Hallo Leute,
da sich hier immer interessante und polarisierte
Diskussionen darum entspinnen, dass „die Deutschen“,
„das Tätervolk“ usw. 1939 den „Krieg angefangen“ haben
und ihnen jede Strafe „recht geschah“, möchte ich zu diesem
Thema einen Absatz aus Kershaw’s „Der Hitler-Mythos“ (dtv 30834)
zur Diskussion stellen: [Kap. 5, „Der Staatsmann Hitler“]
(Anmerkung: sopade --> Sozialdemokratische Partei D. im exil)
Dennoch war es keineswegs so, daß es keine Befürchtungen wegen
eines bevorstehenden neuen Konflikts gab, diese bildeten vielmehr
einen zentralen Bestandteil der Volksmeinung, wie praktisch alle
Berichte - die Inlandsberichte wie auch jene der Sopade - im Sommer
1939 ausdrücklich betonten. Die Mitteilungen des sich besonders
freimütig artikulierenden Landrats von Ebermannstadt in Oberfranken
veranschaulichen sehr gut die vorherrschende Stimmung. Ende Juni
1939 schrieb er: »Der Wille zum Frieden ist stärker als der zum Krieg.
Bei dem weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung besteht deshalb mit
einer Lösung der Danziger Frage nur dann Einverständnis, wenn dies in
der gleichen Weise schlagartig und unblutig vor sich geht, wie die
bisherigen Eingliederungen im Osten... Mit einer Begeisterung wie
sie 1914 war, könnte heute nicht gerechnet werden.«
Einige Monate später faßte dieser Landrat in wenigen Worten die
Gefühle von Millionen Deutschen angesichts der kritischen Ent-
wicklung der deutsch-polnischen Beziehungen zusammen: »Die Beantwortung
der Frage, wie das Problem \>Danzig und der Korridor
"... Zutrauen in Hitler nicht zuletzt davon abhinge, ob er einen Krieg
verhindern könne oder nicht". Das muss man sich auf der Zunge
zergehen lassen. Sommer 1939.
Euer CMБ