Deutschland 1918: Ohne Reparationen keine Krisen?

Hallo, Wissende

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Deutschland von Wirtschaftskrisen gebeutelt. Wurden diese Krisen ausschliesslich oder zum Teil durch die Demontage von Fabriken durch die Sieger sowie durch die Reparationszahlungen ausgelöst? Ohne Reparationszahlungen keine Krisen?

Welche Rolle spielte die Überschuldung des Staates durch die Kriegsführung?

Gruss
Adam

Wie so vieles in der Geschichte, hatte auch die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg mehrere Gründe. Die Reparationen mögen ein wichtiger gewesen sein, aber genauso wichtig waren die Folgen der Wirtschaftspolitik im Krieg. Die Produktion war stark auf die Rüstungsindustrie ausgerichtet worden, so dass es in anderen Zweigen zu Engpässen kam. Ähnlich sah es in der Landwirtschaft aus (kein Dünger, keine Pferde, keine Arbeitskräfte). Dadurch stiegen die Preise an. Um Unruhen zu vermeiden, schmiss die Reichsregierung die Gelddruckmaschinen an. Das setzte sich nach dem Krieg noch fort und verstärkte sich. Außerdem war das Reich über Kriegsanleihen zutiefst verschuldet.

Allerdings kam es 1921/22 zu einer leichten Entspannung der Lage in Deutschland, während weltweit als Folge des Krieges eine Rezession zu spüren war. 1923 kam schließlich der Ruhrkampf hinzu (eine direkte Folge der Reparationen), in dem die Regierung die Streikenden wieder per Gelddrucken und damit per Inflation unterstützte. Tja, und da war sie dann da, die Hyperinflation.

Hallo Adam,

natürlich waren Reparationszahlungen nicht gerade förderlich für die deutsche Wirtschaft.

Allerdings war die Weltwirtschaftkrise ja, wie der Name schon sagt, eine globale Krise. Es hat sich auch in den USA gegeben, und die haben den 1. WK nicht verloren.

Mit anderen Worten: Ich denke, der Einfluss der Politik auf die Wirtschaft wird - damals wie heute - überschätzt. Man müsste sich also hier nicht nur fragen, „ging es Deutschland schlecht?“, sondern immer auch, „ging es Deutschland schlechter als anderen Ländern?“.

Schöne Grüße

Petra

Hallo Petra_44

Hallo Adam,

natürlich waren Reparationszahlungen nicht gerade förderlich
für die deutsche Wirtschaft.

Allerdings war die Weltwirtschaftkrise ja, wie der Name schon
sagt, eine globale Krise. Es hat sich auch in den USA gegeben,
und die haben den 1. WK nicht verloren.

warum die Gewinner(die kleinen Leute) auch in einer Krise gelandet sind kannst du hier gucken

http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoaftt1Y.html

LG
Mikesch

Weltwirtschaftskrise war ab 1929
Hallo Petra,

natürlich waren Reparationszahlungen nicht gerade förderlich
für die deutsche Wirtschaft.

Genau, entscheidend war, dass die deutsche Kriegsführung über Staatsanleihen finanziert wurden, d.h. der Staat verschuldet sich beim eigenen Volk, alternativ hätte er über höhere Steuern finanzieren können.

Die Alliierten finanzierten ihre Rüstung durch Anleihen in den USA, so dass die USA schon deswegen in den Krieg eintreten mussten, um ihre Ansprüche gegen die 1917 von der Niederlage bedrohten Franzosen und Briten nicht zu verlieren. Daher konnten diese auf den Pariser Friedensverträgen gar nicht anders, als ihre Schuldenlast auf die Geschlagenen abzuwälzen, um ihrerseits die Gläubiger in den USA bedienen zu können.

Das Deutsche Reich war 1923 immerhin entschuldet (auf Kosten des alten Mittelstandes, der die Kriegsanleihen gezeichnet hatte), neues Geld wurde ebenfalls in den USA aufgenommen, was die „Goldenen Jahre“ 1924-29 ermöglichte.

Allerdings war die Weltwirtschaftkrise ja, wie der Name schon
sagt, eine globale Krise. Es hat sich auch in den USA gegeben,
und die haben den 1. WK nicht verloren.

Das hat jetzt nur indirekt mit 1923 und der Kriegsfinanzierung zu tun. Mit dem Börsencrash 1929 explodierte die Zeitbombe der kurzfristig gebundenen Kredite, weil die Investoren ihre Kursverluste in Amerika durch das nach Europa ausgeliehene Geld ausglichen. Und damit war auch Deutschland (bzw. die deutsche Wirtschaft) illiquide… Das Ergebnis ist bekannt.

Erstaunlicherweise konnte man all dies schon 1920(!) in dem hellsichtigen Werk des aus anderen Gründen berühmten Wirtschaftswissenschaftlers John M. Keynes „The economic consequences of the peace“ nachlesen. Aber es war eine tragische Situation: es gab wohl keinen Ausweg.

Viele Grüße,
Andreas

Hallo Andreas

Allerdings war die Weltwirtschaftkrise ja, wie der Name schon
sagt, eine globale Krise. Es hat sich auch in den USA gegeben,
und die haben den 1. WK nicht verloren.

Das hat jetzt nur indirekt mit 1923 und der Kriegsfinanzierung
zu tun. Mit dem Börsencrash 1929 explodierte die Zeitbombe der
kurzfristig gebundenen Kredite,

das ist so nicht richtig, auch für dich zum nachsehen…

http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoaftt1Y.html

Die WWK 1929 war ein sorgfältig gestelltes Ereignis gewisser Bankerkreise. Durch Verknappung der Geldmenge wurde daraus eine globale Krise erst bewusst herbeigeführt.

weil die Investoren ihre
Kursverluste in Amerika durch das nach Europa ausgeliehene
Geld ausglichen. Und damit war auch Deutschland (bzw. die
deutsche Wirtschaft) illiquide… Das Ergebnis ist bekannt.

Erstaunlicherweise konnte man all dies schon 1920(!) in dem
hellsichtigen Werk des aus anderen Gründen berühmten
Wirtschaftswissenschaftlers John M. Keynes „The economic
consequences of the peace“ nachlesen. Aber es war eine
tragische Situation: es gab wohl keinen Ausweg.

oh doch, sieh dir das Video an, nix ist dem Zufall überlassen :wink:Die FED hat nämlich nach dem WK1 auch die Geldmenge drastisch reduziert, was zur Krise von 1921 führte

Viele Grüße,
Andreas

LG
Mikesch

Die WWK 1929 war ein sorgfältig gestelltes Ereignis gewisser
Bankerkreise. Durch Verknappung der Geldmenge wurde daraus
eine globale Krise erst bewusst herbeigeführt.

Ah ja, und der Vatikan, die kleinen grünen Männchen und die Süßwarenindustrie hängen vermutlich ebenfalls mit drin. Man muss sich nur mal diese Infokrieg-Webseite aus dem Vorspann anschauen. Dann weiß man schon, welch wirre Geister da mal wieder am Werk sind.

Hallo,

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Deutschland von
Wirtschaftskrisen gebeutelt. Wurden diese Krisen
ausschliesslich oder zum Teil durch die Demontage von Fabriken
durch die Sieger sowie durch die Reparationszahlungen
ausgelöst? Ohne Reparationszahlungen keine Krisen?

Natürlich hätten sich internationale Krisen negativ auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt, aber die Hauptschuld liegt schon in den Bestimmungen des Versailler Vetrages, welche die Volkswirtschaft nachhaltig schädigten. Damit Dtl. die entstandenen Schäden wieder ausbessern und seine Reparationen weiterhin zahlen konnte wurde 1924 der Dawes-Plan aufgelegt, durch den Dtl. internationale Kredite (vor allem aus der USA) erhielt. Und als es 1929 zum Börsenkrach in den USA kam, forderten diese ihre Kredite zurück und lösten somit die Weltwirtschaftskrise aus. Hier noch ein (wie ich finde) interessanter Link der irgendwie zum Thema paßt
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/…

Welche Rolle spielte die Überschuldung des Staates durch die
Kriegsführung?

Der Krieg wurde in Dtl. durch Kriegsanleihen finanziert, mit denen sich der Staat bei seinen Bürgern verschuldete. Während der Inflation von 1923 konnte man diese Anleihen dann prima als Malpapier oder zum Anheizen des Ofens benutzen.

Gruß

Hallo Adam,

zu den genannten Gründen, möchte ich noch folgenden Gedanken hinzufügen:
Nach dem Krisenjahr 23 kam’s in Deutschland zu dem enormen wirtschaftlichen Aufschwung der „Goldenen 20er“. Der wurde allerdings in der Tat durch die, nach dem Börsenkrach zurückgeforderten, amerikanischen Kredite fremdfinanziert. Jedenfalls zu großen Teilen. Diese Kredite sind also NICHT nur für die Rückzahlung von Reparationen verwendet worden, sondern viel mehr für Investitionen in Industrie und Landwitschaft, Herrichtung von Städten und Gemeinden durch den Bau von kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Schulen, Wohnungen.
Es ging also vor allem auch um den Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft (die auch ohne Reparationen ziemlich angedätscht gewesen wäre). Das Problem dabei war nur, dass dieser Wiederaufbau in einem Maße und mit einem „Aufschwungsglauben“ betrieben wurde, der wie wir im Nachhinein schlau feststellen können, völlig unangemessen war. Tatsächlich gab’s schon vorher warnende Stimmen (Keynes wurde schon erwähnt), und Anzeichen einer Rezession wurden fröhlich ignoriert (man glaubte, dass die Wirtschaft einem Zyklus folge, in dem jedem Abschwung auch ein Aufschwung folge… selbstregulierende Kräfte des Marktes).
Zumindest in der Krise ab 1929 und in den frühen 30ern spielten die Reparationen jedoch bestimmt nicht mehr DIE tragende Rolle, sondern es wirkten eine Reihe von Umständen (allgemeine Weltwirtschaftskrise, Staatsverschuldung, Deflationspolitik Brünings etc.).
Die Idee, dass alle wirtschaftlichen Krisen auf die Reparationen und den Versailler Vertrag zurück gehen, ist dann allerdings gerne in der Politik als Argument mancher Parteien genutzt worden. Und die Leute wollten natürlich gerne glauben, dass alles was schief geht die Schuld der anderen ist.

Viele Grüße von Kati

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Hallo,

Jedenfalls zu großen Teilen. Diese Kredite sind also NICHT nur
für die Rückzahlung von Reparationen verwendet worden, sondern
viel mehr für Investitionen in Industrie und Landwitschaft,
Herrichtung von Städten und Gemeinden durch den Bau von
kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Schulen,
Wohnungen. Es ging also vor allem auch um den Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft (die auch ohne Reparationen ziemlich angedätscht gewesen wäre).

Aber ist es nicht egal, ob man 1 Mrd. RM Reparationen zahlt und im Gegenzug den selben Betrag als Kredit aufnimmt um die Staatskosten zu decken, Handelschiffe zurückzukaufen und Industrieanlagen, Viehbestände oder Eisenbahnnetz wieder aufzubauen, die als Reparationen beschlagnahmt wurden?

Zumindest in der Krise ab 1929 und in den frühen 30ern
spielten die Reparationen jedoch bestimmt nicht mehr DIE
tragende Rolle, sondern es wirkten eine Reihe von Umständen
(allgemeine Weltwirtschaftskrise, Staatsverschuldung,
Deflationspolitik Brünings etc.).

Die Staatsverschuldung war ja eine Folge der Reparationszahlungen, genau wie die extremen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise eine Folge der Kredite aus dem Dawes-Plan waren und somit ebenfalls ihre Ursache in den Reparationszahlungen haben. Deutschland zahlte nach Dawes-Plan ab 1928/29 2,5 Mrd. RM/ Jahr und nach Young-Plan ab 1931 1,8 Mrd. RM/ Jahr bis 1932 auf weitere Reparationszahlungen verzichtet wurde. Erst seit 1932 zahlt man (wahrscheinlich bis 2010) einen relativ geringen Betrag für Zinsen und Tilgung der Kredite.

Gruß

Hallo,
Erst seit 1932 zahlt man (wahrscheinlich bis

  1. einen relativ geringen Betrag für Zinsen und Tilgung der
    Kredite.

es sind etwa 5 Millionen Euro pro Jahr, eine grosse Lehrvorführung der Artillerie und da sind auch 5 Millionen weg.
Gruss
Rainer

Hallo,

Erst seit 1932 zahlt man (wahrscheinlich bis
2010) einen relativ geringen Betrag für Zinsen und Tilgung der
Kredite.

es sind etwa 5 Millionen Euro pro Jahr, eine grosse
Lehrvorführung der Artillerie und da sind auch 5 Millionen
weg.

Richtig, bei diesen Betrag würde ich auch sagen, daß er „nicht mehr DIE tragende Rolle“ spielt.
Gruss

Ich danke euch für eure interessanten Antworten

Ich danke euch für eure interessanten Antworten.

Gruss
Adam