Stimmt es, das die Burgunder Offensiven im 15.Jhdt. gegen das Rheinland (Neuss, aber auch Oberrhein) zur Stärkung der „deutschen Identität“ maßgeblich beitrugen?
Stimmt es, das die Burgunder Offensiven im 15.Jhdt. gegen das
Rheinland (Neuss, aber auch Oberrhein) zur Stärkung der
„deutschen Identität“ maßgeblich beitrugen?
Guten Tag,
meiner Ansicht nach spielen die deutsche Mentalität und der Weg zu einer eigenen Identität & die Militäoffensiven Burgund, die Karl der Kahle im Grunde mehr gegen Frankreich als gegen das Hl. Römische Reich Deutscher Nationen führte zwei verschiedene Rollen.
Der Partikularismus, also die Vielstaatlichkeit und die Mentalität der Landesfürsten, durch Territorialisierung stetig mit dem eigenen Herrschaftsgebieten beschäftigt gewesen zu sein, wir meiner Ansicht nach nicht durch eine erfolgreiche Besiegung (was sie noch nicht einmal war, der Konflikt spielte sich mehr oder minder zwischen Karl VII. und Karl dem Kahlen ab) anderer nicht hegemonialer Zivilisationen/Nationen verändert.
Ich glaube von einer wirklich deutschen Identität kann man anscheinend erst ab 1832 (Hambacher Fest) oder gar der deutschen Märzrevolution 1848 sprechen. Selbst nach 1648 war die Geschlossenheit in der Bevölkerung aufgrund eines gemeinsam erlebten Traumatas noch nicht eingehends eingetreten.
Mit freundlichen Grüßen,
L. O’Sullivan
Feindbilder fördern natürlich immer das Selbstbild und die innere Geschlossenheit.
Ich glaube aber auch, dass man zu diesem Zeitpunkt noch kaum von einer „deutschen“ Identität sprechen kann. Erst im 18. Jahrhundert haben Intellektuelle vermehrt begonnen, gesamtdeutsche „Volkskultur“ zu erforschen/konstruieren und archivieren (Volksliedersammlungen etc.), und auch das war nur ein elitärer Vorgang. Zur bewussten und breiten Entwicklung einer gesamtdeutschen Identität hat wohl erst die napoleonische Besatzung beigetragen - aber auch hier nur ansatzweise und noch sehr gespalten (Rheinbundstaaten / Preußen / Süddeutsche Staaten / Habsburg).
Historiker sprechen auch von „föderativem Nationalismus“ noch bis hin zu 1871.
Wichtige Etappen in der Nationalbewusstseinsbildung würde ich v.a. im 19. Jahrhundert ansetzen. Wie gesagt, Napoleon… die Rheinkrise der 40er… der erneute deutsch-französische Gegensatz in den 60ern…
Ich bezweifle, dass ohne verbreitete Schriftkultur (–> Buchdruck) und eine sich entwickelnde Hochsprache überhaupt das Bewusstsein einer deutschen (Kultur-)Einheit aufkommen konnte. Zumindest nicht in einer gewissen Breite.
Nuja, zusammengefasst, von deutscher Identität zu sprechen ist im HRRDN des 15. Jh. sicher vorgegriffen, aber es mag schon sein dass damals die Grundlage für einige kollektive Erinnerungen, Mythen o.ä. gelegt wurde, auf die evtl. später zurückgegriffen werden konnte.
VG