Deutschland - das war´s ?

Hallo,

ich habe mich gerade mal hier durchgewuselt- durch die div. Antworten, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Mehrheit der Ansicht ist, woanders ist es auch nicht besser.
Im Blickpunkt des ganzen scheint zu stehen- wo gibt es Arbeit, wie bin ich abgesichert, wo kann ich gut verdienen?

zunächst sei gesagt, dass ich das sehr gut nachvollziehen kann, was Du schreibst und bei mir fällt das auch nicht in die Kategorie „Gejammer“ sondern das ist eine realistische Einschätzung der Gegebenheiten in einem Land, das angeblich mal das sicherste soziale Netz Europas hatte.
Es ist eine Schande darüber hinaus, dass in diesem Land Menschen hungern müssen und die Armut jeden Tag wächst, während auf der anderen Seite die Reichen immer reicher werden.

Selber verbringe ich viel Zeit in Griechenland und mein Vater wohnt seit langer Zeit in Spanien- auch dort bin ich so oft es geht. Ein italienischer Freund kommt hinzu, zu dem ich regelmäßig Kontakt habe.
Ich werde in ein paar Jahren sicher auch ganz nach Griechenland gehen- wenn Gott will- um den Rest meines Lebens dort zu vebringen.

Was fällt mir als erstes auf, wenn ich eines dieser Länder besuche?
Sonne, freundliche Menschen, Lebensfreude- Ruhe, Ausgeglichenheit,
Arbeit ist so ziemlich das Unwichtigste- wichtig ist das LEBEN!

Man kann über die Sozialsysteme dieser Länder streiten- in GR und E sind sie auch völlig EGAL. Die Familie fängt auf. Die Familie bringt die durch, denen es weniger gut geht. Freunde halten zueinander und helfen sich. Wenn in D jemand arbeitslos wird, dann bricht nackte Existenzangst aus- wenn in GR jemand keine Arbeit hat, denkt er: schön, dass ich endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Das ist der Unterschied der es lohnenswert macht, das Land zu wechseln.

Ach ja übrigens, in E verdient eine Putzhilfe 15€ minimum/Std. Das nur so am Rande, den Job machen überwiegend Marokkanerinnen- für Spanier ist das viel zu wenig…

Gruß
Frank

Unterstützung durch Familien
Hallo Frank,

Man kann über die Sozialsysteme dieser Länder streiten- in GR
und E sind sie auch völlig EGAL. Die Familie fängt auf. Die
Familie bringt die durch, denen es weniger gut geht. Freunde
halten zueinander und helfen sich.

Zunächst einmal gebe ich dir Recht. So ist es nicht nur in den von dir genannten Ländern sondern in den größten Teilen der Welt. Die Familie oder die Dorfgemeinschaft sichrt das gemeinsame Überleben. Das galt in allen vorindustrirellen Kulturen und gilt heute noch immer an vielen Orten.

Aber nun entwirfst du ein deformiertes Gegenbild.

Es ist eine Schande darüber hinaus, dass in diesem Land
Menschen hungern müssen und die Armut jeden Tag wächst,
während auf der anderen Seite die Reichen immer reicher
werden.

Hier in diesem Land müssen die Menschen nicht hungern. Und das, was hier als Armut bezeichnet wird, gilt dürfte in den Ohren der meisten Menschen auf diesen Planeten wie Hohn klingen; eine beheizte Wohnung mit Stom und fließend Wasser, medizinische Versorgung und genug Geld für Lebensmittel und täglichen Bedarf.
Nenne mir einen Ort auf diesen Planeten, wo die Reichen nicht reicher werden und die Armen nicht ärmer.

Wenn dich die Famile in einem südlichen Land unterstützt, zahlen sie dir keine Wohnung, sondern bringen dich in ihrer eigenen unter, ein eigens Zimmer ist da eher die Ausnahme. Sie versorgen dich mit Essen und etwas täglichen Bedarf und bei ernsten medizinischen Problemen schauen sie, was sie tun können. Vieleicht steckt man dir auch gelegentlich ein paar Euros zu. Nach deutschen Verhältnissen bist du bettelarm und weit von dem Lebensstandard eines Hartz4-Empfänger entfernt.
Aber wie du schon sagst;

Arbeit ist so ziemlich das Unwichtigste- wichtig ist das
LEBEN!

Genau das ist der Punkt. In unserem Land hat der materielle Wohlstand eine sehr hohe Bedeutung. Wenn du in unserem Land, kein Auto halten kannst, keine Urlaubsreisen machen kannst und dir den Kino- oder Kneipenbesuch nicht leisten kannst, wird dies als menschenunwürdig betrachtet. Familienverbände sind aufgelöst und Hedonismus und Selbstverwirklichung sind dominant.
Übrigens wird die von dir genannte Einstellung in unserem Land gar nicht gern gesehen, wenn sie von Hartz4-Empfängern gelebt wird. Die Existenzangst besteht ja vor allem bei Menschen, die noch nicht mit Hartz4 leben.

Du hast ein schönes Bild von diesen südlichen Ländern. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass es garnicht so lange her ist, dass Menschen aus diesen Ländern hierher als „Gastarbeiter“ gekommen sind, wo sie insbesondere in der Anfangszeit unter wirklich menschenunwürdigen Bedingungen lebten.
Vielleicht kennst du auch nicht die wirklich armen Menschen dort. Durch deine Tätigkeit siehst du die Menschen in unserem Land, denen es dreckig geht. Auch in den südlichen Ländern gibt es viele Menschen, denen es dreckig geht.

Ach ja übrigens, in E verdient eine Putzhilfe 15€ minimum/Std.
Das nur so am Rande, den Job machen überwiegend
Marokkanerinnen- für Spanier ist das viel zu wenig…

Ich weiss nicht, was meine Verwandten so im Schnitt verdienen. Von einem Cousin weiss ich, dass er im Straßenbau deutlich weniger verdient. Kann es sein, dass dies ein Einzelfall ist, z.B. suchen die Spanier, die von diesem Job wissen, Vollzeitarbeit und die cleveren Putzhilfen nehmen von einem reichen Deutschen einen Lohn, den kein Spanier zahlen würde.

Gruß
Carlos

Hi!

ich habe mich gerade mal hier durchgewuselt- durch die div.
Antworten, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Mehrheit der
Ansicht ist, woanders ist es auch nicht besser.
Im Blickpunkt des ganzen scheint zu stehen- wo gibt es Arbeit,
wie bin ich abgesichert, wo kann ich gut verdienen?

Genau so sollte es sein.
In Deutschland herrscht jedoch sehr häufig die Ansicht: „wo gibt es bei wenig Arbeit am meisten zu holen?“.
Das ist das eigentliche Problem. Wo keine Leistungsbereitschaft ist, wird nicht investiert. Wo nicht investiert wird, gibt es keine Jobs. Wo es keine Jobs gibt, gibt es soziale Probleme.

zunächst sei gesagt, dass ich das sehr gut nachvollziehen
kann, was Du schreibst und bei mir fällt das auch nicht in die
Kategorie „Gejammer“ sondern das ist eine realistische
Einschätzung der Gegebenheiten in einem Land, das angeblich
mal das sicherste soziale Netz Europas hatte.

Das ist nach wie vor so.
Blöderweise wurde dieses Netz solange strapaziert, bis es riss.
Nun wird ein wenig leistung und Eigenverantwortung eingefordert und sofort schreit die Menge, wie asozial es doch in diesem Land zuginge.
Ich empfehle Euch, einmal genau hinzusehen, wie es in den genannten „Traumländern“ GR, I, E u.s.w. aussieht, wenn man alt/arbeitslos/krank ist.
Vielleicht seht Ihr dann, dass Sonne allein nicht glücklich macht. Schon gar nicht, wenn man seinen deutschen „Rucksack“ an Erwartungen mitnimmt.

Es ist eine Schande darüber hinaus, dass in diesem Land
Menschen hungern müssen und die Armut jeden Tag wächst,
während auf der anderen Seite die Reichen immer reicher
werden.

Was ist das denn für ein Blödsinn?
Ohne „Reiche“, die Arbeitsplätze schaffen, kann ein Industriestaat nicht überleben. Wir jagen diese Leute aus dem Land und wundern uns dann, dass nichts mehr geht.
Ich verstehe Euch nicht. Glaubst Du ernsthaft, das geld komme aus dem Automaten und wenn man nur die Steuern für die „Reichen“ ordentlich anhebe, würde alles gut??
Nurf soviel: das klappt nicht.
geld fliesst den Weg des geringsten Widerstandes, zur Not eben ins Ausland.

Selber verbringe ich viel Zeit in Griechenland und mein Vater
wohnt seit langer Zeit in Spanien- auch dort bin ich so oft es
geht. Ein italienischer Freund kommt hinzu, zu dem ich
regelmäßig Kontakt habe.
Ich werde in ein paar Jahren sicher auch ganz nach
Griechenland gehen- wenn Gott will- um den Rest meines Lebens
dort zu vebringen.

Viel Spaß dort im Krankenhaus oder auf dem Sozialamt…

Was fällt mir als erstes auf, wenn ich eines dieser Länder
besuche?
Sonne, freundliche Menschen, Lebensfreude- Ruhe,
Ausgeglichenheit,
Arbeit ist so ziemlich das Unwichtigste- wichtig ist das
LEBEN!

Genau.
Und wer kein Geld hat, landet sofort in der Gosse.

Man kann über die Sozialsysteme dieser Länder streiten- in GR
und E sind sie auch völlig EGAL. Die Familie fängt auf.

Das ist ein Trugschluß. Die EU fängt auf. Auch in den südeurop. Ländern wird das Netz der Großfamilien schwächer. mehr Singles, mehr berufsbedingte Umzüge, weniger Kinder u.s.w. führen zu einer ähnlichen Entwicklung wie hier.

Die
Familie bringt die durch, denen es weniger gut geht. Freunde
halten zueinander und helfen sich. Wenn in D jemand arbeitslos
wird, dann bricht nackte Existenzangst aus- wenn in GR jemand
keine Arbeit hat, denkt er: schön, dass ich endlich wieder
mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge habe.

Das glaubst Du nicht wirklich, oder?
Ich habe Bekannte in Athen und sehe, wie hart diese Leute kämpfen müssen. Horrende Steuern, Korruption an jeder Ecke, Pleiten reihenweise, unbezahlte Rechnungen bringen das kleine Unternehmen eines meiner Bekannten regelmässig in massive Probleme, obwohl es eigentlich nach deutschen Maßstäben sehr gut läuft.
Was dort funktioniert, ist die „Sub-Wirtschaft“ in der grauzone zwischen gerade noch akzeptabel und Steuerhinterziehung.
Dass darauf aber kein Staatswesen fußen kann, sollte klar sein.
Was mit der Alters- und Krankenvorsorge derart arbeitender Menschen los ist, ist ebenfalls nicht schwer zu beantworten.

Griechenland, Spanien und Italien haben bei den EU-Kriterien derart massiv betrogen, dass das wahre Ausmaß der Katastrophe noch nicht an die breite Öffentlichkeit gedrungen ist.
Aber auch die Südland-Träumer werden bald sehen, dass das easy life dort rein auf Kosten von Deutschland läuft. Wenn D zumacht, ist es dort ganz fix vorbei mit dem Spaß.

Das ist der Unterschied der es lohnenswert macht, das Land zu
wechseln.

Wie gesagt, viel Spaß. ich würde erst einmal alle Details beleuchten. Wer nicht mindestens 500.000 € auf der Bank (in Deutschland!) hat, sollte das lassen.

Ach ja übrigens, in E verdient eine Putzhilfe 15€ minimum/Std.
Das nur so am Rande, den Job machen überwiegend
Marokkanerinnen- für Spanier ist das viel zu wenig…

Naja, meine Freunde aus Barcelona ahbe ich danach gefragt. Ihre illegale Tunesierin verdient 7 Euro / h.
Eine illegale Tschechin hier verdient wenigstens 10…

Keine Ahnung, wie Du zu dieser Traumtänzereinstellung kommst, aber ich würde Deine freunde einmal nach den Details wie Steuern, Behördengänge, Genehmigungsverfahren us.w. fragen. Eben die Details, welche für Deinen persönlichen Plan relevant sind. Dann sieht das bei objektiver Betrachtung oftmals nicht mehr so rosig aus.

Ich würde ehr einmal darüber nachdenken, wie man in Deutschland besser klarkommen kann. Nach den Franzosen arbeiten wir am wenigsten in der ganzen EU und verdienen am meisten. Wenn man allein hier 10% zulegt bzw. abgibt, hat man einen großen Schritt in Richtung echte Konkurrenzfähigkeit getan. das ist es, was man in D noch reaktivieren kann, in den von Dir genannten Südstaaten aber ncoh nie hatte. Wenn in naher Zukunft hier die Unterstützung der starken EU Länder wegfällt, ist der Traum dort zuende. In D hingegen kann man die Sache noch hinbiegen, wenn die nötigen Reformen erst gewollt und dann ohne wenn und aber umgesetzt werden. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man über die Sau, die einen säugt, meckert…

Grüße,

Mathias