Deutschland ist gerettet!

Mahlzeit!

Vielleicht erinnert sich ja der eine oder die andere noch an meine Ausführungen hier vor einiger Zeit zum Hartz-Konzept.

Nun ist es ja endlich(?) soweit. Es soll 1:1 zum Gesetz gemacht werden. Hurra! Ich höre sie alle schon jubeln. Die Arbeitslosen, weil sie künftig nicht mehr Arbeitslos sein werden. Schließlich werden sie ja alle als Leiharbeiter eingestellt. Die Politik, weil so künftig ja nur noch die Arbeitslos bleiben, die eh keine Böcke zum Arbeiten haben. Alle anderen werden ja als Leiharbeiter gut beschäftigt.

Aber einen, der richtig jubelt, habe ich gestern abend getroffen! Und der jubelt wirklich, ganz ehrlich!

Warum jubelt denn da einer wirklich? Und wer ist derjenige, der da jubelt? Ich will es kurz erklären…

Ein Bekannter von mir nennt ein recht gut laufendes Unternehmen (das gibt es noch, tatsächlich!) sein eigen. Hauptsächlich beschäftigt er sich mit dem Innenausbau von Mehrfamilienhäusern und mit Fliesenlegen in großem Stil.

Zur Zeit beschäftigt er 26 Angestellte. Davon sind sechs Angestellte tatsächlich Fachkräfte. Diese sind bei ihm hauptsächlich damit befasst, die restlichen zwanzig Leute, bei denen es sich eigentlich hauptsächlich um Hilfskräfte oder anders ausgedrückt ungelernte Bauhelfer handelt, vernünftig anzuleiten und eine ordnungsgemäße Arbeitsausführung sicherzustellen. Dummerweise wollen alle seiner 26 Leute gut bezahlt werden. Und er ist auch noch gezwungen, Mindestlöhne zu zahlen. Soweit, so schlecht. Aber so isses nunmal.

Dieser Bekannte hat nun erkannt, welche gigantischen Möglichkeiten im sensationellen Hartz-Konzept für sein Unternehmen stecken!

Das erste, was er machen wird, wenn dieses geniale Konzept zum Gesetz wird, ist schon klar. Er wird sukzessive seine zwanzig Bauhelfer kündigen. Es tut ihm zwar für den einen oder anderen leid, aber die Welt ist eben hart und ungerecht. Und dann? Dann leiht er sich beim Arbeitsamt die benötigten Bauhelfer je nach Bedarf einfach aus. Super, so einfach ist das. Eines ist sicher, unterm Strich rechnet sich das für ihn. Er ist mit einem Schlag jegliches Krankheitsrisiko los. Auch Urlaubslücken nerven nicht mehr. Und er kann noch dazu recht flexibel auf eventuelle Engpässe oder auch Übermengen reagieren. Das ist doch klasse! Und vor allem, ganz wichtig, diese Leiharbeiter vom Arbeitsamt müssen keine üblichen Mindestlöhne bekommen! Denn nach dem Hartz-Konzept sollen diese Leiharbeiter ja erstmal für einen Zeitraum von sechs Monaten weiterhin einen Lohn in Höhe ihres Arbeitslosengeldes bekommen. Billiger geht es für ihn als Arbeitgeber kaum noch. Und nach sechs Monaten? Nimmt er halt den nächsten. Gibt ja vier Millionen potentielle Kandidaten.

Mein Bekannter jedenfalls ist begeistert von dieser Regierung! Endlich kommt einer, der ihm wirklich hilft, seine Lohnkosten zu senken. Äußerst effektiv und vor allem flexibel. Ganz große Klasse. Findet er jedenfalls. Und letztlich hört man ja in der Presse, das sogar die Gewerkschaften das Klasse finden.

Was soll ich denn jetzt dazu sagen? Weiß nicht, mir fällt nichts dazu ein. Ich finde ihn ganz schön clever, meinen Bekannten.

Bleibt noch eine Frage offen. Was war eigentlich dieser Hartz von Beruf? Ach ja, Personalvorstand bei Volkswagen. Ein Schelm, wer arges dabei denkt.

Gruß vom

Dicken MD.

PS: Meinungen dazu erbeten.

Hallo Dicker,

als ich die Überschrift las, dachte ich schon, Du hättest Öl gefunden. Aber so? Vergiß es!

Das Arbeitsamt ist eine Behörde, die zunächst einmal sich selbst verwaltet. Ganz am Rande sind die dort tätigen Damen und Herren auch noch mit Vermittlung beschäftigt. Glaubst Du etwa, daß man jetzt durch Änderungen an der Fassade etwas bewirken kann?

Es mag ja sein, daß ein paar Arbeitgeber die Situation nutzen und billige Leiharbeiter vom Arbeitsamt nehmen. Ich halte das aus Erfahrung für keinen Weg. Man muß froh sein, der Aufgabe gewachsene und arbeitswillige Mitarbeiter zu finden. Wenn der Betrieb genug Aufträge hat, wird er die vorhandenen Mitarbeiter unbedingt halten wollen. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter ist regelmäßig Sand im Getriebe.

Das Problem ist vielmehr, daß es zu wenige Betriebe mit ordentlicher Auslastung gibt. Daran kann Hartz nichts ändern. Will er wohl auch nicht. Es geht um eine effiziente Vermittlung Arbeitsloser. Das aber kann nur funktionieren, wenn es genug Arbeit gibt.

Gruß
Wolfgang

hi,

dafür werden tausende missbrauchsklauseln wirken. im ernst, m.E. werden nur die gefördert:

a) unternehmer, die lange niemand entlassen haben
b) arbeitslose, die lange arbeitslos sind

demzufolge geht dein kumpel leer aus…

im übrigen ist meine meinung, das die beste arbeitsvermittlung nicht arbeitsplätze schafft (ausser verwaltung). die „paar“ offenen stellen machen nicht das gros aus. im übrigen sollen ja nun auch die arbeitsunwilligen europakonform aus der statistik sollen…

naja, da schaffen wir schnell die 3,5mio grenze…

gruss vom

showbee

Hallo Dicker,

ich meine, dass sich Dein Freund ganz artig in den Finger schneidet. Er bekommt keinen einzigen Pfennig nach dem Hartz-Konzept, wenn er zuvor entlässt, um auf Staatsknete Kosten zu sparen. Gefördert wird der, der Arbeitsplätze schafft und nicht der, der Arbeitslose schafft, damit er Arbeitslose mit Zuschuss einstellen kann.

Trotzdem finde ich Hartz ausgezeichnet. Ist es aus Sicht von Gerhard Schröder nicht schon lange Zeit, endlich die Faulen mal richtig an die Kandarre zu nehmen ? Hat er nicht recht, dass den Arbeitslsoen, die nicht arbeiten wollen, endlich die Mittel zu kürzen sind. Hat der Dicke nicht rechtzeitig die „Faulen in der sozialen Hängematte“ und der Blender in Berlin „die faulen Arbeitslosen“ entdeckt.

Hätte der Dicke das getan, was die SPD tut, Engelen-Käfer wäre in jeder Fernsehsendung zum Giften angetreten und würde den Untergang des Abendlandes verkünden.

Nun, prima, was die SPD so macht. Die Arbeitslosenhilfe soll auf Sozialhilfeniveau reduziert und zusammen mit den Sozialhilfeempfängern bearbeitet werden. Wie es aussieht auch Kürzung des Arbeitslosengeldes, Streichung der unsinnigen sozialen Trainungskurse und die Forderung, ohne Rücksicht auf den erlernten Beruf Arbeitsverpflichtung durch Arbeitscenter.

Ist es nicht schön, wenn ein Arbeitsloser endlich mal wieder für 5 EURO in der Stunde bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Wochenstunden arbeiten darf, statt zu Hause den anderen auf der Tasche zu liegen und monatlich mit 1.000 Euro ALG auskommen zu müssen. Die SPD ist doch wegen dieser asozialen Errungenschaften gewählt worden. Wowereit sagt: „Und das ist gut so“. Meine ich auch. Die Arbeitslosen haben ihre die Regierung gewählt. Wer sät soll auch ernten.

Nun ist es ja endlich(?) soweit. Es soll 1:1 zum Gesetz
gemacht werden. Hurra! Ich höre sie alle schon jubeln. Die
Arbeitslosen, weil sie künftig nicht mehr Arbeitslos sein
werden. Schließlich werden sie ja alle als Leiharbeiter
eingestellt. Die Politik, weil so künftig ja nur noch die
Arbeitslos bleiben, die eh keine Böcke zum Arbeiten haben.
Alle anderen werden ja als Leiharbeiter gut beschäftigt.

Ein Bekannter von mir nennt ein recht gut laufendes
Unternehmen (das gibt es noch, tatsächlich!) sein eigen.
Hauptsächlich beschäftigt er sich mit dem Innenausbau von
Mehrfamilienhäusern und mit Fliesenlegen in großem Stil.

Zur Zeit beschäftigt er 26 Angestellte. Davon sind sechs
Angestellte tatsächlich Fachkräfte. Diese sind bei ihm
hauptsächlich damit befasst, die restlichen zwanzig Leute, bei
denen es sich eigentlich hauptsächlich um Hilfskräfte oder
anders ausgedrückt ungelernte Bauhelfer handelt, vernünftig
anzuleiten und eine ordnungsgemäße Arbeitsausführung
sicherzustellen.

Sorry, aber dann soll er sich mal jemand holen, der sein Unternehmen beraten kann. Ein Unternehmen mit einer solchen hohe „Qualifikationsziffer“ von Fachleuten ist auf Dauer dem Untergang geweiht.

Dummerweise wollen alle seiner 26 Leute gut

bezahlt werden. Und er ist auch noch gezwungen, Mindestlöhne
zu zahlen. Soweit, so schlecht. Aber so isses nunmal.
Dieser Bekannte hat nun erkannt, welche gigantischen
Möglichkeiten im sensationellen Hartz-Konzept für sein
Unternehmen stecken!

Das erste, was er machen wird, wenn dieses geniale Konzept zum
Gesetz wird, ist schon klar. Er wird sukzessive seine zwanzig
Bauhelfer kündigen. Es tut ihm zwar für den einen oder anderen
leid, aber die Welt ist eben hart und ungerecht. Und dann?

So etwas nennt man asozial. Kommt von „Leben auf Kosten der Gesellschaft“ etwas vereinfacht dargestellt.

Dann leiht er sich beim Arbeitsamt die benötigten Bauhelfer je
nach Bedarf einfach aus. Super, so einfach ist das. Eines ist
sicher, unterm Strich rechnet sich das für ihn. Er ist mit
einem Schlag jegliches Krankheitsrisiko los. Auch
Urlaubslücken nerven nicht mehr. Und er kann noch dazu recht
flexibel auf eventuelle Engpässe oder auch Übermengen
reagieren. Das ist doch klasse! Und vor allem, ganz wichtig,
diese Leiharbeiter vom Arbeitsamt müssen keine üblichen
Mindestlöhne bekommen! Denn nach dem Hartz-Konzept sollen
diese Leiharbeiter ja erstmal für einen Zeitraum von sechs
Monaten weiterhin einen Lohn in Höhe ihres Arbeitslosengeldes
bekommen. Billiger geht es für ihn als Arbeitgeber kaum noch.
Und nach sechs Monaten? Nimmt er halt den nächsten.

Dann hoffe ich nur, sofern die Idioten in Berlin erneut solch einen Mist gesetzlich verankern sollten, dass es genügend Mitarbeiter bei den Firmen gibt, auch bei der Arbeitsverwaltung, die solchen Firmen keinen einzigen Arbeitslosen mehr zuweisen. Dieser Umgang mit Menschen hat nichts mit Kapitalismus zu tun. Dies ist in meinen Augen schlichtweg neben einem asozialen Verhalten eines Arbeitgebers skrupellos. Dies hat auch nichts damit zu tun, dass die Welt hart und ungerecht sein kann - auch ist.

Hier versucht ein Arbeitgeber, der so handelt, die Notlage eines Arbeitslosen auszunutzen, versucht sich Vermögensvorteile zu verschaffen, wissentlich und billigend, dass sein Verhalten erst recht den Arbeitslosen auf Dauer , spätestens bei Renteneintritt in die Sozialhilfe treibt. Dies ist schamlos, schmutzig, asozial und menschenverachtend.

Gibt ja

vier Millionen potentielle Kandidaten.

Leider !

Mein Bekannter jedenfalls ist begeistert von dieser Regierung!
Endlich kommt einer, der ihm wirklich hilft, seine Lohnkosten
zu senken. Äußerst effektiv und vor allem flexibel. Ganz große
Klasse. Findet er jedenfalls. Und letztlich hört man ja in der
Presse, das sogar die Gewerkschaften das Klasse finden.

Dies ist das Bedauerliche, dass das Pack bei den Gewerkschaften offensichtlich bereit ist, um Schröder zu stützen, dies gegen die Arbeitslosen mitzumachen (von 1960 - 1985 Gewerkschaftler)

Was soll ich denn jetzt dazu sagen? Weiß nicht, mir fällt
nichts dazu ein. Ich finde ihn ganz schön clever, meinen
Bekannten.

Meine Meinung kennst Du.

Bleibt noch eine Frage offen. Was war eigentlich dieser Hartz
von Beruf? Ach ja, Personalvorstand bei Volkswagen. Ein
Schelm, wer arges dabei denkt.

Dieser Hartz soll seinen Kumpan Schröder lediglich die Stange halten, aber er wird schon wissen, welche Vorteile es für VW hat. Immerhin ist es ein Volksbetrieb und Fremdarbeiter oder Zwangsarbeiter gibt es - zumindest formal - auch in Wolfsburg nicht mehr.

Gruss Günter

Hi,

bei Deinem Beispiel fiel mir eine Sache ein, die mir gestern ein Kollege erzählt hat: Er ist an einem mittelständischen Unternehmen beteilig, daß eigentlich plante, zu investieren und dabei 25 Leute einzustellen. Das wäre am Standort eine echte Sensation. Nun hat man aber beschlossen, aufgrund der ganzen Unsicherheit die Inv. zurückzustellen.

Des weiteren: Einstellungen gibt es nur dann, wenn - wie Wolfgang schon sagte - die Auslastung eines Unternehmenens zwischen 90 und 100% liegt. Derzeit liegt die Auslastung in der deutschen Industrie irgendwo im unteren 80%-Bereich. Bevor also neu eingstellt wird, muß erstmal was passieren. Irgendwann gab es mal eine Untersuchung, nach der nur dann insgesamt Einstellungen stattfinden, wenn das Wirtschaftswachstum über 2,4% liegt.

Davon sind wir derzeit weit entfernt. Hartz hin oder her: Bis es zu einer nennenswerten Entlastung am Arbeitsmarkt kommt, fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Gruß
Christian

hi,

dafür werden tausende missbrauchsklauseln wirken. im ernst,
m.E. werden nur die gefördert:

a) unternehmer, die lange niemand entlassen haben
b) arbeitslose, die lange arbeitslos sind

lol, da kann dieser Staat ja sofort Pleite anmelden. Das ist der Gnadenstoß mit einem Tritt in die Eier für die Wirtschaft.

Frank, dersichübersovielblödheitkaputtlacht (nicht deine showbee :smile: