Hallo!
Vor etwas über einem Monat hatte ich einen Auffahrunfall. Mir ist auf der Autobahn bei relativer geringer Geschwindigkeit (der Airbag ging nicht mal auf) jemand hinten drauf gefahren und hat mich auf meinen Vordermann geschoben. Es ist niemandem etwas passiert, aber zwei der drei beteiligten Autos waren Totalschaden. An dem Abend konnte ich kein Auto mehr fahren, mir haben die Beine gezittert, als ich von der AB runter in die Stadt gefahren bin. Einen Mietwagen habe ich dankend abgelehnt, habe die restlichen Kilometer mit dem Zug hinter mich gebracht (waren noch 200). Drei Tage später musste ich erstmals wieder mit einer Mitfahrgelegenheit die gleiche Strecke zurücklegen. Seither fährt die Angst mit. Ich fahre mit wechselnden MFGs, wobei ich mittlerweile extra nach Frauen schaue, da die meiner Erfahrung nach weniger dicht auffahren. Dennoch „bremse“ ich unwillkürlich mit, wenn auch nur 500m vor mir ein rotes Licht erscheint. Alles verkampft sich. Ich kriege schweißnasse Hände, die dann kalt werden und erst wieder auftauen, wenn ich sicher am Ziel angekommen bin. Mir stemmen sich die Beine in den Boden, ich höre kurzzeitig auf zu atmeen. Wenn die Situation so ist, dass jemand kurz vor uns rausschert oder der Fahrer dicht auffährt (selbst bei geringen Geschwindigkeiten), kriege ich einen Adrenalinschock, wobei danach alles in mir zusammensackt, es mir schwarz vor Augen wird und sich für ein paar Minuten alles dreht. Bei der Fahrt gestern habe ich mich sehr darauf konzentriert, nicht mitzubremsen, und einige Male dachte ich, jetzt hätte ich es geschafft, bis ich dann merkte, dass ich mal wieder atmen müsste. Ich kann die Augen zumachen und mich schlafend stellen - dann schrecke ich hoch, sobald ich auch nur merke, dass der Fahrer vom Gas geht. Ich kann mir einreden, dass der Fahrer schon lange unfallfrei fährt, warum sollte heute etwas passieren - es bringt nichts.
Ich fühle mich der Situation hilflos ausgeliefert. Ich habe das Gefühl, in mein Verderben zu schauen, wenn ich vor mir Autos sehe. Meine größte Angst ist jetzt, dass sich das auf mein eigenes Fahren überträgt. Im Moment bin ich auf der Suche nach einem neuen Auto. Seit dem Unfall bin ich erst zweimal wieder gefahren, beides Male mit unbekannten Autos in unbekannten Regionen - es ging ganz gut. Aber es war nur Stadt und ic habe gemerkt, dass selbst rote Ampeln mich nervös machen. Mich stört nicht das, was hinter mir ist, sondern das, was vor mir passiert. Beim letzten Mal habe ich richtig reagiert und dennoch war ich dem Aufprall machtlos ausgeliefert. Ich habe Angst und Panik, bin fix und fertig, wenn ich in ein Auto und aus einem Auto steige, aber ich bin halt darauf angewiesen. Ich muss jede Woche diese 500km fahren, es geht nicht anders. Zug ist keine Alternative.
Also bleibt mir ja nichts anderes übrig, als an dieser Situation zu arbeiten. Was gibt es für Techniken, die es mir als „traumatisierten“ Mitfahrer erleichtern, mit der potentiellen Gefahr, gegen die ich nichts machen kann, umzugehen? Und vor allem: Wie vermeide ich es, dass die Angst mein eigenes Fahren beeinflusst. Ich fahre v.a. Autobahn und ich denke, dass es recht gefährlich ist, wenn ich jedesmal bremse, sobad ein rotes Licht erscheint. Was kann ich selbst tun, an wen kann man sich evt. helfend wenden?
Danke und liebe Grüße,
die Sonne
