Gibt es eigentlich eine Art Lexikon der Horrorliteratur, in dem alle wesentlichen Autoren aufgelistet sind, die bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur (Weiter)entwicklung der Gattung beigetragen haben? Vor allem die deutschsprachigen Autoren würden mich interessieren. Mir fällt spontan E.T.A. Hoffmann ein aber es muss doch noch andere geben, die sich vor ihm mit ähnlichen Stoffen beschäftigt haben. Nun ist es schwierig eine genaue Definition von „Horror“ zu liefern aber ich würde es versuchsweise durch die Wirkung des tiefen Schreckens, des Grauens und des Gewahrwerdens der eigenen Urängste beschreiben wollen. So würde ich also nicht gleich jede Geschichte, in der ein Geist erscheint, der Horrorliteratur zuordnen wollen aber ich denke ihr wisst wie ich es meine. Trivialliteratur interessiert mich dabei weniger, es geht mir eher um die Hochliteratur oder auch die gehobene Unterhaltungsliteratur. Die Amerikaner hatten Poe, Lovecraft und viele weitere - doch wen haben (bzw. hatten) wir? Fallen euch spontan Autorennamen ein?
Alfred Kubin, Gustav Meyrinck, Goethes Faust und natürlich …
http://www.fanpro.com/cms/fp/ShowProduct.php?sidcms=…
Gruß Thanatos
Fallen euch spontan Autorennamen ein?
Hallo,
zwar kein Deutscher: Manches Werk von Franz Kafka kann man durchaus als Horror bezeichnen, z.B. seine Erzählung „In der Strafkolonie“.
Grüße, Peter
hm…Wolfgang Hohlbein ? Oder ist dir der schon zu trivial ?
Gruß
Marion
Guten Morgen -
obwohl Horrorliteratur im Deutschen nicht ganz so früh ein eigenständiges Genre wurde wie in Großbritannien (man denke an die vielen schönen gothic novels), gibt es vermutlich schon das ein und andere, wenn auch vielleicht keine solchen Klassiker wie Blackwood oder Dunsany (zumindest wären mir noch keine begegnet).
Wenn Dich etwas anspruchsvollere und trotzdem gut lesbare Literatur zum Thema interessiert, empfehle ich Brittnachers „Ästhetik des Horrors“ (Suhrkamp, gibt’s günstig gebraucht bei Amazon u.a.), da sind natürlich auch sehr viele Autorenverweise drin.
Als Nebengedanke fällt mir noch ein, daß einige deutsche Märchenautoren in ihren Sagen und Texten Motive verarbeitet haben, die auch als Horrorelemente durchgehen (z.B. bei Bechstein). Ob man so allzu viele eigenständige (also nicht britische Vorbilder und Formate imitierende) deutsche HororautorInnen finden wird, glaube ich nicht, aber sicherlich zahlreiche Horror- und Schauerelemente in anderen phantastischen Subgenres.
Wenn mir noch der ein und andere gute Name einfällt, mailde ich mich.
Gruß,
Pengoblin
P.S.: Von wem ist nochmal „Der Kardinal Napellus“ - war das nicht Meyrink?
Ich danke euch für die Hinweise. Goethes Faust würde ich nun nicht unbedingt dem Horror-Genre zuordnen, obwohl einige fantastische Elemente in der Tat Anklänge an die Wirkung des Horrors enthalten. Ein dramatischer Text ist wohl auch konzeptuell eher für die Aufführung bestimmt und so ist es potentiell schwieriger, tiefere Emotionen durch bloßes Lesen des Dramas zu erzeugen. Die genannte „gothic novel“ findet ihr Pendant im bereits erwähnten E.T.A. Hoffmann, den auch Poe gelesen hat und von dem er beeinflusst wurde. Die „Ästhetik des Horrors“ werde ich mir bei Zeiten einmal anschauen. Ein guter Tipp war auch der Verweis auf die Märchen, denn auch Kunstmärchen müssen nicht immer schön und freudvoll sein (siehe wieder Hoffmann).
An Wolfgang Hohlbein habe ich auch gedacht, wobei ich da aber schon die Einschränkung bis 1950 machte, weil mich eher die Entwicklung der Horrorgeschichte als ihr heutiger Stand interessiert. Hohlbein zählt für mich nebenbei gesagt höchstens zur Unterhaltungsliteratur, seine Fantasy-Literatur ist stark von Stephen King beeinflusst. Diesen anglo-amerikanischen Einfluss der Nachkriegszeit wollte ich auch zunächst ausblenden, indem ich bewusst in früheren Zeiten / Epochen nach den Anfängen und der Entwicklung einer Horrorliteratur im deutschsprachigen Raum suchte (und noch suche).