Die Angst lässt mich nicht in die Klinik kommen

Hallo liebe Wissenden,

ich leider seit einigen Jahren unter ein ziemlich starken Angsterkrankung. Ich war bereits bei einigen Psychologen ambulant in Behandlung, Erfolg war nur sehr mäßig. Mittlerweile verlasse ich das Haus kaum noch. Nur wie soll mir geholfen werden, wenn ich es nichtmal schaffe, 200 Meter von zu Hause wegzukommen, weil mich dann die Angst übermannt. Es wurde doch schon vielen Angstpatienten in Kliniken geholen. Nur wie kamen die schlimmen fälle wie ich einer bin dort überhaupt hin, zur Klinik? Der Wille bei mir, dass sich etwas ändern muss ist auf jeden fall vorhanden. Werden solche „Problemfälle“ dann zum Transport in die Klinik mit Valium halb tot gespritzt oder wie sind da die medikamentösen möglichkeiten? Ich will endlcih wieder mal frei leben und möchte dafür auch kämpfen. Nur wenn die Angst mich überkommt, dann bin ich jedesmal wieder ganz klein und Hilflos.

Vielleicht hat jemand von euch vor einem ähnlichen Problem gestanden? Oder kennt ihr Methoden und spezielle Medikamente, die mich auf dem Weg zur Klinik unterstützen können? Ich wäre sehr dankbar für jede Hilfe die ich bekomme. Vielleicht ist ja auch ein telefonischer Erfahrungsaustausch mit jemanden, der vor der gleichen Entscheidung steht möglich?

VIelen Dank für Eure hoffentlich zahlreichen Antworten.

Liebe Grüße
Christian

Hallo Christian,

wie wäre es, wenn du in der Klinik anrufst und deine Frage dort stellst?

LG Ralf E.

Als jemand mit Erfahrungen in genau diesem Bereich:

Man macht in der Regel einen Termin mit der Klinik bezüglich einer Behandlung solch einer Störung aus. Von dem wie sich es anhört ist es eine Agoraphobie. Man bekommt dann diesen Termin zugewiesen, wobei längere Wartezeiten (2-3 Wochen) üblich sind. In diesem Gespräch erklärt die Klinik die weiteren Modalitäten, sprich, wann man vorstellig wird (Vorstationäres Gespräch).

Wenn es - warum auch immer - nicht möglich ist selbst zu kommen, wird die Klinik eine Abholung mittels Krankenwagen in die Wege leiten. Das hierbei Sedativa, also beruhigende Medikamente, gespritzt werden ist unwahrscheinlich, zumal gegen den Willen des Patienten NIE eine medikamentöse Behandlung durchgeführt werden kann, es sei denn es ist ein akuter Notfall.

Es könnte sein, dass man Dir ein angstlösendes Medikament anbietet oder vorschlägt, das sollte das Problem des Transports lösen, oder die Klinik schickt jemanden mit, der quasi notfallmäßig interveniert.

Keine Klinik wird das Transportproblem NICHT ernst nehmen, und entsprechend vorkehrungen treffen.

Alles Gute weiterhin und viel Erfolg.

Danke für Eure Antworten

Erstmal: Ja, meine Diagnosen sind eine Generalisierte Angststörung Agoraphobie.

Das Problem ist ja auch nicht nur das Hinkommen, sondern auch dann das dort-sein. Für mich wäre es im Vergleich noch wesentlich Stressfreier privat zur Klinik zu fahren, da mir ein Krankenwagen noch mehr Angst macht :wink:.

Es ist auch nicht so, dass man mir gegen meinen Willen Medikamente einflösen müsste, viel mehr würde ich gerne wissen was es da an geeigneter Medikation gibt. Ich nehme schon seit einiger Zeit Cipralex, dass mindert zwar die Angst im Alltag etwas, schaltet sie aber in „Extremsituationen“ nicht ab. Es müsste etwas geben, mit dem ich über mehrere Wochen medikamentiert werden kann, ohne dass ich danach möglichst eine Abhängigkeit davon entwickelt habe oder - schlimmer noch - irgendwelche Körperlichen Leberschäden o. ä. davontrage. Unter ständiger Starker Panikreaktionen wäre doch außerdem eine ernsthafte Therapie meiner Meinung nicht möglich, da ich ständig zu sehr mit mir selbst beschäftigt wäre. Man könnte ja vielleicht auch schon einige Tage vor der Einweisung in die Klinik mit der Medikation beginnen?

Real gesehen weiß ich natürlich, dass mir nichts passieren wird. Wer jedoch wie ich das Gefühl der Todesangst in manchen Situiationen kennt, wird mir vielleicht meine Sorge gut nachempfinden können.

Es gab doch sicher schon häufig Fälle wie meinen, wo die Angst vor der Klinik so groß ist. Ich könnte mir auch kaum vorstellen in ein Krankenhaus zu gehen, wenn ich jetzt irgendwelche Körperlichen Leiden hätte. So hoffe ich doch hier jemanden zu treffen, der mir von einer ähnlichen, eigenen Erfahrung berichten kann.

Fakt ist auf jeden Fall, dass mein Leben so wie es jetzt ist, nicht weitergehen kann. Es müss sich etwas ändern, aber ich habe eben so eine rießen Angst vor der Methodik.

Deine Bedenken sind absolut nachvollziehbar.

Ich selbst bin Ex-Soziophobiker und kann das ständige Grübeln, die ständige Angst vor dem was alles in Beruf/Ausbildung/Privat passieren könnte, nicht nur verstehen sondern auch erlebt berichten. Auch Panikattacken sind mir nicht unbekannt.

Es müsste etwas geben, mit dem ich über mehrere Wochen medikamentiert werden kann, ohne dass ich danach möglichst eine Abhängigkeit davon entwickelt habe oder - schlimmer noch - irgendwelche Körperlichen Leberschäden o. ä. davontrage.

Medikamente können sehr wohl helfen, klar. Jedoch lösen sie das eigentliche Problem, welches sehr wahrscheinlich keine organische Ursache hat, nicht. Ein Medikament ohne begleitende Therapie zu nehmen ist, sagen wir es mal so, „riskant“. Der Klinikaufenthalt ist genau von diesem Standpunkt her sinnvoll.

Medikationen sollten immer mit einem Arzt abgesprochen werden, am besten sogar mit der in Frage kommenden Klinik. Ich könnte an dieser Stelle Medikamente nennen, aber ich weis, dass es die Klinik oder ein qualifizierter Nervenarzt (kein Hausarzt, da habe ich schon, sagen wir mal „erstaunliches“ im Umgang mit Psychopharmaka mitbekommen) besser können.

Es müss sich etwas ändern, aber ich habe eben so eine rießen Angst vor der Methodik.

Du hast bereits den wichtigen Schritt gemacht, eine Veränderung zu wollen. Das mag sich unbedeutend anhören, ist aber mehr als die meisten in deiner Situation schaffen würden.

Der Gedanke an die Methoden der Klinik, insbesondere der zweifelhafte Ruf den solche Institutionenen - zu unrecht - haben, ist natürlich bedrohlich. Aber wenn der Schritt erstmal gemacht ist, hast Du eine Chance, dass Du das Problem in den Griff bekommst. Wenn Du den Schritt nicht machst, könnte alles beim alten bleiben. Das sind die zwei Möglichkeiten.