Hallo Leute,
ich brauche mal ne ehrliche Meinung.
Vorab, ich habe einige gute Freunde, mit denen ich mich gerne und ausführlich unterhalte, seien es problematische Themen, oder nur, um den ganzen Abend einen abzulachen.
Oft fühle ich mich aber auch als Mülleimer mißbraucht. Und dazu würde ich gerne mal hören, ob das anderen auch so geht, und wie ihr damit klarkommt.
Fall 1: Ich bin am Garageaufräumen, ein guter Bekannter streunt durch den Eingang, ich biete ihm ein Bier an und setze mich mit ihm hin. Nach drei Sätzen Dialog kommt er zum Thema levitiertes Wasser, fragt mich einige Fragen und schließt aus den Antworten, daß dies für mich hochinteressant sein müsse, weil ich vielfache Defizite habe.
Ich lasse den Redeschwall über mich ergehen (es ist kein so enger Freund, daß ich ihn einfach rauskomplimentieren kann) , sage ab und zu, „soso“ oder „Mit der Esoterik habe ich ja nicht soviel am Hut“, öffne alle Viertelstunde ein neues Bier, bis wir gegen Mitternacht den Faden mangels geistiger Leistungsfähigkeit verlieren. Ab ins Bett, die Garage räume ich dann morgen auf.
Fall 2: Guter Freund kommt von weither, um einen Abend und Übernachtung bei uns zu verbringen. Erstmal gute Unterhaltung über beiderseitige Interessen (Musik), dann aber packt es ihn, ein Musikstück was er neulich gespielt hat, was er dann vokal vorbringt, immer wieder 10 Minuten lang, damit ich endlich kapiere, wie gut es ist. Ich gucke ihn an und überlege währenddesssen, ob ich morgen besser Ölaktien kaufen soll oder noch nicht.
Danach kommt die Story mit der neuen Freundin, wie ihn die angefaßt hat, und wie das nach einem Jahr Pause alles wahr: „Man MUSS doch sagen, wie man es haben will, oder nicht? Jeder hat doch geheime Wünsche, das muß RAUS“ Ich gucke meine Frau an, wir haben ein sehr zufriedenstellendes Zusammenleben, aber ich kann ihm nicht zustimmen und sagen „JA genau“ weil ich das Problem nicht habe. Ich brummele was in den Bart, und er erzählt weiter, was ich garnicht hören will. Ich habe null Interesse daran, was andere im Bett machen. Bis morgens um 1 versuche ich, gelegentlich mal das Thema zu wechseln, und werde dabei so tierisch müde, daß ich mich dauernd entschuldigen muß.
Fall 3: Mutter zu Besuch, und die fackelt nicht lange. Setzt sich hin, und erzählt die tausend mal gehörte Geschichte, wie die Nachbarn einen Baum abgesägt haben, wie die anderen Nachbarn sich eine Hollywoood-Schaukel gekauft haben, wie die Verwandten vor 20 Jahren bei einem Immobiliengeschäft reingefallen sind. Und ich sitze da, brauche nichts zu sagen, weil es zwischen Punkt und Komma keine Pause gibt.
Aber ich GRUNZE. Tatsächlich, ich sitze da und beobachte mich selbst, und in etwa 20 Sekunden Abstand grunze ich regelmäßig „ohmmm mmm mmm“ was wohl als Zustimmung aufgefasst werden kann.
Meine Frau sagt, die alten Leute, wenn sie allein sind, brauchen mal jemand, der ihnen zuhört. Ich sage, ich brauche mal eine Pause, drei Wochen auf einer Insel mit 10 Metern Durchmesser.
Gibts noch jemand mit den gleichen Problemen, wenn ja, wie übersteht ihr das?
Vielen Dank für jegliche Hilfe
Ghad