Danke für die Hinweise zu Teil 1 von Pater Rudolph, ich habe bereits einiges eingearbeitet.
Bei der Verwendung von Dialogen bin ich sehr unsicher, ob ich das stilistisch richtig mach. Kuckt mal bitte.
Ob das Outfit von Pater Rudolph (ja, umgetauft) richtig ist, bezweifle ich mittlerweile auch. Die Kutte ist wohl ehr für Mönche typisch. Hat jemand einen guten Link zum Thema „katholische Kleiderordnung - für Heider erklärt“?
Teil 2:
„Da ist dein Besuch, Meiki-Schatz“ flötete Romy und lies den Pater los.
Mike nickte ihr zu und sie schwebte mit den Worten „Für dich immer gerne, Meiki-Schatz“ davon. Auch ohne ein Trinkgeld hätte Romy ihm gern diesen Gefallen getan. Aus ihrem Blick zu schließen, wäre sie gern noch für etwas anderes bereit gewesen, aber erst kommt die Arbeit und dann das Vergnügen!
Der Pater hatte seine Schrecksekunde überwunden und versuchte, wieder Herr der Lage zu werden.
„Guten Tag, mein Name ist Pater…“
„Johnson!“ unterbrach ihn Mike.
„Setzen Sie sich doch Pater Johnson.“ Mike deutete mit einem Nicken auf den freien Stuhl, der ihm gegenüber stand. Der Pater raffte seine Kutte mit der Rechten und setzte sich umständlich auf das schäbige Sitzmöbel. Misstrauisch blickte er nochmals unter sich, als ob er die Stabilität des Stuhls abschätzen wollte. Den Aktenkoffer stellte auf seinen Schoß und legte beide Hände schützend darüber. Er musterte Mike einen Augenblick, wie der gelassen an seinem Bier nippte. Dann beute er sich leicht zu ihm rüber und flüsterte:
„Ähh, und Sie sind?“
„Mr. Johnson natürlich!“ sagte Mike in aller Ruhe und versteckte sein Grinsen hinter der Hand mit dem Bierglas.
„Natürlich, natürlich - keine Namen“ stotterte der Pater. Er ihm war klar geworden, dass hier wahrscheinlich alle Johnson hießen. „Sie müssen entschuldigen ich habe normalerweise nichts zu tun mit …“
„Einbruch und Diebstahl?“ ergänzte Mike, der nun sein Pokerface wieder aufgesetzt hatte.
„Um Gottes willen! Nein! Ich werde alles zurückgeben, sobald …“ Der Pater verlor nun völlig die Fassung und Mike kam zu dem Schluss, dass er genug Spaß gehabt hatte.
„Ist schon gut, wir werden alles nach Wunsch erledigen. Sie bezahlen, wir liefern. Der Rest ist Ihre Sache. Apropos bezahlen…“ Mit dem letzen Wort richtete Mike seinen Blick auf das Köfferchen.
Doch zu seiner Überraschung blieb es verschlossen. Stattdessen griff der Pater unter seine Kutte und reichte Mike ein Kuvert herüber. Der gab ihm dafür gedanklich einen Pluspunkt. Der Pfaffe schien doch nicht so dämlich zu sein, wie er anfangs dachte.
Mit schräg gestelltem Kopf und einem zugekniffenen Auge spähte Mike in das Briefchen. Sein Daumennagel blätterte kurz über die Scheine, denn herausnehmen wollte er sie hier nicht.
„Das ist die Anzahlung wie besprochen!“ sagte der Pater nun ganz geschäftsmäßig, wurde aber sofort wieder von der spärlich bekleideten Romy aus dem Konzept gebracht. Die Kellnerin stellte ihm unaufgefordert ein Glas Rotwein hin, kicherte:
„Ihr Kirchen-Schatzis trinkt doch nur so etwas Edles, stimmts?“
Pater Rudolph nahm das Glas und schüttete es runter wie Wasser. Der Abend hatte zwar erst angefangen, aber die Aufregung hatte ihm schon stark zugesetzt. Nachdem Romy erneut entschwebt war, nahm er den Faden wieder auf:
„…und den Rest bekommen Sie wie besprochen, wenn Sie … ähhhh“
„Liefern!“ half Mike nach.
Soweit lief es wie immer. Der Kunde schien kapiert zu haben, wie der Deal funktioniert: Mike hatte die Summe zwar nicht genau nachgezählt, aber er war sich sicher, dass sie stimmte. Er war schon eine Weile im Geschäft und hatte gelernt, einen linken Vogel zu erkennen. Dieser Kunde war sicher einiges, ein Perverser oder ein religiöser Spinner vielleicht, aber kein Betrüger. Aus den eMails, die sie sich geschrieben hatten, war nichts Genaues zu erfahren, nur dass der Pater vor irgend etwas Bedrohlichem Angst hatte. Um diese Bedrohung, real oder eingebildet, abzuwenden, brauchte er Unterstützung und war bereit zu zahlen. Kurz gesagt, Mikes Truppe sollte etwas klauen, damit der Pater wieder ruhig schlafen konnte.
Der Haufen Gesetzloser hatte sich auf die drei großen B’s spezialisiert - Beschaffung, Beobachtung und Bestrafung. Sie brachen ein, observierten Leute, trieben Schulden ein und verprügelten schon mal jemanden. Mit Mord und Entführung hatten sie nichts zu tun. Darum kümmerten sich die Gangs. Das hier war eindeutig ein Beschaffungs-Deal. Vom Zielobjekt wusste er bislang nur, das es mäßig gesichert war. Kleinigkeit!
Nachdem das Finanzielle geregelt war, konnte über die Details gesprochen werden. Mike blickte auf den Koffer und frage: „Haben Sie alles besorgen können?“
„Ja, ja, natürlich.“ entgegnete der Pater und wieder einmal wurde Mike enttäuscht, denn der Koffer blieb verschlossen. Stattdessen griff er mit den Worten „Haben Sie eine eBrille?“ unter seine Kutte.
Mike hatte natürlich an eine eBrille gedacht und seine Hand war schon auf dem Weg zur Innentasche seiner Lederjacke, dahin, wo auch seine Waffe steckte.
Butch war zu weit entfernt, um das Gespräch zu hören, konnte aber jeder Bewegung der beiden Männer sehen. Sie stufte das Szenario sofort als Bedrohung ein und noch ehe der Pater seine Hand wieder auf dem Tisch hatte, tanzte ein roter Punkt auf seiner Schläfe. Butch hatte ihre Desert Eagle XP reflexartig gezogen. Das Laservisier markierte den Punkt, an dem das Geschoß von der Größe einer kleinen Lippenstiftes mit über 2500 Joule seinen Weg durch menschliches Gewebe bahnen würde.
Mike schüttelte unmerklich den Kopf und legte langsam die eBrille auf den Tisch. Der rote Punkt verschwand. Das Ganze ging so schnell und unauffällig vonstatten, dass weder der Pater noch die anderen Gäste etwas bemerkt hatte.
Butch hatte wieder ihre Version eines lieben Gesichtes aufgesetzt und wand sich erneut Miezi zu, die daraufhin hörbar ausatmete. Die XP steckte friedlich wie zuvor im Holster unter der schäbigen Lederjacke.