Die amerikanischen Parteien

Hallo zusammen!

Ich habe einige gute Freunde in Amerika und diskutiere auch gerne mit ihnen über politische Themen. Dabei stoße ich jedoch immer wieder auf Ungereimtheiten, die nicht mit dem zusammenpassen was ich über Politik weiß.
So werden ja bekanntlich die Demokraten auch „liberals“ genannt und die Republikaner „conservatives“ - wenn ich das übersetze und auf das deutsche System übertrage komme ich auf die „Liberalen“ (+/- FDP) und und die „Konservativen“ (+/- CDU im dt. System). Diese Übersetzung scheint sich aber so gar nicht mit der Realität zu decken.
Mir wurde von mehren Leuten versichert, dass die Konservativen normalerweise eine Verkleinerung des Staatsapparates wollen (von der aktuellen Erweiterung im Rahmen der Homeland Security mal abgesehen), wohingegen die Liberals eine Ausdehnung der staatlichen Regulierung anstreben. Das deckt sich ja nicht so ganz mit der Politik hierzulande (Liberale die mehr staatlichen Einfluss wollen??).

Meine Frage ist nun: wo stehen die amerikanischen Parteien nach deutschen Verhältnissen?

Bitte keine wertenden Kommentare oder subjektiven Meinungen - einfach eine objektive und distanzierte Einschätzung. Ich bin auf der Suche nach solch einer klaren Information schon halb verzweifelt, weil die Leute wenn sie Amerika und Republikaner hören immer in Haßtiraden gegen Bush verfallen ohne auch nur im Ansatz auf die eigentliche Problemstellung einzugehen. - Ihr seid meine letzte Hoffnung :smile:

Vielen Dank im Vorraus! OSU

So werden ja bekanntlich die Demokraten auch „liberals“
genannt und die Republikaner „conservatives“

das betrifft den gesellschaftspolitischen aspekt! wirtschaftspolitisch sind die republikaner die liberalen, bzw. die liberalerEREN, denn eine sozialistische partei gibt es nicht.

Mir wurde von mehren Leuten versichert, dass die Konservativen
normalerweise eine Verkleinerung des Staatsapparates wollen
(von der aktuellen Erweiterung im Rahmen der Homeland Security
mal abgesehen), wohingegen die Liberals eine Ausdehnung der
staatlichen Regulierung anstreben. Das deckt sich ja nicht so
ganz mit der Politik hierzulande (Liberale die mehr
staatlichen Einfluss wollen??).

richtig. weil gesellschaftspolitischer und wirtschaftspolitischer aspekt vermischt werden.

genaueres siehe

www.politicalcompass.org

Meine Frage ist nun: wo stehen die amerikanischen Parteien
nach deutschen Verhältnissen?

democrats: etwas weiter links von der fdp. das betrifft sowohl wirtschaftspolitisch als auch gesellchaftspolitisch. es gibt keine wirklichen linken parteien bzw. sind diese nicht relevant.

republicans: gibts keine entsprechung. ich kenne keine europaeische partei, die ein amerikanisches wirtschaftssystem anstrebt, plus gesellschaftspolitisch konservativ ist. linksliberale gibt es zwar, aber keine wirklichen rechtsliberalen wie die republicans.

gruss
dataf0x

Die Amerikaner sehen sich ab und an
manchmal nach mehr
(Sozial(versicherungs)) Staatswesen,
so wie in Europa, ja so nach ner richtigen
Vollversorgung, wie hier.
Es ist doch sehr mühsam, sich um alles
selbst zu kümmern oder der Firma
(wenn sie dann bei einer grossen arbeitet)
zu vetrauen.
Kinder grossziehen, Uniausbildung, Alterssicherung.
Manchmal sprechen demokratische Präsidentschaftskandidaten
davon, wenn es dann losgehen soll machen sie es doch nicht,
dann fällt ihnen wieder ein, zu welchen Sackgassen
sich das alles scheinbar entwickelt hat, gerade in
Deutschland. Sie spenden und stipendieren lieber ein bisschen.

Den Republikanern kommt sowas gar nicht in den Sinn,
sie sagen, dass sie Lebensminimumsjobs nachhaltig steuerfrei
machen wollen, was sollen die Demokraten also sonst für eine politische Position besetzen, als doch mal sowas zu versuchen,
ansonsten ähneln sich beide sehr.

Eigenfinanzierung des Studiums
sind dort aber lohnender als
mittlereile die statliche hier.

Hallo,

Ja, dieses Problem hatte schon der gute alte Alexis de Tocqueville („Über die Demokratie in Amerika“ 1835), als er die amerikanische Demokratie nach Frankreich übertragen wollte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alexis_de_Tocqueville

Grundsätzlich muss man bei diesen „Übersetzungen“ immer beachten, dass sich politische Werte in den USA deutlich anders entwickelt haben, als in Europa. Daher haben auch Wörter wie „Liberal“ oder „Konservativ“ andere Bedeutungen. Du wirst wahrscheinlich bei diesem Thema schnell an Grenzen stoßen, wenn du dich nicht in den Wertekontext der USA eindenkst. Übrigens ist das Buch von Tocqueville ganz nett zum lesen, falls du an einer historischen Version interessiert bist.

So werden ja bekanntlich die Demokraten auch „liberals“
genannt und die Republikaner „conservatives“ - wenn ich das
übersetze und auf das deutsche System übertrage komme ich auf
die „Liberalen“ (+/- FDP) und und die „Konservativen“ (+/- CDU
im dt. System). Diese Übersetzung scheint sich aber so gar
nicht mit der Realität zu decken.
Mir wurde von mehren Leuten versichert, dass die Konservativen
normalerweise eine Verkleinerung des Staatsapparates wollen
(von der aktuellen Erweiterung im Rahmen der Homeland Security
mal abgesehen), wohingegen die Liberals eine Ausdehnung der
staatlichen Regulierung anstreben. Das deckt sich ja nicht so
ganz mit der Politik hierzulande (Liberale die mehr
staatlichen Einfluss wollen??).

Der Liberalismus im europäischen Denken schränkt den Staat auf ein Minimum ein, um die persönliche Bürgerfreiheit (=Kern des Liberalismus) zu schützen. Im Programm der FDP finden sich das auch zum Teil noch wieder.
Bei den „Konservativen“ ist das etwas schwieriger. Erstmal sagt ihr Name nur, dass sie etwas erhalten wollen. Hier gibt es zwei häufige Varianten, die auch oft in Mischformen auftreten. Die einen Konservativen sind weitgehend liberal (in der obigen Bedeutung), den Anderen hängt eher ein organisches Gesellschaftsbild (Individuum ist Teil des Volkskörpers) an. Letztere haben kein Interesse den Staat einzuschränken.

Jetzt kannst du Anfangen damit, dass die Konservativen der USA eine Gesellschaftsform „erhalten“ wollen, die schon radikal-liberal war. Daher sind in unserem Sinne liberale Positionen bei den US-Konservativen zu finden. Der Ausdruck „liberal“ hat in den USA eine andere Bedeutung bekommen (unter anderem als Schimpfwort) und daher kommt diese Verwirrung. Aber das ist alles etwas platt.
Am besten vergisst du diese ganzen Etiketten, wie Liberal und Konservativ und vergleichst das Menschenbild und die politischen Grundsätze.

Nun aber zu dem lieben Herrn Bush jr.: Dieser republikanische Präsident ist wirklich sehr unüblich. Typischerweise sind republikanische Präsidenten sehr Washington-Kritisch (gerade die aus den Südstaaten wie Texas) und fahren die Kompetenzen des Zentralstaates eher zurück. Bush jr. hingegen macht genau das Gegenteil, was viel Verwirrung auslöst. Derzeit gibt es eine Debatte darüber, ob das nur ein sonderlicher Präsident ist, oder die Republikaner sich insgesamt wandeln.

Bitte keine wertenden Kommentare oder subjektiven Meinungen -
einfach eine objektive und distanzierte Einschätzung. Ich bin
auf der Suche nach solch einer klaren Information schon halb
verzweifelt, weil die Leute wenn sie Amerika und Republikaner
hören immer in Haßtiraden gegen Bush verfallen ohne auch nur
im Ansatz auf die eigentliche Problemstellung einzugehen. -
Ihr seid meine letzte Hoffnung :smile:

Ich hoffe wir enttäuschen dich nicht :smile:. Ich kann dich allerdings gut verstehen, es ist (auch leider oftmals hier) kaum noch möglich sinnvoll über US-Politik zu reden.

Vielen Dank im Vorraus! OSU

Viele Grüße,

Hannes

Vielen Dank für die Antworten, die helfen mir schon sehr weiter.

In der Tat ist es wohl nicht möglich europäische und amerikanische Politik direkt zu vergleichen, bzw. mit gleichen Maßstäben zu messen. Die Grundlangen für die vorhandenen Gegensätze finden sich mit Sicherheit in der Geschichte, daher werde ich mich auch mal etwas intensiver mit Herrn Tocqueville auseinandersetzen - ein 9€ Reclam Heft ist in jedem Fall eine gute Investition in die Allgemeinbildung (komisch, in der Schule hab ich die Teile immer gehasst :wink:

Deutlichstes Beispiel für die auseinanderentwickelte Politik sind wohl die Erfahrungen aus der Geschichte: bei den Deutschen spiegelt sich das in großer Furcht vor einer nationalistischen Politik wieder, wohingegen die Amerikaner in höchstem Maße darauf bedacht sind eine Politik zu fahren, die keinesfalls als kommunistisch bezeichnet werden kann.

Aus solchen Unterschieden rührt dann auch das bisweilen auftretende Unverständnis dem Anderen gegnüber. Mir fällt dabei die Analogie der berühmten Gegensätzlichkeit zwischen Hund und Katze ein: Beide haben im Grunde überhauptnichts nichts gegeneinander, sie deuten nur allzu oft die Signale des anderen falsch…
Daher bleibt mir an dieser Stelle auch nicht viel mehr zu sagen als nocheinmal die Sachlichkeit der Kommentare zu loben und jeden Leser aufzufordern sich selbst auch mal die Mühe zu machen zu versuchen die Unterschiede zu begreifen.
Ich selbst hatte auch eine relativ gefestigte Einstellung gegenüber Amerika und habe erst durch meine Freunde dort - von denen einige überzeugte Republikaner, andere wiederum glühende Demokraten sind, aber alle gute Freunde untereinander - das Land mit anderen Augen gesehen.

OSU

Hallo Osu,

schön dir geholfen zu haben.
Zum Herrn Tocqueville würde ich dir gerne noch einen Rat geben: Wenn du „Über die Demokratie in Amerika“ ließt, dann behalte im Hinterkopf, dass der Mann Franzose ist. Er schreibt zur Zeit der französichen Revolution und hofft in der amerikanischen Demokratie eine Lösung für Frankreich zu finden. Dabei übersieht er oftmals, dass die amerikanische Gesellschaft nicht identisch, oftmals sogar der französischen sehr unähnlich ist.
Dies führt dazu, dass viele Amerikaner bis heute das Bild Tocquevilles von Amerika für schlichtweg falsch halten. Deshalb ist dieses Buch mit Vorsicht zu genießen, da man halt auch zwischen den Zeilen lesen muss.

Ich schicke dir per email einen Auszug aus einem Referat, das ich vor einem Jahr über Tocqueville gehalten habe. Das wird dir hoffenlich beim Lesen helfen.

Viele Grüße,

Hannes

zwei bedenkswerte Aspekte
Hallo OSU

bitte bedenke auch, dass schon der Begriff „Partei“ auf diese Wahlbündnisse nicht anwendbar ist. Auch ist ein klassischer Südstaaten-Demokrat nicht so „liberal“ wie ein Ostküsten-Republikaner.

Aber manchmal muss man eben mit dem Pinsel über solche Differenzen wischen, um überhaupt etwas zu verstehen. Ich erinnere dazu an den Begriff „föderal“, der für Anglo-Amerikaner „zentral“ bedeutet.

Viele Grüße,
Andreas