Diabetisches Fußsyndrom

Liebe/-r Experte/-in,
durch meinem Arzt wurde mir aufgrund meines langjährigen Diabetes-Mellitus (Typ II) und der Polyneuropathie (Kribbeln an Füßen und Beinen, sowie Hände, Schlafbeschwerden, Zehenstechen) als Diagnose ein Fußsyndrom bescheinigt, obwohl ich keine offene Wunde habe. Als Laie dachte ich, dass bei einer solchen Diagnose immer auch eine Wunde vorhanden
sein sollte oder bin ich da nicht richtig informiert?

Im voraus vielen Dank für Ihre Rückantwort.

Mit freundlichen Grüߟen

Rudi

Hallo Rudi,

Vielen Dank für diese interessante Frage - ich könnte mir vorstellen, dass diese auch eine Vielzahl von anderen Betroffenen interessiert. Das diabetische Fußsyndrom beruht in den meisten Fällen auf zwei Ursachen: einer Nervenstörung (diabetischen Polyneuropathie) bzw. Durchblutungsstörungen. Oftmals treten diese beiden Komplikationen auch gemeinsam auf und verschlimmern einen Befund. Beim diabetischen Fußsyndrom unterscheidet man mehrere Stadien. Beim Anfangsstadium sind noch keine Läsionen (Wunden, Geschwüre) vorhanden. Sehen Sie diese Situation also bitte als Chance. Versuchen Sie die Therapieempfehlungen Ihrer Arztes möglichst optimal umzusetzen und den Blutzucker möglichst normnah zu halten. Eine regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle gehört natürlich dazu. - Dann besteht eine gute Chance die Beschwerden zu minimieren, eventuell sogar zurück zu bilden und ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Ich wünasche Ihnen, dass es gelingt, das Auftreten weiterer Komplikationen zu verhindern.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Andreas Müller

Diabetisches Fußsyndrom
Sehr geehrter Herr Dr. Müller,

vielen Dank für Ihre u.g schnelle und umfassende Antwort vom 06.02.2013 zu meinem diabetischen Fußsyndrom. Aus den Ausführungen meines Artes und aufgrund meiner Beschwerden und meiner Laiensicht habe ich mit großer Wahrscheinlichkeit eine Nervenstörung (diabetischen Polyneuropathie)und Durchblutungs-störungen.

Meine letzte Frage ist noch, wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, außer durch mein dreimaliges wöchentliches Spinning und Gerätetraining in einem Fitneßstudio, sowie entsprechender Ernährung, meinen Langzeitzucker von derzeit 6,3 - 6,6 durch eine geringfügige
Medikamenteneinnahme noch unter 6,0 zu drücken,
um eine Verschlimmerung meiner Beschwerden möglichst zu vermeiden? Seitdem ich seit ca 40 TagenTabletten mit Knoblauch plus Ginko einnehme, ist mein nächtliches starkes Kribbeln und zeitweises Zehenstechen (nur große Zehen) nicht mehr so stark
und ich kann daher nachts besser schlafen. Bevor ich ein Medikament einnehme, wollte ich gerne noch den nächsten Langzeitzuckerwert abwarten, ob sich dieser durch die Einnahme der Knoblauch-/Gingko-Tabletten nennenswert verändert hat; denke aber, dass sich dies eher nicht bestätigen wird,sondern nur einen Einfluss auf eine Verminderung meiner Beschwerden hat.
Was würden Sie an meiner Stelle vornehmen?

Für Ihre Rückantwort vielen herzlichen Dank.

Rudi

Hallo Rudi,

Glückwunsch zu Ihren HbA1c-Werten. Diese sprechen für eine gute Stoffwechselführung. HbA1c-Werte unter 6 % werden nach neueren Studien gerade bei älteren Patienten nicht mehr empfohlen. Ob der Einsatz von Blutzucker-senkenden Medikamenten sinnvoll ist, kann nur Ihr behandelnder Arzt anhand Ihrer konkreten Befunde entscheiden. Ferndiagnosen oder -therapieempfehlungen sind nicht möglich und auch strikt untersagt.
Als Tipp könnte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben, evtl. ein Zentrum für die Versorgung von diabetischen Fußsyndromen zu konsultieren. Das hängt aber natürlich auch davon ab, wieviel Erfahrungen Ihr behandelnder Arzt auf diesem Gebiet hat. Vielleicht ist er ja selbst schon ein Spezialist, dann wäre dies natürlich hinfällig.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Andreas Müller

Diabetisches Fußsyndrom

Sehr geehrter Herr Dr. Müller,

tausend Dank für Ihr Infoschreiben; jetzt seh ich etwas klarer.

Jetzt hab ich leider doch noch eine Frage an Sie.
Wenn ich nach neueren Studien als älterer Patient einen HbA1c-Wert unter 6% nicht anstreben
sollte, was könnte ich sonst noch tun, damit sich meine PNP nicht noch verschlimmert und was wäre,
wenn ich z.B 5,8% gegenüber meinen derzeitigen
6,3 - 6.6% hätte, bestünde dann die Gefahr einer Unterzuckerung?

Ich bin zwar bereits bei einem Diabetologen,
wollte mir aber gerne noch eine Zweitmeinung
einholen. Nicht dass ich ihm nicht glaube,
aber ich kann dann ruhiger schlafen.

Für Ihre Bemühungen vielen Dank.

Rudi

Hallo Rudi,

In der Tat steigt mit niedrigerem HbA1c das Risiko von Unterzuckerungen und diese können besonders bei vorliegenden Herzkreislauferkrankungen zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Insgesamt sind nach meinem Kenntnisstand zu dieser Fragestellung aber noch weitere Forschungen notwendig.
Ich kann Sie in diesem Zusammenhang nur bitten, auch Ihre Selbstkontrolldaten mit dem behandelnden Diabetologen zu besprechen. Vielleicht ergeben z. B. aus den Blutzucker-Werten nach dem Essen noch Behandlungsreserven. Wenn Sie derzeit kein Insulin benötigen, ist die Empfehlung, lieber an 1 oder 2 Tagen in der Woche ein Tagesprofil mit Blutzuckerwerten zu machen (nüchtern, 2 h nach dem Frühstück, vor dem Mittag, 2 h nach dem Mittag, vor dem Abendbrot, vor dem Schlafengehen), als täglich nur einen Nüchternwert. Wichtig ist, dass diese Werte unter Alltagsbedingungen den wahren Ablauf aufzeigen. Niemand hat etwas davon, wenn man sich selbst etwas vormacht und einen „idealen“ Tag herauspickt. Aber bitte besprechen Sie auch ein solches Vorgehen mit Ihrem behandelnden Arzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Müller

Hallo Rudi,

nein, ein diabetisches Fußsyndrom beinhaltet meist keine offene Wunde, sondern beschreibt eben diese Zustände und Symptome, die Sie beschreiben.
Sie sollten sich an einen Diabetologen wenden, der Ihnen genau alles erklärt.

Viele Grüsse

Birgit

Vielen herzlichen Dank Birgit.

Hab so vierteljährliche Termine bei einem Diabetologen, aber dieser hat ja durch die
vielen Patienten auch nicht immer für
alle Fragen Zeit.

Alles Gute!