Hallo,
Ja, dieses Problem hatte schon der gute alte Alexis de Tocqueville („Über die Demokratie in Amerika“ 1835), als er die amerikanische Demokratie nach Frankreich übertragen wollte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alexis_de_Tocqueville
Grundsätzlich muss man bei diesen „Übersetzungen“ immer beachten, dass sich politische Werte in den USA deutlich anders entwickelt haben, als in Europa. Daher haben auch Wörter wie „Liberal“ oder „Konservativ“ andere Bedeutungen. Du wirst wahrscheinlich bei diesem Thema schnell an Grenzen stoßen, wenn du dich nicht in den Wertekontext der USA eindenkst. Übrigens ist das Buch von Tocqueville ganz nett zum lesen, falls du an einer historischen Version interessiert bist.
So werden ja bekanntlich die Demokraten auch „liberals“
genannt und die Republikaner „conservatives“ - wenn ich das
übersetze und auf das deutsche System übertrage komme ich auf
die „Liberalen“ (+/- FDP) und und die „Konservativen“ (+/- CDU
im dt. System). Diese Übersetzung scheint sich aber so gar
nicht mit der Realität zu decken.
Mir wurde von mehren Leuten versichert, dass die Konservativen
normalerweise eine Verkleinerung des Staatsapparates wollen
(von der aktuellen Erweiterung im Rahmen der Homeland Security
mal abgesehen), wohingegen die Liberals eine Ausdehnung der
staatlichen Regulierung anstreben. Das deckt sich ja nicht so
ganz mit der Politik hierzulande (Liberale die mehr
staatlichen Einfluss wollen??).
Der Liberalismus im europäischen Denken schränkt den Staat auf ein Minimum ein, um die persönliche Bürgerfreiheit (=Kern des Liberalismus) zu schützen. Im Programm der FDP finden sich das auch zum Teil noch wieder.
Bei den „Konservativen“ ist das etwas schwieriger. Erstmal sagt ihr Name nur, dass sie etwas erhalten wollen. Hier gibt es zwei häufige Varianten, die auch oft in Mischformen auftreten. Die einen Konservativen sind weitgehend liberal (in der obigen Bedeutung), den Anderen hängt eher ein organisches Gesellschaftsbild (Individuum ist Teil des Volkskörpers) an. Letztere haben kein Interesse den Staat einzuschränken.
Jetzt kannst du Anfangen damit, dass die Konservativen der USA eine Gesellschaftsform „erhalten“ wollen, die schon radikal-liberal war. Daher sind in unserem Sinne liberale Positionen bei den US-Konservativen zu finden. Der Ausdruck „liberal“ hat in den USA eine andere Bedeutung bekommen (unter anderem als Schimpfwort) und daher kommt diese Verwirrung. Aber das ist alles etwas platt.
Am besten vergisst du diese ganzen Etiketten, wie Liberal und Konservativ und vergleichst das Menschenbild und die politischen Grundsätze.
Nun aber zu dem lieben Herrn Bush jr.: Dieser republikanische Präsident ist wirklich sehr unüblich. Typischerweise sind republikanische Präsidenten sehr Washington-Kritisch (gerade die aus den Südstaaten wie Texas) und fahren die Kompetenzen des Zentralstaates eher zurück. Bush jr. hingegen macht genau das Gegenteil, was viel Verwirrung auslöst. Derzeit gibt es eine Debatte darüber, ob das nur ein sonderlicher Präsident ist, oder die Republikaner sich insgesamt wandeln.
Bitte keine wertenden Kommentare oder subjektiven Meinungen -
einfach eine objektive und distanzierte Einschätzung. Ich bin
auf der Suche nach solch einer klaren Information schon halb
verzweifelt, weil die Leute wenn sie Amerika und Republikaner
hören immer in Haßtiraden gegen Bush verfallen ohne auch nur
im Ansatz auf die eigentliche Problemstellung einzugehen. -
Ihr seid meine letzte Hoffnung 
Ich hoffe wir enttäuschen dich nicht
. Ich kann dich allerdings gut verstehen, es ist (auch leider oftmals hier) kaum noch möglich sinnvoll über US-Politik zu reden.
Vielen Dank im Vorraus! OSU
Viele Grüße,
Hannes