Braut Christi: Cyprian
schon richtig, daß 2. Kor. 11.2 die zweite Passage bei Paulus ist, in der er die Gemeinde in ihrer Beziehung zu Christus mit einer Frau analogisiert. Das ist hier eine parthenos (Jungfrau), in Eph. eine gyne oder gynaika (Frau, Ehefrau). Die parthenos ist übrigens nicht „keusch“ sondern „heilig“: αγνη heißt „verehrungswürdig, heilig“ (was dem mythologisch-kultischen „rein“ entspricht). Es ist typischerweise ein Attribut der Artemis.
Aber der generelle Begriff des Paulus für die Gemeinde ist „soma (Körper) Christi“ - im Unterschied zu sarx (Fleisch) Christi, womit etwas anderes gemeint ist.
Den Ausdruck νυμφη (nymphe) = Braut kommt als Audruck für die Ekklesia in den Briefen und den Evangelien nicht vor. Joh. 3-29ff bezieht sich nicht auf die Gemeinde, da diese in diesem Kontext (Johannes der Täufer) noch gar nicht existiert.
Und wie schon mehrfach erwähnt, ist das „neue Jerusalem“ der Apokalypse nicht die Ekklesia und es ist nicht möglich, sie mit der sporadischen paulinischen Ausdrucksweise zu assoziieren. Die Apokalypse ist eine dieser Literaturgattung entsprechende Endzeit vision, die sich nicht auf die historische (zeitgenössische) Realität der Gemeinde bezieht. Dementsprechend kommt das „neue Jerusalem“ nämlich auch „von oben“ bzw. „aus den Himmeln“ und steigt nicht etwa „nach oben“. Es heißt zwar in Off 21.3 „… und sie werden mein Volk sein“, aber das ist ein Zitat aus Ezechiel 37.27, das sich auf Israel bezieht…
Übrigens hab ich nachgeforscht: Der erste, der (nach Paulus Eph.) die Kirche als „Braut Christi“ bezeichnet ist:
Thascius Caecilius Cyprianus (200-258), Bischof von Karthago,
und zwar in seiner Schrift De unitate ecclesiae cap. 4 und 6. Cyprian ist übrigens der mit der Formel „extra ecclesiam nulla salus“ außerhalb der Kirche kein Heil.
Gruß
Metapher
