Wiw war das eigentlich mit der Babylonischen Gefangenschaft? Wann war
sie? Vor oder nach der Versklavung der Hebräer in Ägypten? Wie kamen
die Hebräer eigentlich da raus?
Es grüßt Alexander, der sich auf ernsthafte Antworten freut.
Moin, moin Alexander,
Nach dem Tod des Salomo teilte Israel sich in das Nord- und das Südreich: Israel und Juda. Israel wurde schon 722 v. Chr. von den Assyrern erobert und unterworfen.
Juda betrieb eine „Schaukelpolitik“ zwischen Ägypten und Babylon; unter dem König Jojakim (608/07 - 598/97 v. Chr.) erboberte Nebukadnezar Jerusalem und ließ einen Teil der Bevölkerung (nach Jer 52, 28 insgesamt 3023 Personen) nach Babylon deportieren. Er setzte als neuen König Jojakims Onkel Mattanja ein und gab ihm den neuen Namen Zedekia - als Zeichen, daß er die Macht über ihn hatte.
Zedekia hielt einige jahre die Vasallentreue, doch unter dem Druck der öffentlichen Meinung und seiner Ratgeber begann Zedekia, mit Ägypten zu liebäugeln und kündigte dem Nebukadnezar das Vasallenverhältnis. Der ließ sich das natürlich nicht gefallen und begann einen neuen Feldzug gegen Juda (589 v. Chr). Am 29. Juli 587 eroberten die Babylonier dann Jerusalem.
Die Angehörigen der Oberschicht, die nach der ersten Deportation noch im Lande verblieben waren, wurden nun auch nach Babylon umgesiedelt.
Eine weitere Deportation folgte 582. Insgeasmt wurden (nach Jer 52, 28-30) 4600 Personen verbannt, also eine verhältnismäßig kleine Zahl. Der übergroße Teil der Bevölkerung blieb also im Lande, aber die entscheidenden Personen - Adel, Großgrundbesitzer, Facharbeiter - wurden nach Babylon deportiert.
539 besiegte der Perserkönig Kyros die Babylonier; die Perser behandelten die unterworfenen Völker sehr viel toleranter als die Babylonier, und 538 erließ Kyros ein Edikt, in dem er den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels und die Rückgabe des durch Nebukadnezar entführten Tempelinventars anordnete (Den Text findest Du in Esra 6, 3-5). Erst 515 allerdings konnte der neue tempel eingeweiht werden.
Im Zuge dieser Wiedergutmachung erlaubten die Perser den nach Babylon deportierten Juden die Rückkehr nach Judäa. Allerdings wissen wir nicht, wann und durch wen diese Erlaubnis erteilt wurde. Doch auf alle Fälle sind die ersten Rückwanderungen in der 1. Hälfte des 5. Jhdts v. Chr. erfolgt.
Gruß - Rolf
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Eroberung Jerusalems/Rückkehr aus Babylon
Hallo,
Ich hab da mal ne Frage:
Am 29. Juli 587 eroberten die Babylonier dann Jerusalem.
Kannst du mir Quellen nennen, aus denen du dieses genaue Datum er hast? Ich finde immer nur die Datierung 587/586 und war damit noch nie so richtig zufrieden.
Allerdings wissen wir nicht, wann und durch wen diese Erlaubnis
erteilt wurde
Da blicke ich auch noch nicht so recht durch. Was hat der Perserkönig Artaxeres I. mit der Mission Nehemias zu tun? So weit ich das verstanden habe ist Nehemia nach Jerusalem gesandt worden (von wem?) um die Stadt neu zu beleben (religiös wie politisch). Das gefiel dem Statthalter Samarias nicht (hatte er Angst um seinen Einfluss in Juda?), worauf er Artaxeras I. seine Sorgen mitteilte.
Was mich am meisten irritiert ist, warum Samarias Statthalter keinen Einfluss auf den Perserkönig ausübte und warum er gedacht hatte, diesen zu besitzen. Bei Esra lief das ja dann ähnlich ab…
Jedenfalls denke ich, dass die Erlaubnis, wieder zurückzukehren in irgend einer Art und Weise von Artaxeras I. gebilligt, wenn nicht sogar selbst von ihm erteilt wurde.
grüße
vastitas
Am 29. Juli 587 eroberten die Babylonier dann Jerusalem.
Kannst du mir Quellen nennen, aus denen du dieses genaue Datum
er hast? Ich finde immer nur die Datierung 587/586 und war
damit noch nie so richtig zufrieden.Allerdings wissen wir nicht, wann und durch wen diese Erlaubnis
erteilt wurdeDa blicke ich auch noch nicht so recht durch. Was hat der
Perserkönig Artaxeres I. mit der Mission Nehemias zu tun? So
weit ich das verstanden habe ist Nehemia nach Jerusalem
gesandt worden (von wem?) um die Stadt neu zu beleben
(religiös wie politisch). Das gefiel dem Statthalter Samarias
nicht (hatte er Angst um seinen Einfluss in Juda?), worauf er
Artaxeras I. seine Sorgen mitteilte.
Was mich am meisten irritiert ist, warum Samarias Statthalter
keinen Einfluss auf den Perserkönig ausübte und warum er
gedacht hatte, diesen zu besitzen. Bei Esra lief das ja dann
ähnlich ab…
Jedenfalls denke ich, dass die Erlaubnis, wieder
zurückzukehren in irgend einer Art und Weise von Artaxeras I.
gebilligt, wenn nicht sogar selbst von ihm erteilt wurde.
Lieber Vastitas,
das Datum für den Fall Jerusalems gibt Martin Metzger, Grundriß der Geschichte Israels, auf S. 137 so präzise an; Martin Noth in „Geschichte Israels“ schreibt auf S. 258 nur allgemein vom Juli 587.
Nun zu dem anderen: Nehemia wurde in der Tat im 20. Jahr des Artaxerxes (465-424 v. Chr.), also 445 v. Chr., von Artaxerxes selbst mit königlichen Vollmachten nach Jerusalem geschickt. Im Nehemiabuch sind ja die Memoiren des Nehemia erhalten.
Juda war bis dahin keine selbständige Provinz, sondern wurde von dem Satrapen in Samaria mitverwaltet. Es ist natürlich unmittelbar einsichtig, daß dieser, zu der Zeit Sanballat, dies nur höchst ungern sah. Würde Juda nun als eigene Provinz konstituiert, wäre sein Machtbereich erheblich geschmälert worden. Er tat sich darum mit Tobia, dem Statthalter des Ostjordanlandes, zusammen. Sie planten einen gemeinsamen Überfall auf das noch nicht wieder befestigte Jerusalem, doch Nehemia organisierte ein Warnsystem und hielt einen Teil der Bauarbeiter in ständiger Alarmbereitschaft (Neh. 4). Auch der Plan, Nehemia zu beseitigen, und der Versuch, ihn bei Artaxerxes zu diskreditieren, mißlang. So wurde der Mauerbau in 52 Tagen vollendet.
Jerusalem war nun wieder Statthalter-Residenz, politisches Zentrum und kultischer Mittelpunkt Judas.
Über Esra wissen wir erheblich weniger, denn nur der in Esra 7, 12-26 erhaltene Erlaß ist ein Originaldokument; alles andere ist sehr viel später niedergeschrieben worden und es ist äußerst zweifelhaft, daß der Verfasser noch andere ursprüngliche Nachrichten zur Verfügung hatte.
Wenn es sich bei dem Artaxerxes von Esra 7,11 um A., den I. handelt, dann hat Esra seinen Auftrag in dessen letzten Regierungsjahren erhalten. Aber die zweitliche Verhältnisse sind noch nicht vollständig geklärt.
Gruß - Rolf
danke
Hallo Rolf,
danke für die Informationen.
Über Esra wissen wir erheblich weniger, denn nur der in Esra
7, 12-26 erhaltene Erlaß ist ein Originaldokument; alles
andere ist sehr viel später niedergeschrieben worden und es
ist äußerst zweifelhaft, daß der Verfasser noch andere
ursprüngliche Nachrichten zur Verfügung hatte.
Ich habe mich auch noch etwas weiter informiert und bin dann ebenfalls auf das Dokument Esra 7,12-26 gestoßen. In meiner Bibelkunde wird dieser Text Artaxerxes zugeschrieben, der damit die Mission von Esra legitimiert. Als Indiz wird hier die häufige Gottesbezeichnung „Gott des Himmels“ angesprochen, die offenbar die Nähe zur persischen Gottheit Ahura Mazda betonen soll. Mehr steht dazu aber dann auch nicht.
Naja, wie gesagt. Vielen Dank für die Informationen! Auch wenn vieles äußerst schwierig nachvollziehbar ist, interessiert mich der Hintergrund dieser Bücher ungemein.
Grüße
vastitas