Hallo Dirk,
Der Grund, ich habe schwierigkeiten mich ausdrücken und auch
einfach allgemein in Deutsch. Doch, ohne jetzt arrogant wirken
zu wollen, verstehe sehr viel von Naturwissenschaften und von
Erdkunde/Geschichte.
das glaube ich dir gern. Nur: Was nützt dem Menschen Wissen, wenn er es nicht anderen vermitteln kann?
Ein ein bisschen
übertriebenes Beispiel.
Nö, wieso? Ist doch ganz realistisch.
Bio-Test früher:
Was ist für die Vererbung der Merkmale verantwortlich?
_____________________
Was ist ein x-gonosomaler rezessiver Erbgang?
_______________________________________________________________________
Der heutige Bio-test:
Erläutere den Erbgang.
…
Ja, genau. Wie Michael schon schrieb: Vernetztes Denken ist gefragt. Wissen ist nicht nur Auswendiglernen. Im ersten Beispiel von dir werden nur auswendig gelernte Fakten abgefragt. Viel interessanter ist doch aber, ob der Schüler die Zusammenhänge auch verstanden/verinnerlicht hat. Das kann man aber nur mit einer Frage erreichen, die dem Schüler Raum gibt, kompliziertere Gedankengänge darzulegen und argumentativ zu stützen.
Dazu weiß ich eine ganze Menge, nur ich weiß nicht wie ich es
ausdrücken soll.
Das kannst du üben. Es ist zwar etwas langwierig, das zu erlernen, aber es lohnt sich. Schnapp dir euer Lehrbuch oder ein Lehrbuch aus der Bibliothek, sehr gut sind auch diese „Lernhilfen“. Suche dir die Übungsfragen zu dem jeweils im Unterricht behandelten Stoff heraus und beantworte jede davon SCHRIFTLICH. Lass dir Zeit.
Bevor du anfängst zu schreiben, überlege dir einen Plan. Nimm einen Schmierzettel zur Hand und notiere stichpunktartig die Hauptgedanken/-argumente, die du dann im Text näher erläutern wirst. Wie Stefan schon schrieb, ist es sinnvoll, sich bei der Grundstruktur an den drei Eckpfeilern Einleitung - Hauptteil - Schluss zu orientieren.
Stell dir vor, du würdest den Text nicht für deinen Lehrer schreiben, sondern für jemanden, der von dem Thema keine Ahnung hat. Ein Rhetorik-Dozent an der Uni hat mit uns mal eine Übung durchgeführt: Wir sollten einen komplizierten Sachverhalt so erklären, dass ihn auch unsere Omas verstehen würden. Also, wie fängst du an, um deine Oma an dieses Thema heranzuleiten? Was ist die Motivation deines Textes? Wie ist er strukturiert? Worauf willst du am Schluss hinaus? Die Einleitung bereitet den Leser auf den nachfolgenden Hauptteil vor.
Der Hauptteil muss gut gegliedert sein. Überlege dir vorher ein paar Stichwörter, die dir für die Beantwortung der Frage wichtig erscheinen. Notiere diese Stichwörter auf einem Schmierblatt. Pro Stichwort schreibst du einen Absatz. Dabei musst du die Stichwörter und, ganz wichtig, ihren Zusammenhang mit der Fragestellung erläutern. Verliere nicht das Ziel (Beantwortung der Aufgabe) aus den Augen!
Zum Schluss fasst du alle Kernpunkte des Hauptteils in 1-2 Sätzen zusammen und ziehst das Fazit aus der gesamten Erläuterung.
Wenn du fertig bist, versetze dich in die Lage entweder von deiner Oma oder von einem zwei Jahre jüngeren Schüler und lies aus dessen Sicht deinen Text noch einmal langsam durch. Frage dich immer wieder: Wäre es für die Oma/den Schüler verständlich? Kennen sie am Ende die Antwort auf die gestellte Frage? Bin ich, trotz verständlicher und ausführlicher Erläuterung, letztlich auf den Punkt gekommen?
Bei dem alten Test gibt es eine Antwort. Bei
dem neuen kann man schreiben und schreiben.
Sieh es als Vorteil: Du kannst ALL dein Wissen zeigen und nicht nur punktuell gelernte Fakten!
Und die Lehrer sagen noch: „ja warte mal ab, in der
oberstufe wird das noch viel mehr zu erläutern sein, da gib´s
keine Kindertest´s mehr. Das sind dann richtige Klausuren.“
Ja, da haben sie Recht. Deshalb fange jetzt schon an, regelmäßig das Schreiben zu üben!
Was ist bitte an dem alten Test kindisch???
Dass sie nur punktuelle Fakten und keine Zusammenhänge, kein Verständnis abfragen.
Noch schlimmer ist es in Erdkunde, Geschichte und Religion, wo
sogar die Rechtschreib-, Zeichensetzungs und die
Grammatikfehler mit einbezogen werden.
Auch hier gilt: Üben, üben, üben. Dafür gibt es Lernhilfen, die du in der Bibliothek deiner Wahl findest.
Ist das nicht ein bisschen unfair?
Nein, ist es nicht. Später im Beruf bist du auch kein Einzelgänger, der nur mit seinem Wissen arbeitet. Du musst ständig mit anderen Menschen kommunizieren, du musst ihnen deine Gedanken und Ergebnisse deiner Arbeit verständlich erklären. Wenn du schon bei Biologie warst: Wir schreiben regelmäßig Praktikaprotokolle, die so 60-80 Seiten umfassen. Was meinst du, wie wichtig es dort ist, seine Gedanken gut zu strukturieren und die Argumente verständlich darzulegen? Ohne gewisse Grundfähigkeiten in deutscher Sprache bist du verloren - egal, wie gut du das Thema verstanden hast. Ach ja, und da Versuche häufig in Gruppen durchgeführt werden, musst du deinen Kommilitonen auch ständig deine Gedankengänge erklären…
Grüße,
Anja