Es gibt sehr starre Arbeitsmarkt- und Sozialstrukturen, wo
viele
aus verschiedenen Gründen durch die üblichen Raster fallen.
Bei ernsthaftem Veränderungswillen könnte sehr schnell viel zu
größerer Effektivität mobilisiert werden.
Hier wären ein paar Beispiele interessant.
Dies betrifft zum einen die starre Lohnstruktur, wo man vor allem durch bürokratisches Hochdienen und beamtisches Aussitzen in Funktionärsstellen das meiste erhält und gleichzeitig eine Neuentwicklung jüngerer Kompetenzträger so weit wie möglich verhindert wird, so dass alle wichtigen Schlüsselpositionen quasi Insidern bis hin zu parasitären Eliten zurationiert werden. Auf der anderen Seite ist durch Mindestlöhne und sehr bürokratisierte Qualifikationsstandards es kaum möglich, bei strukturellen Unausgewogenheiten wie Fehlqualifikationen solche an neue Verantwortung heranzuführen, die aus irgendwelchen Gründen aus der Bahn geworfen wurden.
Weiter ist das ganze Bildungswesen sehr stark verbürokratisiert oder so kommerzialisiert, dass nur auf sehr umständliche Weise neue Fähigkeiten erworben werden können. Trainingsprogramme nach Maß für die Aufgaben, wie sie in einzelnen Firmen gerade anfallen, gibt es so gut wie nicht. Hierzu wird meiner Meinung allzu schnell, wenn etwas nicht gerade nach dem üblichen Schema läuft, nach der bequemen aber teuren Alternative der Anwerbung von Ausländern geschrien.
Ein weiteres Paradebeispiel für diese Kritik ist, dass an den Universitäten nach wie vor in vielen Fächern etwas deutlich anderes gelehrt wird als tatsächlich in der Praxis dann üblich. Ich spreche hier besonders vom Informationstechnikbereich, wo in langjährigem Drill oft sehr skurrile Fächer und Methoden gepaukt werden müssen, während etwa Programmier- und Systementwicklungsfähigkeiten nach neuesten Standards keine Rolle spielen. Diplome muss man sich nicht selten durch formalistische zeit- und nervenraubende Fleißarbeiten erdienen, die einem den letzten Sinn für nützliche effektive Beschäftigung mit einer Materie nehmen können. Dies schreckt natürlich viele ab statt intensiv die Entwicklung zu fördern.
Auch ist es so, dass Personalrekrutierer trotz allem angeblichem Engpass sehr schnell dazu neigen, Kandidaten abzulehnen, die sich nicht voll in eine bestimmte Kultur einbinden lassen. Hier wären vielleicht flexiblere Rahmenbedingungen wichtig, um potenzielle Ersatzkräfte in bestimmte Aufgaben hineinschnuppern zu lassen. Aber da wird wohl eher gemauert, gerade wenn die restlichen Mitarbeiter einen Mangel an Kollegen eher als Stärkung der Wichtigkeit ihrer Position empfinden.
Es ließen sich noch viele weitere Mängel und Maßnahmen aufzählen.
Man denke nur an die verbreitete und
geschürte Endzeit- und Weltuntergangsstimmung noch in den 80er
Jahren. So bringt die Kultur vieler Arbeitslosen auch einige
positive Impulse.
Ich denke dass die Ängste in den 80ern weniger von
Arbeitslosigkeit, als von endenden Ressourcen und atomaren
Katastrophen geprägt waren.
Echte Angst vor Arbeitslosigkeit kann ich landläufig
eigentlich weniger entdecken, denn das Netz ist eng, es
passiert einem ja erstmal nichts.
Ja, dies betrifft viele technische Probleme, wo kein Ausweg mehr gesehen wurde mit der Gefahr, am Wachstum letztlich nur zu ersticken. Aber dann gelang in fast allen Technologiebereichen ein so starker Durchbruch, dass sich heute traumhafte Entwicklungsmöglichkeiten ergeben und sowohl Umweltprobleme wie auch die sozialer Sinnlosigkeit und Enge durch starke Automatisierung, Informationstechnik und Umwelttechnologien marginalisiert werden konnten. Hier brachte nicht die Beschränkung oder Rationierung den Fortschritt, sondern die Schaffung neuer hochkreativer Möglichkeiten und wertschaffender Entwicklungen.
2.Die Bundesrepublik braucht Spezialistem… doch was kommt?
Hilfsarbeiter.
Dass es zu
wenig Spezialisten gibt, liegt neben der Modenhaftigkeit
ökonomischer Trends und Boombranchen
…was ich so pauschal nicht unterschreiben kann, denn so
schnellebig ist die Wirtschaft nicht.
Die Boombranche Mobilfunk beispielsweise sorgt nach wie vor
für viele Arbeitsplätze.
Dasselbe gilt für Biotechnik, Finanzberatung u.s.w.
Hier herrscht nun auch sehr großer Druck, kürzerzutreten. Nach gewisser Aufblähung wird hier nun auch eher entlassen. Wo zuvor noch massenhaft gesucht wurde, wird nun vieles reduziert und nur noch vereinzelt eingestellt.
Und gerade auch die bürokratischen
Strukturen in den Unternehmen selbst führen oft dazu, dass
alle konstruktiven Veränderungen verbockt werden und eine
Ausschlachtung bis zum Zerfall vorgezogen wird.
Auch hier kommt oft die Angst älterer Entscheidungsträger vor
neuen Dingen zu Tage, in welche sie sich nicht mehr einarbiten
wollen oder können.
Des weiteren finden wir unter den deutschen
Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft einen
unverhältnismässig großen Anteil Juristen vor, die allein
schon aufgrund ihrer Ausbildung weniger zukunftsorientiert und
v.a. deutlich weniger technikorientiert denken und arbeiten
als beispielsweise Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler.
Auch hier finden wir also eine weiter unten ja auch
kritisierte „Verfilzung“ vor, die allerdings aufgrund der
Macht positionen der „Verfilzten“ eine deutlich größere
Tragweite hat als die „Verfilzung“ des „Mobs“.
Dies kann auch für Techniker gelten, die sich in strammen Fachkarrieren durch Institutionen ihren Status erdient und ersitzt haben. Auch ein Kaufmann kennt in der Regel nur die Struktur und das System, auf welche er gedrillt wurde. In der Politik sind vor allem viele Lehrer, die gerne im Monolog reden, aber nicht viel von sehr fundiert wissensbasierten Diskussionen halten wie auch hochtechnisierte Problemlösungen.
Es ist nicht automatisch rückständig, wer nicht
vollautomatisiert arbeitet.
Dies soll hier nicht behauptet werden. Es ist aber weithin der Fall, dass ohne großen Veränderungsdruck von außen Automatisierung nur äußerst zäh vorangeht außer bei Massenproduktionen.
Wenn man alle Möglichkeiten der
Vollautomatisierung mobilisieren würde, dann entstünde auch
erst der Freiraum zur vollen und nicht stark restriktiven
Nutzung neuer Effizienzgewinne.
Dies ist einerseits korrekt, allerdings sehr auf gleichartige,
in Masse produzierte Güter beschränkt.
Ich würde dies gerne auch in verstärktem Maße auf administrative Aufgaben beziehen einschließlich Software wie bei der Erstellung und Verwaltung von Dokumenten oder Gestaltung von technischen Prozessen. Neue Effizienzgewinne sehe ich besonders auch durch die Nutzung noch automatisierterer Methoden des Informationsmanagements zu realisieren.
Deutschland lebt vom Mittelstand, der innovativ und flexibel
neue Dinge macht.
Nun liegt es aber in der Natur neuer Entwicklungen, dass man
für selbige nicht sofort ein vollautomatisiertes
Produktionsverfahren parat hat.
Auch im Handwerksbereich gibt es noch einiges an Automatisierungspotenzial, bei der Erstellung sehr standardisierter Planungsunterlagen wie auch der mechanischen Ausführung. Gerade die Robotertechnik wie auch die des künstlichen Sehens sind noch höchst entwicklungsfähig. Man kann hier viel machen. Leider hat sich für Alltagsaufgaben noch kein richtiger Markt herausgebildet, der Serienproduktion von entsprechenden Geräten wie Kameras mit intelligenter Software zu kleinen Preisen sinnvoll macht.
Dies führt nur
noch zur stärkeren Verfilzung, die in Branchen wie dem
Bildungswesen ohnehin schon so weit fortgeschritten ist, dass
nichts mit moderner Technik rationalisiert werden kann,
sondern immer noch mehr Lehrerstellen für Marionettenrollen
bereitgestellt werden sollen statt ein professionelleres
Wissensmanagement zu betreiben.
Das würde ich ganz platt mit der „gewaltsamen Orientierung am
unteren Durchschnitt“ charakterisieren, welche in Deutschland
ja (zumeist unter dem Deckmantel der Sozialdemokartie) ja eine
gewisse Tradition hat.
Der Fehler ist, dass man eine Kultur etabliert hat, in der man
sich, wenn auch oft unbewusst, dafür entschuldigen muss,
besser zu sein opder etwas sehr gut zu können.
Das hemmt natürlich positive Entwicklungen in großen
Gemeinschaften, weshalb ja auch kleine Firmen kreativer und
flexibler sind als große Unternehmen.
Dies zeigt, wie tief die Probleme verwurzelt sind, aber auch wie durch komplexe durchdachte Lösungen sich ein starkes Verbesserungspotenzial mobilisieren ließe. Leider finden sich auch die Verantwortlichen gerne mit einer solchen Kultur ab, die für alle Seiten und den vorgegebenen Betrachtungshorizont der wichtigsten Kräfte bequem ist.
Nach meiner Meinung haben die Regierungen (gleich ob schwarz,
rot, gelb, grün… oder lilablassblau mit gelben Tupfen)
vollkommen in der Bildungspolitk versagt. Statt die Ausbildung
der zukünftigen Steuerzahler zu forcieren, hat man diese
gebremst: immer weniger Lehrer, immer mehr Rechte und immer
weniger Pflichtgefühl.
Die Regierungen können da auch gar nicht so viel machen, weil
sie den Bildungs- und Kultusbereich gar nicht so sehr
kontrollieren können. Der hat sich schon zu weit
verselbständigt, wobei höchstens noch internationale
Konventionen und Standards als Maß anerkannt werden.
Nach PISA wäre das ja in gewisser Hinsicht schon mal ein
Fortschritt…
Dies betrifft mich aus Bayern nicht so sehr. Dennoch gibt es auch hier viele bedenkliche Missstände. So frage ich mich, warum ich 13 Jahre in die Schule gehen muss, nur um studieren zu können, oder warum ich deutlich mehr Stunden dafür in der Schule verbringen musste als in anderen Gegenden. Trotz gewisser hoher Basisbildung und Allgemeinbildung musste ich viele sehr alltägliche Dinge erst hier neu erfahren, die in der Schule nur sehr umständlich oder auf höchst unverständliche Weise am Rande behandelt wurden, während viel sehr wenig nützliches zuvor auswendig gelernt wurde. So richtet sich meine Kritik an der Ausbildung ganz klar hauptsächlich gegen die inhaltliche Qualität wie auch die Systematik der Lehrstoffbehandlung.
Auch hier
kann die politik nicht aus eigenem Willen heraus radikale
Verbesserungen durchsetzen wie eine viel bessere individuelle
Wissensversorgung etwa durch nahezu kostenloses elektronisches
aktuelles Lehrmaterial mit Sicherstellung seiner zeitgemäßen
Leistungsfähigkeit.
Warum kann sie das nicht? Das muss hier die Frage sein.
Das Problem sehe ich hier darin, dass man in der heutigen
Politik versuchen muss, alle Interessengruppen unter einen
Hut zu bringen. Auf der anderen Seite lassen sich echte
Verbesserungen nur durchsetzen, wenn auch dem einen oder
anderen mal auf die Füße getreten werden darf.
Hier krankt unser System, denn es behindert sich selbst.
Dies sehe ich auch so. Weiter hoffe ich in diesem Bereich ganz stark auf engagiertere und professionellere private Initiativen.
Erst dann wird auch der Druck auf die Bürokratien genügend wachsen.
Gruß
Gerald