Belgien und Italien). Dadurch ergeben sich regionale Unterschiede, die nicht nur die verschiedenen Dialekte, sondern auch die Umgangs- und Schriftsprache betreffen. Trotzdem sind die Unterschiede nicht so groß, dass man nicht mehr von einer gemeinsamen deutschen Sprache sprechen könnte. Es hat sich auch keine eigene Hochsprache in Österreich gebildet. Man kann also nicht von „Österreichisch“ sondern nur von Österreichischem Deutsch sprechen. Unterschiede zeigen sich besonders im Wortschatz, wobei es zum Teil Gemeinsamkeiten mit dem Süddeutschen oder Baierischen gibt.

Gruß,
Manfred Kiefer

Man
kann also nicht von „Österreichisch“
sondern nur von Österreichischem Deutsch
sprechen. Unterschiede zeigen sich
besonders im Wortschatz, wobei es zum
Teil Gemeinsamkeiten mit dem Süddeutschen
oder Baierischen gibt.

Gehören die Dialekte in Österreich nicht zum Bairischen?

Andreas

Man
kann also nicht von „Österreichisch“
sondern nur von Österreichischem Deutsch
sprechen. Unterschiede zeigen sich
besonders im Wortschatz, wobei es zum
Teil Gemeinsamkeiten mit dem Süddeutschen
oder Baierischen gibt.

Gehören die Dialekte in Österreich nicht
zum Bairischen?

Doch, sicher. Aber auch innerhalb einer Gruppe von Dialekten gibt es Unterschiede.

Gruß,
Manfred

Man
kann also nicht von „Österreichisch“
sondern nur von Österreichischem Deutsch
sprechen. Unterschiede zeigen sich
besonders im Wortschatz, wobei es zum
Teil Gemeinsamkeiten mit dem Süddeutschen
oder Baierischen gibt.

Gehören die Dialekte in Österreich nicht
zum Bairischen?

Doch, sicher. Aber auch innerhalb einer
Gruppe von Dialekten gibt es
Unterschiede.

Kleine Korrektur: Vorarlberg gehört zum alemannischen Dialektgebiet.

Gruß,
Manfred

Kleine Korrektur: Vorarlberg gehört zum
alemannischen Dialektgebiet.

Ist hier zwar Off-Topic, aber…
das Burgenland, Salzburg, Tirol und in der Tat Vorarlberg sind eigentlich nicht Österreich!

Andreas

Ach ja … ?
… und Ostdeutschland heißt irrtümlich Polen, von Königsberg gar nicht zu reden,
oder wie ?
In welchem Jahrhundert lebst Du???

Abgesehen davon, politische Grenzen stellen noch lange keine Sprach- oder Kulturgrenzen dar.

ziemlich enttäuscht
Bernhard

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Kleine Korrektur: Vorarlberg gehört zum
alemannischen Dialektgebiet.

Ist hier zwar Off-Topic, aber…
das Burgenland, Salzburg, Tirol und in
der Tat Vorarlberg sind eigentlich nicht
Österreich!

Andreas

Ach ja … ?
… und Ostdeutschland heißt irrtümlich
Polen, von Königsberg gar nicht zu reden,
oder wie ?

Traurig genug, dass deutsche Mundarten wie etwa das Ostpreussische und das Oberschlesische bereits so gut wie ausgestorben sind! Und man wird bitte noch daran erinnern duerfen, dass manche Gebiete, in denen die Autos der Bewohner kein „D“ - Schild tragen, einmal zu Deutschland gehoerten. Ob diese Gebiete nun zu Recht oder Unrecht abgetrennt wurden, ist nicht Gegenstand dieser Diskussion.

In welchem Jahrhundert lebst Du???

Ja, und genau so eine Antwort erwarte ich jetzt auch !

Abgesehen davon, politische Grenzen
stellen noch lange keine Sprach- oder
Kulturgrenzen dar.

ziemlich enttäuscht
Bernhard

Also das wundert mich. Politisch gehören diese Länder sicher zur Republik Österreich.

Um noch einmal auf Dialekte und Standardsprache zurückzukommen. Meines Wissens gehören Österreichs Dialekte von Tirol bis zum Burgenland zum Bairischen; der Vorarlberger Dialekt (oder die dort gesprochenen Dialekte) zum Alemannischen. Damit sind sie den Dialekten der angrenzenden Schweiz ähnlicher als denen Tirols.

Die Schrift- und Umgangssprache in Österreich ist Deutsch. Im Wortschatz des österreichischen Deutsch gibt es aber einige Wörter, die es in Deutschland nicht gibt oder nur in einigen Dialekten bzw. Regionen: Kren statt Meerrettich (so auch im Bairischen); von der Amtssprache mal ganz abgesehen (Matura statt Abitur, Landeshauptmann statt Ministerpräsident).

Ich denke damit sind alle Klarheiten beseitigt.

Gruß,
Manfred

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Traurig genug, dass deutsche Mundarten
wie etwa das Ostpreussische und das
Oberschlesische bereits so gut wie
ausgestorben sind! Und man wird bitte
noch daran erinnern duerfen, dass manche
Gebiete, in denen die Autos der Bewohner
kein „D“ - Schild tragen, einmal zu
Deutschland gehoerten.

In Österreich würdest Du für so eine Bemerkung bereits Nazi genannt werden.
Gratulation zum Recht auf freie Meinungsäußerung! (das ist wirklich ernst gemeint)

Ob diese Gebiete

nun zu Recht oder Unrecht abgetrennt
wurden, ist nicht Gegenstand dieser
Diskussion.

Darüber darf man schon gar nicht reden.

Eigentlich wollte ich aber deutlich machen, daß die im Beitrag weiter oben genannten Bundesländer sehr wohl zu Österreich gehören, wenn auch nicht alle gleich lange.
Gruß
Bernhard

Ist hier zwar Off-Topic, aber…
das Burgenland, Salzburg, Tirol und in
der Tat Vorarlberg sind eigentlich nicht
Österreich!

Ist mir aber neu! Brauch ich jetzt einen Pass, wenn ich ins Burgenland fahre?

Traurig genug, dass deutsche Mundarten
wie etwa das Ostpreussische und das
Oberschlesische bereits so gut wie
ausgestorben sind! Und man wird bitte
noch daran erinnern duerfen, dass manche
Gebiete, in denen die Autos der Bewohner
kein „D“ - Schild tragen, einmal zu
Deutschland gehoerten.

In Österreich würdest Du für so eine
Bemerkung bereits Nazi genannt werden.
Gratulation zum Recht auf freie
Meinungsäußerung! (das ist wirklich ernst
gemeint)

Also nein wirklich…

Ob diese Gebiete

nun zu Recht oder Unrecht abgetrennt
wurden, ist nicht Gegenstand dieser
Diskussion.

Darüber darf man schon gar nicht reden.

Vielleicht hast Du mal darueber nachgedacht, warum man in manchen Gebieten Angst hat, vor Leuten die diese Ueberlegungen anstellen?
Und: Das Burgenland hat zu Ungarn gehört, Südtirol zu Österreich, das Saarland… udergl. Du findest kaum ein Gebiet irgendwo in Europa, dass nicht irgendwann mal zu einem anderen Land gehoert hat.
Servus H

Eigentlich wollte ich aber deutlich
machen, daß die im Beitrag weiter oben
genannten Bundesländer sehr wohl zu
Österreich gehören, wenn auch nicht alle
gleich lange.
Gruß
Bernhard

Jetzt haben wir fast nur ueber Oesterreich und seine Dialekte gesprochen. Was ist mit dem Rest vom deutschsprachigem Raum? Verzaehlt mal!
Grias eing
H

Traurig genug, dass deutsche Mundarten
wie etwa das Ostpreussische und das
Oberschlesische bereits so gut wie
ausgestorben sind! Und man wird bitte
noch daran erinnern duerfen, dass manche
Gebiete, in denen die Autos der Bewohner
kein „D“ - Schild tragen, einmal zu
Deutschland gehoerten.

In Österreich würdest Du für so eine
Bemerkung bereits Nazi genannt werden.

Also mit „Nazi“ hat das nun wirklich nichts zu tun! Es ist ja nun so, dass Oesterreich so immer mal zum Deutschen Reich gehoerte: Der oesterr. Kaiser z.B. war bis 1806 auch Kaiser des Hl. Roem. Reiches Deutscher Nation. Und als Oesterreich in den 30er Jahren eingegliedert wurde, stand ein Großteil der oesterr. Bevoelkerung am Straßenrand und bereiteten der einmarschierenden Wehrmacht einen begeisterten Empfang - Danach aber wollte niemand dabeigewesen sein ! Liebe mitlesende Oesterreicher, das ist nicht boese gemeint, aber auch andere Voelker haben Vergangenheit zu bewaeltigen, nicht nur wir Deutschen.

Gratulation zum Recht auf freie
Meinungsäußerung! (das ist wirklich ernst
gemeint)

Also nein wirklich…

Ob diese Gebiete

nun zu Recht oder Unrecht abgetrennt
wurden, ist nicht Gegenstand dieser
Diskussion.

Darüber darf man schon gar nicht reden.

Vielleicht hast Du mal darueber
nachgedacht, warum man in manchen
Gebieten Angst hat, vor Leuten die diese
Ueberlegungen anstellen?

Solche Themen sind selbstverstaendlich heiße Eisen. Aber gerade deswegen, finde ich, sollte man darueber sprechen duerfen - Schaden kann ein diesbezueglicher Meinungsaustauch bestimmt nicht.

Und: Das Burgenland hat zu Ungarn gehört,
Südtirol zu Österreich, das Saarland…
udergl. Du findest kaum ein Gebiet
irgendwo in Europa, dass nicht irgendwann
mal zu einem anderen Land gehoert hat.
Servus H

Eigentlich wollte ich aber deutlich
machen, daß die im Beitrag weiter oben
genannten Bundesländer sehr wohl zu
Österreich gehören, wenn auch nicht alle
gleich lange.
Gruß
Bernhard