Hi!
es geht noch weiter, ich hab noch zwei fragen.
haben sich schon militärhistoriker gedanken darüber gemacht
wie die welt heute aussehen würde wenn nazi-deutschland den
krieg gewonnen hätte? welche koalitionen hätte es gegeben?
wie lange hätte deutschland diesen sieg verteidigen können?
Ein paar Dinge, die bei solchen Fragen gerne ausgeblendet werden:
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Gewisse Teile Deutschlands wären eingeäschert worden (Berlin, Ludwigshafen/Mannheim, das Ruhrgebiet). Die Amerikaner arbeiteten genau wie die Deutschen an der Entwicklung einer Atom-Bombe. Jedoch verfolgten beide unterschiedliche Strategien. Während die Amerikaner eine funktionstüchtige Bombe bekamen und sie zuerst in der Wüste von Nevada zündeten und später über Hiroshima und Nagasaki (die Bomben waren urpsrünglich für Deutschland vorgesehen), versuchten deutsche Wissenschaftler, eine nukleare Waffe auf Basis von „schwerem Wasser“ herzustellen. In einem Forschungszentrum in Bayern war man kurz vor Erreichen der kritischen Masse - ohne es zu ahnen. Die Folge wäre vermutlich eine Atomexplosion mit Vernichtung des Forschungszentrums sowie Verseuchung der Umgebung gewesen.
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Deutschland stand bereits Anfang der 40er vor dem Staatsbankrott. Die Ausgaben für die Rüstung - es wurde ja alles auf Pump finanziert - waren so dramatisch, dass selbst ein siegreich beendeter Krieg den Haushalt nicht hätte retten können. Im Reich selbst gab es eine strikte Preisbindung, um der Bevölkerung eine intakte Versorgungslage zu suggerieren.
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Durch die Nazi-Doktrin von „Blut und Boden“ wären alle Gebiete östlich der Oder redikal entvölkert (Polen, Ukrainer, Russen gäbe es nicht mehr), dafür wären Millionen Deutsche in die Ostgebiete „deportiert“, d.h. mehr oder minder zwangsweise umgesiedel worden. Deutschland wäre - sofern es den Krieg mit den USA überstanden hätte - ein agrarorientierter Staat geworden, jedenfalls deutlich stärker als heute.
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Durch das „Herrenmenschen“-Gehabe Deutschland wären die besetzet Gebiete West- und Nordeuropas im stetigen Widerstand gegen die Besatzer, d.h. wir hätten einen Zustand vergleichbar zum Palästinenserkonflikt. Im Osten (Wolga, Ural) würde ein permanenter Grenzkrieg stattfinden, der jedes Jahr Tausenden von deutschen Soldaten das Leben kosten würde.
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Wir würden in einem Land leben, wo Fragen wie „was wäre, wenn“ vermutlich mit Zuchthaus, Konzentrationslager oder Todesstrafe geahndet würden.
meine ltze frage: wie kann es überhaupt sein, daß ein kleines
land wie deutschland die welt überhaupt solange in atem halten
kann? ich meine, die ganzen länder die angegriffen wurden, die
hatten doch mit sicherheit zusammnengenommen viel mehr
soldaten als deutschland, oder?
Zum einen eine jahrelange „Vogel-Strauß-Politik“. Frankreich und Großbritannien haben in den 30ern mehr weggeschaut als die möglichen Konsequenzen gesehen (insbesondere das Verhalten gegenüber der Tschechoslowakei). Wer immer nur nachgibt, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr gefordert wird.
Deutschland hat über Jahre konsequent auf einen Krieg hin gerüstet. Es gibt eine Anweisung Hitlers aus dem Jahre 1936 an die deutsche Wirtschaft, die Produktion bis spätestens 1940 auf Kriegsrüstung umzustellen.
In Europa, das sich damals noch immer als das Zentrum der Welt ansah (Amerika war fern und hatte noch lange nicht diesen Welt-Polizisten-Anspruch von heute) war Deutschland eindeutig die stärkste Macht.
Die Sowjetunion litt unter Stalins Terror, die Rote Armee war Mitte der 30er Jahre um nahezu alle fähigen Köpfe beraubt worden, weil Stalins Paranoia in jedem Kritiker einen persönlichen Feind sah und Hinrichtung um Hinrichtung befahl.
Frankreich verarbeitete noch immer die Wunden aus dem Ersten Weltkrieg. Nie wieder sollten deutsche Armeen so weit auf französisches Gebiet vorstoßen. Man baute die Maginot-Linie, eine Kette von schwersten Bunkern von Luxemburg bis zur Schweiz, an der mögliche deutsche Angreifer verbluten sollte. Die ganze Militärstrategie Frankreichs war rein defensiv - was Deutschland in der Zeit vom 3.September 1939 (Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland) bis zum 10.Mai 1940 (deutscher Angriff auf Frankreich) gelinde gesagt den Arsch gerettet hat. Wären die Franzosen zu einer Offensiv-Strategie gewechselt, wäre Berlin Weihnachten 1939 französisch gewesen und Hitler eine Fußnote der Geschichte.
Die Briten waren immer noch auf ihre Insel geschränkt. Großbritanniens Schlagkraft lag auf dem Wasser - hatte sich doch die Blockade Deutschlands im Ersten Weltkrieg ausgezahlt. Einen Landkrieg wie 1914-1918 wollte man nicht noch einmal führen. Daher begrenzte man die Truppenpräsenz auf dem Europäischen Festland auf ein Expeditionskorps.
Dazu kommt, dass sowohl Frankreich wie auch Großbritannien in ihrer militärischen Führung keinen Fortschritt im takischen und strategischen Denken vollzogen hatten (im Gegensatz zur deutschen Armee, die bereits seit Anfang der 30er völlig neue Strategien entwickelt hatte). Briten und Franzosen erwarteten wieder eine Kriegsführung wie im Ersten Weltkrieg: Schützengräben, schwer bewaffnete Festungen und Bunker, massive Infanterieangriffe mit Artillerie- und Panzerunterstützung. Es gab bei den Alliierten nur wenige Stimmen, die eine andere Art der Kriegführung forderten (u.a. eine französischer Oberst der Panzertruppen namens Charles de Gaulle).
Die deutsche Militärführung setzte auf die neue Taktik der unabhängigen Panzerverbände, die in Zusammenarbeit mit taktischen Bombern (Stukas) die feindlichen Linien durchbrechen und dann infanterieunabhängig tief ins Hinterland vorstoßen sollten. Die Infanterie hatte den Panzern zu folgen - Geschwindigkeit war alles (bei den Alliierten wurde genau anders herum operiert: die Panzer hatten der Infanterie zu folgen - daher waren alliierte Panzer groß, schwer gepanzert und langsam, etwa der französische Char I oder der britische Matilda II). Die Folgen waren die deutschen Blitzsiege in Polen, im Westfeldzug und auf dem Balkan. Als andere Armeen diese Strategien übernahmen, war es schnell vorbei mit der deutschen Herrlichkeit (Rußland ab 1942, Nordafrika ab 1942). Insbesondere die Amerikaner nutzten diese Kampfstrategie extrem: Lufthoheit und schnelle Panzertruppen, gefolgt von motorisierter Infanterie.
Wie sehr sich diese Art des Kampfes bewährte, zeigt sich in den Verlustzahlen der Alliierten und der Wehrmacht in Frankreich seit D-Day:
Vom 6.Juni 1944, dem Tag der Landung, bis zum 15.September 1944, dem Tag, als die Alliierten die belgisch-holländische Grenze erreichten, haben die Amerikaner, Briten, Kanadier, Franzosen, Polen usw. zusammen etwa 40.000 Mann verloren (Tote, Verwundete, Gefangene). In der gleichen Zeit büßten die Deutschen etwa 700.000 Mann (Tote, Verwundete, Gefangene) ein.
Für die Jahre 1939 - 1941 mag die Überlegenheit der Wehrmacht gegenüber anderen Armeen durchaus bestanden haben, allerdings beruhte dies anfangs auf einer konzeptionellen Überlegenheit, 1941 dann aufgrund der höheren Kampferfahrung. Ab 1942 war damit aber kein Staat mehr zu machen.
Und mit dem „lange in Atem halten“: Die Westalliierten brauchten weniger als ein Jahr, um von der Normandie bis an die Ostsee zu kommen. Und betrachtet man sich den Frontverlauf im Osten (Stichtag 22.Juni 1944 - Angriff auf die Heeresgruppe Mitte, so hat die Rote Armee nicht viel länger gebraucht - obwohl hier ungleich viel mehr Landmasse zu erobern war).
Kurzum: ich halte vieles, was sich um die Wehrmacht rankt, für Legende.
Grüße
Heinrich