Ich beziehe mich auf Karl Kraus’ Beitrag über „Es“ in der Fackel vom Juni 1921. Ähnliche Gedanken äußerte Kraus in den Briefen an Sidonie Nádherny.
Es geht mir um die grammatische Analyse von Sätzen der Form „Es tat X Y.“
Beispiele:
„Es sah ein Knab’ ein Röslein steh’n.“
„Es führt’ über den Main eine Brücke aus Stein.“
„Bleib bei uns, denn es will Abend werden.“
„Es war einmal ein König, der …“
„Es wurde Licht.“
„Es regnet.“
Mich drängt zu verstehen, wie solche Sätze oberflächen-grammatisch zu analysieren sind: Wo ist das grammatikalische Subjekt? Und wenn es zwei gibt: In welcher Beziehung stehen sie?
Kraus nannte das grammatische Phänomen „vorangestelltes Es“. Wie heißt es heute? Und wie wird es analysiert?
Hans-Peter Stricker, ich grüße Sie,
wie kein Zweiter ist KK in das Geheimnis der Deutschen Sprache eingedrungen. Das kann heute niemand mehr. Sie kommen Ihrer Frage näher, wenn Sie auch DIE FACKEL Heft 876 vom Oktober 1932 zu Rate ziehen. Dort wird das Thema in dem Aufsatz „Subjekt und Prädikat“ nochmals behandelt. Falls Ihnen das Heft nicht verfügbar ist, finden Sie den Aufsatz auch auf meiner Homepage.
Der überall um sich greifende Sprachverfall bewirkt die Seltenheit Ihrer Frage. Die Elitären, Experten, Schulabbrecher udn Kinäden, die heute den Ton angeben, sind nicht mehr zur Satzbildung fähig. Man vernimmt nur noch Rülpsen und Stammeln; und die neuste Mode ist, daß wir Sprachkenntnisse haben sollen, um die Sätze richtig bilden zu können, damit jeder sie verstehen kann. (Wir müssen die Sprache kennen und die Sätze richtig bilden, damit sie jeder versteht.)
Ich grüße Sie, alles Gute
Roland Welcker
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