Guten Tag,
uns haben unterschiedliche Angaben auf Tüten von Dichtschlämme von unterschiedlichen Herstellern verwirrt.
In unserem Souterrain entsteht gerade eine Rückstausicherung mithilfe von einer Kleinhebeanlage, die in einer Grube versenkt wird.
Diese Grube ist gemauert aus Kalk-Sandstein und wird jetzt innen dichtgeschlämmt.
Da der eine Sack jetzt doch nicht gereicht hat, soll ein zweiter gekauft werden. Bei der Überlegung einfach Schlämme im nahen Baumarkt zu kaufen ist uns aufgefallen, daß auf dem Sack steht: soll nass in nass verarbeitet werden bei mindestens zweimaligen Auftrag.
Das steht auf der alten Schlämme nicht drauf - wäre das wichtig gewesen und wenn ja: wofür und warum?
Die Herstellerangabe ist: höchstens 6mm dick.
An einigen Stellen wird die Schlämme sicherlich schon dicker sein, an anderen ist sie evtl. noch keine 4 mm.
Wenn wir jetzt nochmal drüber schlämmen um sicher zugehen und an verschiedenen Stellen dann dicker werden als 6 mm, ist das schlimm und wenn ja: wofür und warum?
Ich weiß, die Fragen klingen etwas naiv, aber wenn man erstmal anfängt über sowas nachzudenken, dann gerät man manchmal in Abgründe von Wahrscheinlichkeiten, deshalb würden wir uns über eine sachliche Einschätzung (und die bekommt man in wer-weiss-was meist) freuen.
Schönen Abend noch
Kerstin
Dichtschlämmen sind sogenannte „alternative Abdichtungen“. Normativ sind die Materialien für zementgebundene Alternativabdichtungen nach meinem Kenntnisstand nicht geregelt.
Nun gibt es verschiedene Beanspruchungsarten (Beispiel: drückendes Wasser oder „nur“ druckfreies Oberflächenwasser), auf welche die Hersteller die Materialeigenschaften ihrer Produkte rezeptieren bzw. abstellen. Die Dichtigkeit (und damit die Wirksamkeit) der Produkte wurde geprüft, allerdings kann das nur bei einer Mindest-Trockenfilmdicke (oder -schichtdicke) funktionieren.
Ist diese Mindestdicke nicht mit einmaligem Auftrag zu erreichen (weil das Material z.B. von Steilflächen abrutschen würde), dann muss eben eine geringere Dicke pro Auftrag gewählt und 2-fach aufgetragen werden.
Das Nass-In-Nass-Verfahren hat sich in der Bautechnik bewährt, da dann keine Haftungsprobleme zwischen den (hier: zwei) Schichten zu erwarten sind.
Wurde in diesem Fall partiell zu dünn aufgetragen, heißt: die Funktionalität der Dichtschlämme kann aufgrund der Minderdicke nicht erreicht werden, dann muss mit einem Haftvermittler gearbeitet werden (Grundierung). Derartige Mängel sind derzeit noch mit geringem Aufwand zu beseitigen, ist das Bauteil erst einmal in Betrieb, wird es meistens schwieriger (hier allerdings eher unwahrscheinlich, an erdberührten Gebäudeteilen allerdings geht das schnell in die zig-tausende Euro für Ursachenerforschung + Sanierung)
Wenn eine Maximaldicke auf dem Gebinde angegeben wurde, kann sich diese Angabe eigentlich nur auf die maximale Auftragsdicke pro Auftrag handeln, da das Material ansonsten (bei größeren Schichtdicken) womöglich nicht zügig abtrocknen kann. Ansonsten gilt aber: Lieber ein wenig zu dick, als zu dünn.
Nun bitte keine üblichen Haftgrund aus dem Regal des freundlichen Baumarktberaters entnehmen, um sofort eine zweite Schicht aufzubringen und die Gesamt-Mindestschichtdicke hierdurch zu erreichen!! Die Grundierung muss systembezogen auf das Dichtschlämme-Material abgestimmt sein.
Einfach einmal im Internet des Herstellers (Dichtschlämme) nachschauen.
Allerdings frage ich mich, ob eine zementgebundene Dichtschlämme auf Kalksandstein die optimale Lösung ist. Zu beurteilen vermag ich dies aufgrund meiner fehlenden Kenntnisse ob des eingesetzten Materials jedoch nicht!
Derartige Fachfragen sind keinesfalls „naiv“, sondern sie verdeutlichen, dass da auf der anderen Seite jemand aktiv im Vorfeld mitdenkt. Ein leider in der Bevölkerung von abnehmender Tendenz betroffenes Geistesattribut…
Ich hoffe, ich konnte ein wenig Verständnis für die Technik initiieren.
Hallo Klaus,
vielen Dank für deine umfassende Antwort.
Die Kombination von Dichtschlämme und Kalk-Sandstein ist mit einem befreundeteten Maurer abgeklärt, der aber gerade nicht zu erreichen ist.
Auf der Tüte, die wir gerade benutzen steht nichts von nass in nass, deshalb werden wir uns jetzt dieses Fabrikat wieder holen und morgen eine weitere Schicht auftragen.
Da es zwar unter Erdniveau ist aber (bis jetzt immer und trotz sehr nassen Wetters) knochentrocken, wird das dann ja wahrscheinlich reichen.
Und danke auch für das Kompliment das darin steckt, das du uns bescheinigst mitzudenken.
Das ist etwas was uns wirklich wichtig ist.
Schönen Abend und ja du hast Vertändnis für die Technik initiiert.
Gruß
Kerstin