Deutsche Worte im Französischen?

Liebe Konsodalen,

vor einigen Tagen hatte ich im „Petit Robert“ eine überraschende Begegnung: Ich wollte wissen, woher das Wort „le chic“ ins Französische gelangt ist, weil ich mir weder im Lateinischen noch im Fränkischen einen plausiblen Zusammenhang vorstellen konnte, und der Robert hat mir gesagt, dass es erst 1803 aus einem recht modernen fränkischen Dialekt, dem Neuhochdeutschen, nach Frankreich, das damals schon lange Italien als Mutter aller Mode abgelöst hatte, eingewandert ist - mit einer leichten Verschiebung der Bedeutung.

Mir ist dann aufgefallen, dass ich deutsche Lehnwörter im Französischen sonst nur bei recht wenig geläufigen Begriffen kenne, die mit den Moden aufkommen und dann mehr oder weniger schnell - sei es in Jahren, sei es in Jahrzehnten - wieder verschwinden (le hinterland, le weltschmertz, le waldsterben, le leitmotif) und eines im Argot, das vor der Académie nie die Gnade der Aufnahme in den Kodex des „richtigen“ Französisch gefunden hat: für ein langes, zähes Warten mit sehr ungewissen Aussichten ist von den deutschen Taxiständen „être en strasse“ eingewandert.

Kann mir aber nicht gut vorstellen, dass „le chic“ das einzige deutsche Lehnwort im (richtigen und geläufigen) Französisch ist. Daher also meine Frage an Euch: Wer kennt oder findet noch andere?

Schöne Grüße

MM

Wie wäre es mit Lavoir? Oder Bassena…

ersatz, obus, bretzel, foehn,…

Und der Klassiker, auch wenn es genau genommen kein Lehnwort ist: le vasistas

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Das ist grad umgekehrt, Französisches im Deutschen - davon gibt es eine große Zahl. Das Schönste ist allerdings nur bis ins Schwäbische gelangt, wo (heute nicht mehr verständlich) nach der Franzosenmode des 19. Jahrhunderts ein Feuerzeug „Pötäderle“ hieß…

Und „la Wascherie“ für „le lavoir“ gibt es bloß im Elsaß - lustigerweise ausgesprochen, als ob es „die Küherei“ bedeuten würde; bei den klassischen Lavoirs findet man beiläufig einzelne, die übereinander zwei Abteilungen haben: Zuerst die Waschtröge, darunter die Viehtränke.

Schöne Grüße

MM

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Servus,

l’ersatz, natürlich! Die elsässische bretzel täte ich außerhalb der 67 und 68 eher als eine Art Eigennamen für ein exotisches Gebäck wie auf unserer Rheinseite die Baguette ansehen. Dass im obus die Haubitze steckt und in dieser der Haufen, hab ich eben grade gelernt - danke Dir.

Schöne Grüße

MM

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Hallo,

hier dürften auch noch einige zu finden sein.

Gruß
Kreszenz

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Vor Jahren las ich, dass „blanc“ (für weiß) vor Jahrhunderte vom deutschen „blank“ abgeleitet/übernommen worden sei.

Hier sind auch einige zu finden, wenn man bis Französisch runterscrollt.

Servus,

die Elsässer Choucroute ist so französisch wie das deutsche Kordongblö - das sind Eigennamen wie Köfte, Hamburger, Gyros usw.

Schöne Grüße

MM

Ja, das ist aber bereits 1080 aus dem Fränkischen ins Westfränkische gekommen - keine 250 Jahre nach der unseligen fränkischen Erbteilung des Reichs von Charlemagne aka Karl dem Großen.

Schöne Grüße

MM

Servus,

au ja, das ist ein reicher Fundus - allerdings auch richtig Arbeit, die Minderheit aufzuspüren, die erst nach ca. 1650 ins Französische gekommen ist: Die Liste zeigt vor allem auch, wie nah verwandt die Sprachen im West- und Ostfränkischen Reich ursprünglich waren.

Schöne Grüße

MM

Servus,

au ja, danke Dir - allerdings auch hier eine ziemlich oberflächlich redigierte Mischung aus so gut wie Ungebräuchlichem (Art Nouveau ist die im Französischen geläufige Bezeichnung für Jugendstil, und an der Tankstelle tankt man de l’essence und kein benzine), Wörtern aus dem Fränkischen, die im Westreich halt ebenso weiter entwickelt worden sind wie im Ostreich und dann auch wieder wertvollen Funden, die aber erläuterungsbedürfig wären: le blockhaus ist z.B. kein Blockhaus, sondern ein (militärischer) Unterstand und davon abgeleitet auch ein Bunker.

Schöne Grüße

MM

– das Elsaß, nach Tomi Ungerer „gut platziert genau in der Mitte zwischen zwei Pobacken“, kennt beiläufig noch mehr eigene, bodenständige Küche, die naturgemäß in elsässischem Fränkisch (nördlich des Hagenauer Waldes) oder elsässischem Alemannisch (südlich davon) bezeichnet wird. Mir das liebste Elsässer Gericht der Baeckeoffe (nicht Backofen, sondern Bäckers Ofen, weil traditionell zum Bäcker gebracht, der, wenn er das Brot aus dem Ofen hatte, noch lange eine gleichmäßige, nicht zu schroffe Hitze dafür hatte), und, wenn richtig gemacht, auch der Flammchueche. Für den Baeckeoffe empfehle ich die bäuerliche Wirtschaft („Ferme Auberge“) Sept Fontaines bei Drachenbronn, für den Flammchueche (nur Freitags - wenn man den richtig gehen lassen will, braucht man die ganze Küche dafür) den Hoefler in Niedersteinbach.

Schöne Grüße

MM

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Da könnte evtl. Centre National de Ressources Textuelles et Lexicales hilfreich sein.

Gruß
Kreszenz

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Der Balkenschröter (Dorcus Parallelipipedus) heisst auf französisch auch “Petite biche”

France kommt von den Franken.

wie bereits oben angezogen, ist das Westfränkische Reich aber bereits 824 von den übrigen Teilen des Erbes von Charlemagne abgetrennt worden und hat spätestens dann sprachlich eine andere Entwicklung genommen. Heute gibt es noch einen kleinen Teil von Frankreich, in dem zumindest ältere Leute noch einen fränkischen Dialekt sprechen, das ist das Département 68 nördlich des Hagenauer Waldes. Ein wenig westlich davon, in Richtung der „Alsace bossue“, hört man vereinzelt noch eine recht eigenwillige Mischsprache, in der fränkisches und französisches Vokabular vermischt sind - ich glaube, es war in Mouterhouse, dass ich in einer Gastwirtschaft, wo die Wirtin zusammen mit einer Familienmutter aus dem Dorf ein Festessen zu irgendeinem Familienanlass plante, zum Thema Dessert wörtlich hörte: „Des hämmer courant, do kennet Ihr choisiere!“- als Jux recht verbreitet: „Gäh Schang, schass’ mr die Giggeler us em Schardä, die mange mir alli Karrode!“

Noch interessanter das Kaysersberger Tal von Kaysersberg nach Orbey hinauf, wo von einzelnen Leuten noch das Welche (= „Welsch“) gesprochen wird, eine eigenartige Mischung aus elsässer Alemannisch und Französisch. Es gibt Philologen, die das Welche als eigene Sprache betrachten, aber es stammt vermutlich von der Umsiedlung alemannischsprachiger Elsässer in das ursprünglich bereits französischsprachige Lapoutroie. Und auch an dieser Stelle wieder eine kulinarische Empfehlung: Knapp oberhalb Orbey ist der Hof Schoultzbach mit eigener Käserei und zwischen Orbey und Schoultzbach eine Forellenhaltung, die die Belüftung der Teiche ausschließlich mit Wasserkraft (es geht dort recht steil zu zwei Seen unterhalb des Hauptkamms hinauf) besorgt, direkt daneben vom selben Betreiber ein kleines Lokal mit bongfortionösen fangfrischen Forellen auf dem Teller. In Orbey der Affineur Schuster, der den Rohkäse für seinen Munster u.a. von Schoultzbach bezieht - ein Munster von ganz hohen Graden, graad innelega kennat i mi do! (nur um mal zu zeigen, wie nahe beim Fränkischen und beim Alemannischen „wir“ auch noch auf der rechten Rheinseite bis heute sind - und wie gut wir uns eigentlich unter Nachbarn verständigen hätten können, wenn halt die Dackel in Berlin und Paris nicht gewesen wären…)

In diesem Sinne

MM