Dialog <> Monolog

hallo,

mich beschäftigt gerade ziemlich ein bestimmtes thema: in der familie meines freundes ist mir aufgefallen, dass jeder von sich aus erzählt (und nicht erst gefragt wird, was er so erlebt hat…). an sich keine schlechte sache, aber es ist nicht nur so, dass nicht gefragt wird, sondern es erfolgt auch kaum feedback. das heißt, wenn die mutter meines freundes am abendbrot tisch z.b. von ihrer arbeit erzählt, bin ich die einzige, die ihr ab und zu in die augen sieht, nickt und eventuell was dazu sagt. ich geb ihr also zu verstehen, dass ich ihr mit interesse zuhöre. mein freund aber und sein vater essen stillschweigend mit dem blick zum teller weiter und wirken (auf mich) völlig desinteressiert. dann kommt doch mal eine frage dazu oder so, also ist es kein desinteresse.
mich macht das richtig konfus. ich bin eher der mensch, der nach seinem tag gefragt werden will und der offensichtliches interesse am gespräch erwartet und da erzähl ich meinem freund natürlich recht wenig, da er a) nicht fragt und b) es ihn mitunter eh nicht zu interessieren scheint…
was haltet ihr davon? würdet ihr damit klarkommen? ich komme nicht so richtig damit zurecht… fühle mich unwichtig (was ich gar nicht leiden kann)

Hallo July,

hast du schon mal versucht, mit deinem Freund darüber zu reden?

Gruß

Lerngeschichte
Hallo July

die Kommunikation im familiären Umfeld ist wie auch anderes Kommunikationsverhalten stark von der jeweiligen Lerngeschichte abhängig.

Es scheint bei dem bezeichneten Kommunikationsverhalten in der beobachteten Familie ein beständiges Feedback auf eigene verbale Mitteilungen nicht erwartet zu werden. Das dennoch (vermutlich) Interesse an der Kommunikation besteht, zeigen die Fragen (die Dich zu der Hypothese brachten, es würde kein Desinteresse an Kommunikation bzw. der Botschaft bestehen). Dies ist die Art von Feedback, die in der beobachteten Familie in der beobachteten Situation wahrscheinlich „tradiert“ ist und die Kommunikation aufrecht erhält. Die Familienmitglieder haben dieses Kommunikationsverhalten gelernt.

Vermutlich fällt Dir dieses Verhalten besonders auf, weil Du wahrscheinlich in einer anderen Umgebung mit einem anderen Kommunikationsverhalten aufgewachsen bist. Vermutlich hast Du völlig andere Erfahrungen in Deiner Herkunftsfamilie gemacht „Lerngeschichte“), als wie sie in der Familie Deines Freundes vorkommen. Vermutlich kennt Dein Freund nicht die Dir eigenen Kommunikationsbedürfnisse, d.h. er hat vermutlich in seiner Familie gelernt, dass eine Botschaft ohne Fragestellung kommuniziert wird. Wenn Du nun darunter leidest, dass er Dich z.B. nicht nach Deinem Befinden fragt, solltest Du dies ansprechen, denn er selbst wird es aufgrund seiner Lerngeschichte vermutlich nicht spontan tun, bzw. vermutlich nur in Ausnahmesituationen.

Viele Grüße,
Der Captain

nein, hab ich noch nicht. es ist nur einer der vielen unterschiede, die ich zwischen meiner familie und seiner familie festgestellt habe und solange ich mir nicht im klaren darüber bin, wie es für uns beide in zuknuft zufriedenstellend verlaufen könnte, macht das auch wenig sinn. ich bin mir nicht sicher, ob ich von ihm erwarten kann, dass er mir mehr feedback gibt, genausowenig, wie ich weiß, ob es mein ego aushält, wenn ich keines von ihm bekomme…

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hi captain,

dass das verhalten was mit dem jeweiligen umfeld zu tun hat ist mir klar, ich weiß nur nicht, wie ich in zukunft damit umgehen soll, denn

die Fragen (die Dich zu der Hypothese brachten, es würde kein
Desinteresse an Kommunikation bzw. der Botschaft bestehen).

in meinem umfeld war es stets so, dass kein feedback deutlich desinteresse signalisierte. hat man dazu noch ein etwas geringes selbstbewußtsein, führt das ganz schnell dazu, dass man gar nix mehr sagt, weil man (auch wenn ich weiß, dass es anders ist) immer das gefühl bekommt, dass es uninteressant ist was man sagt.

Vermutlich kennt Dein Freund nicht die Dir eigenen
Kommunikationsbedürfnisse, d.h. er hat vermutlich in seiner
Familie gelernt, dass eine Botschaft ohne Fragestellung
kommuniziert wird.

Ja, das wird wohl so sein…

Wenn Du nun darunter leidest, dass er Dich
z.B. nicht nach Deinem Befinden fragt, solltest Du dies
ansprechen, denn er selbst wird es aufgrund seiner
Lerngeschichte vermutlich nicht spontan tun, bzw. vermutlich
nur in Ausnahmesituationen.

da regt sich in mir ein wenig trotz. warum muss ich mein verhalten ändern. sind nicht beide gleichwertig? natürlich müsste ich mit ihm erstmal darüber reden. ich weiß nur, dass ich mich zwar durchringen kann von selbst über meine „erlebnisse“ zu berichten, aber ich vertrag es einfach nicht, wenn man dann darauf nicht reagiert. ich komme mir dann vor, als würde ich gegen eine mauer reden und das kann ich gleich lassen. da kann ich mir noch so oft sagen, dass es eben nicht seine art ist auf alles zu reagieren, aber das verträgt mein (nichtvorhandenes) ego nicht.

grüße, july

hast du schon mal versucht, mit deinem Freund darüber zu
reden?

nein, hab ich noch nicht. es ist nur einer der vielen
unterschiede, die ich zwischen meiner familie und seiner
familie festgestellt habe und solange ich mir nicht im klaren
darüber bin, wie es für uns beide in zuknuft zufriedenstellend
verlaufen könnte, macht das auch wenig sinn. ich bin mir nicht
sicher, ob ich von ihm erwarten kann, dass er mir mehr
feedback gibt, genausowenig, wie ich weiß, ob es mein ego
aushält, wenn ich keines von ihm bekomme…

Darf ich dir einen gutgemeinten Rat geben? Such dir eine passende Gelegenheit aus und sprich ihn zum Thema an. Keine Angst. :smile: Du hast hier deine Wünsche und deine Sicht der Dinge sehr klar und freundlich formuliert. Es bleibt das umzusetzen.

Gruß

Darf ich dir einen gutgemeinten Rat geben? Such dir eine
passende Gelegenheit aus und sprich ihn zum Thema an. Keine
Angst. :smile: Du hast hier deine Wünsche und deine Sicht der
Dinge sehr klar und freundlich formuliert. Es bleibt das
umzusetzen.

Gruß

ja, werd ich wohl machen, sonst entsteht nur unnötiger frust.
lg und danke, july

unterschiedliche Lerngeschichten
Hi July,

in meinem umfeld war es stets so, dass kein feedback deutlich
desinteresse signalisierte.

Hier zeigt sich, was ich im letzten Posting schrieb: Du hast vermutlich völlig andere Lernerfahrungen in Deinem Umfeld gemacht als Dein Freund in seinem.

In der von Dir beobachteten Familie in der beobachteten Situation bleibt trotz nur geringem/gelegentlichem Feedback die Kommunikation aufrecht erhalten. Es ist anzunehmen, dass bei den beteiligten Personen ein Feedback in der von Dir geforderten (aufgrund Deiner Lerngeschichte gewöhnten) Form nicht notwendig ist, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Dies kann vielfältige Ursachen haben, die zu eruieren hier den Rahmen sprengen wird und ggf. auch gar nicht möglich sein könnte.

hat man dazu noch ein etwas
geringes selbstbewußtsein, führt das ganz schnell dazu, dass
man gar nix mehr sagt, weil man (auch wenn ich weiß, dass es
anders ist) immer das gefühl bekommt, dass es uninteressant
ist was man sagt.

Hier sprichst Du etwas an, was in meinem Fachbereich als „Löschung“ bezeichnet wird: Die Auftretenswahrscheinlichkeit von Kommunikation (Verhalten) wird geringer aufgrund mangelnder Verstärkung. Das ist ein typisches Verhalten und absolut nachvollziehbar.

Vermutlich kennt Dein Freund nicht die Dir eigenen
Kommunikationsbedürfnisse, d.h. er hat vermutlich in seiner
Familie gelernt, dass eine Botschaft ohne Fragestellung
kommuniziert wird.

Ja, das wird wohl so sein…

Ich halte das für äusserst wahrscheinlich. Möglicherweise weiss er auch gar nicht, wie sehr Du darunter leidest. Ich empfehle ein weiteres Mal ein Gespräch.

Wenn Du nun darunter leidest, …

da regt sich in mir ein wenig trotz. warum muss ich mein
verhalten ändern. sind nicht beide gleichwertig? natürlich
müsste ich mit ihm erstmal darüber reden. ich weiß nur, dass
ich mich zwar durchringen kann von selbst über meine
„erlebnisse“ zu berichten, aber ich vertrag es einfach nicht,
wenn man dann darauf nicht reagiert. ich komme mir dann vor,
als würde ich gegen eine mauer reden und das kann ich gleich
lassen. da kann ich mir noch so oft sagen, dass es eben nicht
seine art ist auf alles zu reagieren, aber das verträgt mein
(nichtvorhandenes) ego nicht.

Wenn Dein Partner nach einem Gespräch, in dem Du diese Dinge dringend ansprechen solltest, sein Verhalten nicht ändert, solltest Du berücksichtigen, dass er seine vermutlich jahrzehntelange Lerngeschichte nicht „vergessen“ und sein Verhalten wohl nur sehr schwer auf eine so starke Weise zu verändern in der Lage sein könnte. Du solltest Deinem Partner dafür Zeit lassen und ihn ggf. daran erinnern.

Wenn allerdings auch langfristig Unzufriedenheit Deinerseits herrscht, empfehle ich die Überlegung zum Wechsel des Kommunikationspartners.

Viele Grüße,
Der Captain

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Hallo July,

ich glaube, Du befindest Dich auf dem Besten Weg, Dein Ego beständig zu stärken. Du hast nun die einmalige Chance, etwas zu lernen, was Dir bisher vorenthalten wurde. Endlich bekommst Du die Gelegenheit, etwas zu erzählen, ohne Dich vom Feedback abhängig machen zu müssen. Trotz Negativfeedback bist Du vielleich bald in der Lage, an dem, was Du sagen willst, festzuhalten. Sei ehrlich: Es fällt Dir schwer, eine Rede zur Geburt einer ichte oder zum Hochzeitstag Deiner eltern zu halten, während es in Deiner neuen Familie völlig normal ist, Reden zu halten, und sie lassen sich auch durch Zwischenrufe nicht aus der Ruhe bringen.

Wenn ich mit meiner Prognose richtig liege, kannst du hier viel lernen, was dein Ego stärkt!

Aus Sicht Deines Freundes bist Du mit Deinem bisherigen Wunsch eine Gefahr, wenn du darauf bestehst: Er muß sich äußern, Stellung beziehen, Position zeigen. Dein Freund kennt intensives Feedback aber nicht, es wird ihn vermutlich ängstigen, wenn du von ihm erwartest, ein Feedback zu geben, das in seiner bisherigen Familie nicht erwünscht ist. Deshalb bestehe nicht darauf, sondern mache ihm Deine Feedbackregeln schmackhaft, ohne darauf zu bestehen.

In Deiner neuen familie stellst Du die Kommunikationsregeln nicht auf. Sie sind etabliert und lassen sich nicht ändern. Du kannst mit Deinem Freund eigene Kommunikationsregeln außerhalb dieser Familie entwickeln, wenn du bereits bist, Eingeständnisse zu machen. Allerdings wirst du es wohl kaum schaffen, das Kommunikationsverhalten in seiner Familie zu ändern. Deshalb rede mit deinem Freund, aber richte keine Erwartungen an ihn sondern bleibe mit ihm im ständigen Dialog. Wichtig: Achte die Regeln in seiner Familie, solange du in der Familie bist. Dann kann auch der die Regeln in Deiner Familie achten und sich ohne Risiko darauf einlassen. Mit ihm gemeinsam wirst Du dann eigene Regeln entwickeln, die stark davon abhängen, inwieweit ihr gegenseitig aufeinander eingehen könnt.

Mit anderen Kommunikationspartnern, z.b. Freuden, kannst du eigene Regeln aufstellen durch die Auswahl der Freunde.

Für dein Ego und für deine zukunft sehe ich viel positives, wenn du bereit bist, die Vorteile des zusammenlebens in dieser Familie langfristig zu bewerten und auch einen teil für dich zu übernehmen.

Viel Spass dabei!

AndyM