Deutschland MUSS Einwanderungsland werden !

Hi

Soo sehe ich das auch!

SPIEGEL ONLINE - 27. April 2001, 12:37

Deutschland muss Einwanderungsland werden!

Von Rainer Münz

Ohne Zuwanderer droht Deutschland Vergreisung und wirtschaftlicher Absturz. Zum Auftakt einer SPIEGEL-ONLINE-Serie über die Herausforderungen durch eine neue Einwanderungspolitik, beschreibt der Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz, warum die Deutschen beim Umgang mit Ausländern radikal umdenken müssen.

Deutsch-polnischer Grenzübergang in Frankfurt an der Oder

Berlin - Die Deutschen werden immer älter. Denn die Lebenserwartung steigt. Und die Deutschen werden weniger. Denn unsere Kinderzahlen sind niedrig wie nie zuvor. Noch hat das Land die Rekordzahl von über 82 Millionen Einwohnern. Doch nun beginnt die Bevölkerungzahl zu schrumpfen. Wahrscheinlich werden hier nie wieder so viele Menschen leben wie heute. Das lässt sich jetzt schon vorhersagen. Trotzdem kann sich kaum jemand vorstellen, was das konkret bedeutet: ein Minus von 7, von 10 oder von 15 Millionen Einwohnern.

Müssen hier so viele Menschen leben?

Wo ist das Problem? Wer je auf Deutschlands Autobahnen im Stau stand oder im ICE keinen Sitzplatz mehr fand, hat sich zweifellos schon gefragt: Müssen hier so viele Menschen leben? Eine geringere Zahl von Deutschen könnte - zumindest theoretisch - unsere Lebensqualität verbessern. Wir hätten mehr Platz. In der Praxis ist davon allerdings nicht viel zu bemerken. Denn derzeit nimmt erst einmal die Zahl der Kinder und Jugendlichen ab. Das Gedränge auf Autobahnen und in Zügen wird dadurch nicht kleiner. Stattdessen schließen Berlin und andere ostdeutsche Länder immer mehr Schulen. Westdeutsche Bundesländer werden diesem Beispiel folgen.

Interaktive Grafiken:

Einwanderer in Deutschland - Wie viele? Wo? Woher?
Deutschland ohne Nachwuchs: Drei Szenarien für einen Raum ohne Volk

Als nächstes wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter sinken. Auch dies verheißt keineswegs mehr Lebensqualität. Zwar wird die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren abnehmen, weil es in Deutschland weniger Junge gibt, die die Schule verlassen, als Alte, die neu in Rente gehen. Zugleich verteilt sich aber die Finanzierung von Renten- und Krankenversicherung auf immer weniger Schultern.

Die Nachfrage nach Immobilien und langlebigen Konsumgütern wie Autos oder auch Küchengeräten sinkt. Mit einer dynamisch wachsenden Wirtschaft ist dann höchstwahrscheinlich nicht mehr zu rechnen. Wer daran zweifelt, kann schon heute in weiten Teilen der neuen Bundesländer besichtigen, wie ein schrumpfendes und langsam vergreisendes Deutschland ohne Zuwanderer aussähe.

Weniger Erwerbstätige, aber mehr Aufgaben

Auch bei insgesamt abnehmender Bevölkerung wird die Zahl der über 60-Jährigen noch über das Jahr 2040 hinaus zunehmen. Denn die Kinder des Baby-Booms der späten fünfziger und sechziger Jahre werden alle gemeinsam alt. Sie stellen heute die größte Gruppe einer alternden Erwerbsgeneration. Und sie werden alle nach dem Jahr 2020 in Rente gehen wollen. Auf sie folgen geburtenschwache Jahrgänge. Deshalb gibt es heute in Deutschland deutlich mehr 40-Jährige als 10-Jährige. Und 2030 wird es mehr 70-Jährige als 40-Jährige geben. Die Erwartungen sind hoch: Die Jüngeren sollen mehr Güter und Dienstleistungen produzieren, die Renten finanzieren und damit die Älteren versorgen.

© DER SPIEGEL

Grafik: Einwanderungsbedarf

Die Jüngeren von morgen sollen eine wachsende Zahl gebrechlicher Menschen pflegen. Außerdem soll die jüngere Generation selber Kinder bekommen und großziehen. Schließlich gibt es seit der Rentenreform noch eine weitere sehr konkrete Erwartung. Die Kinder und Jugendlichen von heute müssen in einem Vierteljahrhundert all jene Aktien, Immobilien und Fondsanteile kaufen, mit denen die heute Aktiven für das Alter vorsorgen. Sonst verlieren die vermeintlich lukrativen Kapitalanlagen mangels Nachfrage an Wert, und es gibt keine attraktiven Zusatzrenten. Damit hat auch die private Vorsorge ihren ungeschriebenen Generationenvertrag.

Wir müssen es wollen

Ohne jede Zuwanderung hätte Deutschland in 50 Jahren aber nur noch 58 Millionen Einwohner; davon immerhin 40 Prozent im Alter zwischen 60 und 100 Jahren. In dieser Situation lässt sich nicht mehr fragen: Wollen wir ein Einwanderungsland werden? Jetzt ist klar: Wir müssen es. Und wir müssen es wollen.

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts würde in Deutschland - ohne Zuwanderung - die Zahl der Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren von 46 auf 27 Millionen schrumpfen: ein Minus von fast 20 Millionen. Wollten wir das ausgleichen, dann bräuchten wir pro Jahr eine Netto-Zuwanderung von rund 400.000 Personen. Das wäre mehr als doppelt so viel wie die Netto-Zuwanderung im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre. Zuwanderung dieser Größe ist freilich nur sinnvoll, wenn es für die Mehrzahl dieser Zuwanderer auch Arbeitsplätze gibt. Oder wenn sich sehr viele von ihnen erfolgreich selbständig machen können.

© DER SPIEGEL

Grafik: Einwanderung nach Deutschland

Eine ungedeckte Nachfrage nach Arbeitskräften gab es in Westdeutschland zuletzt in den sechziger und frühen siebziger Jahren. Damals holte die Bundesrepublik junge, gesunde, aber wenig qualifizierte Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum ins Land. Die DDR folgte in den achtziger Jahren diesem Beispiel. Sie warb Vertragsarbeiter aus der Dritten Welt an. Heute mangelt es an Fachkräften. Zugleich gibt es allerdings derzeit noch eine große Zahl an Arbeitslosen, an Personen im Vorruhestand und an nicht erwerbstätigen Frauen. Diese Reserve kann und wird aller Voraussicht nach mobilisiert werden, um den kommenden Mangel an Arbeitskräften zumindest teilweise auszugleichen. Wir benötigen also keine neuen wenig gebildeten Gastarbeiter im traditionellen Sinn.

Für eine dynamische Volkswirtschaft unverzichtbar

Umso dringender ist aber der Bedarf an qualifizierten Zuwanderern, die sich auf Dauer bei uns niederlassen. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die absehbar immer geringere Zahl deutscher Schulabgänger, Lehrlinge und Studenten auszugleichen. Für eine dynamische Volkswirtschaft sind sie unverzichtbar. Deutschland muss also Einwanderungsland werden. Der erste Schritt dazu ist ein zukunftsweisendes Einwanderungsgesetz. Es soll klar regeln, wer auf Zeit und wer auf Dauer zu uns kommen darf. Hier sind Regierung, Bundestag und Bundesrat am Zug, sobald die Zuwanderungskommission des Bundes unter Vorsitz von Rita Süssmuth im Sommer einen konkreten Vorschlag macht.

Qualifizierte Migranten können sich ihr Land aussuchen

Doch damit allein ist es nicht getan. Zuwanderung muss von einer Mehrheit der Einheimischen akzeptiert werden. Sonst bleibt das beste Einwanderungsgesetz Makulatur. Das wird die eigentliche Herausforderung. Der großen Mehrzahl der Deutschen muss klar werden, dass geregelte Zuwanderung nicht bloß den Migranten etwas bringt, sondern vor allem im Interesse der Einheimischen ist. Sonst brauchen wir im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe den roten Teppich für die benötigten Zuwanderer gar nicht erst auszurollen. Fehlt die breite Zustimmung der Bevölkerung, dann können wir Zuwanderer in größerer Zahl weder aufnehmen noch erfolgreich integrieren.

Das Signal muss heißen: Ihr seid erwünscht

Wir brauchen also nicht nur ein modernes Einwanderungsrecht. Noch wichtiger ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Ohne sie wird Deutschland kein attraktives Ziel für qualifizierte Migranten. Denn diese werden sich in Zukunft das Land aussuchen können, in dem sie leben und arbeiten wollen. Deshalb muss von uns jetzt das klare Signal ausgehen: Ihr seid erwünscht!

Rainer Münz ist Professor für Bevölkerungswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied der Regierungskommission Einwanderungspolitik unter Leitung von Rita Süssmuth.

Lesen Sie Montag: „Sonst wandert der Wohlstand aus!“ - Die Industrie fordert Zuwanderung


Zum Thema:

Kontext: · Zuzugsperre für Osteuropäer: Der Kanzler-Plan „schadet Deutschland“
http://www.spiegel.de/politik/europa/0,1518,109786,0…

· Joschka Fischer: Die Polen sollen kommen
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,121…

· Ausländer: Einig Vaterland - bei Intoleranz
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,129…

· Einwanderung: Die Angst der Parteien vor der Wahl
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,115…

· Wohlfahrtsverband: Bundesamt für Migration gefordert
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,127…

· Ausländer: Die vergessenen Alten
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,126…

· EU-Osterweiterung: Schröder fürchtet Umweltdumping
http://www.spiegel.de/politik/europa/0,1518,126311,0…

· Kofi Annan: Kritik an Einwanderungs- Beschränkungen der EU-Staaten
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,115013,…

******* Ende Meldung **********

…wenn man dazu deren Grafiken sieht- siehe Spiegel-online.de-
ist die zwingende Zuwanderung unvermeintlich, ja sogar notwendig, da die BDR soo nicht ueberlebt, in keiner Beziehung.

Wer bessere Argumente hat, Ok, bitte melden.

Bye
Hans

Hallo Hans,

auf jeden Fall ist die Lage unverkenntlich und schreit Nach Handlung, aber über den Weg muss genaustens nachgedacht werden. In den meisten Kommentaren des Spiegelberichtes stime ich überein und es ist auch richtig, dass qualifizierte leute geworben werden sollen, dabei darf aber eins nicht vergessen werden: Die Ausbildung im eigenen Land.

Ich sehe das so: Wir werben qulaifizierte Leute, die regierung sieht, wie leicht das geht, vernachlässigt die Bildung ihres Volkes und was raus kommt ist ein Staat, in dem Die obere Klasse zunächst eingewanderte Ausländer sind und die untere die eiegntlichen Bewohner des Landes, natürlich nur ganz grob gesehen und gar nicht fremdenfeindlich gemeint. Würde das aber eintreffen, hat diese land ebeenfals keine Zukunft mehr, die Fremden würden wieder gehen und mit ihnen auch der Wohlstand. was bleibt ist Rauch und Asche. Ungebildete Deutsche.
was ich damit sagen will, mir gefällt schon jetzt ganz und gar nichts an unserem Bildungssystem und es gibt soviele Leute, die sehr intelligent sind, aber nie die Chance hatten, durch welche Umstände auch immer, zu einem vernünftigen Bildungsabschluss zu kommen. ich kenne sie persönlich. Und von den Leuten, die genügend wissen haben um einen bestimmten Beruf ausüben zu könen, aber nicht eingestellt werden, weil ihnen der schulabschluss fehlt, mal ganz abgesehen. Da treten doch erhebliche Defizite auf. Darum sollte man sich genauso und im gleichen Atemzug kümmern, wie um die Zuwanderung, denn so kann Deutschland den kreis der qualifizierten leuten eigenständig etwas anheben und so den , der ungebildeten senken. Denn wir reden ja nicht von Dummköpfen, lediglich von jene, die nicht den erfoderlichen Abschluss haben.

Ich finde, man sollte die schulen nicht schließen, sondern viel mehr umbauen. Man muss umdenken. Weiterbildung und Nachbildung ist das Stichwort. Ich finde, genauso wie man Leute motviert, nach deutschland zu kommen, sollte man auch die eigenen Deutschen motivieren lernbereiter zu sein.

mit freundlichen Grüßen Johanna

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Hello Johanna.

Hallo Hans,

auf jeden Fall ist die Lage unverkenntlich und schreit Nach
Handlung, aber über den Weg muss genaustens nachgedacht
werden. In den meisten Kommentaren des Spiegelberichtes stime
ich überein und es ist auch richtig, dass qualifizierte leute
geworben werden sollen, dabei darf aber eins nicht vergessen
werden: Die Ausbildung im eigenen Land.

Ich sehe das so: Wir werben qulaifizierte Leute, die regierung
sieht, wie leicht das geht, vernachlässigt die Bildung ihres
Volkes und was raus kommt ist ein Staat, in dem Die obere
Klasse zunächst eingewanderte Ausländer sind und die untere
die eiegntlichen Bewohner des Landes, natürlich nur ganz grob
gesehen und gar nicht fremdenfeindlich gemeint. Würde das aber
eintreffen, hat diese land ebeenfals keine Zukunft mehr, die
Fremden würden wieder gehen und mit ihnen auch der Wohlstand.
was bleibt ist Rauch und Asche. Ungebildete Deutsche.
was ich damit sagen will, mir gefällt schon jetzt ganz und gar
nichts an unserem Bildungssystem und es gibt soviele Leute,
die sehr intelligent sind, aber nie die Chance hatten, durch
welche Umstände auch immer, zu einem vernünftigen
Bildungsabschluss zu kommen. ich kenne sie persönlich. Und von
den Leuten, die genügend wissen haben um einen bestimmten
Beruf ausüben zu könen, aber nicht eingestellt werden, weil
ihnen der schulabschluss fehlt, mal ganz abgesehen. Da treten
doch erhebliche Defizite auf. Darum sollte man sich genauso
und im gleichen Atemzug kümmern, wie um die Zuwanderung, denn
so kann Deutschland den kreis der qualifizierten leuten
eigenständig etwas anheben und so den , der ungebildeten
senken. Denn wir reden ja nicht von Dummköpfen, lediglich von
jene, die nicht den erfoderlichen Abschluss haben.

Richtig, sehe ich auch soo.

Ich finde, man sollte die schulen nicht schließen, sondern
viel mehr umbauen.

Soo wie die USA es massiv tut!

Man muss umdenken. Weiterbildung und

Nachbildung ist das Stichwort. Ich finde, genauso wie man
Leute motviert, nach deutschland zu kommen, sollte man auch
die eigenen Deutschen motivieren lernbereiter zu sein.

Sehr richtig gedacht und formuliert.

DAS sollstes Du allerdings dem Prof. Muenz exact soo mitteilen, denn DER sitzt am ‚Hebel‘ bei Frau Suessmuth.

mit freundlichen Grüßen Johanna

Bye
Hans

…nur ne kleine Bitte, bei der Eile sind dir wohl die Gross- und Kleinschreibung durcheinandergeraten, oder? ( Der Prof. sollte das natuerlich perfekt bekommen, denke ich )

==============

Hi

Soo sehe ich das auch!

SPIEGEL ONLINE - 27. April 2001, 12:37

Deutschland muss Einwanderungsland werden!

Von Rainer Münz

Ohne Zuwanderer droht Deutschland Vergreisung und
wirtschaftlicher Absturz. Zum Auftakt einer
SPIEGEL-ONLINE-Serie über die Herausforderungen durch eine
neue Einwanderungspolitik, beschreibt der
Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz, warum die Deutschen
beim Umgang mit Ausländern radikal umdenken müssen.

Deutsch-polnischer Grenzübergang in Frankfurt an der Oder

Berlin - Die Deutschen werden immer älter. Denn die
Lebenserwartung steigt. Und die Deutschen werden weniger. Denn
unsere Kinderzahlen sind niedrig wie nie zuvor. Noch hat das
Land die Rekordzahl von über 82 Millionen Einwohnern. Doch nun
beginnt die Bevölkerungzahl zu schrumpfen. Wahrscheinlich
werden hier nie wieder so viele Menschen leben wie heute. Das
lässt sich jetzt schon vorhersagen. Trotzdem kann sich kaum
jemand vorstellen, was das konkret bedeutet: ein Minus von 7,
von 10 oder von 15 Millionen Einwohnern.

Müssen hier so viele Menschen leben?

Wo ist das Problem? Wer je auf Deutschlands Autobahnen im Stau
stand oder im ICE keinen Sitzplatz mehr fand, hat sich
zweifellos schon gefragt: Müssen hier so viele Menschen leben?
Eine geringere Zahl von Deutschen könnte - zumindest
theoretisch - unsere Lebensqualität verbessern. Wir hätten
mehr Platz. In der Praxis ist davon allerdings nicht viel zu
bemerken. Denn derzeit nimmt erst einmal die Zahl der Kinder
und Jugendlichen ab. Das Gedränge auf Autobahnen und in Zügen
wird dadurch nicht kleiner. Stattdessen schließen Berlin und
andere ostdeutsche Länder immer mehr Schulen. Westdeutsche
Bundesländer werden diesem Beispiel folgen.

Interaktive Grafiken:

Einwanderer in Deutschland - Wie viele? Wo? Woher?
Deutschland ohne Nachwuchs: Drei Szenarien für einen Raum ohne
Volk

Als nächstes wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter
sinken. Auch dies verheißt keineswegs mehr Lebensqualität.
Zwar wird die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren
abnehmen, weil es in Deutschland weniger Junge gibt, die die
Schule verlassen, als Alte, die neu in Rente gehen. Zugleich
verteilt sich aber die Finanzierung von Renten- und
Krankenversicherung auf immer weniger Schultern.

Die Nachfrage nach Immobilien und langlebigen Konsumgütern wie
Autos oder auch Küchengeräten sinkt. Mit einer dynamisch
wachsenden Wirtschaft ist dann höchstwahrscheinlich nicht mehr
zu rechnen. Wer daran zweifelt, kann schon heute in weiten
Teilen der neuen Bundesländer besichtigen, wie ein
schrumpfendes und langsam vergreisendes Deutschland ohne
Zuwanderer aussähe.

Weniger Erwerbstätige, aber mehr Aufgaben

Auch bei insgesamt abnehmender Bevölkerung wird die Zahl der
über 60-Jährigen noch über das Jahr 2040 hinaus zunehmen. Denn
die Kinder des Baby-Booms der späten fünfziger und sechziger
Jahre werden alle gemeinsam alt. Sie stellen heute die größte
Gruppe einer alternden Erwerbsgeneration. Und sie werden alle
nach dem Jahr 2020 in Rente gehen wollen. Auf sie folgen
geburtenschwache Jahrgänge. Deshalb gibt es heute in
Deutschland deutlich mehr 40-Jährige als 10-Jährige. Und 2030
wird es mehr 70-Jährige als 40-Jährige geben. Die Erwartungen
sind hoch: Die Jüngeren sollen mehr Güter und Dienstleistungen
produzieren, die Renten finanzieren und damit die Älteren
versorgen.

© DER SPIEGEL

Grafik: Einwanderungsbedarf

Die Jüngeren von morgen sollen eine wachsende Zahl
gebrechlicher Menschen pflegen. Außerdem soll die jüngere
Generation selber Kinder bekommen und großziehen. Schließlich
gibt es seit der Rentenreform noch eine weitere sehr konkrete
Erwartung. Die Kinder und Jugendlichen von heute müssen in
einem Vierteljahrhundert all jene Aktien, Immobilien und
Fondsanteile kaufen, mit denen die heute Aktiven für das Alter
vorsorgen. Sonst verlieren die vermeintlich lukrativen
Kapitalanlagen mangels Nachfrage an Wert, und es gibt keine
attraktiven Zusatzrenten. Damit hat auch die private Vorsorge
ihren ungeschriebenen Generationenvertrag.

Wir müssen es wollen

Ohne jede Zuwanderung hätte Deutschland in 50 Jahren aber nur
noch 58 Millionen Einwohner; davon immerhin 40 Prozent im
Alter zwischen 60 und 100 Jahren. In dieser Situation lässt
sich nicht mehr fragen: Wollen wir ein Einwanderungsland
werden? Jetzt ist klar: Wir müssen es. Und wir müssen es
wollen.

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts würde in Deutschland - ohne
Zuwanderung - die Zahl der Menschen im Alter zwischen 20 und
60 Jahren von 46 auf 27 Millionen schrumpfen: ein Minus von
fast 20 Millionen. Wollten wir das ausgleichen, dann bräuchten
wir pro Jahr eine Netto-Zuwanderung von rund 400.000 Personen.
Das wäre mehr als doppelt so viel wie die Netto-Zuwanderung im
Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre. Zuwanderung dieser
Größe ist freilich nur sinnvoll, wenn es für die Mehrzahl
dieser Zuwanderer auch Arbeitsplätze gibt. Oder wenn sich sehr
viele von ihnen erfolgreich selbständig machen können.

© DER SPIEGEL

Grafik: Einwanderung nach Deutschland

Eine ungedeckte Nachfrage nach Arbeitskräften gab es in
Westdeutschland zuletzt in den sechziger und frühen siebziger
Jahren. Damals holte die Bundesrepublik junge, gesunde, aber
wenig qualifizierte Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum ins
Land. Die DDR folgte in den achtziger Jahren diesem Beispiel.
Sie warb Vertragsarbeiter aus der Dritten Welt an. Heute
mangelt es an Fachkräften. Zugleich gibt es allerdings derzeit
noch eine große Zahl an Arbeitslosen, an Personen im
Vorruhestand und an nicht erwerbstätigen Frauen. Diese Reserve
kann und wird aller Voraussicht nach mobilisiert werden, um
den kommenden Mangel an Arbeitskräften zumindest teilweise
auszugleichen. Wir benötigen also keine neuen wenig gebildeten
Gastarbeiter im traditionellen Sinn.

Für eine dynamische Volkswirtschaft unverzichtbar

Umso dringender ist aber der Bedarf an qualifizierten
Zuwanderern, die sich auf Dauer bei uns niederlassen. Nur mit
ihrer Hilfe kann es gelingen, die absehbar immer geringere
Zahl deutscher Schulabgänger, Lehrlinge und Studenten
auszugleichen. Für eine dynamische Volkswirtschaft sind sie
unverzichtbar. Deutschland muss also Einwanderungsland werden.
Der erste Schritt dazu ist ein zukunftsweisendes
Einwanderungsgesetz. Es soll klar regeln, wer auf Zeit und wer
auf Dauer zu uns kommen darf. Hier sind Regierung, Bundestag
und Bundesrat am Zug, sobald die Zuwanderungskommission des
Bundes unter Vorsitz von Rita Süssmuth im Sommer einen
konkreten Vorschlag macht.

Qualifizierte Migranten können sich ihr Land aussuchen

Doch damit allein ist es nicht getan. Zuwanderung muss von
einer Mehrheit der Einheimischen akzeptiert werden. Sonst
bleibt das beste Einwanderungsgesetz Makulatur. Das wird die
eigentliche Herausforderung. Der großen Mehrzahl der Deutschen
muss klar werden, dass geregelte Zuwanderung nicht bloß den
Migranten etwas bringt, sondern vor allem im Interesse der
Einheimischen ist. Sonst brauchen wir im weltweiten Wettbewerb
um die besten Köpfe den roten Teppich für die benötigten
Zuwanderer gar nicht erst auszurollen. Fehlt die breite
Zustimmung der Bevölkerung, dann können wir Zuwanderer in
größerer Zahl weder aufnehmen noch erfolgreich integrieren.

Das Signal muss heißen: Ihr seid erwünscht

Wir brauchen also nicht nur ein modernes Einwanderungsrecht.
Noch wichtiger ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Ohne sie
wird Deutschland kein attraktives Ziel für qualifizierte
Migranten. Denn diese werden sich in Zukunft das Land
aussuchen können, in dem sie leben und arbeiten wollen.
Deshalb muss von uns jetzt das klare Signal ausgehen: Ihr seid
erwünscht!

Rainer Münz ist Professor für Bevölkerungswissenschaft an der
Berliner Humboldt-Universität und Mitglied der
Regierungskommission Einwanderungspolitik unter Leitung von
Rita Süssmuth.

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Zum Thema:

Kontext: · Zuzugsperre für Osteuropäer: Der Kanzler-Plan
„schadet Deutschland“
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· Joschka Fischer: Die Polen sollen kommen
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· Ausländer: Einig Vaterland - bei Intoleranz
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http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,127…

· Ausländer: Die vergessenen Alten
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,126…

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http://www.spiegel.de/politik/europa/0,1518,126311,0…

· Kofi Annan: Kritik an Einwanderungs- Beschränkungen der
EU-Staaten
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,115013,…

******* Ende Meldung **********

…wenn man dazu deren Grafiken sieht- siehe
Spiegel-online.de-
ist die zwingende Zuwanderung unvermeintlich, ja sogar
notwendig, da die BDR soo nicht ueberlebt, in keiner
Beziehung.

Wer bessere Argumente hat, Ok, bitte melden.

Bye
Hans