Deutsche Sprache - schwere Sprache?

Hallo allerseits!

Ich bin seit nun fast 14J in Deutschland. Als ich hierher kam, konnte ich nur „Guten Tag, ich heisse so-und-so und bin 18J alt.“ sagen. Ich weiss, dass ich von der Perfektion noch weit entfernt bin, aber wenn ich so manch einen höre oder noch schlimmer HIER LESE, wird mir ganz übel! >Ich bin grösser WIE duWÄR von euch

>Ich bin grösser WIE du

Hallo André!
Vielen Dank für deine Antwort. Aber:

>Ich bin grösser WIE du

Hallo Seltsam,

ohne Sprachwissenschaftler zu sein: Im Plattdeutschen, meinem Heimatdialekt, gibt es nur ein Wort für „als“ und „wie“. (Das ist z.B. auch im Schwedischen so, „som“ heißt sowohl „als“ als auch „wie“.)

„Öller as ju“ - älter als/wie du.

Und da einige noch zu sehr in ihren Dialekten verwachsen sind, kommt das logischere(?) Hochdeutsche eben an Stelle 2.

sannah
(Die früh vom Dialekt weg kam und den daher mittlerweile leider nur noch leidlich beherrscht.)

Hallo,
Seltsam.

Ich fürchte, dass es eine ganze Menge mit Bildung, beziehungsweise Nicht-Bildung zu tun hat, was von Dir beanstandet wird. Wenn man die schriftlichen Auslassungen in den Foren unter die Lupe nimmt, ist die Unfähigkeit, sich in einem halbwegs korrekten Deutsch auszudrücken, weit verbreitet. Die von André aufgeführten Gründe treffen sicherlich teilweise zu, sind aber keine Entschuldigung für die Sprachschlamperei. Wer Dialekt spricht, sollte trotzdem Hochdeutsch schreiben können. Jedenfalls war das bisher Ziel jeder Schulbildung. Falls das nicht mehr der Fall ist, kann ich darin nur eine Bankrotterklärung unseres Schulwesens sehen.

Grüße,
Montanus

Grüße,
Montanus

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[MOD] Vollzitat gelöscht. B.

Woran liegt es?! Es kann doch nicht sein, dass das Schulsystem
so schlecht ist. In Deutschland herrscht auch Schulpflicht,
warum können dann so viele kein vernünftiges Deutsch?! Es sind
so viele…

Hallo,

…die Bildung in Deutschland ist mittlerweile „unter aller Kanone“.

Früher hätte man sich nicht mit solchem Deutsch in die Öffentlichkeit gewagt, da man sich blamiert hätte.
Durch das Netz und dessen Anonymität ist diese Grenze weggefallen.

Bei manchen habe ich auch den Eindruck, daß sie die deutsche Sprache nur zum allernötigsten Verständnis lernen wollen.
Ihnen reicht rudimentäres Wissen.
Heute wird doch jeder „Mist“ toleriert.

Man versteht sich ja auch durchaus im Kanacken- Deutsch.:wink:

(Ich hatte mal ein Buch: Kanackisch für Anfänger, oder war es Kanakisch für Anfänger ?):wink:
Meine Einschätzung also: Hoffnungslos.

Gruß:
Manni

Hallo!

Ich fürchte, dass es eine ganze Menge mit Bildung,
beziehungsweise Nicht-Bildung zu tun hat, was von Dir
beanstandet wird.

Wenn man - so wie ich - in einer Gegend aufwächst, wo man ausschließlich „größer wie“, aber nie „größer als“ hört, empfindet man dies weder als ungewöhnlich noch als falsch. Ich würde jemandem, der so etwas in ein Schreiben einfließen lässt, keine Sprachschlamperei und schon gar keine mangelhafte Bildung unterstellen. Im Gegenteil, solche sprachlichen Eigenheiten sind doch durchaus reizvoll.
Grüße, Peter

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Was hat es mit Dialekt zu tun?! Wenn ich WIE du gross bin,
kann ich doch nicht grösser sein! Es gibt es meiner Meinung
nicht, Widerspruch in sich. Zuhe Türen und aufene Fenster?

Was das mit Dialekt zu tun hat? Na alles! Es gibt eben Dialekte (ich weiß allerdings nicht, welche), in denen es eben heißt: „Ich bin größer wie du“. Die Grammatik der deutschen Dialekte weicht eben mehr oder wenig stark von der Hochsprache ab.

Gruß,

  • André

als der vergleich im komperativ mit „wie“ ist süddeutsch und damit nicht falsch…

(seltsam, du bist norweger…wenn ich mich recht entsinne…willste einem nynorsk-nutzer sagen es ist falsch, nur weil du bokmal sprichst und schreibst?!!)

Da teile ich deine Meinung nicht. Nur weil Tausende etwas falsch sagen, ist es nicht richtig. Auch in der Schweiz schreiben Leute fälschlicherweise: „Ich kann das besser wie du“, was schlicht und einfach falsch ist.

Gleich gut wie, aber besser als

Den Komparativ bildet man immer mit als, und zwar in der deutschen Standardsprache und sogar im Schweizer Dialekt. Ich nehm drum an, dass das auch in Süddeutschland so sein sollte.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Da teile ich deine Meinung nicht. Nur weil Tausende etwas
falsch sagen, ist es nicht richtig. Auch in der Schweiz
schreiben Leute fälschlicherweise: „Ich kann das besser wie
du“, was schlicht und einfach falsch ist.

Bei tausenden wohl noch nicht. Aber ab einer gewissen Zahl schon. Es gibt grob etwa 100 Mio. Deutsch-Muttersprachler. Wenn sich herausstellt, dass 90 Mio. davon etwas sagen, was vorher als falsch betrachtet wurde, so muss es als richtig erachtet werden (nat. gibt’s da noch phonetische Faktoren und verschiedene Register).
Du solltest dich vielleicht einfach noch einmal informieren. „Besser wie“ ist im Hochdeutschen falsch, auch im Sächsischen und einigen anderen Dialekten, nicht aber in allen. Und wenn man das eben in Franken oder im Ruhrdeutschen oder in den schweizerdeutschen Dialekten so sagt, dann ist es dort auch richtig, solange man nicht explizit auf Hochdeutsch schreiben will.

Gleich gut wie, aber besser als

Den Komparativ bildet man immer mit als, und zwar in der
deutschen Standardsprache und sogar im Schweizer Dialekt. Ich
nehm drum an, dass das auch in Süddeutschland so sein sollte.

In der Standardsprache ja, in den schweizerdeutschen Dialekten vielleicht (in der Zürichdeutsch-Grammatik von Reese, 2007 steht ein Beispiel mit ‚als‘: „…das die fascht besser sind als die, wo dän spööter ygschpilt woorde sind.“). Aber es gibt gewiss Dialekte, wo Vergleiche mit „wie“ gebildet werden.

Oder nimm einfach den Relativsatz mit „wo“ im oberen Beispiel. Im Hochdeutschen und Sächsischen ist’s ungrammatisch, in den schweizerdeutschen Dialekten offenbar nicht.

Gruß,

  • André
1 „Gefällt mir“

Hallo, Seltsam,

unser großer Dichterfürst, der so schreckliches Hessisch sprach, ist uns dennoch ein sprachliches Vorbild. Und er setzt sogar noch einen obendrauf: er vergleicht mit „als wie“! Siehe sein fürnehmlichstes Werk in dem es gleich zu Beginn heißt: „Da steh ich nun, ich armer Tor!/Und bin so klug als wie zuvor.“

Heutzutage würde ihm das natürlich jeder Deutschlehrer rot anstreichen.

Aber sieh mal hier, da wird dieses „Problem“ diskutiert: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2747408,00…

Also, Du siehst, es geht immer schlimmer :smile: Und sicher gibt es gravierendere und entstellendere Sprachsünden als wie (sic!) die Verwechslung von Vergleich und Steigerung.

Gruß
Eckard

sein fürnehmlichstes Werk in dem es gleich zu Beginn heißt:
„Da steh ich nun, ich armer Tor!/Und bin so klug als wie
zuvor.“

Hallo,
„als“ lese ich so: …und bin so klug so wie zuvor (oder : wie immer oder dauernd zuvor)
Das scheint mir nämlich der Sinn des „als“ zu sein.

Schönes Beispiel im Urlaubshotel vor einigen Jahren mit einer hessischen Mama, die ihr Kind zurechtwies:
"So viele Kinner sind hier im Hotel und keins schreit: „als Mamma ,als Mamma“.

Gruß:
Manni

Ja
Guten Tag,

erst einmal herzlichen Glückwunsch für deine Leistung eine furchtbar komplizierte Sprache so gut gelernt zu haben.

Ja, Deutsch ist sehr schwer. So schwer, dass es eben nicht genügt, es neben dem täglichen Sprachgebrauch (mit all den Abweichungen gegenüber der Hochsprache) auch noch in der Schule zu lernen. Für völlig korrektes Deutsch muss man sich damit auch ständig beschäftigen. Also zumindest viel korrektes Deutsch ständig lesen. Und auch ab und an mal wieder selbstkritisch sein und in einem Lexikon (ich habe den Wahrig) nachsehen. Aber wer macht das schon?

Ich weiss noch, dass unsere Russisch-Lehrerin ab und an bei Fehlern von uns sagt: „Ja, damit haben die russischen Kinder auch Probleme“

Nichstdestotroz habe ich noch aus dem Studium in Erinnerung, dass typischerweise die älteren Dozenten sauberes Deutsch geschrieben haben, wärend bei den jüngeren Dozenten nicht nur das Deutsch, sondern auch die Übersetzungen fählerhaft waren. Da wurden aus „Icons“ (Symbole auf dem Bildschirm) „Ikonen“. Götzendienst in der IT? Na danke.

Da ist wohl doch etwas zum Schlechteren passiert in unserem Bildungssystem. Oder bei den Menschen selbst.

Auf der anderen Seite benutzen wir eine lebendige Sprache, die sich selbstverständlich auch ständig verändert. So werden, genau wie im Englischen, mehr und mehr unregelmäßige Verben immer öfter regelmäßig dekliniert.

ich christianse
du christianst
er/sie/es christiansen
ihr christianst

http://klafuenf.de/img/christiansen.gif

Angeblich ist über die Jahre des Fremdkontakts diese „Verflachung“ (ohne Wertung gemeint) im Schwedischen sehr stark. Im Englischen sehe ich auch ein paar kleine Unterschiede zwischen dem Schulenglisch von vor 25 Jahren und heute. Da wird auch so manches durch die 0815-Deklination gejagt; möglicherweise ein Einfluss des Amerikanischen.

Woran liegt es?! Es kann doch nicht sein, dass das Schulsystem
so schlecht ist. In Deutschland herrscht auch Schulpflicht,
warum können dann so viele kein vernünftiges Deutsch?! Es sind
so viele…

Meine Hypothese ist, dass immer weniger gelesen wird. Wobei auch die Tageszeitungen immer mehr Fehler aufweisen.

„Wer nicht liest, ist blind“ Ísländisches Sprichwort

Wenig Lesen bringt noch ein anderes Problem mit sich, man lernt weniger Worte/Wörter.

Tja und dann haben wir da noch die Rechtschreibreform. Generell unterstütze ich diese, nutze aber privat eine europäisierte Schreibweise. D.h. ich versuche die etymologische Abstammung (sofern mir bekannt) in der Schreibweise darzustellen:

  • Telephon
  • Mikrophon
  • Photographie
  • Graphik
  • uvam.

Gruß

Stefan

Hallo Bulga!

(seltsam, du bist norweger…wenn ich mich recht
entsinne…willste einem nynorsk-nutzer sagen es ist falsch,
nur weil du bokmal sprichst und schreibst?!!)

Nein, bin eine Russland-Deutsche. Schon immer gewesen.

Falls das nicht mehr der Fall ist, kann

ich darin nur eine Bankrotterklärung unseres Schulwesens
sehen.

Grüße,
Montanus

Servus Montanus,

es wäre nur zu befürchten, daß diese Erklärung hier im ‚Deutsche Sprache‘-Brett auf heftige Kritik stoßen würde -

der vielen Fehler wegen :wink:

Kai

Da teile ich deine Meinung nicht. Nur weil Tausende etwas
falsch sagen, ist es nicht richtig. Auch in der Schweiz
schreiben Leute fälschlicherweise: „Ich kann das besser wie
du“, was schlicht und einfach falsch ist.

Gleich gut wie, aber besser als

Mein Liebling ist ja „Der / die / das Einzigste“.

Das ist ziemlich umgangssprachlich, aber (außer natürlich in hochdeutscher Schriftsprache) ganz und gar nicht falsch. Sowas nennt man Elativ, das gibt’s in sehr vielen Sprachen. Sich informieren lohnt sich! :wink:

Gruß,

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]