Hallo,
wie deine Prüfung ablaufen wird, weiß niemand, aber ich kann dir erzählen wie meine war (in NRW, gleiche Konditionen, ähnliche Themen, allerdings LK-Abweichungsprüfung, nicht mündliches Fach).
In der Vorbereitungszeit bekam ich ein Gedicht, dass ich in eine Epoche einordnen, analysieren und interpretieren musste.
Der Hauptprüfer fragt vorher, ob man fit ist, im Prüfungsraum sagt er bloß noch hallo und du kannst eigentlich direkt anfangen zu quatschen (eine Freundin von mir saß fünf Minuten schweigend da, weil sie auf eine Aufforderung gewartet hat). Also…„ich fang dann mal an…das Gedicht…“ und dann erzählst du mit deinen Notizen alles, was du weißt. Ich war deutlich vor der vorgegebenen Zeit fertig, das ist aber nicht so dramatisch, dann stellt der Prüfer halt noch ein paar Fragen, wenn die dann flüssig und richtig beantwortet werden, ist das fast so gut, als wärst du von selbst drauf gekommen. Nur nichts aus der Nase ziehen lassen, am besten immer laut denken, meistens merkst du an der Reaktion der Anwesenden, ob du auf dem Holzweg bist oder nicht.
Meiner Erfahrung nach stellen auch die wenigsten Leute Fallen…(in meiner mündlichen Geschichtsprüfung fragte man mich nach der Zeit der größten Anerkennung des NS-Regimes, und ich war mit dem Kopf noch bei der Weimarer Republik und laberte über die Goldenen Zwanziger…vom Prüfer kam dann ein kurzes „Sie sind sich schon sicher, dass Sie über das Dritte Reich sprechen?“…peinlich, peinlich, aber auch nicht schlimm, sofern man dann sofort merkt, wo der Fehler liegt. Also es ist nicht sofort alles im Eimer, wenn du einen blöden Fehler machst.)
In meinen Prüfungen kamen jeweils drei Themen dran. Erstes ist das, worauf du dich vorher schon vorbereitet hast, zum zweiten gab es dann (bei mir wars Filmanalyse) noch mal ein bisschen Material aber natürlich ohne viel Zeit zum Angucken, und dann läuft es immer weiter in Richtung Gespräch bis zum letzten Thema (das war bei mir dann Barock). Das war auch nicht viel anders, wie wenn dich der Lehrer im Kurs mal auf dem Kieker hat und dich alles mögliche hintereinander fragt. Man sollte also schon auch ein paar typische Autoren nennen können oder idealerweise ein paar einschlägige Zeilen zitieren können, die wichtigsten Motive und Formen (Alexandriner, Sonett, Memento mori… klar, ne?)
Was ich eigentlich sagen wollte: Ich hatte tierisch Bammel, war nicht gerade Lehrers Liebling und wurde auf 1+ nachgeprüft, das heißt, ich war mir vorher total sicher, dass das die allergrausamste Prüfung der Welt wird.
Mein Vortrag war zu kurz, ich habe zweimal total daneben gegriffen (das ist mir jetzt zu peinlich um konkret zu werden)und keiner der Anwesenden konnte mich leiden, aber trotzdem habe ich eine ziemlich gute Note bekommen. Daher ist mein Fazit, mit dem ich bisher durch alle mündlichen Prüfungen gekommen bin: Bloß keine Angst vor Fehlern. Dass man unsicher ist, merkt eh jeder (bei mir jedenfalls…), von daher kann man das auch zulassen, solange man munter weiterredet, lächelt, sich selbst korrigiert und nicht vollständig in Panik ausbricht.
Du darfst auch sagen, dass du mal ein paar Sekunden nachdenken musst oder notfalls nachhaken (meinen Sie die und die Sichtweise?), bloß den Eindruck machen, dass man weiß, wovon man redet und pausenlos mitdenkt.
Viel Erfolg
Sonja