Die Regeln, wann man eine lateinische Silbe betont sind mir mehr oder weniger bekannt, was mich interessiert ist einfach wie man denn nun eine lateinische Silbe betont. Verwendet man einen anderen Ton, wenn man eine Silbe betont, während man die anderen Silben in einem einheitlichen Ton spricht ? Und wenn ja, ist der Ton dann höher, oder tiefer bei der betonten Silbe ? Weiss man das überhaupt ? Und wenn man es nicht weiss, wie betont man dann ?
Die Regeln, wann man eine lateinische Silbe betont sind mir mehr oder weniger bekannt, was mich interessiert ist einfach wie man denn nun eine lateinische Silbe betont.
Verzeih, Elaminator, aber diese Aussage ist für mich nicht ganz schlüssig. Ist es dir nun bekannt oder nicht?
Die lateinische „Betonung“ ist eine quantifizierende; sie unterscheidet also zwischen Längen und Kürzen, zwischen lang gesprochenen Silben und kurz gesprochenen Silben.
Ob damit unterschiedliche Tonhöhen einhergingen, darüber wird in den mir bekannten Lehrwerken nichts gesagt.
Weiss man das überhaupt?
Soweit ich weiß, weiß man nicht. Aber vielleicht weiß ich es bloß nicht.
Und da die Tonträger der Antike sich in einem jämmerlichen Zustand befinden und auch keine Abspielgeräte der Zeit mehr vorhanden sind, so ist es kaum möglich, etwas darüber herauszufinden.
Und wenn man es nicht weiss, wie betont man dann?
Die deutsche Metrik hat Länge und Kürze durch betonte, akzentierte Silbe bzw. unbetohnte Silbe ohne Akzent ersetzt.
Es bleibt nichts anderes übrig, als die langen Silben mit einem Akzent zu versehen und die kurzen ohne Akzent zu sprechen.
Die Prosodie muss man improvisieren; vielleicht unter Zuhilfenahme der Sprachmelodien heutiger romanischen Sprachen.
Hör Neapolitanern gut zu und nimm deren Sprachmelodien auf. Man könnte natürlich auch Venezianer nehmen oder Milanesen.
Ich habe mir grad ein paar meiner lateinischen Brocken laut vorgesagt und dabei bemerkt, dass ich ganz deutsch intoniere.
Gruß Fritz
Hallo Fritz
Ja, die Regeln sind mir bekannt. Ich kenne sie nicht alle auswendig, aber ich kann sie jeder Zeit nachschlagen. Deswegen sagte ich im vorherigen Post, dass ich es mehr oder weniger (auswendig) weiss. Das wird dich wohl ein wenig irritiert haben.
Soweit ich dich verstanden habe, werden die Silben durch eine lange Aussprache betont.
Wenn ich also zum Beispiel das Wort bzw. die Konjunktion „autem“ nehme und betonen will, dann müsste ich „aaaaaaaaaauuuuuuuutem“ sprechen, (weil bei zweisilibgen Wörtern immer die erste Silbe betont wird und die letzte Silbe wird ja nie betont), habe ich das soweit richtig verstanden ?
Gruß Boris
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Soweit ich dich verstanden habe, werden die Silben durch eine
lange Aussprache betont.
Nein, Boris,
umgekehrt wird ein Schuh daraus!
Lange Silben werden betont.
Beispiel:
„Váde rétro sátanas“
Bei Sentenzen im Versmass bestimmt allerdings das Versmass, welche Silben betont sind.
„Quámquam súnt sub aquá, sub aquá maledícere témptant!“
Grüße
Eckard
Zunächst einmal, lieber Boris, bitte ich dich, nicht den ganzen Artikel, auf den du antwortest zu zitieren!
Lösch das weg, das muss da nicht wiederholt werden. Steht doch alles im Artikel drüber.
Du ersparst den Lesern das lästige Nach-unten-Scrollen, um dann doch nur zwei Sätze zu finden.
Gehört zur Internetznettikette! 
Soweit ich dich verstanden habe, werden die Silben durch eine lange Aussprache betont.
So formuliert, ist Eckards Einwand berechtigt. Denn die Silben werden nicht willkürlich durch Längung betont, sondern die Länge IST die Betonung. Also muss man wissen, welche Silben lang sind, diese lang sprechen und damit hast du die lateinische Betonung.
Das ist für unsere heutigen Ohren nicht leicht zu hören. Unser Lateinlehrer in der Oberstufe , der dankenswerter Weise versuchte, in uns ein Gefühl für lateinische Poesie zu wecken, wobei er weithin scheiterte, mir aber viel Freude und Vergnügen bereitete, hat uns einmal vorgemacht, wie so ein lateinisches Poem und auch eine Rede Ciceros geklungen haben mag.
Ich fand das spannend; die meisten aber lachten.
Wenn ich also zum Beispiel das Wort bzw. die Konjunktion
„autem“ nehme und betonen will , dann müsste ich
„aaaaaaaaaauuuuuuuutem“ sprechen, (weil bei zweisilibgen
Wörtern immer die erste Silbe betont wird und die letzte Silbe
wird ja nie betont), habe ich das soweit richtig verstanden ?
Du kannst nicht willkürlich betonen, also nichts mit „betonen will“, sondern du musst, nicht „müsstest“, „aaaaaaaaaauuuuuuuutem“ sprechen!
Im Grunde meinst du es wohl richtig.
Und du hast es auch richtig verstanden.
Gruß Fritz
Hallo Fritz
Normalerweise zitiere ich immer die ganzen Texte, aber du hast schon Recht, wenn ich da nicht viel zu schreibe, dann nervt das bestimmt die ganze Zeit runterzuscrollen.
Ich bin jetzt noch verwirrter als zuvor. Wenn ich zum Beispiel nach dem Paenultimagesetz gehe, dann muss ich das „sem“ in semper betonen, wenn ich jetzt aber in meinem Lateinbuch bei den Vokabeln schaue, dann steht da einfach nur „semper“. Ich würde erwarten dort „sémper“ zu lesen. Jetzt frag ich mich natürlich, warum ist das so nicht ?
Im Paenultimagesetz steht auch nichts davon, dass man die letzte Silbe betonen muss, bei den Vokabeln gibt es aber Wörter, bei denen man die letzte Silbe betonen muss. Das steht aber im völligem Widerspruch zum Paenultimagesetz. Auch hier wieder die Frage, warum wird die letzte Silbe betont ?
Ich habe selbst ein wenig überlegt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass Vokalbetonung und Silbenbetonung zwei paar Schuhe sind, obwohl beide Betonungen eine quantitierende ist und der Vokal stehts den Ton trägt. Ich weiss natürlich nicht, ob das stimmt, anders kann ich mir das aber im Moment nicht erklären.
Gruß Boris
Hallo,
Ich wage es kaum, Fritz und den anderen zu widersprechen, aber die Betonung im Lateinischen zeichnet sich eben nicht durch die Längung aus. Diese Regel, dass die Längung betont wird, gibt es zwar, und sie zeigt wohl auch die Betonung an (ich weiß nicht, ob es Ausnahmen gibt, ich hab die exakten Regeln nicht im Kopf), jedoch ist Betonung und Längung nicht ein und dasselbe.
In „semper“ sind beide Vokale kurz, trotzdem wird das „sem“ betont. Warum das so ist, steht auch in den Regeln. Wohl weil die hintere Silbe „per“ nicht lang ist.
Wenn ich deine Frage richtig verstanden habe, frugst du, wie sich akustisch eine betonte von einer unbetonten Silbe unterscheidet. Im Deutschen wird die betonte Silbe etwas höher und lauter ausgesprochen.
Man munkelt (kann leider keine Quellen nennen), dass es im Lateinischen wohl durch die Tonhöhe ausgedrückt wurde.
Die Länge nimmt also Einfluss auf die Betonung, aber nicht andersherum.
Liebe Grüße,
- André