Hallo Stefan,
Ich weiß
nicht was
du tust aber erzähle mir doch bitte nicht, das jemand bei euch
mal munter alles umkrempeln kann der noch nicht mal die
Grundlagen
deines Jobs beherscht.
Nö, aber es bewerben sich auf eine Stelle so viele Leute dass irgendeine Auswahl getroffen werden muß. Als erstes fliegen die Bewerbungen raus, die schon äußerlich nicht ausreichend sind. Und die nächste Hürde ist dann aber ob das Anschreiben interessant ist, denn ich gehe davon aus dass die meisten Bewerber die erforderlichen Grundlagen haben um die Stelle potentiell ausfüllen zu können. Wir gehen mal davon aus dass sich ein Betriebswirt nicht auf eine Oberarzt-Stelle bewirbt.
Hier landen dann also nur noch die Bewerbungsmappen auf dem „Interessant“-Stapel, die aus irgendwelchen Gründen positiv auffallen…
Die Bewerbung hat soviele grundsätzliche Fehler, da hilft auch
das ganze Freche oder Kreative nichts.
Welche denn?
Allein folgender Satz
frisch* genug in diesem Metier für die berufliche Herausforderung
und reich genug an den erforderlichen Kompetenzen: Die Zeit ist
reif, mich dieses Jahr von meiner Arbeit in der xxx zu verabschieden
und mich meinen beruflichen Visionen zu widmen.
was sagt er dir. Du hast nur eine Seite Anschreiben und dann
einen
ganzen Absatz Gesülze. Welche Kompetenz hat sie denn nu?
Der Unterschied zu konserativen Anschreiben ist nur dass sie die wichtigsten Dinge gleich am Anfang argumentativ auftischt - und das halte ich für eine gute Idee.
Wenn du jetzt sagst „das, was sie schreibt, ist inhaltsleer“ frage ich mich, was denn in den sonst üblichen Schreiben Gehaltvolleres drinsteht? Da steht nichts anderes, es hat nur eine andere Position im Gesamttext. Kompetenz, Flexibilität, Herausforderung, Ziele/Visionen - das sind doch die üblichen, immer gleichen Schlagworte…
Wenn du kritisierst dass hier nicht ihre konkreten Berufserfahrungen genannt werden: das ist im Originaltext nur weg-ge-xxx-t. Auf welche Stelle sie sich bewirbt steht im Betreff. Sie könnte jetzt vielleicht nochmal hinschreiben „ich bin gelernte …“, aber das ergibt sich zum einen aus dem Lebenslauf und zum anderen gehe ich davon aus dass sich niemand als Arzt bewirbt, der es nicht ist.
Mir ist also nach wie vor nicht klar was hier deiner Meinung nach entscheidend fehlt oder falsch sein soll.
Ich sehe da keine Fehler, außer mögliche Detailverbesserungen.
Ich schon sie bewirbt sich halt nicht als Art-Director.
Also nochmal, gibt’ mir Fakten, was hier konkret falsch sein soll
1., 2., 3. … dann verstehe ich es vielleicht. So aber nicht. Du sagst immer nur dass es insgesamt schlecht wäre, benennst aber keine klaren Fakten.
Es mag sein dass dieses Schreiben nicht deinen Geschmack trifft. Meinen Geschmack treffen die langweiligen 08/15-Schreiben nicht. Nun sind wir beide nicht die Entscheider in diesem Fall - und was dem hier entscheidenden Vorgesetzten gefällt wissen wir nicht, so wie man es nie weiß und immer Gefahr läuft aus unerfindlichen Gründen genau richtig oder ganz daneben formuliert zu haben.
Deswegen ist diese Bewerbung aber keineswegs eine schlechte.
Die wirklichen Fehler in Bewerbungen sind Eselsohren,
Kaffeeflecken, offensichtliche Rechtschreibfehler, lückenhafte
Unterlagen - also die generelle Unfähigkeit vollständige
Unterlagen einzureichen, die den Standards entsprechen und
zeigen dass jemand, der Werbung für sich macht, ausreichend
Mühe aufwendet zumindest die üblichen Regeln zu beachten.
Das hat sich mittlerweile rumgesprochen und im Gegensatz zu
vor
10 Jahren bekomme ich solche Bewerbungen eigentlich nicht
mehr.
Tatsächlich nicht? Für „einfachere Jobs“ bewerben sich entsprechend einfache Menschen… Ohne sie menschlich abwerten zu wollen, aber deren Bewerbungsunterlagen merkt man einfach sofort an dass sie ihr Bestes gaben, aber oft überfordert waren. Und selbst hochwertig ausgebildete Menschen checken ihre Unterlagen oft nicht wirklich gut. Auch da finden sich immer wieder unentdeckte Schreibfehler, Kommas an unlogischen - und deswegen auffallend falschen - Stellen (wie sie mir auch passieren, aber in einer Bewerbung wäre das garantiert 5x kontrolliert worden und richtig!) oder falscher Satzbau.
Nebenbei bemerkt: Ein kleiner Flüchtigkeitsfehler (klein geschriebene Anrede „sie“ anstatt „Sie“ etc.) ist in meinen Augen kein Grund jemanden sofort rauszukicken. Sowas sollte in einer Bewerbung nicht, kann aber passieren. Menschen sind nicht perfekt und wenn „das große Ganze“ den Eindruck erweckt einen intelligenten, passenden Bewerber zu haben ist es aus Unternehmersicht albern sich an derartigen Kleinigkeiten aufzuhängen.
Dieses Anschreiben ist gerade deswegen gut weil es aus dem
Einheitsbrei heraussticht
Das erklär bitte mal dem kurz vor der Rente stehenden
Personaler.
Mir ist das deutlich zu wenig bezug auf die Ausschreibung. Ich
will sehen, dass genau diese Bewerbung nur für mich gemacht
wurde.
Ich verstehe was du meinst, kann mich aber mit dieser Art der abgehobenen Betriebsblindheit nicht anfreunden. Jeder Mensch weiß dass Bewerber sich nicht bei einer Firma bewerben, sondern im Zweifel den Markt insgesamt abgrasen und diverse Bewerbungen versenden. Wer mir also erzählt dass er schon immer nur hier in dieser Firma arbeiten wollte und dieses seit der Geburt sein Traum ist - nee, das ist dummes Zeug und solche unwahren Schleimereien will ich nicht vorgetragen bekommen.
Ich möchte sehen dass jemand Kompetenz und Motivation hat, dass er ins Unternehmen zu passen scheint, und setze ansonsten vorraus dass notwendige Bedingungen (Ausbildungen, Scheine etc.) vorhanden sind. Das sehe ich mir im Lebenslauf natürlich nochmal an, aber das war’s.
Ich finde es zum Teil ziemlich lächerlich wie abgehoben sich manche Unternehmen gebärden, so als ob dort keinem klar wäre dass hinter jeder Bewerbung normale Menschen mit normalen Schwächen stehen, so wie man selber und jeder, der eingestellt wurde, auch seine Schwächen hat. Wenn man sich in beliebigen Unternehmen umschaut findet man ÜBERALL normale Menschen und teilweise ausgemachte Deppen. Dann aber in Bewerbungen grotzkotzige Ansprüche zu haben… ist unnötige Arroganz.
Glaubst du dass nur ein einziger Bewerber, der mehr als eine Bewerbung losschickt, jedes Mal ein neues Anschreiben formuliert? Dann träum’ weiter! Man wird es immer ein bisschen anpassen damit es zur Stellenausschreibung paßt, aber ansonsten ist sowas immer „Copy & Paste“.
Auch wenn ich es zum millionsten mal schreibe.
Es geht
nicht
darum bei einer Bewerbung gut oder perfekt zu sein. Es geht
darum
unter den besten Drei zu sein und zum Vorstellunggespräch
eingeladen
zu werden. Sätze wie die Bewerbung ist gut helfen kaum, ist
sie
besser wie der Rest der Welt? Warum ist sie besser? Wie geht
es noch
besser?
Die Konkurrenz ist hart und die spielt nicht immer fair.
Aber wer beurteilt das? Und nach welchen Kriterien? Wenn auf dem Stapel 100 Bewerbungen liegen schaut man schnell drüber - und greift die heraus, die 1. optisch auffallen ohne negativ abzuschrecken und 2. diejenigen, die auffällig, aber dennoch passend schreiben.
„Die besten Drei“ sind nicht definierbar weil es allein davon abhängt was der Entscheider gut findet. Um seine Aufmerksamkeit zu wecken darf es aber nicht das komplett untergehende Standard-Gesülze sein, sondern es muß rüberkommen dass jemand zur Stelle passen könnte. Und bei einer Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen scheint es passend wenn jemand sich nicht ausdrückt wie im letzten Jahrhundert, sondern etwas spritziger drauf ist ohne Grundregeln zu verletzen.
Ich glaube allerdings dass wir’s ausdiskutiert haben weil deinen Stil trifft diese Bewerbung nicht, ich halte sie hingegen für gut weil sie positiv aus dem Einheitsbrei heraussticht, und so soll es sein wenn man sich absetzen will.
Gruß,
MecFleih