Dickdarmkarzinom mit 80 - Möglichkeiten?

Sehr traurig. Meine Oma (würde im September 80 werden) liegt im Krankenhaus, und es geht ihr sehr sehr schlecht. Sie hat ein Dickdarmkarzinom und ihr Allgemeinzustand ist sehr schlecht. Sie fiebert sehr stark (kommt vom Tumor), der Tumor ist bereits so groß, dass er auf die Hauptarterie und auf die Organe drückt, Durchblutung problematisch, sie ist sehr verwirrt. Aber angeblich noch keine Metastasen, obwohl der Tumor selbst sehr weit fortgeschritten ist.

Operieren kommt nicht mehr in Frage, das haben uns die Ärzte gesagt. Nun wollen sie aber einen künstlichen Darmausgang machen, um ihr einen Darmverschluss zu ersparen, weil das laut Ärzten ein sehr qualvoller Tod wäre. Außerdem wollen sie per „Stands“ (hab noch immer nicht verstanden, was das genau ist) den Tumor „verkleinern“ ?? bzw. damit erreichen, dass er nicht mehr so drückt.

Ich hab gelesen, dass für ein Stoma eine Narkose nötig ist. Ich glaube nicht, dass meine Oma aus dieser Narkose wieder aufwacht (es klingt hart, aber ich wünschte mir für sie, dass sie einfach schlafen könnte - das wäre sehr angenehm). Andererseits will ich aber nicht so richtig „aufgeben“, loslassen - das fällt eben schwer. Ich habe Angst, dass sie nach diesen Vorgriffen leiden muss und arge Schmerzen hat, und dann dahin vegetiert. Die Ärzte haben gesagt, dass sie nicht einschätzen können, wie lange sie dann noch hat.

Klingt blöd, aber gibts nicht irgendeine Möglichkeit, ihr Leben nach diesen Eingriffen irgendwie qualitätsmäßig besser zu gestalten -und zwar indem man irgendwas gegen den Tumor macht?

Argh, ich glaube meine Fragen haben gar nicht viel Sinn. Ich bin hin und hergerissen, ob ich ihr wünschen soll, dass sie so schnell wie möglich einschläft, oder dass sie noch möglichst lange ohne Schmerzen leben kann, und zwar wirlich so halbwegs leben, auch wenns im Krankenhaus ist.

Das ist alles ein Horror. Das zu verarbeiten, das ist mir irgendwie zu viel, wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich hier schreibe. :frowning: Aber so ist das Leben. :frowning:

Hallo Hannah,

es tut mir Leid, dass es Deiner Oma so schlecht geht.

Wie Du es beschreibst, versuchen die Ärzte alles, den Zustand für Deine Oma so erträglich zu machen, wie es nur geht.

Leid tut mir aber ebenfalls, dass Du gerade dabei bist zu erleben und zu erfahren, dass man Menschen medizinisch nicht mehr gesund-reparieren kann, wenn deren Zeit gekommen ist.

Was, denkst Du, würde Deine Oma sich - heute - für sich selbst wünschen?

Liebe und mitfühlende Grüße
Maralena

Hi,
ich schliesse mich Maralena an…was würde deine Grossmutter wollen? Alle medizinischen Eingriffe sollten gut besprochen werden und die Konseqenzen bedacht werden.
Wenn die Grundkrankheit nicht mehr geheilt werden kann wird die Symptomkontrolle sehr sehr wichtig. Bei fast allen Problemen wie Schmerzen und Übelkeit kann man helfen und es wäre enorm wichtig dass deine Grossmutter jetzt noch soviel Lebensqualität wie möglich erhält.

viele Grüße
Susanne

Zunächst einmal mein tiefstes Mitgefühl für Deine Oma, Dich und alle anderen Mitbetroffenen.
Medizinisch gesehen scheint Deine Oma gut versorgt zu sein, denn die Ärzte scheinen sehr wohl abzuwägen, was man Deiner Oma noch zumuten sollte und was, aufgrund des zu erwartenden Krankheitsverlaufs, nicht mehr angezeigt ist.

Die Verlegung eines Stomas ist sicherlich die sinnvollste Maßnahme, auch wenn ein künstlicher Darmausgang vorne am Bauch mit Auffangbeutel nicht gerade schön ist (ästhetisch gesehen und auch psychisch). Ein Darmverschluss ist definitiv unangenehmer und würde auch eine Not-OP bedeuten. Die Wahrscheinlichkeit bei einer Not-OP nicht mehr aufzuwachen ist statistisch höher, als bei einer präzise vorbereiteten, geplanten OP, die man z.B. auch noch verschieben kann, wenn beim angesetzten Termin der Allgemeinzustand nicht zufriedenstellend ist.

Die Schmerzen sind allesamt behandelbar und das allergeringste Problem.

„Stents“ (nicht „Stands“) sind „Stabilisatoren“, die den Darm im Bereich des Tumors stützen, damit er nicht in sich zusammenfällt. Es wird sozusagen eine feste Röhre (meist Metall) in den Darm eingebracht, die an der Stelle des Tumors den flexiblen Darm unflexibel macht und somit verhindert, dass der Tumor das flexible Gewebe zusammendrückt. Eine Methode, den Darmverschluss auch noch zu verhindern. Gleichzeitig sind diese Stents „befüllt“ mit Medikamentendepots, die nach und nach über Wochen abgegeben werden, d.h. mittels der Medikamente wollen die Ärzte das Tumor-Wachstum eindämmen und eventuell sogar Tumorgewebe zerstören und den Tumor damit verkleinern. Eine noch nicht ausgereifte, relativ neue Therapie-Methode, die schon wesentlich öfter Anwendung bei Herzinsuffizienz Anwendung findet als Arterien-Stabilisierung gegen die krankhafte Verengung. Es gibt noch keine Langzeitstudien und die Behandlung mit Stents scheint recht Nebenwirkungsreich zu sein. Andererseits ist es eine zugelassene Therapie, also nicht mehr im Versuchsstadium. Wenn die Ärzte es als medizinisch notwendig erachten, sie werden wissen, was sie sich davon für Deine Oma erhoffen. Böse Zungen könnten auch sagen, jeder Patient, der damit behandelt wird ist ein Studienobjekt mehr, weil es eben eine verhältnismäßig neue Methode ist. Wenn ohnehin schon ein Stoma gelegt wird, kann der Darm sich an der Tumorstelle ja ruhig verschließen, wird niemanden, auch Deine Oma nicht, stören. Grenzwertige Therapie, wenn Du mich fragst, irgendwie doppelt gemoppelt (Stoma und stents)…

Dein eigenes Erleben, in dem Du gerade nicht weißt, was Du Dir wünschen sollst bzw. Deiner Oma, ein friedliches Einschlafen oder doch noch weiterleben, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe auch schon viele Menschen in meiner Familie verloren, überraschend und vorbereitet.
Vorbereitet, weil eine Krankheit voranging, ist in jedem Fall leichter, weil man Zeit hat sich zu verabschieden. Überraschend ist definitiv das, was man nicht erleben will, weil man eben mit so vielen Dingen zurückbleibt, die man vielleicht noch hätte sagen oder erleben wollen oder die man vielleicht sogar schon geplant hat und die einem der Tod der Person genommen hat.
Schön wäre es, wenn Deine Oma ihren eigenen Wunsch dazu äußern könnte wozu sie offensichtlich im Moment nicht in der Lage ist. Meine eine Oma ist nach langer Krebserkrankung bei einer OP verstorben, die andere ist friedlich eingeschlafen und ein Großvater lag lange nach einem Schlaganfall im Wachkoma auf einer Pflegestation. Die beiden Omas haben es also insgesamt recht angenehm hinbekommen und nachdem beide über 90 wurden hat man ohnehin früher oder später damit gerechnet. Das Dahinvegetieren meines Großvaters hat mir immer sehr weh getan, weil ich wüßte, dass er es nicht gewollt hätte, sich aber natürlich nicht dazu äußern konnte und alle lebensverkürzenden Handlungen eben Straftaten sind. Das waren für mich sehr, sehr schwere Jahre, nicht zu wissen und auch niemals herausfinden zu können, was er noch mitbekommt, was nicht mehr, nicht zu wissen, ob er vielleicht Schmerzen hat und sich nicht bemerkbar machen kann. Das wünsche ich echt niemandem, nicht einmal meinem ärgsten Feind!
Wünsche Du Dir für Deine Oma, dass es für sie der angenehmst mögliche Verlauf wird, habe keine Angst davor, dass sie aus der Narkose nicht mehr aufwachen könnte, aber bereite Dich darauf vor, dass es so sein könnte. Wenn es so ist, dann freue Dich mit ihr, denn wahrscheinlich wurde ihr damit (viel) Leid erspart. Und das ist es doch, was Du ihr wünscht, nicht leiden zu müssen, selbst wenn Dir in dem Moment Dein Leid über ihren Verlust als das Schrecklichste der Welt erscheint.
Die Krankheit, vor allem da schon in einem inoperablen Zustand, führt ohnehin relativ schnell in den Tod und ist bis dahin auf jeden Fall eine Belastung. Krebs bleibt Krabs und ist eine furchtbare Erkrankung mit so unendlich vielen Tiefen und so wenigen glücklichen Momenten.
Bedenke auch, dass Deine Oma schon 80 Jahre alt ist und bestimmt auf ein erfülltes Leben zurückblickt. Ein wenig anders würde man vielleicht noch bei einer 60 Jahre alten Oma denken, die ja noch mitten im Leben steht. Da würde ich auch ganz anders darum kämpfen, sie noch weiterhin in meinem Leben zu haben, bei einer 80 Jahre alten Frau (bei Männern natürlich auch) verstehe ich es, wenn sie sagt, ich habe mein Leben gelebt und wenn ich jetzt sterbe, dann sterbe ich mit einem erfüllten Leben.
Für die Angehörigen ist jeder Tod schlimm, aber dass Großeltern vor uns sterben ist nunmal der normale Lauf des Lebens und das dürfen wir nie vergessen, so schwer es auch erscheinen mag.

Ich hoffe, dass Du die Dir bevorstehende Zeit gut bewältigst und dass Deine Oma wenig Leid, viel Hilfe und nur Gutes erfährt.

Meine Gedanken sind bei Euch. Liebe Grüße, Thouy