Man könnte anfangen mit der Stellung der Reichsregierung, die praktisch von Kaiser und Reichskanzler alleine gestellt wurde und keinerlei parlamentarischer Kontrolle unterlag. Zwar gab es den frei gewählten Reichstag, der aber lediglich über das Etatrecht praktischen Einfluss auf die Arbeit der Regierung ausüben konnte, während andererseits die Regierung (mit Zustimmung des Bundesrates) die (mehrfach ausgeübte oder erfolgreich angedrohte) Möglichkeit hatte, den Reichstag aufzulösen und so den politischen Willen des Volkes zu ignorieren.
Zwar wurde der Reichstag allgemein und gleich gewählt, so dass dieser den politischen Willen des Volkes ausdrücken konnte, der Bundesrat aber konnte durch die starke Stellung Preussens und das in Preussen und Sachsen geltende Dreiklassenwahlrecht als Vertretung der besitzenden Klasse und somit als natürlicher Verbündeter der Regierung gegen im Reichstag vertretenes Bürgertum und Arbeiter betrachtet werden.
Die Folge davon war, dass die Volksvertretung im Parlament vielfach nicht wirksam tätig werden konnte, vielmehr nahezu zwangsläufig der Eindruck entstand, im Parlament werde bloss geredet, Kanzler und Kaiser aber handelten. Oder, in den Worten der Zeit: Der Reichstag als Schwatzbude.
Dieser Ausdruck alleine zeigt schon das durch die mangelnden Einflussmöglichkeiten entstandene tiefe Misstrauen gegen den Reichstag, die Geringschätzung des Parlamentarismus, die sich in die Weimarer Republik fortgepflanzt und dort die vielfache Sehnsucht nach einem ‚starken Mann‘, nach einem Handelnden, wo andere schwätzen, in hohem Maße befördert hat. Eine Tendenz, die zunächst den zutiefst antidemokratischen Hindenburg und später Hitler stark gefördert hat.
Als nächster wäre der im Kaiserreich bewusst geförderte übermäßige Nationalismus sowie der extreme Militarismus zu nennen. Auch hier spielt wieder der Etat eine grosse Rolle, da die dem Reich zustehenden Steuern zunächst nur einen relativ geringen Umfang hatten, Erweiterungen mussten gegen den starken Widerstand der Bundestaaten durchgesetzt werden. Hierzu waren vorgebliche äussere Bedrohungen oder Forderungen, die Position Deutschlands in der Welt (u. a. durch Kolonialismus und Flotte) zu stärken, ein überaus probates Mittel. Die daraus resultierende, regierungsseitig geförderte Propaganda hat sehr stark zur späteren Dolchstoßlegende und zur Bereitschaft der Deutschen, einem Rachekrieg gegen die Siegermächte des ersten Weltkriegs zuzustimmen, beigetragen.
Vielfach war diese Propaganda schon eindeutig rassistisch (allerdings noch kaum antisemitisch) geprägt, z. B. in einem der Hauptmotive zur Rechtfertigung des Vernichtungskrieges in Deutsch Südwest: ein Mensch muss sich das Recht zu seiner Existenz erkämpfen; wer dazu, wie die offenkundig unterentwickelten Neger, nicht bereit oder in der Lage ist, hat sein Existenzrecht verwirkt. Der darf - in aller Humanität selbstverständlich - von seinem Land vertrieben, getötet bzw. dem Hunger- und Verdurstungstod preisgegeben werden.
Gibt natürlich noch eine Reihe weiterer, teilweise aus obigem abgeleitete, Aspekte, aber erin bisschen sollst du seine Arbeit ja auch noch selbst schreiben.
Gruss
Schorsch
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