Dialog: Buddhismus und Christentum

Meine Frage richtet sich an den Teil dieser Community, der sich versteht als:

  • „passive“ Christen (im Sinne von sich im christlichen Hintergrund lebend fühlend, prinzipiell an Gott etc. glaubend, aber die Religion nicht zum Lebensinhalt machend)
  • „aktive“ Christen (im Sinne von regelmäßig betend, teilnahme an Veranstaltungen, die Lehre „vorlebend“ und weitergebend)
  • Theologen (Bibelfeste, inhaltlich/geschichtlich/texlich Fundierte - egal ob gläubig oder nicht)

Ich selbst bin Buddhist (tibetischer Buddhismus, Diamantweg) und erstelle ein Konzept für ein Sachbuch, das den Dialog von Buddhisten und Christen sucht, bzw. herstellen möchte.

Ziel des Buches soll es nicht sein, den Buddhismus zu „bewerben“, es soll nicht tendenziös sein. Ziel soll sein, Konzepte und Sichtweisen des Buddismus neutral zu erläutern, aber nicht betriebsblind, oder heilig oder spirituell verbrämt, sondern mit einem besonderen Augenmerk auf die gewohnte Sprache, die Konzepte und das Umfeld eines Christen. Dabei soll über genau jene Themen gesprochen werden, die bereits „christlich vorbelegt“ sind, und somit zu Missverständnissen führen können. Also zum Beispiel solche Stichworte wie „Sünde“, „Beten“, „Gebote“, „Gott“, „Himmel“, „Hölle“, aber auch grundsätzliches wie „Partnerschaft“, „Liebe“, und so weiter.

(natürlich haben auch andere Religionen hierzu ihren Standpunkt, somit sind sie nicht *allein* christlich vorbelegt, aber das Buch soll sich auf Buddhismus und Christentum konzentrieren und sich nicht verzetteln)

Ein Christ soll das Buch lesen können und so einen Eindruck bekommen, wo der Buddhismus vergleichbar ist, wo er anders ist, etc., ohne wirklich tief in die Inhalte einsteigen zu müssen.
Andererseits wäre so ein Buch für Buddhisten interessant, da es eben jene Bereiche aufzeigt, wo wir - einfach aufgrund der westeuropäischen Kultur - christlich geprägt sind, ohne uns dessen bewußt zu sein.

Das Konzept sieht einen Dialog in irgendeiner Form vor (Interview, Gespräch, Briefwechsel), angelehnt an Ecos „Woran glaubt, wer nicht glaubt?“, und ebenso neutral und reif.

Was für Chancen räumt ihr einem solchen Buch ein, was haltet ihr von dieser Idee - welche Bedenken oder Ideen fallen euch dazu ein?

Für Anregungen und Meinungen dankbar,

Andi

Hallo Andreas,

dazu fällt mir folgendes ein:

Ein solches Buch findet sicherlich eine Leserschaft. Das Intresse am Buddhismus ist in unseren Land groß, die Kenntnisse dagegen gering.

Ich sehe eher die Frage darin, welcher Buddhismus mit welchem Christentum verglichen wird. Genauso wie es im Buddhismus verschiedene Formen gibt, die unterschiedlich ausgelebt werden, gibt es im Christentum eine Reihe von Konfessionen. Das siehst du daran, dass sich die Konfessionen teilweisen schon bei den grundlegensten Formen unterscheiden (werden Bilder angebetet? werden viele „Götter“ und „untergeordnete Gestalten“ angebetet, gibt es einen personalisierten Gott oder eher ein abstraktes Prinzip usw.)

Dies bedeutet, dass du in beide Religionen enweder

  • die fundamentalen Inhalte raus arbeitest,
  • einen weiten Überblick über die verschiedenen Glaubensformen bietest,
  • oder die auf die am häufigsten auftreteten Formen beschränkst (Katholische und Evangelische Kirche).

Am einfachsten wäre es hier sich auf die phänomenologischen Aspekten zu beschränken. Das heisst, den Buddhismus und das Christentum so darstellen, wie sie in großen Teilen der Erde gelebt und verstanden werden.

Gerade bei einem Vergleich auf theologischer Ebene sehe ich die Schwierigkeiten daran, dass Solche Stichworte, wie du sie erwähntest durchaus kontrovers verstanden werden können.

Kurzum, es wird nicht einfach (aber vielleicht macht das ja gerade den Reiz aus :wink: ).

Gruß
Carlos

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Buddhismus und Christentum
Hallo Andreas,

sehr klug (und über den bloßen Vergleich einzelner Lehrbruchstücke hinausgehend) finde ich die Gedanken von Armin Münch:
http://www.akademie-rs.de/dates/011005_buddha_muench…

Gruß,
Pietro

Ich sehe eher die Frage darin, welcher Buddhismus mit welchem
Christentum verglichen wird. Genauso wie es im Buddhismus
verschiedene Formen gibt, die unterschiedlich ausgelebt
werden, gibt es im Christentum eine Reihe von Konfessionen.

Ja, in der Tat, dessen bi nich mir bewusst!

Dies bedeutet, dass du in beide Religionen enweder

  • die fundamentalen Inhalte raus arbeitest,
  • einen weiten Überblick über die verschiedenen Glaubensformen
    bietest,
  • oder die auf die am häufigsten auftreteten Formen
    beschränkst (Katholische und Evangelische Kirche).

Am einfachsten wäre es hier sich auf die phänomenologischen
Aspekten zu beschränken. Das heisst, den Buddhismus und das
Christentum so darstellen, wie sie in großen Teilen der Erde
gelebt und verstanden werden.

Ja, es mird eine Mischung sein müssen. Also in der Tat zum einen ein allgemeiner Überblick - über die jeweilige Basis (Schriften, Überlieferungen), die Historie und die verschiedenen Traditionen, Konfessionen - so eine Art Kartr mit einem Pfeil drauf „Standort“.
Und dann - ohne auf die Detail der unterschiedlichen Herangehensweisen und Auslegungen einzugehen eine Diskussion über sehr grundlegende Themen.

Gerade bei einem Vergleich auf theologischer Ebene sehe ich
die Schwierigkeiten daran, dass Solche Stichworte, wie du sie
erwähntest durchaus kontrovers verstanden werden können.

Ja! Es soll auch keine wissenschaftliche, theologische Diskussion werden, keine Haarspalterei. Es soll sich ja auch lesen lassen. Im Zweifelsfall muss darauf hingewiesen werden, dass das ein oder andere Thema auch *innerhalb* einer religion unterschiedlich betrachtet wird.

Kurzum, es wird nicht einfach (aber vielleicht macht das ja
gerade den Reiz aus :wink: ).

Ja, das dachte ich mir auch. Danke für’s Feedback!

Andi

Hallo Pietro,

danke für den Link! Habe mir den Text ausgedruckt und werde ihn lesen.

Erster Eindruck allerdings: möglicherweise „zu schlau“ für mich. Ich halte ihn für schwerverdaulich und leider arg weltfremd… naja oder zumindest nicht alltagstauglich.

Mir schwebt ein Buch vor, das Leute anschaulich mit zwei Religionen und Glaubenssystemen vertraut macht, und zwar auf eine Weise, die unterhaltsam ist, erhellend und freudvoll. Der Text, auf den du verweist, scheint mir keines dieser Merkmale zu haben.

Danke dennoch - ich finde sicherlich ein paar gute Stichworte darin, die mir in meinem Konzept weiterhelfen.

Andi

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