Die 10 Todsünden der Existenzgründer

Diese Auflistung der 10 häufigsten Fehler von Gründern stammt aus dem Focus und finde ich so aufschlussreich, dass ich es einmal hier einkopiert habe. Basis der Untersuchung waren 500 Businesspläne von Internet-Start-ups.

1. Unzureichende Marktanalyse
Der häufigste und gewichtigste Fehler der untersuchten Businessspläne (81,8 Prozent) ist die unzureichende Untersuchung des Marktes für die Start-up-Idee. Gründungswillige müssen ermitteln, wie groß der Markt für ihr Angebot ist, wer die potentiellen Kunden sind, wie viele potentiellen Kunden es für ihr Angebot gibt und wie viele davon tatsächlich gewonnen werden können. Die mangelhafte Marktanalyse führt zu falschen oder unrealistischen Umsatz- und Ertragsprognosen.

2. Fehlende Kundenorientierung
Aus einer unzureichenden Marktanalyse folgt als Konsequenz die fehlende Kundenorientierung (79,4 Prozent). Besonders bei technischen Produkten wird eine frappierende Detailverliebtheit deutlich. Der tatsächliche Bedarf des Kunden wird meistens falsch verstanden, nur der vermeintliche Produktnutzen in Erwägung gezogen. Der Kunde will jedoch nicht den technisch aufwändigsten Bohrer, er will die saubersten Löcher in der Wand. Darin besteht letztlich der Nutzen, der demnächst vielleicht durch den Laserbohrer befriedigt wird. Gründer fragen sich zu selten, welches Kundenproblem sie lösen und welchen Nutzen sie damit letztendlich bieten.

3. Selbstüberschätzung
52,4 Prozent der Gründer missachten die Spielregeln des Marktes und unterschätzen die Anforderungen an ein Start-up – von Unternehmensaufbau und – führung bis hin zum IPO. Diese Überschätzung der eigenen Fähigkeiten resultiert häufig aus einer fehlenden unternehmerischen Einstellung. So zeigen sich in den untersuchten Businessplänen oft völlig unrealistische Vorstellungen von Personalkosten – Sozialabgaben wurden vergessen, oder Firmenwagen als Erstes genannt. Die Vorstellung vom schnell verdienten großen Geld verstellt den notwendigen strategischen Weitblick für das Unternehmen.

4. Nicht nur Erster, sondern auch Bester sein
In 42,5 Prozent aller Fälle wurde die Chance des vermeintlichen First Moves als Erfolgsgarant für die Idee gesehen – der Glaube, es gäbe keine Konkurrenz, ist fahrlässig: Es gibt immer Unternehmen, die das Kundenproblem ebenso lösen können. Das Ziel ist also: nicht nur schneller, sondern vor allem auch besser, d.h. nutzenorientierter agieren.

Die potentiellen Unternehmer übersehen außerdem häufig, dass die meisten Ideen nachahmbar sind: Was hindert ein finanzstarkes Unternehmen der Branche, in der sie tätig werden wollen, dasselbe zu tun – insbesondere wenn die Idee gut ist?

5. Unrealistische Schwachstellenanalyse
72,2 Prozent der Start-ups verkennen den Wert einer realistischen Schwachstellenanalyse und beschränken sich auf die Darstellung von vermeintlichen Stärken und überzogenen Chancen. Nur eine realistische Selbsteinschätzung ermöglicht jedoch die Überwindung von Schwachstellen.

6. Gute Ideen alleine reichen nicht
Hinter einem Start-up Vorhaben steht häufig lediglich eine gute Idee. Nur die Hälfte aller Existenzgründer (48,8 Prozent) erkennen die Wichtigkeit des Businessplans als Planungs- und Steuerungsinstrument zur Überprüfung der Wirksamkeit des Geschäftsvorhabens.

7. Falscher Fokus
80 Prozent der Business Pläne sind mit der falschen Zielsetzung geschrieben. Der Leser ist als potentieller Kapitalgeber hauptsächlich am Return-on-Investment interessiert, muss dem Businessplan also Nutzen und Erfolgschancen des Vorhabens entnehmen. Die Argumentationskette sollte dabei schlüssig und überzeugend sein.

8. Formale Fehler
Bei 54,2 Prozent der untersuchten Businesspläne wurden triviale Regeln der Rechtschreibung, Struktur, Tonalität und Gliederung missachtet. Das disqualifiziert den Bewerber umgehend.

9. Das Zahlenwerk muss stimmen
In 71,8 Prozent der untersuchten Businesspläne wurden einige Positionen mit einer überzogenen „Schein-Genauigkeit aufgeführt. während das Gesamtzahlenwerk nur lückenhaft dargestellt war. Darüber hinaus wurden wichtige Kostenpositionen schlicht vergessen oder falsche Steuersätze angegeben. Hinzu kommen oft fatale Rechen- oder Formelfehler.

10. Zusammensetzung des Gründerteams
Der Businessplan muss die Kompetenzen des Teams in allen relevanten Bereichen präsentieren. Tatsächlich rekrutiert sich das Team aber in 62,4 Prozent der Fälle aus einseitigen Kompetenzbereichen, die beispielsweise die Bedeutung einer konsequenten Marketingstrategie nur unzureichend erkennen. Der Businessplan muss über eventuelle Schwachstellen im Team informieren und Lösungen – etwa durch Personalakquisition – nennen.

Elfte Todsünde
Ein ganz schlimmer und in der Praxis weit verbreiteter Fehler ist folgender: Gründer meinen, wenn sie die ersten sind, sind sie die tollsten mit ihrer nie dagewesenen Idee - alle anderen waren nämlich zu dumm, sie zu erfinden oder umzusetzen.

Da gibt es einen ganz trivialen Satz (leider immer wieder misachtet): If there is no competition, thes is maybe no market.

Grüsse
Anna

Zwölfte Todsünde
Hallo Michael,

auch ich möchte diese Liste noch um einen Punkt ergänzen.
Viele vergessen in der Vorbereitungs- und Gründungsphase, ein gewisses Budget für die Beratung durch Rechtsanwälte und Steuerberater bereit zu stellen.
Die Vielschichtigkeit und potentiellen Gefahrenquellen des Gesellschaftsrechts, Steuerrechts, Arbeitsrechts, Markenrechts, Internetrechts und und und außer Acht zu lassen, kann fatale Folgen haben.

Gruß
Paula

Hallo Michael,

Eine der ersten Fragen, die sich jeder Gründer stellen sollte, ist die der Motivation für die Selbständigkeit. Was heißt es im Sinne des Wortes überhaupt, „selbständig“ zu sein? Selbst stehend, alleine stehend, eigenständig - so etwa ließe sich dieses Wort übersetzen. Welche Übersetzung hat der Gründer für die Selbständigkeit? Was assoziiert er damit? Was erträumt er sich? Bei klarer Beantwortung dieser Fragen würde sicher mancher Gründer mit seinem Geschäftsplan weder eine Bank noch eine Beteiligungsgesellschaft konsultieren.

Was können Gründe für den Wunsch nach Selbständigkeit sein? Geltungsbedürfnis? Der Traum, andere arbeiten zu lassen, während man auf Sylt Party macht? Viel Geld verdienen? Schnelles Geld verdienen? Dünne Bretter bohren und trotzdem kassieren? Eine sichere Existenz bis ans Lebensende besitzen? Unabhängig sein?

Wer lange genug selbständig ist und auf eigenen Füßen steht, hat manche Illusion verloren, allemal die vom schnell und leicht verdienten Geld. Eigentlich entpuppen sich so ziemlich alle Träume als Fata Morgana, nur das eine Bestreben ist beständig: Unabhängigkeit. Man hat dann gelernt, wie unterschiedlich Denkweisen und Ziele sind und wird sich nicht mehr vom Gehaltsempfänger einer Bank abhängig machen wollen. Die von Börsengang und Kasse machen träumende Beteiligungsgesellschaft hat auch andere Ziele als der auf dauerhafte Existenzsicherung ausgerichtete Unternehmer mit seinem Kleinbetrieb. Der Wunsch nach Unabhängigkeit läßt alles ertragen, jahrelange Durststrecken und wirtschaftlich gute Zeiten, aber mit viel zu viel Arbeit. Und mancher, der erst einmal in den erhofften Krediten steckt und irgendwann Zeit zum Denken findet, wird Jahre aufwenden, um die gerufenen Geister wieder los zu werden. Weil sie nämlich die Unabhängigkeit wie ein Klotz am Bein behindern. Weil sie Rechenschaft fordern, weil sie nach Wachstum lechzen, wo Bestandssicherung erforderlich wäre und weil sie die Grenze der Belastbarkeit des Zugpferdes überhaupt nicht interessiert.

Irgendwann bemerkt der ehemalige Gründer, nun erfahrener Selbständiger, wieviel Durchschnitt er durchfütterte, wievielen Blendern er aufsaß, wieviele Berater ihr Geld und die geopferte Zeit nicht wert waren, er bemerkt die hohle Inkompetenz von Politikern jeglicher Coleur, er bemerkt aber auch, daß das immer größere Auto nicht befriedigt und daß er solche Statussymbole schon längst nicht mehr nötig hat. Wenn er Glück hat, muß er sich nicht mehr mit Anzug und Schlips verkleiden, weil es andere erwarten, sondern tut dies nur noch, wenn er Lust dazu hat. Wenn er noch größeres Glück hat, bemerkt er die wertlosen Fassaden, bevor Gesundheit und Privatleben den Bach herunter gegangen sind. Dann bleibt der Genuß der Unabhängigkeit - na gut, auch nicht ganz ohne Sachzwänge - aber eher egoistisch auf das eigene Leben schauend, ohne den angestellten Business-plan und Milestone-Gurus je wieder Früchte der eigenen Arbeit in den Rachen schmeißen zu wollen. Und wenn man so einen erfahrenen Unternehmer fragt, was sich für ihn im Laufe der Jahrzehnte geändert hat, abgesehen von der Erfahrung, die ihn längst in alle Ecken sch*** ließ, in die all die Juristen, BWLer und Sonstwas-Berater noch nicht einmal gerochen haben, dann kann man vielleicht hören, daß er nur den Traum von Wachstum, Großunternehmen und vielen Angestellten ausgeträumt hat. Dann wird man hören, daß er nur noch anfaßt, was er cash auf den Tisch des Hauses bezahlen kann. Das allein sichert Unabhängigkeit.

Wenn ich mir ansehe und anhöre, was die Existenzgründer machen möchten, gibt es in beinahe jedem Einzelfall einen Weg, ohne irrwitzige Kredite und mit von jedem Angestellten ersparbaren Eigenkapital zu beginnen. Dafür braucht der Existenzgründer in jedem Fall kaufmännische Kenntnisse und basierend auf diesen Kenntnissen einen Geschäftsplan. Den braucht der Existenzgründer aber nur für sich selbst, um im Tagesgeschäft das Ziel nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Wer genau gelesen hat, hat auch bemerkt, daß ich „Existenzgründer“ und nicht etwa „Konzern-aus-dem-Boden-Stampfer“ schrieb. Von nur wenigen Ausnahmefällen abgesehen, braucht man zur Gründung der eigenen Existenz keine Millionenkredite und keine Beteiligungsgesellschaft. Das Geschäftskonzept muß eben den tatsächlichen Möglichkeiten angepaßt werden. Über kurz oder lang muß diese Kunst jeder Unternehmer lernen. Sonst geht er nämlich unter. Wer diese Anpassung an die eigenen Möglichkeiten von Beginn an zelebriert, erspart sich viele Jahre, die zunächst mit der verzeifelten Suche nach Geldgebern vertan werden und dann damit, diese Leute wieder los zu werden.

Dies vorausgeschickt und weil es Dein Thema war, sehe ich hier die schlimmsten Todsünden von Existenzgründern:

  • mangelhafte kaufmännische Kenntnisse
  • ein Mangel an Phantasie (wg. Anpassung an die Möglichkeiten)
  • Suche nach fremdem Geld an Stelle von eigenem Kapital als Eigenkapital (haarsträubend, was so alles als Eigenkapital ausgewiesen wird und bei genauem Hinsehen nur eine Fesselung ist).

Gruß
Wolfgang

Dreizehnte…
Vertraue niemals auf mündliche Zusagen sogenannter Unterstützer im Bezug auf a) Grundauslastung b) Kontaktherbeiführung. Budgetiere immer so, daß Du im Zweifelsfalle auch ohne diese „Unterstützer“ Dein Geschäft zum laufen bekommst.

die 14.
hi,

eine der wichtigsten punkte ist:

um ne million zu verdienen musst du erst mal ne million haben

was heisen soll, ohne liquidität geht goar nix, weil es ist einer der hauptgründe warum startups scheitern,

aber wir wollen doch hier nicht die gründer verschrecken, wir wollten sie doch aufbauen,

also nen ordentlichen businessplan und erechnetets kapital + 150 % und ein bischen glück, dann klappts - manchmaloftimmerselten

uwe

ich erinnere nur an …

Wer genau
gelesen hat, hat auch bemerkt, daß ich „Existenzgründer“ und
nicht etwa „Konzern-aus-dem-Boden-Stampfer“ schrieb. Von nur
wenigen Ausnahmefällen abgesehen, braucht man zur Gründung der
eigenen Existenz keine Millionenkredite und keine
Beteiligungsgesellschaft. Das Geschäftskonzept muß eben den
tatsächlichen Möglichkeiten angepaßt werden.

hi wolfgang,

hierzu erinnere ich an geschehenes aus den jahren 99 u. 00. am neuen markt hat sich eine AG etabliert. diese wollte mit onlinebuchversand amazon und bol das fürchten lernen. durch börsenübertreibung wurden für einen 5,- euro anteil 27,- euro in die kassen gespült. die kapitalrücklage betrug annähernd 20 mio. euro.

und was ist aus der AG geworden???

nach fast einem jahr erkannte man, das die geschäftsidee nicht fruchten wird und so nicht funktioniert. freundlicher weise hat die hauptversammlung der liquidation zugestimmt und es wurden in der tat noch 7,50 euro (oder so) für den 5,- euro anteil zurückgegeben…

was sagt uns das? geld alleine macht noch keine idee.

im übrigen ist meine todsünde:

das die wenigsten existenzgründer eine liquditätsplanung für die kommenden jahre aufstellen. meistens stehen am ende von schicken plänen immer x.000,- gewinn. aber was ist mit den gewinnunwirksamen darlehenstilgungen? wovon wird dann noch die krankenversicherung bezahlt? manche verwechseln leider „gewinn lt. bwa“ mit „nettolohn“ aus altem beschäftigungsverhältnis.

und dann ist das jammern gross, der laden läuft solala an aber trotzdem ist kein geld in der kasse?!

das sagt

der showbee

Hi Showbee,

ja! Unlängst saß ich in einem sonnigen Hof auf einem Gullydeckel mit einer angehenden Gründerin. Sie erzählte mir von ihren Plänen, und ich hab geschwiegen. Viel gibt es ja nicht zu sagen, wenn eine Unternehmerin in spe nicht zwischen Einnahmen, Gewinn und demjenigen Geld zu unterscheiden weiß, das sie sich selber auszahlen will.

Grüsse
Anna

Pläne der Existenzgründer
Wenn ich immer so höre, was Existenzgründer so alles vorhaben, schlackern mir die Ohren: Personal, IPO, Kredite, Expansion usw.

Sowohl mein Mann als auch ich haben ganz klein angefangen, ohne Personal, ohne Kredite. Gegründet nur auf zwei Tatsachen, dass 1. wir fachlich gut sind und daher echte Qualität liefern. Und 2. unsere Leistungen nachgefragt sind.

Nach und nach sind wir dann so reingewachsen. Welcher Kraftakt es allein war, geeignete Geschäftspartner zu finden - Junge, Junge.

Ich verstehe es nicht, wenn Gründer gleich hoch hinaus wollen, sich dicke Büros mieten und Leute einstellen. Freilich geht es nicht überall so wie bei uns, aber ich glaube, die meisten Gründer unterschätzen einfach, welche Arbeitsbelastung auf sie zukommt und dass sie sich um alles selber kümmern müssen. Von der Aquise bis zum kaputten Drucker. Ein gutes Beispiel eines solchen „Unternehmers“ ist der gallige Artikel eines gescheiterten Hoteliers in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Brand 1“.

Grüsse
Anna

Hallo Anna,

Du magst ja bei vielen Gründungen (vor allem im reinen Beratungssektor) recht haben, aber wenn Du Maschinen, Hardware, Softwarepakete o.ä. brauchst, um Dein Unternehmen in Gang zu setzen, sind ad 1) sehr schnell Deine privaten Mittel aufgebraucht und ad 2) irgendjemand muß Dein Equipment auch bedienen.
Wenn Du selber auf Werbetour bist (kann schnell 1 Person vollständig auslasten), muß ja irgendjemand den hoffentlich bereits erhaltenen Auftrag auch ausführen. Außerdem muß man in manchen Sektoren schlicht und ergreifend eine gewisse kompetente(!) Kapazität zur Verfügung stellen können, um überhaupt für seine (Industrie-)Kunden interessant zu werden. Was passiert, wenn Du Deine (zukünftigen) Kunden heiß gemacht hast und dann, wenn der Auftrag kommen könnte, Du sagen mußt: „sorry, in 8 Wochen habe ich vielleicht wieder Zeit“, brauche ich jetzt wohl nicht zu schildern.
Also werde ich zu einer Bank dackeln, um mehrere Arbeitsplätze ausrüsten zu können, werde Mitarbeiter anwerben und das Risiko hoher Fixkosten und hoher Anlaufverluste auf mich nehmen, um dann hoffentlich nach 6 Monaten den großen Auftrag abstauben zu können.

Kann gutgehen, kann schieflaufen… Aber Du hattest wenigstens die Chance, mehr als nur Hiwi-Aufgaben zu bekommen.

Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen,

es ist kein Problem, für z. B. ein CNC-Bearbeitungszentrum eine Viertel Mio € auszugeben. Das Ding muß mindestens im 2-Schicht-Betrieb laufen, um sich zu rechnen. Alleine dafür braucht man 3 Leute, wenn es keinen Stillstand durch Urlaub und Krankheit geben soll. Oder ein Elektronik-Betrieb. Mit ein bißchen Entwicklung und Fertigung kommt schnell eine Einrichtung in der Mio-Größenordnung zusammen und Personal ohne Ende.

Wer sich selbständig macht und alle Kosten kennt; auch weiß, wie viele taube Nüsse am Arbeitsmarkt nur darauf warten, für viel Geld rein nichts zu erwirtschaften und trotzdem mit dem Prinzip Hoffnung Leute einstellt, spielt russisches Roulette. Wer wegen eines Auftrages eines einzigen Kunden größere Investitionen tätigt und dafür auch noch Kredite aufnimmt, ist kein Existenzgründer, sondern einfach nur ein miserabler Kaufmann. Nur Spieler gehen so vor. Wer auf die schnelle Mark hofft, nur Hopp oder Top kennt, nur Sekt oder Selters, der hofft auf den schnellen Aufstieg. Meistens gehts aber nur in die Hose.

Ein bißchen mehr Phantasie ist schon gefragt, um Marktsegment, Tätigkeitsfeld und vorhandene Mittel unter einen Hut zu bringen. Ganz klar, daß dann nicht alles geht. Aber man bleibt unabhängig, ist nicht auf Gedeih und Verderb auf Bankmenschen angewiesen und hat letztlich die weitaus größere Chance, eine dauerhaft tragfähige Existenz aufzubauen, als derjenige, der seinen Betrieb auf Pump aus dem Boden stampft.

Gruß
Wolfgang

naja, ich weiß schon - Ihr habt ja recht. Mir ging es eher um die unterschätzte Arbeitsmenge und das lustige Spektrum an Dingen, mit denen man sich auf einmal beschäftigen muss - manchem Gründer wird das schnell zuviel. Wie sich etwa der Hotelier beschwert: Aushilfe krank, Gast möchte Schneehöhe wissen und dann ist auch noch die Sauce hollandaise aus. das war dem guten Masnn zuviel. Ich kann da nur den Kopf schütteln.

Grüsse
Anna

Hallo Wolfgang,

selbst für einen Engineering-Dienstleister ist es kein Problem, ähnliche Summen in Soft- und Hardware zu investieren…

Es geht mir auch nicht um 1 großen Auftrag, es geht darum, überhaupt die Möglichkeit zu haben, für größere Aufträge interessant zu werden. Wenn ich nur 1 System inkl. Mitarbeiter zur Verfügung habe, kann ich vielleicht beim Mittelständler nebenan mitspielen, aber den Auftrag des Konzerns kann ich mir abschminken… Nur daß ich für die Werbung des Kleinauftrags beim Mittelständler eher mehr Aufwand habe, als in der Angebotsphase beim Konzern.

Natürlich kannst Du immer argumentieren: Hol Dir freie Mitarbeiter an Bord, leih Dir die Systeme bei Bedarf… Nur habe ich in meinem Segment festgestellt: Die Standardfrage eines Kunden ist: Wieviel Kapazität können Sie mir flexibel zur Verfügung stellen. Geschwindigkeit ist hier das A und O… Ich habe schon lukrative Aufträge verloren, weil ich eben 3 Tage gebraucht habe, um mein Paket zu schnüren.
Außerdem läufst Du dabei immer Gefahr, daß die Konkurrenz Dir Deine Kunden wegschnappt, wenn Du sie ins Boot holst. Fachliche Ergänzung ist schön, kapazitive Ergänzung hoch gefährlich…
Und weiterhin: Wenn ich als Berater kompetent sein will, muß ich mir mein Stamm-Know-How sichern. Freie Mitarbeiter sind hier brandgefährlich…

Grüße
Jürgen

Wieviel Kapazität können Sie mir flexibel
zur Verfügung stellen.

Hallo Jürgen,

genau das meine ich, wenn ich von der erforderlichen Phantasie rede. „Flexible Kapazität“ kann der Alleinunterhalter nicht oder nur sehr schwer zur Verfügung stellen. Er kann sich keinen Mitarbeiter leisten, der wg. Auftragsmangel wochenlang in der Nase bohrt. Daraus resultiert die klare Folgerung: Solche Aufträge darf man eben nicht akquirieren.

Ich spiele dieses Spielchen jetzt im 20sten Jahr. Ich müßte schon einige Zeit überlegen, wenn ich einen Kunden nennen sollte, der nicht zu den größten Unternehmen dieses Landes gehört. Früher glaubte ich auch an die Notwendigkeit von „Vorhalten von Kapazität“. Dabei macht man dann genau das, was der Großbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen nicht kann und nicht will. Lasse Dir bitte nicht von Angestellten großer Firmen dummes Zeug einreden. Wenn man diese Leute nur lässt, verlangen sie alles Mögliche und Unmögliche und machen selbst pünktlich Feierabend. Natürlich gibt es Gelegenheiten, wo man Feuerwehr spielen muß, wo 24 Stunden am Tag nicht reichen, wo man gerne delegieren möchte, wenn es nur ginge. In aller Regel aber, wenn man nicht gerade eine Feld-, Wald- und Wiesendienstleistung nur über Preis und Geschwindigkeit unter die Leute zu bringen hat, müssen sich die Vertragspartner eben über den irgend passenden Zeitpunkt einigen. Wenn sie die Leistung /das Produkt brauchen und nicht an jeder Ecke bekommen, stellen sich auch die ganz Großen brav in die Reihe. Und sie zahlen sogar prompt innerhalb von 10 bis 14 Tagen - nix mit 6 Wochen oder gar mehr.

Immer Gewehr bei Fuß und sogar noch mit Reserve - Du machst Dich damit zum Affen. Den Auftraggeber interessiert es einen Scheißdreck, wie Du solche Reserve finanzierst. Ich weiß aus eigener bitterer Erfahrung, daß personelle Reserven wirtschaftlich nicht darstellbar sind und daß Zeiten der Vollauslastung nie reichen, um den sicheren Leerlauf zu überbrücken. Ohne diese Einsicht mußt Du an Aufträgen herein holen, was immer geht, nimmst die Überlast permanent in Kauf, weil die geringe Auslastung das Genick bricht. Das gibt das typische Bild des (zu) schnell wachsenden Betriebes, der aber anfällig ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwindet.
Von den erwähnten Not- und Feuerwehrfällen abgesehen, akzeptieren es auch VW oder Siemens, Opel oder Daimler-Chrysler, ABB oder Bosch, die Bahn, die PTB oder wer auch immer, wenn man erst in 8 Wochen zur Bearbeitung und/oder Lieferung kommt. Das ist nämlich auf so vielen Gebieten das Normalste der Welt. Wenn z. B. ein Halbleiter erst in einem Vierteljahr zu haben ist, weil die Charge vorher nicht zu produzieren ist, kann sich Herr Schremp persönlich auf den Kopf stellen und ein Lied anstimmen, es wird nichts nützen. Wenn eine spezielle Glasfaser erst gezogen werden muß … wenn die Testphase der Software eben dauert - oder will der Kunde lieber ungetestetes Zeug? Oder wenn das Hin- und Herfahren nur des Temperaturbereichs schon ein paar Tage dauert … oder eine Prüfhalle frei sein muß … oder… oder… . Dann sollen die Herrschaften ihr Zeuchs eben rechtzeitig bestellen und alles wird gut.

Weshalb hat ein Auto, dessen Produktion nur ein paar Stunden dauert, eine Lieferzeit von Monaten? Weil sich der Hersteller alles leisten kann, nur keine Überkapazität. Das kannst Du Dir als kleiner Krauter erst recht nicht leisten. Also laß es!

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

meine Kunden sind Gott sei Dank bereit, für meine vorgehaltene Überkapazität zu zahlen (rel. hoher, durchaus durchsetzbarer Tagessatz), um schnell und flexibel Ihre eigenen Projektfehlleistungen ausgeglichen zu bekommen. Und sie sind keinesfalls bereit, auf mich 8 Wochen zu warten, da ihre (internen wie externen) Kunden es ebenfalls nicht sind (inkl. Konventionalstrafe) und der Wettbewerb nicht schläft. So einmalig bin ich leider nicht und werde es auch nie sein.

Jedem sein Metier und jedem seine Strategie, mit der er glücklich wird… Ich denke nicht, daß man im Geschäftsleben platt verallgemeinern sollte.

Gruß
Jürgen