Tach,
Erstmal ist der Begriff stolz vollkommen fehlplaziert; wie der
Bundespräsident denke auch ich, dass man nur auf etwas stolz
sein kann, an dessen Verwirklichung man selbst maßgeblich
beteiligt war (z.B. Projekt, Kindeserziehung).
Das ist so eine Sache. Mal angenommen, dein Vater ist Olympiasieger, Fußballweltmeister oder Nobelpreisträger - darfst du dann nicht stolz auf ihn sein?
Ich glaube, das Wort stolz ist gerade in Verbindung mit der Floskel „Stolz auf Deutschland sein“ von der Linken bedeutend in seiner ursprünglichen Bedeutung eingeschränkt worden. Dabei wüßte ich auch nicht, wie man das entsprechende, offenbar existierende Gefühl dann nennen sollte.
Zweitens ist nicht klar, was mit „Land“ gemeint ist; meiner
Ansicht nach wird hiermit nicht nur die Gesellschaft, sondern
auch der Staat selbst gemeint. Das wäre aber nun nicht mit der
Demokratie zu vereinen.
Und wenn man gerade darauf stolz ist, aus der Diktatur hinaus zur Demokratie gekommen zu sein?
Jegliche Emotionen (auch negative)
gegenüber eines so abstrakten Gebildes, wie einem Staat sind
nachteilig für die Demokratie, weil sie das objektive
Urteilsvermögen der Bürger beeinflussen.
Ich würde den Staat eher komplex denn abstrakt nennen. Gut, „den Staat“ könne wir nicht sehen, wohl aber seine Organe und seine Mitglieder. Aber wirken Emotionen deiner Meinung nach der Demokratie zuwider? Ist das Streben nach Freiheit und Mitbestimmung nicht auch das Ergebnis einer Emotion?
Außerdem kann ich gut verstehen, dass niemand arbeitet, damit
sich Schröder seine Zigarren leisten kann
DOCH, Schröder!
oder der Penner an der nächsten Ecke was zu beißen hat.
Ich kann mir schwer
vorstellen, dass das früher anders war. Ich glaube wer sich in
einer freien Gesellschaft aufopfert, um seinem Vaterland zu
dienen ist im falschen Film.
Und ich glaube, du schmeißt hier argumentativ einiges schwer durcheinander.
Zum einen muß ein Mindestmaß an Solidarität ja nicht gleich mit Aufopferung gleichgesetzt werden (bez. Penner),
zum anderen geht es, was auch immer du jetzt genau meinst - Politik, Militär u.ä. - nicht darum, sich aufzuopfern, sondern einen Beitrag im Dienste der Allgemeinheit und somit im eigenen Interesse zu leisten! Daß dabei auch viel Schindluder getrieben wird, steht natürlich außer Frage - Leute mit deiner Haltung machen die Sache aber eher nicht besser. Es mag durchaus noch Politiker geben, die sich als Diener ihres Landes sehen und auch dementsprechend handeln. Daß sie dafür ein Gehalt/Diäten… beziehen, ist doch nur recht und billig.
Gruß
L.