Deutsches Kaiserreich 1871

In den Augen vieler heutiger Historiker war das Kaiserreich 1871 ein politisch rückständiges Staatswesen. Seine autoritären gesellschaftlichen Strukturen werden vielfach als Mitursachen des deutshcne Verhängnisses von 1933 bis 1945 gewertet.

Ich soll diese Aussage diskutieren/erörtern und dazu Stellung nehmen! Was würdet ihr dazu sagen?

In den Augen vieler heutiger Historiker war das Kaiserreich
1871 ein politisch rückständiges Staatswesen. Seine
autoritären gesellschaftlichen Strukturen werden vielfach als
Mitursachen des deutshcne Verhängnisses von 1933 bis 1945
gewertet.

Hi,
Beurteilungen aus heutiger Sicht sind etwas daneben; der Zeitbezug sollte schon gegeben sein.
Für Bismark war sein (persönlich konstruiertes) Reich sicher nicht rückständig. Es hatte auch für alle polit. Gruppen Entfaltungsmöglichkeiten (haupt. Wahlen und Wirtschaft’s -entwicklung). Nach Bismark war keine sinnvolle polit. Führung vorhanden - Kaiser Willi2(konservativ,rechts) und F.Ebert(SPD,links)
waren ja polit. zunehmend Volltrottel.
Damit freie Fahrt ins Desaster WK1 und Weimar!
Die Nazi haben auf die Entwicklung von 1914-1933 geantwortet und eben nicht das Kaiserreich wiederhergestellt.

Ich soll diese Aussage diskutieren/erörtern und dazu Stellung
nehmen! Was würdet ihr dazu sagen?

Sag selber was dazu! -)
Die Frage ist was will dein Lehrer haben? -> diese Meinung wird hochgejubelt (nach einem kurzem pro&contra).

Gruß Greg

Puuh, ich weiß erlich gesagt nicht, was ich dazu sagen soll, deshalb schreibe ich ja diesen Hilferuf hier. Keine Ahnung :frowning: *wein*

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hallo katrin,

das kaiserreich ( 2. reich ) war rückständig
und autoritär im vergleich zu der regierungs-
zeit des professorenparlamentes von 1848.

durch den zusammenbruch 1918 und der
unruhigen zeit der weimarer republik
waren die politikmüden,ablehnenden
und enttäuschten „reif“ für das dritte
reich.

die regierenden und die strippen-
zieher um hindenburg ( kaiser-
ersatz) bereiteten die machtüber-
gabe an den österreicher vor.

mfg

kunde3

Man könnte anfangen mit der Stellung der Reichsregierung, die praktisch von Kaiser und Reichskanzler alleine gestellt wurde und keinerlei parlamentarischer Kontrolle unterlag. Zwar gab es den frei gewählten Reichstag, der aber lediglich über das Etatrecht praktischen Einfluss auf die Arbeit der Regierung ausüben konnte, während andererseits die Regierung (mit Zustimmung des Bundesrates) die (mehrfach ausgeübte oder erfolgreich angedrohte) Möglichkeit hatte, den Reichstag aufzulösen und so den politischen Willen des Volkes zu ignorieren.

Zwar wurde der Reichstag allgemein und gleich gewählt, so dass dieser den politischen Willen des Volkes ausdrücken konnte, der Bundesrat aber konnte durch die starke Stellung Preussens und das in Preussen und Sachsen geltende Dreiklassenwahlrecht als Vertretung der besitzenden Klasse und somit als natürlicher Verbündeter der Regierung gegen im Reichstag vertretenes Bürgertum und Arbeiter betrachtet werden.

Die Folge davon war, dass die Volksvertretung im Parlament vielfach nicht wirksam tätig werden konnte, vielmehr nahezu zwangsläufig der Eindruck entstand, im Parlament werde bloss geredet, Kanzler und Kaiser aber handelten. Oder, in den Worten der Zeit: Der Reichstag als Schwatzbude.

Dieser Ausdruck alleine zeigt schon das durch die mangelnden Einflussmöglichkeiten entstandene tiefe Misstrauen gegen den Reichstag, die Geringschätzung des Parlamentarismus, die sich in die Weimarer Republik fortgepflanzt und dort die vielfache Sehnsucht nach einem ‚starken Mann‘, nach einem Handelnden, wo andere schwätzen, in hohem Maße befördert hat. Eine Tendenz, die zunächst den zutiefst antidemokratischen Hindenburg und später Hitler stark gefördert hat.

Als nächster wäre der im Kaiserreich bewusst geförderte übermäßige Nationalismus sowie der extreme Militarismus zu nennen. Auch hier spielt wieder der Etat eine grosse Rolle, da die dem Reich zustehenden Steuern zunächst nur einen relativ geringen Umfang hatten, Erweiterungen mussten gegen den starken Widerstand der Bundestaaten durchgesetzt werden. Hierzu waren vorgebliche äussere Bedrohungen oder Forderungen, die Position Deutschlands in der Welt (u. a. durch Kolonialismus und Flotte) zu stärken, ein überaus probates Mittel. Die daraus resultierende, regierungsseitig geförderte Propaganda hat sehr stark zur späteren Dolchstoßlegende und zur Bereitschaft der Deutschen, einem Rachekrieg gegen die Siegermächte des ersten Weltkriegs zuzustimmen, beigetragen.

Vielfach war diese Propaganda schon eindeutig rassistisch (allerdings noch kaum antisemitisch) geprägt, z. B. in einem der Hauptmotive zur Rechtfertigung des Vernichtungskrieges in Deutsch Südwest: ein Mensch muss sich das Recht zu seiner Existenz erkämpfen; wer dazu, wie die offenkundig unterentwickelten Neger, nicht bereit oder in der Lage ist, hat sein Existenzrecht verwirkt. Der darf - in aller Humanität selbstverständlich - von seinem Land vertrieben, getötet bzw. dem Hunger- und Verdurstungstod preisgegeben werden.

Gibt natürlich noch eine Reihe weiterer, teilweise aus obigem abgeleitete, Aspekte, aber erin bisschen sollst du seine Arbeit ja auch noch selbst schreiben.

Gruss
Schorsch

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Hallo Schorsch!

Vielfach war diese Propaganda schon eindeutig rassistisch
(allerdings noch kaum antisemitisch) geprägt, z. B. in einem
der Hauptmotive zur Rechtfertigung des Vernichtungskrieges in
Deutsch Südwest: ein Mensch muss sich das Recht zu seiner
Existenz erkämpfen; wer dazu, wie die offenkundig
unterentwickelten Neger, nicht bereit oder in der Lage ist,
hat sein Existenzrecht verwirkt. Der darf - in aller Humanität
selbstverständlich - von seinem Land vertrieben, getötet bzw.
dem Hunger- und Verdurstungstod preisgegeben werden.

Rassismus war weltweit verbreitet und lieferte für Jahrhunderte die Rechtfertigung für Sklaverei und bis vor gar nicht langer Zeit für Kolonialismus. Im Deutschen Reich setzten koloniale Allüren wegen des fehlenden einheitlichen Staatsgebildes nur viel später als bei anderen europäischen Mächten ein.

Gruß
Wolfgang

Rassismus …

Vielfach war diese Propaganda schon eindeutig rassistisch
… ein Mensch muss sich das Recht zu seiner
Existenz erkämpfen; wer dazu, wie die offenkundig
unterentwickelten Neger, nicht bereit oder in der Lage ist,
hat sein Existenzrecht verwirkt.

Das war überall in dert Welt so, die Deutschen waren - trotz Herero-Massaker - noch nicht mal die Schlimmsten:

  • Die Aborigines in Australien wurden bis weit in das 20. Jhdt. hinein als ohnehin zum Aussterben verurteilte, „degenerierte Rasse“ angesehen, da tut man ihnen nur etwas Gutes, etwas nachzuhelfen - echt, letzteres wurde wirklich gedacht und gesagt! Die Anzahl Aborigines sank in den ersten 100 Jahren nach Ankunft der Engländer (1788) von ca. 750.000 auf 60.000. Manche nennen das Völkermord.
  • Als die Schlächtereien an den Indianern in den USA bei einigen Leuten ein schlechtes Gewissen hervor riefen, definierte man sie als „zwischen Mensch und Tier stehend“ - und Tiere darf ja auch ein christlicher Mensch bedenkenlos töten.

Gruss
Laika

Rassismus war weltweit verbreitet und lieferte für
Jahrhunderte die Rechtfertigung für Sklaverei und bis vor gar
nicht langer Zeit für Kolonialismus. Im Deutschen Reich
setzten koloniale Allüren wegen des fehlenden einheitlichen
Staatsgebildes nur viel später als bei anderen europäischen
Mächten ein.

Das ist schon richtig. Ich weiss aber nicht, wieweit in anderen Ländern zu offiziell für den Schuluntericht empfohlenen Materialien Romane gehörten, in denen Mord an Schwächeren propagiert wird, Sätze fallen wie „Diese Schwarzen haben vor Gott und Menschen den Tod verdient, […] weil sie keine Häuser gebaut und keine Brunnen gegraben haben“. (Frenssen 1905, Peter Moors Fahrt nach Südwest)

Offizieller Lehrstoff in den Südstaaten der USA z. B. war, dass den Weissen, aufgrund dieser Unfähigkeit der Schwarzen, „Häuser zu bauen und Brunnen zu graben“, eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber den Schwarzen obliege.

Sicher gab es mörderischen Rassismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht nur in Deutschland, m. W. in dieser Form und solchem Maße staatlich gefördert aber in anderen Ländern nicht.

Gruss
Schorsch

Hallo,

Du hast zwar in vielen Dingen Recht - nur waren zur gegebenen zeit andere Länder auch nicht besser.
Was zm Beispiel den Rassismus betraf erinnere ich nur an die Unterdrückung der Schwarzen in den USA noch bis zur Mitte des 20 Jahrhunderts und an die Indianervernichtung, das wurde ja auch alles rassistisch begründet. Und Frankreich und Engkland hatten noch bis 19650 Kolonialreiche, dagegen war Deutschland diesbezüglich bedeutungslos - auch dort war noch weit bis ins 20 Jahrhundert der Glaube von der Überlegenheit der weißen Rasse Grundkonsens. Im Übrigen gebührt ja gerade Großbritannien die zweifelhafte Ehre, im Burenkrieg damals die KZ erfunden zu haben - Hitler war da nur Nachnutzer. Da sehe ich also nichts, was deutschland von anderen Mächten dieser Zeit abhebt.
Aber auch was die Demokratie betrifft - Österreich und selbst England (von Rußland mal gar nicht zu reden) hatten ähnliche Rechte der Monarchen in ihrer Gesetzgebung. Auch das war nicht unbedingt eine deutsche Besonderheit. Einmalig war nur der Luxus, daß sich in deutschland außer dem Kaiser auch noch die ganzen Fürstlichkeiten in den Lädern halten konnten und daß sich kein wirklicher zentralstaat herausbilden konnte so. Aber da ja der Förderalismus bis heute als was Positives gilt, kann das wohl auch damals kein Mangel gewesen sein.
Aufgerüstet haben sowieso alle. Deutschland hatte zum beispiel nie die Chance, auch nur annähernd flottenmäßig mit England gleichzuziehen. Und wenn es um koloniale Eroberungen ging, waren wie in China eigentlich sogar alle einig.
Es ist offenbar immer noch „in“, alle damaligen Sünden auf deutschland auzupacken. Selbst heute noch. Weil einfach keiner einsehen will, daß Franz Josef den 1. Weltkrieg aus schierer Blödheit gebonnen hat, muß immer noch Wilhelm als Schuldiger herhalten. Das nacht sich einfach gut, weil der eh ne Vorliebe für alles Militärische hatte und laut herumkrakeelt hat. Aber seine einzige Schuld hier besteht darin, daß er in üblicher deutsche Treue entsprechend den geschlossenen Verträgen Faranz Josef zugesichert hat, sich an diese Verträge auch halten zu wollen.

Gernot Geyer

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Ach Gernot,

Es ist offenbar immer noch „in“, alle damaligen Sünden auf
deutschland auzupacken. Selbst heute noch. Weil einfach keiner
einsehen will, daß Franz Josef den 1. Weltkrieg aus schierer
Blödheit gebonnen hat, muß immer noch Wilhelm als Schuldiger
herhalten. Das nacht sich einfach gut, weil der eh ne Vorliebe
für alles Militärische hatte und laut herumkrakeelt hat. Aber
seine einzige Schuld hier besteht darin, daß er in üblicher
deutsche Treue entsprechend den geschlossenen Verträgen Faranz
Josef zugesichert hat, sich an diese Verträge auch halten zu
wollen.

Lies doch einfach mal: Fritz Fischer, Griff nach der Weltmacht

oder sieh Dir diese Sendungen an:

Seine Majestät
Fr, 23.06.06, 18.30 Uhr
Sa, 24.06.06, 14.00 Uhr

auf Phoenix.

Gruß - Rolf

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Hallo,

wozu?
Der chronologische Ablauf der Geschichte 1914 ist ja eindeutig.
Und irgendwelche anderen Unterstellungen sind schlichtweg einseitig. Gerüstet auf Teufel komm raus haben nämlich alle Seiten - da braucht sich nun wahrlich keiner etwas vorzuwerfen.

Gernot Geyer

[…]Im Übrigen gebührt ja gerade
Großbritannien die zweifelhafte Ehre, im Burenkrieg damals die
KZ erfunden zu haben - Hitler war da nur Nachnutzer. Da sehe
ich also nichts, was deutschland von anderen Mächten dieser
Zeit abhebt.

Mag ja alles sein. Du übersiehst aber die Fragestellung, wieweit das deutsche Kaiserreich die Voraussetzung für 33 geschaffen hat. Und bezügl. dieser Frage ist der im Kaiserreich offiziell geförderte Rassismus ein wichtiges Moment, welches den Boden für den Nationalsozialismus mit bereitet hat.

Aber auch was die Demokratie betrifft - Österreich und selbst
England (von Rußland mal gar nicht zu reden) hatten ähnliche
Rechte der Monarchen in ihrer Gesetzgebung.

Den englischen Parlamentarismus, das Vorbild für Parlamentarismus weltweit mit der der Verfassung des deutschen Kaiserreichs gleichsetzen zu wollen, halte ich für sehr gewagt. Zu Österreich braucht wohl nichts weiter gesagt zu werden, und dass Rußland nach dem WK I einen wesentlich demokratischeren Weg eingeschlagen hätte als Deutschland möchte ich ebenfalls bezweifeln.

Aufgerüstet haben sowieso alle. Deutschland hatte zum beispiel
nie die Chance, auch nur annähernd flottenmäßig mit England
gleichzuziehen. Und wenn es um koloniale Eroberungen ging,
waren wie in China eigentlich sogar alle einig.

Alles alles wahr. Aber kennst du eine von Queen Victoria gehaltene ‚Hunnenrede‘? Der deutsche, der preussische Militarismus, die enorme Betonung des Militärs, unter Wilhelm II insb. der Marine für das Selbstverständnis des Staates war von Anfang an eine der schwersten Hypotheken für die Weimarer Republik. Gerade die Stellung des Militärs als wesentlich tragende Säule und innenpolitisches Korrektiv (u. a. in mehreren ‚Reichsexekutionen‘ 1923) hat ganz entscheidend den Weg für Hitler mit geebnet.

Es ist offenbar immer noch „in“, alle damaligen Sünden auf
deutschland auzupacken. Selbst heute noch.

Nochmals: Das war nicht die Fragestellung. Hier war gefragt, wie das Kaiserreich schon Voraussetzungen geschaffen hat, auf denen Hitler später gemütlich an die Macht surfen konnte. Das hat mit der (von dir in der Tat betriebener) Aufzählung irgendwelcher Sünden nichts zu tun.

Gruss
Schorsch

Der chronologische Ablauf der Geschichte 1914 ist ja
eindeutig.
Und irgendwelche anderen Unterstellungen sind schlichtweg
einseitig. Gerüstet auf Teufel komm raus haben nämlich alle
Seiten - da braucht sich nun wahrlich keiner etwas
vorzuwerfen.

Ach Gernot,

um den chronologischen Ablauf geht es doch gar nicht - der ist einfach das äußere Gerüst und besagt gar nichts über Absichten, Ziele, Motive…

Rüstung muß nicht zwangsläufig zum Krieg führen; wenn allerdings eine Seite den Krieg unbedingt will, dann wird sie auch einen Weg, einen Vorwand, eine ideologische Untermauerung dafür finden. Und Wilhelm II wollte den Krieg! Und etliche andere auch.

Und um das zu erfahren und zu wissen, ist die Lektüre von Büchern hin und wieder sinnvoll.

Gruß - Rolf

Hallo Rolf,

daß Wilhelm einen Krieg wollte, ist eine durch nichts bewiesene Hypothese. Und noch keiner hat mir (abgesehen von den kolonialen Ambitionen) irgendwelche plausiblen Ziele nennen können, die Deutschland hätte durch einen Krieg in Europa erreichen wollen oder können.
Daß sich Wilhelm sehr militärisch gab und mitunter Unsinn redete - das ist ne andere Sache.
Nur sehe ich da keinen zwingenden Bogen zum Nationalsozialismus - und rassistisch schon gar nicht. Die rassische Abwertung der Neger und Indianer in den USA hat ja dort auch nie zu einem Nationalsozialismus geführt - und die rassistischen Tendenzen dort sind ja zum Teil wirklich erst nach 1960 verschwunden.

Da würde ich Ursachen schon eher in den Ergebnissen des 1. Weltkrieges sehen wollen. Denn die irrsinnigen Reparationszahlungen, die zwanghafte Beschr#änkung der Reichswehr auf 100.000 Mann, das Verbot von Panzern. Kriegsschiffen und einer Luftwaffe, die Gebiertsverluste - das wurde von vielen Deutschen wirklich als etwas betrachtet, das dringend der Revision bedurfte. DA konnte Hitler dann echt ansetzen.

Übrigens: ich lese sehr vieles. Und dabei bin ich darauf gestoßen, daß auch im Musterland des palamentarismus, in England, der König bzw. die Königin bis zu beginn des 20. Jahrhunderts noch sehr viele Rechte besaß und durchaus nicht nur Repräsendationsfigur war. AUch das engliche Parlament des 19. Jahrhunderts hatte noch lange nicht die heute üblichen Vollmachen und rechte - und über die demokratische Legitimation des berühmten ebglischen Oberhauses rede ich da noch nicht mal.

Gernot Geyer

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Hallo,

Was zm Beispiel den Rassismus betraf erinnere ich nur an die
Unterdrückung der Schwarzen in den USA noch bis zur Mitte des
20 Jahrhunderts …

Hatte ich in meiner Antwort „Rassismus …“ unten ganz vergessen. Habe da mal Aussagen in USA (!) über die „Negermusik“ Jazz und Rock’n Roll gehört: Durch nichts, aber auch gar nichts von Auslassungen der Nazis zu unterscheiden!

Einmalig war nur der
Luxus, daß sich in deutschland außer dem Kaiser auch noch die
ganzen Fürstlichkeiten in den Lädern halten konnten und daß
sich kein wirklicher zentralstaat herausbilden konnte so. Aber
da ja der Förderalismus bis heute als was Positives gilt, kann
das wohl auch damals kein Mangel gewesen sein.

Der Föderalismus wird heute gerne verurteilt. Aber ist der Zentralismus in Frankreich, Spanien besser? Der Föderalismus - zumindest der der Fürsten - hat immerhin eine ungeheure vielfältige kulturelle Landschaft hervorgebracht, um die uns heute viele Länder beneiden.

Es ist offenbar immer noch „in“, alle damaligen Sünden auf
deutschland auzupacken. Selbst heute noch. Weil einfach keiner
einsehen will, daß Franz Josef den 1. Weltkrieg aus schierer
Blödheit gebonnen hat, muß immer noch Wilhelm als Schuldiger
herhalten.

Bruno Kreisky, Ex-Kanzler von Österreich, hat da eine ganz klare Meinung zur Kriegsschuld: Österreich. Das praktisch unannehmbare Ultimatum an Serbien, Kriegsbeginn selbst dann noch als Serbien das Ultimatum wider Erwarten annahm.

Das nacht sich einfach gut, weil der eh ne Vorliebe
für alles Militärische hatte und laut herumkrakeelt hat. Aber
seine einzige Schuld hier besteht darin, daß er in üblicher
deutsche Treue entsprechend den geschlossenen Verträgen Faranz
Josef zugesichert hat, sich an diese Verträge auch halten zu
wollen.

Letztens in einer dieser TV-Sendungen über Wilhelm II hieß es, er habe noch im letzten Moment per Briefwechsel mit seinen englischen Verwandten und mit dem Zaren, versucht, den Krieg zu verhindern, zu stoppen. Jedoch die Militärs machten da nicht mit: „Die Maschine läuft und ist nicht mehr zu stoppen.“
Damit habe ich den Eindruck, dass nicht nur am WK 1 die Militärs Hauptschuld tragen, auch am WK 2: Schon in den 20er Jahren schmiedeten sie geheime Pläne (an der Weimarer Regierung vorbei) für einen Revanchekrieg, der dann zeitlich und militärsch fast genau so kam wie er dort geplant wurde. Wohlgemerkt: Lange vor Hitler! Womit wir wieder beim Ausgangsposting sind: Hitler brauchte die Vorarbeit des Militärs nur in die Tat umzusetzen, oder anders herum: Diese haben nur auf so jemanden gewartet.
Und nach dem WK 2 wiederholte sich das etwas: Die Wiederbewaffnung (von den USA gefordert) konnte ja nur von den alten Offizieren gemacht werden. Und die wollten eine starke Panzerbewaffnung, sie wollten „die Schlacht am Kursker Bogen am liebsten noch einmal schlagen“. Das wirft auch ein besonderes Licht auf die von Strauss betriebene Atombewaffnung und die Spiegelaffäre (Radiobericht vor ein paar Jahren).
Übrigens: Offiziere, die in den 20er Jahren bei der - illegalen und verfassungswidrigen! - Planung des Revanchekrieges massgebend beteiligt waren, haben die Bundeswehr bis in die 60er Jahre hinein dann wieder aufgebaut …

Gruss
Laika